„Klopfen und Warten“: Dienstleistungsökonomie braucht bessere Konzepte

Industriekapitäne, Verbandsfunktionäre und Politiker misstrauen immer noch dem Trend zur Dienstleistungsgesellschaft. Ihr Standardargument: „Vom Haare schneiden alleine kann eine Volkswirtschaft nicht leben“. Nach Ansicht von Michael Müller, Experte für Dienstleistungsökonomie, belege die populäre Kalenderweisheit nur die Kurzsichtigkeit wichtiger Meinungsführer in Deutschland. „Diese Industrielogik erinnert ein wenig an eine Bemerkung von Adam Smith in seinem 1776 veröffentlichten Werk ‚The Wealth of Nations’: ‚Die Arbeit einiger der respektabelsten Berufsgruppen – Kirchenmänner, Anwälte, Ärzte – ist unproduktiv und ohne Wert.’ Das waren die alten Zeiten der Dampfmaschine. Ein Blick in die Statistik belegt, dass der Konsum von Dienstleistungen in Deutschland inzwischen rund 69 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausmacht. Die Wertschöpfungsketten in unserem Land werden schon lange nicht mehr von der industriellen Produktion getaktet“, so Müller.Es komme darauf an, wie man Dienstleistungen definiere. „Wir betrachten die Warenwelt immer noch zu produktzentriert aus dem Blickwinkel der Massenfertigung. Das reicht nicht mehr aus. Die Produktion und der Absatz der Güter muss durch intelligente Service-Konzepte angereichert werden“, so Müller. Der Trendforscher Matthias Horx sieht das ähnlich: „Der Konsum als reiner Kaufakt wird problematisch. Früher spielte sich das in sogenannten Savannenmärkten ab. Das Ganze war geprägt von Herdenverhalten und nicht sehr artenreich. Das Kundenverhalten war berechenbar. Heute sind wir in Dschungelmärkten gelandet mit Artenvielfalt, instabilen Gleichgewichten mit Nischenmärken und Spezialisierung“, sagte Horx beim 10. Zukunftskongress seines Zukunftsinstituts in Kronberg bei Frankfurt am Main. Die Zeiten, in denen Produkte auf den Markt geworfen wurden und eine Produktlinienerweiterung der nächsten folgte, seien definitiv vorbei. „In Zukunft geht es immer weniger um das Verkaufen von Produkten, sondern um die auf den Einzelnen ausgesteuerte Unterstützung bei komplexen Alltagsproblemen“, führte Birgit Mager, Professorin für Service Design an der Fachhochschule Köln, in Kronberg aus. Die amerikanische Soziologin Shoshana Zuboff beschreibe diese Entwicklung treffend als „Support-Ökonomie“. „Diese Tendenz lässt sich mittlerweile auch an den privaten Konsumausgaben ablesen. Seit 2003 geben die Deutschen zum ersten Mal mehr Geld für Dienstleistungen als für Produkte aus. Wir abschieden uns vom Produkt-Paradigma und schwenken ein in eine Epoche, in der immaterielle Dienstleistungen die Märkte antreiben werden. Allerdings müssen Dienstleistungen in Zukunft mit der gleichen Akribie konzipiert und ‚gebaut’ werden wie die technologischen Innovationen des industriellen Zeitalter“, forderte Mager.

Die Dienstleistungsökonomie könne nur mit mehr Forschung und Entwicklung vorangebracht werden. „Deutsche Unternehmen der verarbeitenden Industrie investieren pro Jahr und Mitarbeiter im Schnitt rund 3.215 Euro in Forschung und Entwicklung. Dienstleister dagegen bringen es im Vergleich dazu gerade mal auf 67 Euro“, monierte die Professorin. Wo ungenügendes Service Design hinführen könne, machte Mager an einem Erlebnis im Kölner Gesundheitsamt deutlich: „Auch die Behörden wollen sich zu bürgerfreundlichen Dienstleistern entwickeln. Das hört aber bei den Öffnungszeiten schon auf, wenn man Montags bis Donnerstags von 8,30 bis 12,30 Uhr zur amtsärztlichen Untersuchung gehen kann und am Freitag sogar nur von 8,30 bis 11,45 Uhr. Kommt man dann zur Untersuchung wird man von einem wenig freundlichen Hinweisschild begrüßt mit ‚Klopfen und Warten’. Folgt man dem behördlichen Ersuchen, öffnet sich nach längerer Zeit die Tür und man erhält wortlos einen Becher ausgehändigt. Den Rest muss man sich halt denken und den Inhalt des Bechers mit der obligatorischen Urinprobe füllen. Dieser Fall ist kein Einzelbeispiel. Zukunftsträchtige Services sehen anders aus“. Das Service-Design müsse einem Drehbuch folgen aus Sicht des Kunden. Wenn allerdings Führungskräfte im öffentlichen Dienst oder der Wirtschaft 70 Prozent ihrer Arbeitszeit mit dem Rücken zum Kunden verbrächten, sei kein Wunder, dass bei Dienstleistungen häufig der Erlebnischarakter fehle.


„Company Hopping“ immer beliebter

„Gekommen, um zu bleiben“ – so lautet ein Hit der Popgruppe „Wir sind Helden“. Zur Umschreibung der Arbeit eines Interim Managers eignet sich diese Zeile nicht. Hier müsste es eher heißen: „Gekommen, um zu gehen“. Das Mandat eines klassischen Interim Managers dauert nämlich in der Regel nicht länger als 18 Monate. „Gestern noch galt Management auf Zeit als klassischer Vorruhestandsjob für ergraute Chefs, die nicht loslassen können. Heute drängen auch Jüngere in den Markt und machen das ‚Company Hopping’ vom Examen weg zu ihrem Beruf. Die Grenzen zwischen Interim Management, Zeitarbeit und Unternehmensberatung verschwimmen“, so Markt&Technik http://www.elektroniknet.de.Der Vorsitzende des Arbeitskreises Interim Management Provider (AIMP) http://www.aimp.de wolle daher die Geschäftsfelder für Interim Manager auf die benachbarten Branchen Unternehmens- und Personalberatung sowie Zeitarbeit ausweiten. „Es wird Zeit, dass unsere Branche ihr Image als elitärer Altherrenclub abstreift und sich auf ein neues strategisches Spielbrett begibt“, meint Anselm Görres, Chef der ZMM Zeitmanagement München GmbH http://www.zmm.de und Vorsitzender des AIMP. Interim Manager, so Management&Finanzen, forderten für ihre Arbeit in einer Linienposition zwar in etwa dieselben Tageshonorare wie Consultants, trügen aber dafür – andere als Berater – die volle Ergebnisverantwortung.

„Meist geht es darum, für einen erkrankten Top-Manager einzuspringen, das Tagesgeschäft zu führen, bis ein neuer Vorstandschef gefunden ist, oder eine Niederlassung im Ausland aufzubauen“, umschreibt Constantin Gillies in der Financial Times Deutschland (FTD) http://www.ftd.de die Tätigkeiten eines Interim Managers. Dafür kassieren sie dann Tagessätze zwischen 600 und 2.500 Euro für hohe Managementpositionen. Die Vermittler finanzieren sich über eine Gebühr, die zwischen 20 und 30 Prozent des Tagessatzes liegt.

