Osteuropa nicht fit für demographischen Wandel

Gute Nachrichten für die Arbeitnehmer in Osteuropa: Aus Kostengründen prüft Mercedes http://www.mercedes.de erstmals den Bau eines Produktionsstandortes in jener Region. „Wir sind der einzige Hersteller ohne Fabrikation in Osteuropa“, sagte der Produktions- und Einkaufschef Rainer Schmückle auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) http://www.iaa.de laut Welt-Kompakt http://www.welt.de. Gute Nachrichten kann die Region auch gebrauchen, berichtet das Handelsblatt http://www.handelsblatt.de. Die zunehmende Überalterung gefährdet inzwischen den wirtschaftlichen Aufschwung in Osteuropa. Junge und qualifizierte verlassen ihre Heimat, um im Ausland Karriere zu machen. Dies entwickelt sich zu einem echten Standortnachteil. „Junge polnische Ingenieure und andere High Potentials gehen nach Großbritannien, Skandinavien oder inzwischen auch nach Deutschland, weil sie dort mehr verdienen können. Zurück bleiben oft die Älteren und die nicht so gut qualifizierten. Nach dem völligen Umbau des politischen und wirtschaftlichen Systems müssen die osteuropäischen Regierungen ihre Länder jetzt auch dringend fit machen für den demographischen Wandel, sonst sind die bisherigen ökonomischen Erfolge schnell aufgezehrt“, sagt der Osteuropa-Kenner Jörg Peisert http://www.joerg-peisert.de.

„Osteuropa und die Nachfolgestaaten der Sowjetunion werden 2025 die älteste Bevölkerung haben“, prognostiziert Arup Banerji von der Weltbank http://www.worldbank.org. In der Folge sinke die Zahl der Beitragszahler für das Gesundheitssystem und die Sozialkassen. Damit mehr Geld in die Pensionsfonds fließt, müssten die Staaten in der Region ihre Steuern erhöhen. Dadurch würden sie aber einen massiven Standortnachteil in Kauf nehmen. Bisher, so ein Experte vom Zentrum für soziale und ökonomische Analyse in Warschau gegenüber Welt-Kompakt, packten die Verantwortlichen diese Probleme aber noch nicht entschieden genug an.

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Powerpoint und der steigende Bullshit-Quotient: Wie Business- und Marketing-Jargon Sprache und Geist beschädigen

Die vielen Anglizismen sind nach Ansicht des Zeit-Mitherausgebers Josef Joffe nicht die Ursache für den Niedergang der deutschen Sprache: „Das halbe Deutsch ist schon mal griechischer und lateinischer Herkunft. Im 18. Jahrhundert wurde Französisch ‚parliert’, während der napoleonischen Besatzung drang das Welsche gar in den Volksmund ein. ‚Bluse’ kommt von blouson, und ‚mausetot’ ist nichts anderes als mort si tôt. Jiddisch kam hinzu (Schickse, Tachles, Ganove), Italienisch (Espresso, Gigolo), Russisch (Roboter, Datsche) und zum Schluss, als veritabler, äh, wahrer Tsunami, das Englische. Geschadet hat das der deutschen Sprache nicht; sie wurde reicher und vielfältiger – ganz ohne den Zwang, den die Sprachhüter seit Jahrhunderten insinuieren, ja unterstellen“, schreibt Joffe http://www.zeit.de/online/2007/30/bg-powerpoint.
 
Den geistig-kulturellen Niedergang macht er am „Business- und Marketing-Sprech“ der Powerpoint-Rhetoriker fest: „Powerpoint wird an die Wand geworfen. Folglich müssen die Buchstaben groß sein, folglich bleiben pro Slide (‚Bild’) nicht mehr als 6, 8 Zeilen. Die sind reserviert für bullet points – kurze, knappe Statements (‚Sätze’). Gut so, denkt sich der abendländisch geschulte Mensch: Da muss der Autor sich auf das Wesentliche beschränken und prägnant formulieren. Tut er aber nicht, sondern produziert generische Sätze, die zu allem passen und nichts sagen“, kritisiert Joffe.
 
