Empfehlung für Manager: „Drücke dich schlicht aus“, dann läuft die Wirtschaft besser

Nach Erfahrungen des Managementexperten und FAZ-Autors Erhard Glogowski verarmt die deutsche Muttersprache durch gedankenlose Verwendung von Anglizismen, fehlerhafte Grammatik und Unkenntnis des reichen Wortschatzes. „Dabei ist es nicht kompliziert, die Sprachkultur zu verbessern. Zur Kunst des geschmeidigen Redens haben die Meister der deutschen Sprache prägnante Regeln formuliert“, weiß Glogowski. Die Sprachverwilderung habe sich besonders in der Unternehmenswelt ausgebreitet. Wenn Manager im Ausland unterwegs seien auf der Suche nach neuen Märkten, handele es sich nicht um eine Erkundungsreise, sondern um eine „fact finding mission“. An den Börsen werde „getradet“ statt wie einst gehandelt. Unternehmensbilanzen wurden früher von Analysten durchleuchtet, jetzt werden sie „gescreent“.

„Die Reden und Kommentare von Wirtschaftsführern, Geschäftsberichte und Pressemitteilungen stehen allzu häufig mit der deutschen Sprache auf Kriegsfuß. Die Folge ist, dass man wirtschaftliche Zusammenhänge der Öffentlichkeit schon deshalb nicht erklären kann, weil es an der Sprachkompetenz mangelt, das heißt, an der Fähigkeit, Sachverhalte unterschiedlichen Schwierigkeitsgrades in schlichten Worten auszudrücken“, so Glogowski. Seine Empfehlung lautet daher: „Drücke dich schlicht aus!“ Die Kunst der Rede bestehe seit der Antike darin, seine Zuhörer durch einfache Worte zu fesseln. So beruhte Luthers Wortgewalt auf der Einfachheit des Ausdrucks. „Alle Prediger sollen sich gewöhnen, dass sie schlicht und einfältig predigen, und sollen bei sich bedenken, dass sie jungen, unverständigen Leuten predigen. Einfältig zu predigen ist eine große Kunst. Man muss nicht predigen und tapfer mit großen Worten prächtig und kunstreich herfahren, dass man sehe, wie man gelehrt sei.“

Knapper bringt es Schopenhauer auf den Punkt: „Man brauche gewöhnliche Worte und sage ungewöhnliche Dinge.“ Man solle den Hörer zügig, aber nicht abrupt mit den Kernaussagen vertraut machen, rät Schopenhauer. „Demgemäss vermeide man Weitschweifigkeit und alles Einflechten unbedeutender, der Mühe des Lesens nicht lohnender Bemerkungen“. Man müsse sparsam mit der Zeit, Anstrengung und Geduld des Menschen umgehen. Dadurch werde man bei ihm sich den Kredit erhalten; immer noch besser, etwas Gutes wegzulassen, als etwas Nichtssagendes hinzusetzen. Für geschmeidiges Reden gibt es kein Patentrezept, aber eine von den Meistern der deutschen Sprache empfohlene Grundregel: Lasse Dich nicht gehen und feile am Stil. Dazu nehme man wiederum Nietzsche als Vorbild: „Den Stil verbessern – das heißt den Gedanken verbessern und gar nichts weiter!“

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