Kleine und mittelständische Unternehmen sollten nach Meinung von Marc Emde, Geschäftsführer der Kirch Personalberatung in Köln http://www.kirchconsult.de, noch offensiver mit dem Thema umgehen. „Im Mittelstand ist die Personaldecke oft enger als in den Konzernen. Es kommt dann schon einmal vor, dass bestimmte Projekte nur deshalb herausgeschoben werden, weil man zurzeit nicht den passenden Mann an Bord hat“, so Emde. Nach Ansicht des Chefs von Kirchconsult sollten Firmen diejenigen Manager auf Zeit wählen, die schon ein paar gute Referenzprojekte vorweisen könnten. „Branchenkenntnisse und Führungserfahrung allein reichen nicht aus. Von einem geeigneten Kandidaten muss man mehr erwarten. Zum Beispiel, dass er sich innerhalb kürzester Zeit in einem Mitarbeiter-Umfeld zurechtfindet, dass ihm zuvor völlig unbekannt war. Allerdings ist dies auch ein Vorteil: Wer emotional unbelastet in eine Managerposition geht, kann manchmal besser harte, aber unumgängliche Entscheidungen zum Wohle des Unternehmens treffen, in dem er als ‚Feuerlöscher’ unterwegs ist“, resümiert Emde. 

Vereinigte Staaten von Europa nicht zu den Akten legen

Frieden, Freiheit und Wohlstand sind in Europa zur Normalität geworden – zumindest für einen Großteil der Menschen. An Reisen ohne lästige Grenzkontrollen, an eine gemeinsame Währung und an eine europäische Küche hat man sich gewöhnt. Für viele Bürger ist der Kontinent ein wenig uninteressant, ja unsexy geworden. Klar, die Brüsseler Bürokratie löst regelmäßig Reflexe der Empörung aus. Doch wie könnte eine Vision der „Vereinigten Staaten von Europa“ aussehen? Dieser Frage spüren die jungen Herausgeber Florian Melcher, Fabian Magerl, Katrin Rauer, Micha Kreitz und Fabian Schalt nach. Und sie haben für ihr ziegelsteingroßes Buch eine Reihe namhafter Autoren gewonnen wie Otto von Habsburg, Richard von Weizsäcker, Mario Ohoven, Ronald Pofalla, Armin Laschet und Elmar Brok. Das Vorwort hat Javier Solana beigesteuert.In dem fast 800 Seiten starken Sammelband werden Themen wie „Idee und Identität – Das Werden Europas“, „Europa auf dem Weg zu den Vereinigten Staaten von Europa?“ und „Vereinigte Staaten von Europa – Herausforderungen und Perspektiven“ behandelt. Dabei begnügen sich die Autoren nicht mit luftigen Visionen, sondern werden auch ganz konkret. Besonders lesenswert ist beispielsweise der Aufsatz von Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) http://www.bvmwonline.de. Ohoven, geboren in Neuss, Sohn einer traditionsreichen Unternehmerfamilie (Hanfspinnerei und Papierfabrik Ohoven), gegründet 1810. Der gelernte Banker war über 30 Jahre im Bereich Vermögensanlagen tätig. Der Autor ist seit 1998 Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW), dem größten deutschen Interessenverband kleiner und mittlerer Unternehmen. Als Präsident der Confédération Européene des Associations de Petites et Moyenne Entreprises (CEA-PME) http://www.cea-pme.org vertritt er die mittelständischen Anliegen auch auf europäischer Ebene.1999 erhielt Ohoven den „Europa-Preis“ des Europäischen Wirtschaftsinstituts (EWI), Schweiz.

„Es ist nun einmal so: Politik in Brüssel vollzieht sich auf dem Weg der Bürokratie“, schreibt der Mittelstandspräsident. „Und die europäische Politik wird im Wesentlichen geprägt von einer sich als Elite verstehenden bürokratischen Kaste, bestehend aus den Beamten der Kommission. Wie die Mandarine im alten chinesischen Kaiserreich haben diese Beamten viel Macht.“

Was Ohoven fehlt, ist die politische Kontrolle, die der europäischen Politik Schwerpunkte setzt, etwa um das Wirtschaftswachstum zu stärken oder weniger wichtige Initiativen zu stoppen. So aber ist es ganz wesentlich die Kommission, die mit ihrem Initiativrecht die politische Agenda der Staats- und Regierungschefs bestimmt. Die Kommission bringt Richtlinien und Verordnungen auf den Weg. Die Kommission beeinflusst durch Anhörungen und Papiere die öffentliche Meinung. Und sie schreibt häufig genug auch den Unternehmen und den Verbrauchern vor, was diese zu tun und zu lassen haben.

Ohoven weiter: „Wir brauchen Europa. Aber wir brauchen in Europa auch entschieden mehr Transparenz über das Entstehen von Gesetzen, mehr politische Kontrolle der bürokratischen Abläufe und neue Wege, einer europäischen Bevormundung Grenzen dann zu setzen, wenn die nationale Souveränität unnötig verletzt wird.“

Aber nicht nur die Verfassung sei blockiert. Europa leide an dem, was die Briten „imperial overstretch“ nennen. Übersetzt hieße das etwa: „Imperialistische Überdehnung“. „Eine Kommission mit 27 Mitgliedern ist kaum noch arbeitsfähig. Ein Parlament mit Vertretern aus 27 unterschiedlichen Mitgliedsländern kann keine stabilen Fraktionen und Mehrheiten bilden. Ein Rat, bestehend aus 27 nationalen Regierungen, kann keine Politik aus einem Guss gestalten und durchführen“, so der BVMW-Präsident. Und er weist mit diesen Sätzen indirekt darauf hin, dass wohl noch einige Zeit ins Land gehen wird, bevor eine Vision der Vereinigten Staaten von Europa Wirklichkeit werden kann.Florian Melchert/Fabian Magerl/Katrin Rauer/Micha Kreitz/Fabian Schalt (Hrsg.): Vereinigte Staaten von Europa – Vision für einen Kontinent. 34,80 Euro. Berlin-München: Reihe J+K Wissen, Polisphere. ISBN-13 978-3-9-3845661-3.