Es fehle alles, was gute Kommunikation ausmacht: So dozierte Telekom-Chef René Obermann über die neue Markenstrategie seines Konzerns. „One Company. One Service. Wir haben Marketing und Vertrieb gestrafft, die Zahl der Marken reduziert und die neue Markenarchitektur etabliert… Wir haben die bisherige Kommunikation auf den Prüfstand gestellt und uns für eine Vereinfachung unserer Marktansprache entschieden.“ Er hätte es nach Auffassung von Joffe prägnanter sagen können: „Wir verringern Personal und Produkte. Wir wollen verständlich mit den Kunden reden“.
 
Manager sind nach Erfahrungen von Michael Müller, Wirtschaftssenator im Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW)
http://www.bvmwonline.de, nicht mehr in der Lage, in freier Rede ihre Gedanken zu äußern. „Besonders in der Branche für Informationstechnik, in der mein Unternehmen tätig ist, dominieren Weitschweifigkeit und Allgemeinplätze. Da werden jeden Tag Applikationen implementiert, Lösungen, Plattformen oder Innovationen für höhere Effizienz angeboten – natürlich immer von weltweit führenden Lösungs- und Diensteanbietern. Um was es in Wirklichkeit geht, bleibt ein Geheimnis der Phrasendrescher“, moniert Müller, Geschäftsführer von a&o http://www.ao-services.de, gegenüber dem Wirtschaftsmagazin NeueNachricht http://www.neuenachricht.de. Das Gestammel der Fachleute habe Kurt Tucholsky aber schon vor über 70 Jahren durch den Kakao gezogen. „Auch damals gab es nichtssagende Modeworte und ein wichtigtuerisches Bürokratendeutsch. Geändert hat sich leider wenig“, sagt Müller.
 
Und es sind nicht nur die Unternehmensbosse, die so reden: „Fast alle, die im Weinberg des Zeitgeistes arbeiten, kommunizieren so: Sozialarbeiter, Gender-Beauftragte, Think-Tanker, Bürokraten, Wohlfahrtsverwalter, die ‚sinnstiftende Klasse’ ganz allgemein“, stellt Joffe fest: „Lernprozesse“ (früher „Lernen“) sind immer „kreativ“, Profile werden stets „geschärft“, um „kreativ genutzt“ zu werden. Das seien Wörter, so Joffe, die munter von der Festplatte purzeln. Besonders beliebt sei die Redundanz durch Wiederholung und Pleonasmen – „doppelt gemoppelt“.
 
„‚Programm’ reicht nicht, ein ‚Programmdesign’ muss her. Dieses wird ‚initiiert und etabliert’ – ‚gefördert’ sowieso. Die ‚Erfolgskontrolle’ ist zu armselig, stattdessen heißt es: ‚Entwicklungen werden durch Methoden der Selbstevaluation und durch die Maßnahmen zu Qualitätsüberprüfung erfasst.’ Selbstverständlich muss stets ‚sensibilisiert und qualifiziert’ werden. Die ‚Konzeption’ eines Projekts muss durch die ‚thematische Ausgestaltung’ aufgebläht werden. Und immer wieder die Aneinanderreihung des Gleichen: ‚Die Blabla hat für alle Phasen der Programmarbeit konkret auf die Programme zugeschnittene Instrumente entwickelt, um die Qualität zu sichern und Ergebnisse für weitere Vorhaben zu nutzen.’ Es könnte auch heißen: ‚Unsere Vorhaben werden regelmäßig überprüft.’ Aber so würde ein Geschäftsbericht nicht 100, sondern nur 20 Seiten füllen und die Bedeutung der jeweiligen Institution mindern, limitieren und reduzieren“, führt Joffe aus.
 
