Honigtopf-Innovationen und Fördergeld-Wellensurfen #bloggercamp

Neues Opus von Duck

Für meine morgige The European-Kolumne zum Thema “Lustlos im Netz – Wie Politik und Wirtschaft die digitale Transformation blockieren” bin ich im neuen Buch von Professor Gunter Dueck auf eine herrliche Lesefrucht gestoßen, die ich natürlich sofort als Abschluss meines Beitrages verwenden musste:

Es geht um die Abwehr gegenüber der notwendigen digitalen Transformation, die übrigens leider auch in netzpolitischen Diskursen nicht so richtig auf der Agenda steht, wenn man sich mal die täglichen Treffer auf Rivva anschaut. Aber das ist noch ein Thema für weitere Storys, die ich in nächster Zeit aufgreife werde.

Hier nun der Auszug meiner Kolumne:

Etwas aktiver sind Staat und Wirtschaft beim Fördergeld-Wellensurfen. Da gibt es einen Überbietungswettkampf an digitalen Innovationen – für die Kulisse.

„Die Forschungsinstitutionen des Staates und der Wirtschaft pervertieren diese Maßnahmen, indem sie dadurch Geld verdienen, dass sie die Fördertöpfe unter sich aufteilen! Sie müssen gar keine Innovationen hervorbringen! Sie bewerben sich mit ihren Ideen einfach um die Fördergelder für die Umsetzung genialer Ideen und forschen mit diesen Geldern irgendwie weiter. Wenn dann die Finanzkontrolleure nach den aus Innovationen verdienten Geldern fragen, weisen sie die Einnahmen aus den Fördertöpfen vor. Ja, tatsächlich, sie haben es geschafft, aus ihren Ideen Geld zu machen“, schreibt Dueck in seinem neuen Buch „Das Neue und seine Feinde – Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen“. Klingt irgendwie nach dem Bestseller von Karl Popper.

Und welche Ernte bringen die innovativen Tarnkappenbomber? Studien, Publikationen, Impact-Points, Leuchtturmprojekte, Politiker-Pressetermine und einen ordentlichen Bonus für den spezialisierten Fördertopf-Innovationsmanager. Sobald die Förderung aufhört und die Mittel versiegen, marschieren die Winnie Puuhs des digitalen Wandels zum nächsten Honigtopf. Die gestoppten Projekte werden durch neue ersetzt, die wiederum neu gefördert und jährlich auf IT-Gipfeln der staunenden Öffentlichkeit als Theaterstück präsentiert werden. Sollten The European-Leser an der innovativen Fördergeld-Kreislaufwirtschaft zweifeln, empfiehlt Gunter Dueck eine Suchanfrage mit den Stichworten „Theseus“, „Galileo“ und „Ariane“. Oder schlicht: „Fördermittel verpulvern“.

Genügend Diskussionsstoff für unsere morgige Bloggercamp-Sondersendung von 18,30 bis 19,00 Uhr mit dem Staatssekretär Hans-Joachim Otto aus dem Bundeswirtschaftsministerium. Hashtag für Twitter-Zwischenrufe #bloggercamp

Und dann gehen wir ja mit unserem Buchprojekt “Die Streaming-Revolution” in die Vollen. Bitte unterstützt uns! Wir brauchen für die Startphase mindestens 50 Fans. Und wenn etwas Geld übrig ist, freuen wir uns natürlich auch über eine pekuniäre Förderung – garantiert ohne Honigtopf-Innovationen!

Mal schauen, ob das Daten-Portal der Bundesregierung besser funktioniert als die Bund Online-Projekte.

Und vielleicht kommen wir auch deshalb nicht aus dem Tal der digitalen Ahnungslosen heraus: Wir kamen aus dem Monopol – Warum Telekommunikation in Deutschland fast grauenhaft ist.

Zur Lutschpastillen-Politik des Bundes passt auch: Was der Innenminister unter Netzpolitik versteht…

Update:

Hier geht es zur The European-Kolumne!