IP-TV wird klassische Wege des Fernsehempfangs nicht verdrängen

Telefonieren, Web-Surfen und Fernsehen über das Internet zählen als Bündelangebot zu den Wunderwaffen der Telekommunikationsbranche. Triple Play wird das von Branchenvertretern im Fachjargon genannt. So will die Telekom nicht nur 145 Fernsehkanäle anbieten, sondern auch einen virtuellen Videorecorder und eine Art Videothek im Netz. Wer sich für das Paket Comfort Plus samt Bundesliga entscheidet, muss monatlich satte 85 Euro an die Telekom überweisen. Bis zu 200.000 Abonnenten will der Ex-Monopolist nach einem Bericht des Spiegels schon bis Ende dieses Jahres gewinnen, obwohl das dafür notwendige Hochgeschwindigkeitsnetz bislang nur etwa die Hälfte aller deutschen Haushalte erreicht. Später soll daraus ein Geschäft mit Millionen Kunden werden. Harald Summa, Chef des Verbands der deutschen Internet-Wirtschaft eco http://www.eco.de, mag die neue, auch von anderen Anbietern geschürte ‚Euphorie nicht uneingeschränkt teilen’. Einige Experten sehen gar schon Parallelen zu dem Flop, den die Branche mit der milliardenteuren Mobilfunktechnik UMTS erlebte. Denn die meisten Fernsehzuschauer fühlen sich durch Kabel, Satellit oder Antenne offenbar ausreichend mit TV-Programmen versorgt“, schreibt der Spiegel.  Bislang waren weder die Video-on-Demand-Angebote im Internet noch die Versuche anderer Telefongesellschaften, IP-TV populär zu machen, besonders erfolgreich. „Das vom Angebot vergleichbare, aber deutlich günstigere Alice homeTV, das seit 2006 für die Hansenet-Kunden in elf Städten – darunter Berlin und Hamburg – zur Verfügung steht, haben bislang gerade einmal 13 000 Abonnenten gebucht“, berichtet der Spiegel.  Nach Ansicht von Bernhard Steimel, Geschäftsführer der Düsseldorfer Beratungsfirma Mind Business Consultants http://www.mind-consult.net, ist es fraglich, woher die Einnahmen kommen sollen: „Nur ein Sechstel der Kabeldirektkunden können ihren Anschluss substituieren, die übrigen müssten die Abo-Gebühr für IP-TV zusätzlich bezahlen. Auch ist die Annahme riskant, dass wesentliche Einnahmequelle aus den Erlösen einer Pay TV-Gebühr kommen. In Deutschland sind die Barrieren für diesen Markt seit Jahren sehr hoch – die schwache Penetration bestätigt das“, sagt Steimel.  Es spricht einiges dafür, dass es keine schnelle Substitution gegenwärtiger TV-Empfangswege geben werde, sondern eine Koexistenz der alten und neuen TV-Welt: „Die Botschaft ‚Satellitenschüssel und TV-Kabel sind überflüssig’ erinnert an die Meldungen Anfang des Jahres 2000, wo öffentlich auf der CeBIT Telefonanlagen mit der Aussage zertrümmert wurden, dass es künftig nur noch IP-Telefonie geben wird. Sieben Jahre später werden noch immer ISDN-Telefonanlagen verkauft, wenngleich die IP-Kommunikation jetzt auch die notwendige Marktrelevanz hat. Ob die Telefongesellschaften den langen Atem haben und das richtige Marketing-Konzept für IPTV, bleibt daher abzuwarten“, so der Ausblick von Steimel.   

Is your call prompted by a veritable service? Call Center business threatened by state sanctions

The Call Center business has presently drifted onto a somewhat tempestuous and agitated track. Following an unambiguously clear announcement by the German Chancellor Angela Merkel, who openly declared war on unauthorized promotional calls last year to the point of contemplating the imposition of legal regulations, if needs be, there is no stopping the streaming flood of ill tidings. Voices are being raised demanding a ratification of the law against unfair competition, whilst associations for the protection of consumer rights are up in arms against inadequate sancion mechanisms. To counteract the unproportionately long waiting times at telephone hotlines which has resulted in a steadily increasing number of customer complaints, it was decided to cut these waiting times short. To this end, the legislator has also committed himself to improve the frequently complicated and long-winded voice control systems. What is more, henceforward customers shall only be levied a telephone charge when effectively being connected with a literally competent hotline-staff member.

“First and foremost it is up to the business society to come up with a satisfactory solution and to ensure that the complaints about long waiting times liable to costs will come to a finite halt. Failing which, we will be compelled to contemplate the option of employing statutory instruments“, stresses Dr. Gerd Müller (CSU), Parliamentary State Secretary of the Ministry for Consumer Protection, at the NeueNachricht-Interview. ”It may be true that the number of calls stacked in expensive waiting lines are comparatively small in contrast to the considerable number of overall phone calls undertaken. However, the innumerable complaints streaming in go to prove that we are faced with a serious problem here, which must be solved in the same fashion as we have to deal with the dilemma of the unsolicited promotional calls. These problems are far too ubiquitous as to be marginalized or played down. As far as the unsolicited calls are concerned, it is all too obvious that the ban compliant to the UWG enacted at present has proven ineffective as yet since there are still numerous service-providers wilfully acting against the law. While a centrally organised complaints department may be a useful entity, it will not suffice to remedy the problem as a whole“, Müller says. Almost all industry experts are in unanimous agreement that pro-actively countering the critics is the right step forward. In the past it was mainly the call centers in the outbound-business that were under public attack. Now, as a result of the initiative taken in the Seehofer-Ministry, the public fire also afflicts the inbound-business. Quite often for the companies these calls constitute the pivotal contact point with the customer, who as a general rule would call at his own expense. It is through these calls that experiences can be gathered on issues as diverse as quality problems, product optimization or service assessment. Michael-Maria Bommer, Vice President of the Software-Specialist Genesys Telecommunications Laboratories, is contemplating to offer these service-calls free of charge, with the objective to induce companies to implement further improvements in their telephone services on account of the additional costs incurred. As a consequence waiting lines straining the company with extra costs might soon become a thing of the past,” speculates Bommer. „For the Software-Provider Genesys the answer to the challenges posed by modern customer management lies in the concept of the Dynamic Contact Center (DDC). The DDC is a customer management platform, that integrates all areas of customer service automatisation. It further has the capacity to more efficiently enter, manage and control integrated processes whilst being able to switch from a reactive to an active strategy, if required. Beside the optimization of personal customer management, the advantages lie in the prompt contact building with the right consultant as well as the swift access to the Call centres via several channels, i.e. telephone, fax, email or web chat”, analyses Dr. Manfred Wirl, Director of the Bonn Research Group “Dienstleistungsökonomie” (Service Economy), in a guest contribution for NeueNachricht magazine.

„All things considered the public debate demonstrates that the situation of the call center industry takes on critical dimensions. Nonetheless it is paramount to view the tactical situation in a differentiated fashion: While the unauthorized “Cold Calls“ are in contravention of the current law that must be punished, the demands made by Seehofer constitute a direct encroachment of entrepreneurial action and may lead to additional costs. Shortening waiting times for callers would require considerable personnel and technical endeavours on the part of the call center providers. This also applies to the envisaged reduction of the hotline-charges which would have to be borne by the net-providers and the companies alike, who often make use of the refunds derived from so-called “added-value-numbers” (e.g.0180-5-xxx) in order to subsidise the costs of their agents. This illustrates the seriousness of the situation: In order to prevent such far-reaching state interventions, it is imperative that the industry initiates appropriate measures and devises a sensible and feasible self-imposed declaration of commitment,” demand Jens Klemann and Bernhard Steimel of the industry initiative Voice Business in a market analysis. It may also be viewed as an appeal to the manufacturers of voice dialogue systems, which are meanwhile being employed in almost 50 per cent of all incoming service calls in Germany. “According to the Seehofer-Ministry long-winded and complicated interlocked menu structures invariably lead to longer waiting times in hotlines and consequently higher costs at the expense of the user. It must therefore be in the interest of the manufacturer to take remedial action here. The fact that the use of voice technology yields excellent profits and results, provided that certain design criteria are being met, has been demonstrated over four consecutive years by the Voice Award of the Voice Business Initiative“, affirms Klemann and Steimel. All players concerned should make a pledge to join forces by signing a self-imposed declaration of commitment: The Voice Business Initiative as representative of nearly all manufacturers of voice technology and the major leading industry associations: Call Center Forum, Kundendialog in Deutschland (KiD) (Customer Dialogue in Germany) and the Deutsche Direktmarketingverband (DDV).

