Der Messias und die „Chicago Machine“: Obama offenbare Dich!

Die Literarische Welt hat am Samstag einen interessanten Beitrag des Schriftstellers Leon de Winter veröffentlicht, der sich kritisch mit dem neuen US-Präsidenten Barack Obama auseinandersetzt. Hier tauchen einige Fakten auf, die den Erlöser und Messias sehr bald wieder zu einem stinknormalen Machtpolitiker wandeln werden:

Obamas Laufbahn als Politiker begann in Chicago. „Dass diese bemerkenswerte Vorgeschichte nicht zum Hindernis für seinen Triumph wurde, ist vielleicht die brillanteste Leistung seiner Wahlkampagne. Wer in Chicago Politik machen will, kann nicht ohne Rücksicht auf die spezifischen politischen Gegebenheiten in Illinois operieren. In Chicago kommt man als Politiker unmöglich sauber und unversehrt an die Spitze“, schreibt de Winter.

Illinois sei ein notorisch korrupter Staat, und die Demokratische Partei dort ist seit vielen Jahrzehnten in den Händen mächtiger Männer und deren Familien. „Die unerbittlichen Herrscher in diesem Staat sind Richard Daley, Bürgermeister von Chicago, und Emil Jones jr., Senatspräsident von Illinois. Sie kontrollieren die Geldströme und die Vergabe öffentlicher Ämter. Und sie bestimmen, welcher junge Politiker Raum zum Wachsen bekommt und aus ihrem Futtertrog fressen darf. Obama ist ihr Produkt. Vor allem der einflussreiche Emil Jones jr. nahm Obama unter seine Fittiche und gab ihm die Gelegenheit, Erfahrungen zu sammeln. Wenn einer weiß, wie schmutzig das politische Spiel manchmal gespielt werden muss, dann ist es Barack Obama, der in Chicago am eigenen Leib erfahren hat, dass politische Karrieren untrennbar mit den Belangen von Einzelnen und Interessengruppen verknüpft sind“, so de Winter.

In Chicago verkehrte Obama nicht nur mit den Oberen eines korrupten politischen Systems, sondern bewegte sich auch in den Kreisen des Exterroristen William Ayers, Sohn eines wohlhabenden Chicagoer Geschäftsmanns. Ayers sei einer der Stars in der Welt des „radical chic“ in Illinois, einer Kultur, der zum einen radikale Millionäre und zum anderen Salonrevolutionäre der Universität von Illinois anhängen. In Chicago leben radikale Geistliche wie Wright, Politiker wie Daley und Jones und Geschäftsleute wie Tony Rezko (Obamas Freund und Nachbar, der jetzt wegen Verdachts auf Betrug und Korruption in Untersuchungshaft sitzt) in fruchtbarer Koexistenz. Rod Blagojevich, der Gouverneur von Illionis, sorge im Moment für großes mediales Aufsehen, aber das, was ihm vorgeworfen wird, Korruption, ist für einen in Illinois groß gewordenen Politiker völlig natürlich.

„Blagojevich, ein gnadenloser, rüder Haudrauf, für den sich Obama in der Vergangenheit mehrmals eingesetzt hat, war lediglich so dumm, sich abhören zu lassen – was er getan hat, weicht jedoch nicht von dem ab, was jeder normale Chicagoer Politiker tut, der einen wichtigen politischen Posten zu vergeben hat. So läuft das nun mal in der ‚Chicago Machine‘, dem mächtigen politischen Apparat der Demokraten in Illinois“, meint de Winter.

Obamas Lebenslauf weise unschöne Lücken auf: Er halte die Arbeiten, die er während seines Studiums an der Harvard und der Columbia University geschrieben hat, sorgsam unter Verschluss, weil er offenbar fürchtet, sie könnten ihm bei dem Versuch, seine linksradikalen Jahre zu verschleiern, hinderlich sein. Auch sei offensichtlich, dass er im Hinblick auf seine Beziehungen zu dem radikalen schwarzen Pastor Jeremiah Wright gelogen hat, den er zwar jetzt verurteilt, dessen giftige Rhetorik er sich aber zwanzig Jahre lang angehört hat (Wright hat ihn getraut und seine Kinder getauft). „Obama hat intensiv mit William Ayers zusammengearbeitet, der nie einen Hehl aus seinen extremistischen pädagogischen Ansichten (Kinder sollten zu jungen Revolutionären erzogen werden) gemacht hat. Und Obama schweigt sich über seine Freundschaft zu dem palästinensischen Aktivisten Rashid Khalidi aus, der an der Columbia University Nachfolger und Erbe von Edward Said geworden ist (die Los Angeles Times ist im Besitz eines Videos von einem Fest zu Ehren Khalidis, bei dem Obama Ehrengast war – die Zeitung weigert sich, das Video zu veröffentlichen, und Obama hält sich bedeckt)“, weiß de Winter.

Zum zweiten Mal in seinem Leben muss Obama Führung übernehmen. Beim ersten Mal hatte er in Chicago mit William Ayers zusammen (der große Stücke vom Kuchen bekam) einen 150 Millionen Dollar starken Fonds zu verwalten, mit dem das Bildungssystem in Chicago verbessert werden sollte. Es wurde ein glatter Misserfolg. Jetzt macht sich Obama auf, die Welt zu regieren.

Kampagnenchef Axelrod habe aus Obama einen integeren, sanftmütigen und knitterfreien Propheten gemacht – eine Illusion. Die für viele inakzeptable Wahrheit sei, dass sich unter dieser kunstvollen Maske ein knallharter Opportunist verbirgt, der sich bedachtsam und unter Ausnutzung aller Mittel an die Spitze gekämpft hat. „Faszinierend ist, dass die Welt den knallharten Opportunisten dringender benötigt als den sanften Propheten – die Maske wird in den kommenden Monaten unweigerlich Risse bekommen und den wahren Obama zutage treten lassen. Das werden interessante Zeiten“, resümiert Obama. Wir werden sehen, wie gut er als politischer Stratege operiert.

Ein Gedanke zu “Der Messias und die „Chicago Machine“: Obama offenbare Dich!

  1. An dieser Stelle muss Obama für Transparenz sorgen, sonst könnte ihm das um die Ohren fliegen, wenn die Recherchen von Leon de Winter belastbar sind. Sonst wird das zu einem Mühlstein für seine Aufbruch-Kampagne. Obamas-Antrittsrede hat mir jedenfalls gefallen, das habe ich an anderer Stelle geschrieben.

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