About these ads

Die Rätselecke der Konjunkturforscher: Warum Wirtschaftsprognosen nichts mit der Realität zu tun haben

Ach herrlich, jetzt hat sich auch das Handelsblatt mal die Glaskugel-Ökonomen der Wirtschaftsforschungsinstitute vorgeknöpft und titelt das Stück treffend mit “Die Irrtums-Industrie”. Und nach den Ausführungen von Wolf Lotter über die Industrielastigkeit über die ökonomischen Gutachter-Fabriken ist die Formulierung in zweifacher Hinsicht gut gewählt – auch wenn die Handelsblatt-Autoren ihren Schwerpunkt auf Irrtum setzen. Für 2013 bringen sich die Orakel-Wissenschaftler wie Professor Sinn schon wieder in Position und unken über Schlechtigkeiten, die über die deutsche Volkswirtschaft herniedergehen.

“Die gute Nachricht: Sie liegen mit ihren Prognosen verlässlich daneben. Ihr Pessimismus wird von der Wirklichkeit Jahr für Jahr widerlegt.”

Etwa das Ifo-Institut von Herrn Sinn. Für 2010 wurde ein minimales Wachstum von 1,7 Prozent “errechnet”. Tatsächlich lag es bei 4,2 Prozent.

“Die Wirtschaftsleistung lag also um fast 70 Milliarden Euro – das entspricht gut dem Fünffachen des Bildungs- und Forschungsetats des Bundes – höher als vorausgesagt”, so das Handelsblatt.

Für nächstes Jahr werden die Werte sich wohl bei 0,4 bis 0,5 Prozent einpendeln – und von der Realwirtschaft mit Sicherheit übertroffen. Meine Prognose gebe ich ja bereits traditionell Anfang Januar ab mit der Neujahrskarte meines alten Arbeitgebers: Dem Institut für Demoskopie Allensbach.

In der Regel liegt ja die Veränderung der Stimmungslage in der Bevölkerung als Basis für meine “Berechnungen” immer besser als die vom Steuerzahler alimentierten Konjunkturforscher. Bislang hat mir die Bundesregierung aber noch kein Honorar überwiesen. Ich fordere daher die Aufnahme in die Blaue Liste des Bundesfinanzministers – denn da findet man die Vertreter der Irrtums-Industrie.

Die Fehlerquote hat übrigens zugenommen im Vergleich zu den 1980er Jahren. Warum die Präsidenten dieser Wahrsager-Institute dann immer so bedeutungsschwer in der Bundespressekonferenz aufschlagen und im Blitzlicht-Gewitter mit Mister-Wichtig-Miene dem Wirtschaftsminister ihren Bericht übergeben, ist mir schleierhaft. Die sollten da lieber Bingo spielen und Rubbel-Lose verteilen – das hätte mehr Substanz.

Am besten fasst das Rätselecken-Spektakel der von mir hoch verehrte Schriftsteller Hans-Magnus Enzensberger in Worte:

“Was Wirtschaftswissenschaftler unter Wirtschaft verstehen, ist bestenfalls ihnen selber klar; der Rest der Welt hegt gewisse Zweifel an ihren Vorstellungen und fragt sich, ob es sich bei ihrer Beschäftigung überhaupt um eine Wissenschaft handelt.”

Mit ihrem Denken in großen Aggregaten und den gewaltigen Mengen von statistischen Daten operieren sie eher wie Maulwürfe und können eine Tanne nicht von einer Zeder unterscheiden. Sie erkennen vor lauter Wald eben nicht die vielen unberechenbaren Bäume.

VWL-Mechaniker im Machbarkeitswahn.

Wolf Lotter und die Dampfmaschinen-Ideologie der liebwertesten Industrie-Gichtlinge

Schon vor drei Jahren ist Wolf Lotter in seinem Buch „Die kreative Revolution – Was kommt nach dem Industriekapitalismus“ den Museumswächtern des Industriekapitalismus kräftig ans Leder gegangen. Wissen schlägt Produkt.

„Die großen Gewinne, die weltweiten Erfolge ökonomischer Prozesse und Innovationen sind nahezu alle wissensbasiert, seit dem Siegeszug des Computers und des Internets ist das deutlich“, erläutert Lotter, der aber darauf verweist, dass die meisten Akteure von Wirtschaft und Politik getaktet sind wie in den Zeiten des Fordismus. Harmonisch werde der Machtkampf zwischen industriekapitalistischen und wissensbasierten Organisationen nicht ablaufen.