Estland hat bessere Wachstumszahlen als China

Vielleicht schielt Bundesfinanzminister Peer Steinbrück hin und wieder mit Neid auf Estlands Wirtschaftsdaten. Der Blick nach Norden dürfte dem kühlen Hanseaten an sich nicht schwer fallen. Die Staatsverschuldung in dem nur mit 1,4 Millionen Einwohnern bevölkerten Land von der Größe Niedersachsens ist atemberaubend niedrig. „Der baltische Musterknabe bietet in der Tat genug Anschauungsmaterial für hiesige Finanzpolitiker. Denn die Steuersätze in Estland sind äußerst niedrig. Trotzdem hat der Staat auf der Einnahmeseite kein Problem, da durch das transparente und unbürokratische System die Steuerehrlichkeit steigt“, sagt der Emerging Markets-Spezialist Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de, der sich bereits seit geraumer Zeit mit den Märkten in Ost- und Nordeuropa beschäftigt und dazu gegenüber Medien wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.joerg-peisert.de/frankfurter_allgemeine_zeitung_.html und Welt am Sonntag http://www.joerg-peisert.de/welt_am_sonntag_.html immer wieder Stellung bezogen hat.Estland könne mit Wachstumszahlen aufwarten, so Siegfried Thielbeer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) http://www.faz.net, „die nicht nur im Vergleich zu den baltischen und nordischen Nachbarn einsame Spitze sind, sondern sogar die Chinas übertreffen“. Im jüngsten Ranking der wettbewerbsfähigsten Länder des Weltwirtschaftsforums http://www.weforum.org belege Estland den 25. Platz. Inzwischen seien der Handel mit Russland und die von dort kommenden Investitionen nur noch von marginaler Bedeutung. Haupthandelspartner seien die EU-Staaten und hier vor allem die nordischen Staaten Finnland und Schweden. Auch die Bundesrepublik sei ein wichtiger Handelspartner. „Um das Land weiter auf dem ökonomischen Erfolgspfad zu halten, muss die Regierung in Tallinn nun alles tun, um die Gefahr einer Überhitzung zu bannen“, so Peisert. Weitere Informationen: von-wegen-polnische-wirtschaft-mittel-und-osteuropaeer-bei-unternehmerischer-initiative-ganz-vorn.pdf  http://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/Verbraucher;art131,2270146  http://www.laenderkontakte.de/news/15/estlands-euro-bleibt-erst-einmal-nur-ein-entwurf.html  http://www.finanzen.net/fonds/fonds_berichte_detail.asp?pkBerichtNr=66714  http://www.business-travel.de/news/17349  http://www.faz.net/s/RubF3F7C1F630AE4F8D8326AC2A80BDBBDE/Doc~E3C9A6CA0D6174AFFB8735AE293DBC4C8~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Google setzt auf Android

Der Suchmaschinenriese Google http://www.google.com hat sein eigenes Betriebssystem für Mobiltelefone vorgestellt und Klarheit geschaffen über seinen Einstieg in den Mobilfunkmarkt. Nun ist es eine Software namens Android, die Nokia, Microsoft und Co. das Fürchten lehren soll. Google will mit Android vorerst kein Handy auf den Markt bringen, stellt Google-Chef Eric Schmidt klar. Ein offenes Betriebssystem für Mobiltelefone sei ein weitaus ambitionierteres Ziel als das bisher in den Medien diskutierte Google-Phone. „Unsere Vision ist, dass die heute bekannt gegebene Plattform tausend verschiedene Handymodelle hervorbringt“, so Schmidt.

„Es handelt sich um eine freie Entwicklungsplattform für Anwendungen – mit Browser und Programmierschnittstellen“, erläutert die Computerworld http://www.computerworld.ch. „Android baut auf Linux und Java auf. Google will damit die Entwicklung neuer Anwendungen vereinfachen und beschleunigen. Die erste Entwicklerversion soll nächste Woche veröffentlicht werden.“ Surfen im Internet solle künftig mit dem Handy „genauso einfach und komfortabel sein wie mit dem Computer zu Hause. Um die Entwicklung voranzutreiben, hat das kalifornische Internetunternehmen Google mit T-Mobile, Motorola, China Mobile und 30 weiteren Partnern aus der Mobilfunkindustrie eine neue Allianz gegründet“, berichtet der Tagesspiegel http://www.tagesspiegel.de, eine so genannte Open Handset Alliance.

Googles Hoffnungen ruhen nun auf zusätzlichen Werbeerlösen, die man mit den Mobilfunkbetreibern teile. „Der Einsteig von Google in den Markt der mobilen Endgeräte wird kein Erdbeben auslösen, mittelfristig wird Google aber die Geschäftsmodelle im Mobilfunkgeschäft auf den Kopf stellen und nebenbei auch ein drastisches Wachstum der Sprachdialogsysteme und multi-modalen Anwendungen auslösen“, prognostiziert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de in Berlin. Der Sprachdialogexperte erwartet ein offenes Betriebssystem und offene Schnittstellen zu den Google-Diensten. „Diese Öffnung wird zusammen mit den hohen Datenbandbreiten und niedrigen Flatrates, die wir mit Sicherheit in Zukunft erleben werden, die Entwicklergemeinschaft weltweit anheizen und ein Feuerwerk an neuen Applikationen auslösen“, so Pape. Hier liege eine große Chance für Sprachdialogsysteme und multi-modale Anwendungen, die ganz neue Interfaces und Nutzererlebnisse aus gekoppelten Sprach-Daten-Vídeodiensten für den mobilen Anwender ermöglichen. Voice werde eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts werden.

eGovernment schont Staatskasse und Bürgernerven

Für die Einwohner von Rostock wird der Gang in die Amtsstube in Zukunft via Computer möglich sein. Das spart Zeit, Geld und in vielen Fällen auch Nerven. In Kooperation mit der Hansestadt haben Forscher vom Zentrum für Grafische Datenverarbeitung, e.V. (ZGDV) http://www.zgdv.de im Projekt VESUV http://www.vesuv-projekt.de digitale Helfer entwickelt, die den Bürger bei seinen behördlichen Erledigungen im Netz unterstützend begleiten. Sie helfen außerdem bei immer wiederkehrenden Behördengängen „Das entwickelte System ermöglicht ein digitales Veranstaltungsmanagement, das in dieser Form einzigartig in Deutschland ist“, sagt Guntram Flach, Leiter der Abteilung „eGovernment & Multimedia Information Management“ am ZGDV Rostock. Verschiedene deutsche Großstädte haben bereits Interesse an dieser Software bekundet.