„Karl Kraus meinte einst, es genüge nicht, nur keine Gedanken zu haben, man müsse auch unfähig sein, sie auszudrücken. So mancher Zeitgenosse, der mit Powerpoint arbeitet, kommt diesem Diktum des großen Spötters aus Wien schon recht nahe. Wer nicht reden kann, rettet sich in die neueste multimediale Technik und in aufwendige Animationen. Sie sollen ein hohes Vortragsniveau suggerieren und gleichzeitig von den eigenen Schwächen ablenken. Dumm nur, dass diese Rechnung selten aufgeht, denn der Dreh- und Angelpunkt für einen erfolgreichen Vortrag liegt nun einmal nicht in der Software, sondern in dem human interface, jenem menschlichen Appendix der Präsentationstechnik vor der Leinwand. Man nennt dieses Wesen auch Redner, obwohl es genau dies nicht kann. Durch Verabreichung von PowerPoint mutiert der Redner zum Präsentierer, aufgepumpt mit dem visuellen Steroidhormon von Microsoft geht er auf die Zuhörer los“, weiß Alexander Ross, Co-Autor des Buches „
Fettnapf-Slalom für Manager. In 30 Tagen sicher ans Ziel“.
 

Joffe ortet die Ursache für den Sprachverfall aber nicht in Redmond. Über so viel Power verfüge Bill Gates nicht: „Wir verdummen uns selber, wenn wir nichts mehr sagen, sondern nur noch reden. Oder bullet points an die Wand werfen“.  Der
Bullshit-Quotient steige, weil der Schwall der Wörter ein gutes Versteck bietet. „Wer die Schärfe meidet, eckt nicht an, provoziert keine Kritik. Die basic issue ist es, defensive oder gar aggressive Reflexe zu minimieren; sonst kostet es Kunden und Wähler. Hier vereint sich also Marketing-Sprech mit Political Correctness. Niemandem wehtun, am wenigsten sich selber. Lau badet’s sich gut, im Schaum noch besser. Doch stumpfe Sprache stumpft auch das Gehirn ab – des Redners wie des Zuhörers“, warnt Joffe.

