Mehdorn oder Machiavelli – Wer ist der bessere Machtstratege?

Man möge es mir verzeihen, aber bei den Schlagzeilen, die Bahn-Chef Mehdorn in steter Folge produziert, denke ich immer wieder an Zeiten, die mit der früheren TK-Firma o.tel.o und den Machtkämpfen um die Führungsspitze im RWE-Konzern zusammenhängen. Die damals aktiven Journalisten erinnern sich vielleicht auch noch an einen sehr aktiven Informanten, der so seine eigenen Ziele unter Einbeziehung der Medien verfolgte. Und wenn die Informationen stimmen, die aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Bahn kommen, dass nicht nur Bahn-Beschäftigte ausgespäht, sondern massenhaft E-Mails von Mitarbeitern auf Kontakte zu Journalisten und Bahn-Kritikern überprüft wurden, fällt es mir schwer, an Zufälle zu glauben.

Die Konzernrevision habe 2005 die elektronische Post sämtlicher Beschäftigten gerastert, hieß es nach der Sitzung des Kontrollgremiums. Überprüft wurde, ob die Mails an Bahn-Kritiker auch aus dem Bundestag oder an bestimmte Redaktionen gegangen sei. Ziel war diesen Darstellungen zufolge, Konzernkritiker kaltzustellen. Peng. Überraschung??? Mich überrascht das überhaupt nicht:

Vor einigen Jahren hatte das Nachrichtenmagazin Focus und auch NeueNachricht über ein internes Bahn-Strategiepapier der Unternehmensberatung McKinsey berichtet. Die Berater attestierten dem Monopolisten eine stetig schwindende Marktmacht, die durch weitergehende Privatisierungen nur noch verstärkt werde. Als Gegenmaßnahme wird ein „Regulierungsmanagement“, das den freien Wettbewerb möglichst blockieren soll, vorgeschlagen: Durch die „Beeinflussung von Entscheidungsträgern“ müsse eine weitere Verschiebung des Wettbewerbs erreicht werden. Hierbei gelte es zuerst, das Bundeskartellamt auszubremsen, das einer „bahnfreundlichen Ausrichtung der Regulierung“ im Wege stehe. Eine Möglichkeit wäre die Forderung nach einer europäischen Bahn-Regulierungsbehörde oder der Ausbau des DB-freundlichen Eisenbahn-Bundesamtes. Um dies möglichst reibungslos zu erreichen, müssten „Wettbewerbsbefürworter“ wie der damalige FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich „bearbeitet werden“. Parallel dazu müsse man politische Freunde, wie Verkehrsminister Bodewig, stützen, indem ihnen politische Erfolge beschert würden. Ein erfolgreiches Beispiel für derartiges Politik-Management zeige der Fall Werner Müller.

Nach der Aufdeckung des McKinsey-Papiers reagierten die verantwortlichen Entscheider recht widersprüchlich. Nach Aussagen der Deutschen Bahn handele es sich lediglich um ein „Akquisepapier“ der Berater in München, „mit dem die Consulter einen Auftrag bekommen wollten.“ Die Bahn habe nach der Durchsicht der Thesen jedoch sofort ablehnend reagiert, weshalb das nun im Kreuzfeuer stehende Papier „das Problem von McKinsey“ sei. Auch diese Taktik hat sich nicht geändert….

Bei McKinsey hingegen erfahre ich, das immerhin vierzigseitige Dokument sei weder eine Studie, noch eine Präsentation, sondern vielmehr eine Diskussionsvorlage, die zwar nicht „im Auftrag, wohl aber im Zuge der Arbeit für die Deutsche Bahn erstellt wurde“. Tatsächlich arbeiteten 70-80 Berater für die Deutsche Bahn AG, jedoch an einem Projekt zum Gleiswegeausbau. Der brisante Inhalt der „Diskussionsvorlage“, erklärt der McKinsey-Sprecher weiter, sei lediglich eine Risikorechnung von Folgen gewesen, die bei der Regulierung auftreten könnten. Denn, wer das Papier genau lese, müsse erkennen, daß sich bei McKinsey niemand gegen einen freien Wettbewerb stelle. Dieser Vorwurf passe nicht zum Profil der Berater und werde allein dadurch entkräftet, dass bereits im Anfangsteil des Papiers festgestellt werde, dass die Privatisierung nicht aufzuhalten sei. Das ist richtig. Genauso wurde allerdings ausgeführt, wie Unternehmen aus ehemaligen Monopolen – Strom, Telekom, Luftfahrt und Post – erfolgreich den Übergang in den freien Markt bis zu 10 Jahre verzögern konnten.

6 Gedanken zu “Mehdorn oder Machiavelli – Wer ist der bessere Machtstratege?

  1. Stimmt!! Endlich mal jemand, der all die Schweinereien im Laufe der Jahrzehnte rund um die Deutsche Bahn registriert hat! Und die ganze Mafia, die dahinter steckt und bis heute die Strippen zieht und Politiker manipuliert…
    Unsere Medien sind auf diesem Auge ja leider blind und attestieren den Herren Mehdorn und Müller immer noch „Erfolge“…
    Man kann nur hoffen, dass die Mehdorn-Diktatur endlich zusammenbricht! Für Kenner der Szene ist diese Entwicklung nur konsequent. Mehdorn wird eines Tages jener Herr sein, der die Bahn in Deutschland erst recht ruiniert hat!
    Mehr dazu in meinem Weblog scritti.wordpress.com

  2. Mehdorns Nachfolger wird Ex-Staatssekretär Alfred Tacke, die „Notbremse aus Niedersachsen“. Der weiß, wie man mit Politikern umzugehen hat.

  3. Ja, es ist zu hoffen, dass nach Mehdorn jemand kommt, der was von der Eisenbahn versteht, diese tatsächlich im Sinne der Kunden voranbringt und nicht wieder ein weiteres Mitglied der korrupten SPD-Bahn-Mafia…

Kommentar verfassen