Die Dampfmaschinen-Propheten sind in einer Großen Koalition organisiert. Zu ihnen zählen SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler und die Vertreter der Tarifparteien. Ihre simple Botschaft: Maschinen, Schrauben, Dübel und qualmende Schlote machen uns im harten globalen Wettbewerb krisenfest. Lotter zerlegt diese Weisheiten in seinem charmanten österreichischen Ton:

“Die Re-Industrialisierung hat vom Ton her etwas reaktionäres und gehört zur Vorstellungswelt der Volksparteien, die sich hier sehr einig sind. Sie sind in der Industriegesellschaft geboren worden und sind mit der Kultur der Industriegesellschaft eng verhaftet. Sie haben ein mechanistisches Menschenbild und gehen davon aus, dass Fabriken leichter zu kontrollieren sind. Mit der neuen Welt der Wissensgesellschaft können sie sich nicht anfreunden. Die deutsche Volkswirtschaft zählt zu den vier größten Industrienationen. Das ist nicht zu bestreiten. Allerdings liegt der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung des Bruttoinlandsproduktes bei 20,7 Prozent. Das repräsentiert gerade mal ein Fünftel der Wirtschaftsleistung, aber 100 Prozent des Theaters, weil Politiker und Verbandsfunktionäre ihre Macht nicht aufgeben wollen und in dieser alten Welt ihre Erfüllung sehen. Man sollte die Industriegesellschaft nicht dividieren. In der Industrie haben wir Leute, die klug genug sind um zu wissen, dass es nicht darum geht, einen Begriff zu erhöhen. Es geht darum, mit Wissen bessere Dienstleistungen und Produkte herzustellen. Es ist vollkommener Unsinn, wenn die Politik sich immer noch auf das mechanistisch Anfassbare kapriziert. Das beweist, dass der durchschnittliche deutsche Politiker ein Beamter ist, wie Frank-Walter Steinmeier – ein Berufsbeamter, der von der Ökonomie und von der Praxis keine Ahnung hat”, so Lotter im ichsagmal-Interview.

Würde man den Ratschlägen von Steinmeier folgen, keine wissensbasierte Dienstleistungsgesellschaft zu werden, wäre Deutschland bitterarm.

“Wir schöpfen in der Kreativökonomie Ideen, konstruieren Autos und Maschinen. Die deutsche System-Industrie steht für wissensbasierte und personalisierte Industrielösungen. Wir bauen nichts am Fließband, sondern wir bauen individualisierte Leistungen. Deswegen sind die Produkte letztlich so erfolgreich. Was Steinmeier meint, ist wohl ein Rückgriff auf eine alte und hierarchisch überschaubare Gesellschaftsstruktur, wo es eine Arbeiterklasse gibt, wo es Angestellte gibt, wo es einen normalen Lebensverlauf gibt. Das ist bei Schwarz-Gelb nicht anders. Es gibt in der Bundesregierung wirklich keine einzige Person, die sich mehr als alibimäßig mit Wissensgesellschaft und kreativer Ökonomie beschäftigt, obwohl das mittlerweile den größten Teil der Ökonomie ausmacht. Fast jedes OECD-Land sei in dieser Frage stark engagiert, weil es die klügsten Köpfe halten und verstehen will. Das will man offensichtlich in der deutschen Politik nicht”, moniert Lotter, der für die Zeitschrift brand eins die Einleitungsessays schreibt.

Qualmende Schlote bringen der deutschen Wirtschaft gar nichts, auch keine Arbeitsplätze, da die Fertigungstiefe in den vergangenen Jahren nicht zugenommen hat und wohl auch in Zukunft nicht zunehmen wird. Das sieht auch Lotter so.

“Wir verdienen unser Geld, indem wir Ideen und Wissen produzieren. Das ist eine völlig andere Welt als die Skalierungswelt der Industrie, die auf Massenfertigung setzt. Würden wir dem Empfehlung zur Re-Industrialisierung folgen, dann wäre Deutschland bald ein Armenhaus. Wir könnten auf gar keinen Fall gegen die Massenproduzenten konkurrieren, die es längst in aller Welt gibt und von denen wir heute profitieren. Es sind die Märkte für unsere guten Ideen”, meint Lotter.