Triple Play weiter in der Warteschleife

Bitkom erwartet 2,5 Millionen Nutzer in fünf Jahren  Berlin/Hamburg – Der bisherige Online-Sport-Sender sportdigital.tv http://www.sportdigital.tv ist jetzt auch über Satellit empfangbar. Der Sportrechtevermarkter Sportfive http://www.sportfive.com wird seinen hauseigenen Sender ab sofort über die Satellitenplattform entavio http://www.entavio.de ausstrahlen. Das berichtet das Branchenmagazin Sponsors http://www.sponsors.de in seiner Oktoberausgabe. sportdigital.tv zeigte bisher unter anderem die Deutsche Handball-Liga, die Deutsche Volleyball-Liga und die Deutsche Basketball-Liga über Internet – zur Freude der im Schatten von König Fußball stehenden Sportarten und ihrer Fans. Für die beginnende Basketball-Saison haben sich allerdings laut Medienberichten nur 850 Abonnenten registriert: „Den Fernsehmarkt werden die Macher allerdings kaum aufmischen. Denn derzeit beziehen noch 56 Prozent der deutschen TV-Haushalte ihr Signal über das analoge Kabel“, prognostiziert Medienmanager Thomas Deissenberger im Sponsors-Kommentar. „Derartige Pay-Angebote werden sich also nicht kurzfristig auf dem Markt durchsetzen, sondern erst dann, wenn sich die Digitalisierung der Verbreitungswege weitestgehend etabliert hat.“  IPTV, Fernsehen über das Internet Protokoll, wird immer wieder als Fernsehen der Zukunft beschworen. Der Durchbruch lässt nach wie vor auf sich warten. Im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau http://www.fr-online.de räumte Telekom-Festnetzchef Timotheus Höttges ein, dass sein Unternehmen das Produkt schlichtweg zu früh eingeführt habe. „Es hakte an vielen Stellen. Inzwischen wird es sehr erfreulich angenommen. Wir wollen 100.000 bis 200.000 Kunden in diesem Jahr bekommen, und wir sind überzeugt, dass wir das schaffen“, so Höttges gegenüber der Zeitung. „Ich sehe im Markt für IPTV, Telefonie und Internet weitere Preissenkungen und eine Marktkonsolidierung. Das bedeutet auch, dass Kunden heute nicht mehr wissen, ob ihr Anbieter morgen noch da ist. Davon profitiert die Telekom.“ Bis 2012, so schätzt der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien http://www.bitkom.de, könnten rund 2,5 Millionen Haushalte in Deutschland IPTV nutzen. Damit etabliert sich ein weiterer TV-Übertragungsweg neben Kabel, Satellit und Antenne. Eine von Goldmedia http://www.goldmedia.de erstellte Studie mit dem Titel „IPTV 2012“ gibt der Einschätzung von Höttges Recht und prognostiziert, dass bis zum Jahresende 100.000 Haushalte deutschlandweit IPTV nutzen werden.  Im Vergleich zu anderen EU-Ländern liegt Deutschland beim Fernsehen per Internetprotokoll derzeit zurück. So gibt es etwa in Frankreich schon jetzt rund zwei Millionen IPTV-Kunden. Auch Italien und Spanien sind deutlich weiter. Die Einführung von IPTV verläuft in Deutschland auch deshalb langsamer, weil sich die Angebote bisher vor allem auf Ballungsräume beschränken. „Entscheidend für die Penetration von IPTV sind neben einer breiteren Verfügbarkeit der Dienste vor allem die Steigerung der Bekanntheit sowie ein attraktiver Preis“, so Goldmedia-Geschäftsführer Klaus Goldhammer. Angeboten wird IPTV fast immer als Triple-Play, also zusammen mit Telefon- und Internetanschluss. Im Basispaket sind die gängigen Free-TV-Programme wie ARD, RTL und Sat1 enthalten. Für einen Aufpreis lassen sich Premium-Sender wie etwa Premiere hinzubuchen. Zum Empfang wird in der Regel eine Set-Top-Box benötigt. Sie bringt das Signal auf den Fernseher. Im Unterschied zum traditionellen TV-Empfang gibt es beim Fernsehen über das Internetprotokoll nahezu keine Kapazitätsengpässe. Theoretisch lässt sich eine unbegrenzte Anzahl von Programmen übertragen. Kunden können zudem interaktive Zusatzdienste nutzen. Dazu gehören beispielsweise Einzelabrufe von Film- und Fernsehsendungen, Abstimmungen oder Chats. Auch interaktive Werbeformen werden möglich. 

Axel Schnell, Chief Operating Officer des Stuttgarter ITK-Systemintegrators Nextiraone http://www.nextiraone.de, sieht im Einsatz von IPTV weitere Möglichkeiten, vor allem für Unternehmen. Video Conferencing etwa habe eine neue Dimension bekommen. „Bis hin zum Stirnrunzeln und dem Zucken der Augenbrauen des Gegenübers ist alles erkennbar. Video over IP schafft mittlerweile tatsächlich Mehrwert“, so Schnell. Durch die qualitative Verbesserung der Bilder ersetzten Video-Konferenzen immer öfter Geschäftstermine mit zeit- und kostenaufwendigen Anreisen. Dagegen seien frühere Erfahrungen mit Videokonferenzen auf analoger Basis mit verschwommenen Bildern kaum der Rede wert. „Ursprüngliche Ziele, Reisekosten und Zeit zu sparen, Mehrwert zu erzielen durch komfortable Lösungen, wird jetzt Realität. Damit wird Fernsehen als Mittel der Unternehmenskommunikation bezahlbar“, resümiert Schnell.

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