dpa und AP im Sinkflug: Jetzt soll abgemahnt werden

Die großen, klassischen Generalisten unter den Nachrichtenagenturen wie die deutsche dpa oder die US-amerikanische AP geraten nach einem Bericht des Portals Meedia immer stärker unter Druck. Zunehmend springen Zeitungen wie die „WAZ“ und die „HNA“ in Deutschland als Kunden ab, kleinere, günstigere Agenturen holen auf und dann ist da noch das Internet, das das ganze Geschäftsmodell der professionellen Nachrichten-Zwischenhändler in Frage stellt.

AP-Chef William Dean Singleton habe deshalb angekündigt, dass er Angebote, die illegal AP-Inhalte verbreiten, verklagen will. „Die große, alte AP (gegründet 1846) will das weltweite Netz künftig mit einer Software nach AP-Inhalten durchforsten, um Content-Diebe zu schnappen. Ähnliches wird bei der deutschen dpa bereits praktiziert. In der ‚Süddeutschen Zeitung‘ sagte dpa-Chefredakteur Wilm Herlyn jüngst, dass er keine Juristen brauche, um zu prüfen, ob jemand dpa-Inhalte klaue: „Das macht eine Maschine, der Attributor, der dpa-Inhalte automatisch erkennt“, berichtet Meedia.

Die schlaue Software werde den Agentur-Bossen aber wenig helfen. Das liege vor allen Dingen am Internet mit seiner Tendenz, Zwischenhändler überflüssig zu machen. „Und nichts Anderes sind Nachrichtenagenturen: Zwischenhändler für Informationen. Im Internet-Zeitalter aber stehen alle Informationen weltweit sofort zur Verfügung. Das, was früher ehrfürchtig als ‚Agentur-Geschwindigkeit‘ galt, ist heutzutage der Normalzustand“, so der Fachdienst. Das bestätigt WAZ-Chefredakteur Ulrich Reitz: „Wenn sie heute gucken, wie Nachrichtenredakteure an neudeutsch ‚Newsdesken‘, Nachrichtentischen, in Großräumen arbeiten und recherchieren, um diese Basisversorgung sicherzustellen. Die sind den ganzen Tag im Internet. Die haben vielfältige Quellen aus dem In- und Ausland, die sind in allen Medien ständig unterwegs und surfen sich durch. Auch da muss man einfach fairnesshalber sagen, auch in Richtung dpa, das Leben ist für Nachrichtenagenturen komplizierter und schwieriger geworden.“

Diverse Online-Dienste würden Anregungen für Geschichten lieferen. Sie liefern Meldungen, die man nur etwas umschreiben muss. Darunter natürlich auch Geschichten von dpa. Ob die Software das erkennt? Ulrich Reitz: „Und so, wie wir Informationen von dpa benutzen oder weiter daran arbeiten, so machen wir es aber auch mit anderen Informationsquellen, ohne für diese Informationsquellen zu bezahlen. Vielleicht ist das ein Stück weit die neue Welt. Die Zahl der Quellen hat sich ja auch dramatisch vermehrt. Wir haben aber inzwischen, auf die Initiative der Chefredakteure hin, haben wir uns verständigt, auf eine Regelung, die eben für die Zukunft ganz klar festlegt, wie wir das machen. Wir werden jede Information, die wir von dpa haben, als dpa-Information kenntlich machen.“

Da große Online-Angebote wie „Spiegel Online“ oder „Bild.de“ auch Agentur-Material verwenden, werden Agentur-Berichte zudem fast in Echtzeit an die Endverbraucher weitergereicht. „Damit wird das Agentur-Material für die gedruckten Tageszeitungen, die ja einen Tag später ‚dran‘ sind, weitgehend wertlos. Dies ist ein wesentlicher Grund für die aktuelle Sinnkrise des Mediums Tageszeitung, die mit der wirtschaftlichen Krise Hand in Hand geht“, so das Portal Meedia.

Und wenn die Nachrichtenagenturen kaum noch lokale Storys liefern, sinkt ihr Wert für Lokal- oder Regionalzeitungen weiter. Warum soll ich mir hier ein Bonn ein Blättchen kaufen, wenn beispielsweise der Wirtschaftsteil zu 90 Prozent aus Agenturmeldungen besteht, die ich am Vortag schon hoch und runter gelesen, gehört oder gesehen habe.

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