Nimmt eGovernment nun endlich Formen an? Die Bemühungen sind immerhin vielfältig: „Im Rahmen ihrer Bestrebungen, dem europaweiten eGovernment Gestalt zu geben, hat die Europäische Kommission mit der ‚Initiative e-Zoll’ die Anforderung für die elektronische Zollabwicklung festgelegt“, berichtet das E-Commerce-Magazin http://www.e-commerce-magazin.de. „Für im- und exportorientierte deutsche Unternehmen wird demnach die Nutzung einer einheitlichen papierlosen Arbeitsumgebung für alle Zollverfahren zum 1. Juli 2009 verpflichtend.“ In einer Selbsteinschätzung bezeichnen sich dem Magazin zufolge 67 Prozent der befragten Unternehmen als organisatorisch gut aufgestellt für die elektronische Zollabwicklung. 30 Prozent verzeichnen noch Nachholbedarf „und planen entsprechende personelle und organisatorische Maßnahmen.“  In Rheinland-Pfalz will man mit der eGovernment-Strategie des Landes innerhalb von vier Jahren immerhin zehn Millionen Euro einsparen. Vereinfachte Meldeformalitäten für Bürger und Gewerbe,  unkompliziertere Kommunikation zwischen Behörden und Betrieben, Einsicht ins Handelsregister rund um die Uhr, ebenso in Bebauungspläne und Baulandpreise sollen  dies bewirken. „eGovernment ist mittlerweile viel mehr als die bloße Digitalisierung von Verwaltungsprozessen“, meint allerdings Axel Schnell, Chief Executive Officer des ITK-Systemintegrators Nextiraone http://www.nextiraone.de im Gespräch mit pressetext. „Dabei ist eGovenment auch Wachstumstreiber und letztlich ein Instrument zur Modernisierung des Staates“, so Schnell. Nach seiner Einschätzung wollen die Bürger Systeme, die einfacher zu handhaben sind und bessere Online-Hilfen bieten. „Unternehmen bevorzugen Dienste, die leichter auffindbar sind und ihnen finanzielle Einsparungen ermöglichen“, sagt der Nextiraone-Manager. Von der geplanten einheitlichen Behördenrufnummer 115 erwartet er daher auch eine Verbesserung der Servicekultur in deutschen Amtsstuben. Denn der Amtskontakt per Telefon berge bisher hohes Frustrationspotenzial.  Unter der Telefonnummer 115 sollen zukünftig die Callcenter von Verwaltungen erreichbar sein und einfache Anfragen direkt – mit Rückgriff auf ein Wissensmanagementsystem – beantworten. Komplexere Fragen sollen an die zuständige Stelle weitergeleitet werden können. Für die Vorqualifikation und Identifikation der Anrufer setzen Experten hierbei auf Sprachdialogsysteme. „Der Anrufer könnte gebeten werden, mit einem oder wenigen Stichworten sein Anliegen zu benennen und das Sprachportal  könnte die erkannten Stichworte einer zuständigen Stelle zuordnen“, erläutert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge http://www.semanticedge.de in Berlin. „Ist das Verstandene nicht eindeutig, so könnte das Sprachportal weitere Rückfragen stellen, bis der richtige Ansprechpartner gefunden ist oder eine Information angesagt werden kann“, so der Sprachdialogexperte. „Den größten Mehrwert können Sprachportale in der fallabschließenden Bearbeitung von Standardprozessen erreichen, beispielsweise durch Weiterleitungen an einen persönlichen Bearbeiter via Steuernummer, Alter oder Buchstabe des Nachnamens oder durch Terminvereinbarungen zum Beispiel für den Sperrmüll“, prognostiziert Pape.

Eine interessante Milchmädchenrechnung über den Grünen Punkt

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat die Abgeordneten des Deutschen Bundestages aufgefordert, die Novelle der Verpackungsverordnung zu beschließen. Damit werde die stoffliche Verwertung von Verpackungsmüll gestärkt. Der Anteil an unbezahlten Verpackungsabfällen in der Gelben Tonne sei durch Trittbrettfahrer angeblich stetig gestiegen und liege bereits bei rund 30 Prozent. So sei eine große Finanzierungslücke entstanden, die dringend geschlossen werden müsse. Hartmut Hoffmann, BUND-Abfallexperte: „Nicht bei der Technik, sondern bei der Finanzierung hapert es beim Grünen Punkt. Immer mehr Trittbrettfahrer entsorgen auf Kosten der Dualen Systeme ihren Müll. Mit der neuen Verordnung sind wir zwar noch nicht am Ziel einer Kreislaufwirtschaft, aber sie ist ein Schritt in die richtige Richtung.“Wie weit der BUND die Finanzen der Entsorgungskonzerne und der Dualen Systeme beurteilen kann, bleibt ein Geheimnis der Umweltlobbyisten. Wir fragen auch nicht näher nach, warum der BUND sich für die stoffliche Verwertung so ins Zeug legt, um die Welt mit Blumenkübeln, Schallschutzwänden, Rasengittersteinen und Gelben Mülltüten zu entzücken. Die Liste der BUND-Spender sparen wir hier auch aus – wir wollen ja nicht unnötig Öl ins Feuer schütten. Aber eine kleine Milchmädchenrechnung könnte vielleicht die Trittbrettfahrer-Krise von DSD und Co. entzaubern.Stellen wir uns ceteris paribus vor, in Deutschland kommen pro Jahr 100 Verpackungen in den Handel. Davon tragen 50 Verpackungen den Grünen Punkt. Unterstellen wir zudem, dass alle Verpackungen aus Kunststoff bestehen. Nach der Verpackungsverordnung muss der Müllsammler mit dem Grünen Punkt 60 Prozent einer Verwertung zuführen, wobei wiederum 60 Prozent dieser Verwertungsquote durch Verfahren sicherzustellen sind, bei denen stoffgleiches Neumaterial ersetzt wird oder der Kunststoff für eine weitere stoffliche Nutzung verfügbar bleibt (werkstoffliche Verfahren).Der Witz dabei ist, dass diese Quote nur für die lizenzierte Menge gilt, lieber BUND. Also 60 Prozent von 50 Verpackungen, die den Grünen Punkt tragen. Das wären dann schlappe 30 Verpackungen, die irgendwie recycelt werden müssen. Und von dieser Basiszahl muss der Hüter des Grünen Punktes nur 60 Prozent werkstofflich verwerten. Bleiben also ganze 18 Verpackungen übrig, die nicht im Hochofen verheizt werden und für die sich der BUND so ins Zeug legt. Und wie steht es nun mit dem Trittbrettfahrer-Märchen? Mit unserem Rechenbeispiel kann das der BUND mit dem guten alten Dreisatz selber beantworten. Was passiert, wenn nicht mehr 50 Verpackungen den Grünen Punkt tragen, sondern nur noch 40?????