Warum transportieren eigentlich Organisationen wie das Institut der deutschen Wirtschaft dann immer noch das Märchen von der heilsamen Wirkung der Re-Industrialisierung?

“Es gibt viele Institute und Direktoren, die eng mit dem industriellen Sektor verflochten sind. Insgesamt gibt es eine enge Verflechtung zwischen Industrie, Wirtschaftsinstituten und Politik. Man muss sich nur die Namensliste der Berliner Industrielobby anschauen. Teilweise sogar in Personalunion. Das spielt sich vor allem im roten und schwarzen Lager ab. Da wird jemand Politiker mit einer alt-industriellen Lackierung, der dann später zum Verbandschef aufsteigt, um seine Freunde im Industrielager weiter zu unterstützen”, sagt Lotter.

Ähnliches kann man bei den Wirtschaftsinstituten beobachten. Man braucht sich nur den Vorstand des Instituts der deutschen Wirtschaft anschauen ;-)

Wo aber sollten denn nun wirtschaftspolitische Akzente gesetzt werden?

“Es ist eigentlich klar, wer in Deutschland für Wohlstand sorgt. Es sind die vielen Menschen, die in mittelständischen und kleinen Unternehmen oder als Selbständige arbeiten. Und die können gar nicht anders als innovativ zu denken, sonst wären sie sofort weg vom Fenster. Sie sind meistens in wissensbasierten Dienstleistungsbranchen tätig im weitesten Sinne. Sie lösen Probleme für andere Leute. Manchmal ist es auch eine alberne Definitionsgeschichte. So glauben manche Mittelständler, dass sie noch zum industriellen Sektor gehören. In Wirklichkeit kümmern sie sich aber um Software, Logistik und denken sich Lösungen aus”, führt Lotter aus.

Sein Ratschlag: Politische Entscheider sollten den Prinzipien folgen, die der Ökonomie Erfolg bringen. Und der liege in einer hervorragenden wissensbasierten Ökonomie und das schon seit langer Zeit. Die Politiker sollten auch mit Wirtschaftshistorikern reden, um sich ein klares Bild zu verschaffen. Das empfiehlt Lotter vor allem dem Bundeswirtschaftsminister und dem SPD-Fraktionschef. Sie könnten etwa mit Professor Werner Abelshauser sprechen (oder sein Opus „Deutsche Wirtschaftsgeschichte“ lesen). Der würde ihnen erklären, dass die Industriegesellschaft strukturell diesen Namen seit fast 100 Jahren gar nicht mehr verdient. Die kleinen Klüngel der Berliner Politik sind wohl das Hauptproblem, die sich gegenseitig die Stichworte zuschieben und nicht wissen, was draußen wirklich passiert. Nur auf dieser Grundlage entstehe so ein Unsinn, der am Wochenanfang vom Bundeswirtschaftsminister verkündet wurde.

Und generell benötigen wir in Politik, Wissenschaft und Wirtschaft mehr Abweichler und Spinner.

Sie machen sich den schnellen Wandel und die Auflösung alter Kontexte zunutze. Die ungezähmten Ideen an der Peripherie sind der Rohstoff, aus dem morgen glänzende Markterfolge erwachsen. Das werden wir heute Abend im virtuellen Blogger Camp verhandeln. Eine Gesprächsrunde über die Re-Industrialisierung machen wir da allerdings nicht (das würde ich gerne im Dezember auf die Agenda setzen).

Vom Fluch des Denkens in Aggregaten – Schumpeter und die Rolle von Innovationen für Volkswirtschaften

Meine leicht ironisch formulierte Reiseempfehlung an die politischen Entscheider in den krisengeschüttelten Euro-Ländern hat bei ein paar makroökonomisch beseelten Wirschaftsbloggern Reflexe ausgelöst, die dem ehrwürdigen Pawlow einige Freude bereitet hätte. Die Twitter-Disputation habe ich gestern dokumentiert.

Warum sollte eine Exkursion nach Cupertino in die Apple-Zentrale auch falsch sein? Mit meinem Sohn werde ich in der zweiten Juni-Woche ins Mekka der Informationstechnologie aufbrechen und einen kleinen Tagesausflug auf den Spuren von Steve Jobs machen – Berichte und Interviews darüber gibt es natürlich auch.

