Erschüttertes Vertrauen: Keine guten Noten für Staatsmedizin in Deutschland

Die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland hat sich in den letzten Jahren nach Ansicht der Mehrheit der deutschen Ärzte verschlechtert. 57 Prozent der niedergelassenen Ärzte und Krankenhausärzte, die das Institut für Demoskopie Allensbach http://www.ifd-allensbach.de für den Gesundheitsreport 2008 des Finanzdienstleisters MLP http://www.mlp.de befragt hat, sind überzeugt, dass die medizinische Versorgung in den letzten zwei bis drei Jahren schlechter geworden ist. Trotz dieser negativen Bilanz wird das aktuelle Niveau der Gesundheitsversorgung von den Ärzten allerdings weiterhin überwiegend positiv beurteilt, 80 Prozent der Ärzte sind überzeugt, dass die Gesundheitsversorgung in Deutschland weiterhin „gut“ oder gar „sehr gut“ ist. Dass dieses Niveau auch in Zukunft gehalten werden kann, glauben aber nur die wenigsten. 84 Prozent der Ärzte sind überzeugt davon, dass es in Zukunft schwieriger wird, bei der Behandlung von Patienten alle medizinisch notwendigen Leistungen zu verordnen, fast gleich viele (81 Prozent) erwarten, dass eine Gesundheitsversorgung auf dem heutigen Niveau in zehn Jahren nicht mehr für alle gewährleistet sein wird. Ähnlich groß sind die Befürchtungen, dass einem als Arzt in Zukunft immer weniger Zeit bleibt, sich gut um seine Patienten zu kümmern. 71 Prozent der Ärzte äußern solche Befürchtungen. Schon heute klagen viele (46 Prozent) über mangelnde Zeit für die Patienten. Bei den Krankenhausärzten (56 Prozent) ist das sogar für mehr als jeden Zweiten (56 Prozent) ein akutes Problem.

Dieses unbefriedigende Gefühl und die Befürchtung einer weiteren Verschlechterung gehen einher mit der Sorge, dass in Zukunft nicht mehr genügend Ärzte zur Verfügung stehen werden, dass es demnächst zu Versorgungsengpässen kommen wird. Denn die jetzt schon schwierigen und fortschreitend schwieriger werdenden Bedingungen der Berufsausübung werden sicherlich dafür sorgen, dass der Arztberuf immer unattraktiver wird. Eine Mehrheit von 53 Prozent der Ärzte erwartet das. Nur jeder dritte würde einem jungen Mediziner in Ausbildung anraten, sich als Arzt niederzulassen. Für die Mehrheit der Ärzte scheint ein Ärztemangel und Pflegenotstand unausweichlich zu sein. In Westdeutschland rechnen 59 Prozent, in Ostdeutschland 94 Prozent aller Ärzte in ihrer Region damit. Vor allem Ärzte aus ländlichen Gebieten und mittelgroßen Städten befürchten, dass es bei ihnen vor Ort schon bald zu wenig Ärzte geben wird. Rund drei Viertel aller Ärzte rechnen zudem mit einem zunehmenden Mangel an ausgebildeten Fachkräften im Pflegebereich. „Die Ergebnisse zeigen jedes Jahr deutlicher, wie stark die Bürger das Vertrauen in das Gesundheitssystem verlieren“, sagte MLP-Vorstandchef Uwe Schroeder-Wildberg, bei der Vorstellung der Studie in Berlin. Das untermauere den nach wie vor hohen Reformbedarf.

Nach Ansicht von Professor Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer, sprechen die Ergebnisse des Gesundheitsreports eine deutliche Sprache: „Das Vertrauen in die Zukunftsfähigkeit der Gesundheitspolitik ist nachhaltig erschüttert. Die Menschen spüren, dass die finanziellen und personellen Ressourcen nicht mehr ausreichen, um das derzeit noch hohe Niveau der Versorgung aufrechtzuerhalten. Der staatsmedizinische Ansatz ist vollständig diskreditiert. Wenn wir den medizinischen Fortschritt auch in einer Gesellschaft des langen Lebens erhalten wollen, brauchen wir eine nachhaltige Gesundheitspolitik, die im Gesundheitswesen nicht nur einen Kostenfaktor sieht“.

Der Kölner Ernährungsexperten Ulrich Overdiek hält es für falsch, in Fragen der Gesundheit nur den Staat ins Visier zu nehmen: „Die demografische Entwicklung wird dazu beitragen, dass das Thema Gesundheit aus einem ganz anderen Blickwinkel als heute betrachtet werden muss: es wird immer mehr pflege- und versorgungsbedürftige Menschen geben. Sie stehen einer immer kleiner werdenden Gruppe von jüngeren Menschen gegenüber, die das System finanziell trägt. Zukünftig wird es deshalb unerlässlich sein, dass die Bevölkerung in Deutschland deutlich mehr eigene Verantwortung für ihre Gesundheit übernimmt“, fordert Overdiek, Geschäftsführer von vivamangiare http://www.vivamangiare.de. Inzwischen seien 67 Prozent der Menschen übergewichtig oder stark übergewichtig. „Die Spätfolgen von Übergewicht belasten dann das Gesundheitssystem in Form von Diabetes, Erkrankungen des Bewegungsapparates und des Immunsystems“, weiß Overdiek. Die unzähligen Diäten, die es mittlerweile auf dem Markt gibt, würden nur wenig helfen. Eine ausgewogene Ernährung verspreche deutlich mehr Erfolg.  

 


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