Für Rückfragen oder weiterführende Informationen:

Gunnar Sohn, E-Mail: gunnar.sohn@sohn.de

 

 

Suchfunktionen entscheidend für Durchsetzung des mobilen Internets – Interview mit Yahoo-Managerin Geraldine Wilson

NeueNachricht: Das Internet wird immer mobiler. Welche Rolle spielen nach Ihrer Meinung die Suchmaschinen-Anbieter? Wilson: Wir glauben, dass die mobile Suche das eigentliche Tor zum Telefon mit Internetzugang ist. Für das Telefon ist es essenziell, auf sehr schnelle und einfache Weise exakt herausfinden zu können, was man möchte. Dazu empfiehlt sich die Nutzung des mobilen Internets. Außerdem gehe ich davon aus, dass sich in Zukunft immer mehr Menschen den Zugang zum Internet über ihre mobilen Geräte als über den PC erschließen werden. Bevor das zur Realität wird, muss noch einiges geschehen. Ein wichtiger Punkt ist da Suchsystem, das so zu konzipieren ist, dass es den Nutzern einen reellen Mehrwert durch eine schnelle und einfache Suche bietet. Hier gilt es Fehlerquellen zu vermeiden, die in der ersten Generation der aufgetreten sind. So zum Beispiel die Übernahme der gleichen Suchmethode, die man am Computer verwendet. Dadurch wurde der Nutzer mit tausenden Links überflutet und konnte aus dem Informationsdschungel nur selten das Richtige und Wichtige herausfiltern. Für die mobile Suche ist es wichtig, die richtige Antwort schon auf der ersten Bildschirmseite zu liefern.  NeueNachricht: Gibt es noch weitere Unterschiede zur klassischen Suche über PCs? Wilson: Zuerst einmal ist es wichtig, dass die mobilen Nutzer über bessere Input-Vorrichtungen verfügen. So ist es recht schwierig, eine lange URL in das Telefon einzugeben. Ebenso problematisch ist es, längere Texte einzutippen und Dinge anzuklicken und dann, nachdem man etwas angeklickt hat, noch auf die Antwort zu warten. Aspekte wie Dringlichkeit, das Bedürfnis nach Schnelligkeit und eine leichte, komfortable Handhabung spielen hier eine weitaus größere Rolle als dies auf dem PC der Fall ist. Darüber hinaus denke ich, dass zumindest in der Initialphase die Art der Information, die der Nutzer sucht, unterschiedlich sein wird. Hierbei wird die Standortfrage eine weitaus größere Rolle spielen, etwa bei der Frage: “In welchem Kino in meiner Nähe wird dieser Film gezeigt?” oder “Wo ist die beste Pizzeria in der Stadt?” Wir sind uns absolut sicher, dass ein Großteil der Anfragen sich auf Standorte und Veranstaltungen beziehen werden. Dabei wird es selbstverständlich in ein paar Jahren auch Situationen geben, in denen Nutzer nach den geeignetsten Lebensversicherungspolicen am Telefon fragen werden.  Aber die derzeit vorrangigen Suchaktivitäten reflektieren in erster Linie den mobilen Charakter des Gerätes und werden primär darauf ausgerichtet sein, Adressen von Örtlichkeiten, Einrichtungen und aktuelle Veranstaltungsprogramme der eigenen Stadt, Region und näheren Umgebung herauszufinden. Die wesentlichen Unterschiede liegen bei der Schnelligkeit, Suchrelevanz und Treffersicherheit.  NeueNachricht: Was macht Yahoo für die Kunden, die mit ihren mobilen Endgeräten auf Suchmaschinen gehen wollen?  Wilson: Das Erste was wir unternommen haben war die komplette Neugestaltung unseres Produkts. Dabei haben wir praktisch die ersten Produktkonzepte verworfen. Wenn man ein Wort wie „Apple“ auf dem Desktop eintippt, erhält man 50 oder sogar 60 Millionen Links. Wir arbeiten derzeit an einem vollständig neu gestalteten Suchsystem. Ziel ist es, damit zu erkennen, welche Antworten die Nutzer wirklich suchen und diese Informationen in klassifizierten Kategorien zur Verfügung zu stellen. Wir haben diesen Service in den USA bereits Anfang des Jahres eingeführt und im Mai in den fünf größten Ländern Europas. An der Produktinnovation arbeiten wir derzeit in Europa und sind sehr darum bemüht, wesentlich mehr lokale Informationen in unser Suchsystem einzuspeisen. In den nächsten drei bis sechs Monaten werden wir mehr lokale Informationen zum Thema Kino, Sport, Restaurants und Gastronomie hinzufügen. Das heißt wenn der Nutzer sucht, wird er auf tolle Antworten stoßen. Das System ist heute schon sehr gut, unser Ziel ist aber, es noch weiter zu verbessern.   Der zweite Punkt, auf den wir uns konzentrieren werden, ist der Vertrieb. Dazu werden wir die Yahoo! One Search Box überall dort platzieren, wo die Nutzer hingehen. Wenn Sie beispielsweise ein T-Mobile Kunde sind, werden Sie wahrscheinlich in das Web über die Web`n`Walk Seite gehen. Dabei ist es uns besonders wichtig, eng mit den Anbietern zusammen zu arbeiten, um dadurch verstärkt unsere Search Box auf deren Seiten zu platzieren. Zu diesem Zweck haben wir Vereinbarungen mit Hutchinson, der Nummer drei der Anbieter in Großbritannien und Italien abgeschlossen, einige Verträge mit Asien unterzeichnet und stehen zudem in Gesprächen mit führenden Anbietern in ganz Europa. Zur Platzierung weiterer Boxen werden wir ein Netzwerk mit Verlagen aufbauen, über das wir wiederum Kontakte zu anderen Verlagen knüpfen können. Wir haben natürlich die Yahoo! One Search auf unserer eigenen WAP-Site. Letztere ist Teil unserer Go!-Client Software, die sich auf dem Telefon herunterladen lässt. Im Prinzip geht es darum, das richtige Produkt über die richtigen Kanäle zu vertreiben und parallel dazu den Werbeplan auf Kurs zu bringen.  NeueNachricht: Welche Kooperationen haben Sie in Deutschland?  Wilson: In Deutschland sprechen wir derzeit mehrere Unternehmen an und haben in den vergangenen Monaten sehr engagiert Verhandlungen geführt. Das ist ein sehr zeitintensiver Prozess. Kürzlich haben wir es geschafft, mit einem kleinen Anbieter in Deutschland einen Vertrag zu schließen. Jetzt arbeiten wir sehr hart daran, Kooperationen mit allen großen Anbietern in Europa aufzubauen.  NeueNachricht: Warum ist es so schwierig, mit den Telekommunikations-Anbietern eine Kooperation aufzubauen? Liegt das an der Erlösstruktur?  Wilson: Nein, um ehrlich zu sein glaube ich nicht, dass es an der Erlösstruktur liegt. Ich vermute eher, dass eines unserer Probleme mit unserem Bestreben zu tun hat, die Nummer eins der Mobile Search und der Mobile Ads zu werden. Die Nummer eins der Such-Unternehmen im mobilen Internet ist in der Regel auch die Nummer eins in der mobilen Werbung. In einigen Teilen der Welt ist das leicht und in anderen Teilen der Welt, und dazu gehört auch Deutschland, ist Google auf dem PC eine sehr erfolgreiche Marke. Aber wir verfügen über ein wirklich revolutionäres Produkt, das überall in der Industrie als bestes Mobile Search-Produkt anerkannt ist. Trotzdem ist es mitunter ein zeitaufwendiger Akt, die Gruppe von Konsumenten zu überzeugen, die IBM nur deshalb kaufen, weil sie wissen, dass noch niemand dafür entlassen wurde, IBM zu kaufen. Also geht es darum, den Mehrwert und die Vorteile des Produktes deutlich zu machen. Es ist in der Branche üblich, dass einige Anbieter nur Exklusivverträge abschließen. Daher hat man keine andere Wahl als zu warten, bis diese Verträge, die manchmal für ein oder zwei Jahre abgeschlossen wurden, ausgelaufen sind. Es gibt also einen Zeitpunkt, zu dem es opportun ist, den Versuch zu starten, für die nächste Vertragslaufzeit ins Geschäft zu kommen.  Mit anderen Anbietern, die nicht auf der exklusiven Basis arbeiten, ist es natürlich leichter, einen Deal abzuschließen. Trotzdem ist es ein zähes Prozedere und wir sind sehr an den Mobile Space gebunden. Wir entwickeln diese Produkte selbst und haben ein global arbeitendes Team, das sich speziell auf die mobile Kommunikation konzentriert. Wir haben eine sehr gute Chance, uns an die Spitze zu setzen.  NeueNachricht: Welche Zusammenhänge gibt zwischen der mobilen Suche und dem mobilen Marketing?  Wilson: Ich würde sagen, dass wir in der mobilen Kommunikation fortwährend mit einem Problem beschäftigt sind: dem Timing. Daher bin ich fest davon überzeugt, dass wir am Anfang einer sehr spannenden Reise stehen. In der Industrie hat es in allen Bereichen des Internets einige Fehlstarts gegeben. Aber wir sind wirklich davon überzeugt, dass das Jahr 2007 eine ganz besondere Bedeutung haben wird. So beobachten wir, dass immer mehr Anbieter Flat Rates einführen, so dass der Verbraucher sich über Kostenfragen keine Gedanken mehr machen muss. Ein weiterer Punkt ist das Aufkommen von so genialen Produkten wie die One Search, die es den Nutzern ermöglicht, genau das zu bekommen, was sie sich wünschen. Wir davon überzeugt, dass das mobile Medium das Potenzial hat, zum bedeutendsten Advertising-Medium aller Zeiten zu werden. Es hat wirklich ein unbestritten großes Potenzial: Zunächst einmal ist das Telefon ein sehr persönlicher Gegenstand, bei dem man davon ausgehen kann, dass es im Vergleich zum PC hauptsächlich von derselben Person genutzt wird. Das bedeutet, dass die Ansprache dieser Person bequemer ist, selbst dann, wenn der Name und die Adresse des Nutzers noch nicht bekannt sind. Das Nutzerprofil ist konsistent: Bei der richtigen Ausrichtung und Platzierung der Ads, wird man einen wesentlich höheren Grad an Treffer-Relevanz erzielen.  