Reisen erweitern den Bildungshorizont. So könnten die gebeutelten und verzweifelten Euro-Politiker wieder Optimismus und Kraft tanken, wenn sie erfahren, wie man weltweit selbst in der schlimmsten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit Rekordgewinne erzielt und welche Rolle dabei Innovationen spielen. Und genau an dieser Sollbruchstelle arbeitete sich Joseph Schumpeter in seiner kritischen Würdigung des makroökonomischen Werkes von John Maynard Keynes ab. Das war also in meiner “platten und peinlichen” Kolumne ein Wink mit dem Zaunpfahl an die Makroklempner, ihre deduktive Brille abzusetzen und auch mal einen induktiven Blick zu wagen. Da Schumpeter im Gegensatz zu Keynes ein Eigenbrötler war, fehlten ihm prominente Promotoren, um seine Ansichten über Konjunkturzyklen zu verbreiten und der Allgemeinen Theorie von Keynes entgegenzusetzen. Schumpeter war das schlechtere PR-Talent.

Dabei sind seine Ausführungen zum “Fluch des Denkens in Aggregaten” wichtiger und notwendiger denn je. Die Summe von Einzeleintscheidungen kann man im nachhinein höchst simpel im Brustton der Besserwisserei interpretieren. Das Jahrbuch des Statistischen Bundesamtes dürfte bei den Makroklempnern wohl einen vorderen Platz auf der persönlichen Bestseller-Liste einnehmen. Da stürzt man sich mit Verve auf Monokausalitäten und Korrelationen, um der Öffentlichkeit die Gesetzmäßigkeiten des Wirtschaftsverlaufs zu erklären – belastbar sind diese Aussagen aber immer nur im Rückspiegel.

Geht es um die Zukunft, rangieren die Gewissheiten der VWL-Mechaniker auf dem Level von Kaffeesatz-Leserei. Das ist schlecht fürs Ego. Also muss man lautstark um sich schlagen, um die brüchigen ökonometrischen Analysen in irgendeiner Weise zu retten.

Ich könnte übrigens den Markoklempnern noch eine finanzwissenschaftliche Abhandlung aus meiner studentischen Feder ins Besserwisser-Biotop kippen: Dort ging ich in unendlichen Zahlen-Kolonnen der Frage nach, ob es eine optimale Staatsverschuldung für Staaten gibt. Das Dumme an meinen Empfehlungen ist nur, dass sich diese unberechenbare politische Klasse einen Teufel um meine Analysen schert und scheuklappenselig einfach nur an den nächsten Wahltermin denkt. Ist ja auch fatal, dass es den machiavellistischen Faktor in der Politik gibt. Lässt sich mathematisch nur schwer in Formeln gießen.

Das wird das Thema meiner nächsten The European-Montagskolumne sein. Ich verspreche den aggregierten Wirtschaftswunder-Denkern, dass ich ihre empfohlene Stellschrauben-Wenn-Dann-Ceteris-Paribus-Arithmetik ausführlich würdigen werde – also Spardiktat etwas lockern und zumindest eine “atmende Fiskalpolitik” betreiben etc..

Umgekehrt wünsche ich mir, dass die VWL-Mechaniker sich mit der Frage auseinandersetzen, ob nicht Keynes und die Post-Keynesianer ein verzerrtes Bild des Wirtschaftslebens zeichnen. So wird die Rolle der Innovationen bei der Frage der Investitionszurückhaltung entweder völlig ausgeblendet oder heruntergespielt.

Schumpeter wendet ein, dass damit der Kern des wirtschaftlichen Wandels ignoriert wird. In Wahrheit werden Volkswirtschaften permanent durch Innovationen, Technologien und neuen Geschäftsmethoden umgepflügt und revolutioniert. Und häufig sind es Einzelpersönlichkeiten wie Steve Jobs oder der Generalpostmeister Heinrich von Stephan, die komplette Wirtschaftsbranchen ins Wanken bringen und neue Wirtschaftsbranchen entstehen lassen – wie die Telefonie-Expansion Ende des 19. Jahrhunderts. Wie dieser Wandel aussieht, kann auch in aggregierten Größen analysiert werden. Entsprechende Interviews, Meinungen, Studien und Recherchetipps sind hoch willkommen. Bis Freitagabend nehme ich das gerne auf. Heute gibt es noch eine Kolumne über die Zukunftsaussichten von Facebook – so gegen 15 Uhr auf Service Insiders.

