Nachtrag zu Konjunkturprognosen: Günter Ogger, Autor des Buches „Nieten in Nadelstreifen“ empfiehlt einen Dummschwätzer-Boykott

Als Reaktion auf meinen Blog-Beitrag zu den Forderungen von DIW-Chef Zimmermann schickte mir Bestseller-Autor Günter Ogger http://www.guenterogger.de folgende Mail:

Versuchen Sie es doch mal mit einer Initiative „Dummschwätzer-Boykott“:
Wenn man die Chefredakteure der sog. Leitmedien dazu verpflichtete, ab sofort die Nonsens-Verlautbarungen der Ökonomen und Analysten zu ignorieren, würde das zur Medienhygiene beitragen. Volkswirtschaft
ist nun mal keine Wissenschaft, sondern Religionsersatz. Wenn schon
Gesundbeterei erwünscht ist, dann sollte sie als solche deklariert werden und nicht im Gewand preusdowissenschaftlichen Geschwätzes daherkommen.
Freundliche Grüße,
Günter Ogger

Das sollten wir beherzigen. Weiterführend sind auch die Xing-Beiträge unter: https://www.xing.com/app/forum?op=showarticles;id=16477028;articleid=16478516#16478516 

So schreibt Knut Eric Wingsch:
Die Experten, Politiker und Manager haben ihre Kopfnuss kassiert. Um alle Klischees zu bedienen bitte ich um Hinzufügung der Banker ;-))

Das die Experten, die über Experten, Politiker, Manager und Banker richten, sich selbst zu Experten stilisieren wird auffallend häufig nicht berücksichtigt oder nur dann, wenn es in die eigene Story passt. Komischerweise werden die Berufsgruppen nie gelobt, wenn alles bestens läuft und die Vorhersagen im positiven Sinne zutreffend sind – ist doch irgendwie eigenartig oder?

Und Michael R. RUOFF meint:

Glaube keinem Experten, er redet nur pro Auftraggeber.
Glaube keiner Prognose, sie sind alle zweckorientiert.
Glaube keiner Statistik und daraus abgeleiteten Analysen. Denn auch Statistiken sind oft gefälscht durch Weglassen und Ausgrenzen. Wer es noch nicht kennt, dem rate ich zur Lektüre: Walter Krämer, So lügt man mit Statistik.
Praktische Beispiele findet man jeden Tag in der FAZ, beim ZDF, im Spiegel und in den Regierungspublikationen. Vor allem in den Schaubildern. Beispiel: Ölpreisentwicklung in Dollar, Benzinpreiskurve in der gleichen Grafik in Euro. Sah dann so aus, als ob der Benzinpreis kaum sinkt.
„Get your facts first, and then you can distort them as you please“ (Mark Twain, 1835-1910)

Die Debatte wird uns wohl längere Zeit beschäftigen, Gruß GS

Ein Gedanke zu “Nachtrag zu Konjunkturprognosen: Günter Ogger, Autor des Buches „Nieten in Nadelstreifen“ empfiehlt einen Dummschwätzer-Boykott

  1. Treffendes möchte ich noch nachreichen von einem Zeitungskommentator:

    Einige wenige Wirtschaftsforscher halten die deutsche Wirtschaft für robust genug, dass sie auch diese Krise meistert, und warnen davor, aus Angst vor dem Tode Selbstmord zu begehen. Freilich sind sie in der Minderheit. Die Schlagzeilen und damit das öffentliche Klima wird dagegen von den Horrorszenarien beherrscht. Je katastrophaler die Prognosen, desto beliebter sind ihre Verkünder.

    Selbst professionelle Prognostiker haben längst die größten Zweifel an ihren eigenen Prognosen. In nur wenigen Monaten mussten sie sich komplett dementieren. Der Selbstzweifel und die Fehlerquote sitzen so tief, dass der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Lutz Zimmermann, bereits vorschlug, überhaupt auf Prognosen zu verzichten. Das ist nicht unlogisch, denn Unternehmen wie Verbraucher orientieren sich gern an den düsteren Voraussagen und verstärken damit ungewollt die Krise.

    Aber der Vorschlag ist natürlich unrealistisch. Die vielen Sachverständigen und selbsternannten Experten können das Wasser einfach nicht halten. Vor Kamera und Mikrofon ihre Unkenntnis einzugestehen wagen sie nicht, lieber geben sie wolkige Düsternis zum Besten.

    Vor gut 100 Jahren gab man dem Automobil gegenüber dem Pferd nicht die geringsten Chancen, vor einem halben Jahrhundert glaubte man an das Ende des Computers, vor Jahrzehnten wurde das Waldsterben eingeläutet, vor Monaten sah man den Ölpreis bei 200 Dollar, und heute verkünden Forscher, sie wüssten alles über das Klima im Jahre 2050. Wissenschaftler errechneten, dass sich etwa 8 von 10 Prognosen als falsch erweisen. Es gilt also, , sich eine gesunde Skepsis gegenüber allen Voraussagen zu wahren. Das schließt nicht aus, dass sich Unternehmen wie Verbraucher auf schwierige und riskante Zeiten einstellen und entsprechend vorsorgen.“
    Paul Spree in der Südthüringer Zeitung“ vom 19.12.2008

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