Es gibt viele Arten des Display Advertisements. Wir haben bereits mit der Einführung der Display-Werbung auf unserer eigenen WAP-Site begonnen. Außerdem haben wir einen Exklusiv-Vertrag mit Vodafone in Großbritannien zur Platzierung von Ads auf deren Live Portal. Zuerst haben wir Banner eingeführt, um darauf aufbauend die komplette Roadmap mit Video Ads bis zu Ads im Rahmen von Spielen zu entwickeln. Da sich das Display Advertising aber noch in der Anfangsphase befindet, lag das Augenmerk bisher eher auf der Installierung des Suchsystems auf den Mobiltelefonen. Wenn man sich nämlich die Schlüsselbegriffe anschaut, nach denen tatsächlich auf den PCs gesucht wird, sind es beispielsweise die Termini aus der Finanzbranche, die nicht unbedingt zu den relevanten Suchthemen der mobilen Umgebung gehören. Wir stehen also vor einigen Innovationsfeldern und haben dabei offensichtlich diese Art der Links ausfindig machen können. Genauso begegnen wir aber auch einer großen Anzahl von Innovationen bei den neuen Advertisin-Formaten für die mobile Kommunikation. Es gibt also bis dato einen Mix beider Formen. Da wir aber noch in der Initialphase sind, gehe ich davon aus, dass es in Zukunft eine große Vielfalt unterschiedlicher Formattypen geben wird. Es ist ja naturgemäß immer so, dass am Anfang eines Weges keiner genau weiß, wie sich alles entwickeln wird.  NeueNachricht: Welche Erwartungen stellt die Werbeindustrie an Sie?  Wilson: Einige Werbeagenturen, die sich auf die so genannten „Consumerables“ spezialisieren, wozu beispielsweise der Verkauf von Klingeltönen und Downloads auf dem Handy gehören, haben auf dieser Werbeplattform bereits gut Fuß gefasst.  Wenn wir von den konservativeren großen Akteuren der Werbeindustrie sprechen, gibt es dort ein deutliches Interesse an diesem Medium. Da aber noch ein gewisses Informationsdefizit vorliegt, was wir hier bei Yahoo eigentlich machen, ist es sehr wichtig, ein adäquates Schulungs- und Informationsprogramm zum gesamten Geschäft anzubieten. Wir haben es zur Aufgabe gemacht, sowohl die Agenturen als auch die Werbetreibenden selbst über das neue Medium konkret und professionell zu informieren, mit all den Maßnahmen, die uns zur Verfügung stehen.  Die Kursteilnehmer sind primär daran interessiert, zu erfahren, in welchem Preis-Leistungsverhältnis die Lehrinhalte stehen, bevor Effizienz und Ergebnisorientierung getestet werden.  Um Interesse zu wecken, gilt es daher, zunächst eine ausreichend große Bestandsliste mit diesen Zielgruppen aufzubauen. Potenzial dafür dürfte genug da sein. Wir sollten also zuerst andere Sets am Markt beobachten und mit Anbietern im Rahmen einer Werbepartnerschaft zusammenarbeiten. Gleiches gilt für die Gruppe der Publisher, mit dem Ziel ein großflächiges Netzwerk zu kreieren. Wichtig ist dabei, den Werbeleuten Bestandslisten auf bekannte und leicht nachvollziehbare Art und Weise anzubieten, sodass sie frei wählen und zahlen können und dabei die Ergebnisse sehen.  Wir haben alle Systeme zum Laufen gebracht und waren unglaublich engagiert darin, sämtliche Widersprüche vor allem auf dem europäischen Markt auszuschalten. Dadurch konnten wir Advertising auf dem britischen Markt einführen. Jetzt sind alle Systeme und Strukturen etabliert. Aber wie Sie ja bereits wissen, befinden wir uns am Anfang der Reise und im Mobile Space ist Zeit das wesentlichste Element. Ich glaube auf dem deutschen Markt gibt es bereits einige Akteure für mobile Werbung. Der große Markt, den es in der Anfangsphase zu bearbeiten gilt, ist jedoch der britische. Es ist bereits sehr viel Bewegung auf dem Markt. Am Start der Reise ist es daher für die Akteure der Werbeindustrie gut, Unternehmen wie Yahoo zu beobachten. Schließlich gehört Werbung zu unserem Kerngeschäft. Den Werbeverantwortlichen sollte die Gewißheit eine Beruhigung geben, ihre Geschäfte auf altvertraute und bekannte Weise fortsetzen zu können. Was jetzt zählt, ist die Chance zu ergreifen, die großen Werbeumsätze auf das Mobiltelefon zu transferieren.  NeueNachricht: Mittlerweile haben Sie Ihr One Search Produkt ja auch auf dem europäischen Markt eingeführt. Ist Ihnen bekannt, wie viele Nutzer es schon auf ihren Mobiltelefonen heruntergeladen haben und wie die Resonanz dazu ausgefallen ist?  Wilson: Zunächst einmal muss ich betonen, dass wir noch nicht das Stadium erreicht haben, wo ich Ihnen mit konkreten Zahlen antworten kann. Was ich Ihnen jedoch sagen kann, ist, dass es zahlreiche Wege gibt, zu One Search zu gelangen. Beispielsweise führt ein direkter Weg zu One Search über die Yahoo WAP-Site.Eine zweite Möglichkeit ist das Herunterladen von Go!-Client, einer fantastischen Anwendung, die Ihnen Zugang gibt zu One Search, der Mail-, Photo- und News- Funktion und all den anderen Programmen, die für Sie von Relevanz sind. Betonen möchte ich hier, dass wir Verträge mit den großen Telefonherstellern abgeschlossen haben, wie Motorola, Nokia, LG, Samsung und Blackberry. Erwähnenswert ist dabei, dass eine zunehmende Anzahl der Telefonmodelle dieser Firmen mit der Go!-Client Funktion ausgestattet werden. Sobald Sie sich eingeloggt haben, sehen Sie schon die One Search-Funktion und können sie nutzen.  Um Go!-Client herunterladen zu können, müssen Sie natürlich ein Telefon haben, das damit kompatibel ist. In diesem Zusammenhang haben wir schon viel Optimierungsarbeit geleistet. Auf der ganzen Welt gibt es soweit ich weiß 250 Telefonmodelle, die kompatibel sind – Ende des Jahres werden es 400 sein. Als wir die europäischen Versionen eingeführt hatten, stellten wir fest, dass diese nur bei einer kleineren Anzahl von Telefonmodellen funktionierte. Unsere neue Version hingegen wird mit den erwähnten 250 Modellen vollständig kompatibel sein.   Wir bekommen sehr gute Resonanzen. Einige der Befragten bemerkten beispielsweise, dass sich die Internet-Nutzung am Telefon jetzt sehr verändert hätte. Natürlich liegt das Produkt selbst je nach Markt in unterschiedlichen Ausprägungen und Reifegraden vor. So zeichnet sich der Content in den USA durch eine Fülle an Lokalinformationen aus. In den von uns anvisierten fünf Ländern Europas müssen wir diese Informationen noch hinzufügen. In einigen Ländern wie in Deutschland bieten wir bereits die „Business Listings Dictionaries Directories“ an. Hierbei handelt es sich um eine Art Gelbe-Seiten-Service, über den man die Adressen von Unternehmen herausfindet. In den nächsten zwei Monaten werden wir diesen Service um die Angebote Filme, Sport und ähnliches erweitern. Nachdem sich dieser Content zunehmend mit Leben füllt, stellen wir fest, dass analog dazu auch die Nutzerakzeptanz steigt. Die Begeisterung ist bei allen Beteiligten zu spüren, bei den Anbietern und Unternehmensakteuren ebenso wie bei den Nutzern.  NeueNachricht: Welchen Anteil hat das Thema Nutzerfreundlichkeit am Erfolg des mobilen Internets? Anfänglich erwähnten Sie bereits, dass viele Nutzer Probleme hätten, die URL über die Tastatur ihres Handys einzugeben. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten der Dateneingabe, beispielsweise die der Voice Control. Inwiefern trägt das Thema Nutzerfreundlichkeit zum Erfolg des Handys auf dem Mobile Markt bei?  Wilson: Ich bin davon überzeugt, dass besonders bei den Endgeräten in den nächsten Jahren viel passieren wird. Vor allem glaube ich, dass das Thema Format und Gestaltung ein zentraler Optimierungspunkt der Mobiltelefone sein wird. Tendenzen dieser Entwicklung lassen sich bereits bei der Einführung des iPhones beobachten. Mit der zunehmenden Pauschalisierung der Datenübermittlungskosten und der Einführung der Anbieter-Flat Rates bemerken die Benutzer immer mehr, dass das mobile Internet eigentlich gar nicht so teuer ist.  

