Google-Killer oder: Wer Antworten will, braucht auch Fragen

Auch die NZZ hat sich mit dem vermeintlichen Google-Killer beschäftigt, der zur Zeit über Blogs kräftig ins Rampenlicht gerückt wird. „Derjenige, der da Google übertrumpfen und mittels künstlicher Intelligenz allem Unwissen den Garaus machen will, wurde als wissenschaftliches Wunderkind bekannt, hat sich an den besten Universitäten hervorgetan und hat als Programmierer eine technisch komplexe, kommerziell erfolgreiche Software geschaffen. Es ist der Ruhm des britischen Physikers Stephen Wolfram, der dieser Tage unzählige Online-Journalisten und Blogger dazu bringt, die Begriffe Google-Killer, neuartige Suchmaschine, künstliche Intelligenz wieder einmal in einem Satz zusammenzubringen“, so die NZZ. Ob Wolfram-Alpha halten kann, was Blogger vermuten, steht auf einem anderen Blatt. Der Suchmschinen-Genius selbst beschreibt die neue Suchmaschine als „computational knowledge system“, als Wissensberechnungsmaschine. „Ausserhalb von Wolfram Research, der Firma, die Mathematica und Alpha entwickelt, hat bis jetzt nur ein einziger Mensch – Nova Spivack – die neue Suchmaschine ausprobieren können“, schreibt die NZZ. Das ist doch ein kluger PR-Schachzug. Spivack ist so euphorisch, als sei eben gerade eine neue bewusstseinserweiternde Droge entdeckt worden: Wolfram Alpha sei nicht eine Suchmaschine, sondern eine Antwort-Maschine. Das ist aber keine Sensation. Denn auch KI-Forscher wie Professor Wolfgang Wahlster vom DFKI oder das Fraunhofer Institut drehen an dieser Schraube. Darüber habe ich schon mehrfach berichtet. Und auch die Semantic Web-Experten von Google verweilen nicht im Tiefschlaf. Mit Mike Cohen, seinen früheren Nuance-Mitarbeitern, Franz Och und vielen anderen Spezialisten hat Google einige gute Leute an Bord.

Schon jetzt sei Google gar nicht so schlecht, meint die NZZ. Auch diese Suchmaschine kann schwierige Fragen mit wenigen Ziffern beantworten. Füttert man Google beispielsweise mit der Frage aller Fragen, der allerletzten Frage, und schreibt: ‚The answer to life, the universe and everything‘, erhält man als Antwort: ’42‘. Wie man beim englischen Science-Fiction-Autor Douglas Adams nachlesen kann, ist diese Antwort korrekt, dies sei tatsächlich die allerletzte Antwort“. Allerdings gerate in Vergessenheit, welches die dazu passende allerletzte Frage war. So werde man dann halt vielleicht Wolframs Answer Machine eine Frage-Maschine zur Seite stellen müssen, orakelt die NZZ und hat nicht ganz Unrecht. Siehe auch meinen Blog-Beitrag vor ein paar Tagen.

2 Gedanken zu “Google-Killer oder: Wer Antworten will, braucht auch Fragen

  1. Interessant dazu auch Technology Review: http://www.heise.de/tr/Wolframs-Weisser-Elefant–/blog/artikel/134315
    „Die Frage, die mich am meisten beschäftigt, ist jedoch eine andere: Wie wichtig ist Faktenwissen in unserer Zeit? „333 – bei Issos Keilerei“, diese Eselsbrücken unserer Großeltern stammen aus einer Zeit, in der Schulbildung wesentlich mit Faktenwissen identifiziert wurde. Das half schon 1929 kaum, um die damals ausbrechende Weltwirtschaftskrise zu verstehen. Jetzt fragen wir uns wieder: Wie funktioniert der Kapitalismus? Wie kam es zur Krise? Was ist Geld? Wie reguliert man Märkte? Fragen, auf die uns Wolfram|Alpha kaum erhellende Antworten geben wird. Ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen, aber im Moment beschleicht mich der Gedanke, dass die Antwortmaschine die Lösung eines Problems ist, das im Denken der Vergangenheit entstand. Ich bezweifle, dass sie einen neuen Weg für den Umgang mit Wissen im 21. Jahrhundert weisen wird“, schreibt Niels Boeing. Ein berechtigter Einwand, den wir hier weiter diskutieren sollten.

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