Nachdem nun auch die großen Markenhersteller auf den Markt dringen, dabei auf fruchtbaren Boden stoßen und die Entwicklung in Ländern wie Italien zunehmend an Dynamik gewinnt, wird man immer öfter seitens der Verbraucher Aussagen hören wie “Wissen Sie eigentlich wie genial das ist, jetzt auch Internet-Zugang per Handy zu haben.“ Die Gerätehersteller müssen natürlich entsprechend darauf reagieren, vor allen Dingen mit neuen Gestaltungskonzepten im Bereich Screen und Tastenfeld. Das Optimum dabei wäre natürlich das Tastenfeld, das aber in Abhängigkeit zu der Größe des Gerätes steht. Am Beispiel von iPod lässt sich erkennen, dass es sehr wohl möglich ist, das Display des Telefons zu nutzen. Unser Ziel liegt aber darin, den Nutzern eine Vielzahl von Optionen zur Eingabe ihrer Daten anzubieten. Zu diesem Zweck werden wir auch einen Fokus auf die Einführung der Spracherkennung legen, durch die der Nutzer leichter seine Dateneingabe vornehmen kann. Wenn Sie sich beispielsweise Datenstau-Situationen anschauen, durch die Sie einfach nicht an die gewünschte Vielfalt an schriftlichen und grafischen Informationen per Telefon herankommen, mag die Informationslösung hier im Sprachsystem liegen. Letztlich geht es um den Nutzer und darum, ihm die bestmögliche Option anzubieten. Hier werden so viele Aspekte aufeinander treffen, die dazu führen, dass die Nutzerfreundlichkeit sich deutlich verbessern wird und ich daher 100 Prozent davon überzeugt bin, dass sich diese Frage demnächst von selbst lösen wird.

 Das Interview führte Sebastian Paulke, Redakteur des Fachdienstes Voice Community.