Warum wir anders ticken, als die Makroökonomen glauben

Makroökonomen sind schlechte Menschenkenner. Sie scheitern in schöner Regelmäßigkeit als Konjunkturforscher und als Konjunkturpolitiker. Ich bin in meinen „Ich-sag-mal-Gegenprognosen“ zu den staatlich alimentierten Frühjahrs- und Herbstgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute in den vergangenen Jahren regelmäßig auf die empirischen Mängel der Glaskugel-Ökonomen eingegangen. Erinnert sei an meine Wachstumsprognose für 2012: 2,5 Prozent! Und ein kleiner Exkurs über VWL-Wetterfrösche.

Ich kann daher den Finanzblogger des Jahres Dirk Elsner gut verstehen, wenn er genervt auf die so genannte Austeritätsdebatte reagiert. Mit Austerität ist eine Staatstätigkeit gemeint, die in der Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik Einsparungen bei staatlichen Leistungen und/oder zusätzliche Abgabenlasten verordnet.

„Im Kern steht ein von Uwe Jean Heuser in der ZEIT gut zusammengefasster ‘Glaubenskrieg’ um die Frage, wie man die aktuelle Wirtschaftskrise überwinden kann: mit noch mehr Geld oder mit konsequentem Sparen. Die Kritik an Deutschlands “Spardiktat” fällt dagegen vergleichsweise undifferenziert aus“, erläutert Blick Log-Blogger Elsner.

Meist würden die Experten einfach nur erhöhte Staatsausgaben über Konjunkturprogramme und fiskalische Impulse sowie eine expansive und inflationsfördernde Geldpolitik fordern – wie in den 1970er Jahren. Ob diese Maßnahmen wirklich zum Erfolg führen, bleibe offen. Von den Argumenten der Austeritätsgegner wie Krugman oder Tilford ist Elsner nicht überzeugt:

„So hat die Bundesregierung Anfang 2009 das Konjunkturprogramm 2 beschlossen. Es sollte in der durch die Finanzkrise verursachten Wirtschaftskrise die Nachfrage stimulieren. Das Programm lief in der Umsetzung sehr schleppend an, entfaltete geringere Wirkungen als erwartet und wirkte dann eher in einer Zeit, als die Wirtschaft ohnehin auch aus anderen Gründen angesprungen ist. Ich kenne einige Unternehmen, die sich damals für Mittel aus diesem Programm interessiert haben. Sie haben schnell abgewunken: Zu bürokratisch, zu langwierig, zu selektiv. Mag sein, dass Volkswirte solche praktischen Fragen der Umsetzung für nicht relevant halten, weil es sich nur um ‚operative Probleme‘ handelt und es letztlich nur auf die ‚richtige‘ Umsetzung ankommt. Ich halte sie für sehr relevant.“

Wirtschaftswunder durch unsolide Haushaltspolitik?

In der Makrodebatte werde immer noch so getan, als wirke die Geldpolitik wie im Lehrbuch. Man kann natürlich auch weiter auf Wirtschaftswunder hoffen, wie der FTD-Autor Thomas Fricke André Kühnlenz in seiner Replik auf Elsner:

„Eigentlich dürften Regierungen in den Randstaaten jetzt eben überhaupt nicht sparen. Sie müssen es viel später tun.“ Was der Euro-Raum jetzt brauche, sind keine Wachstumspakete mit Kleckerbeträgen oder irgendwelchen Projektbonds, sondern eine Streckung der Sparziele. „Dafür brauchen wir jedoch entweder Gemeinschaftsanleihen und höchstwahrscheinlich die EZB als Kreditgeberin der letzten Instanz für Staaten, um die Kapitalflucht zu stoppen.“

Fricke Kühnlenz könnte mit dieser Forderung auch der Glaubenskongregation des Vatikans beitreten. Vielleicht sollten Länder wie Griechenland anfangen, etwas genauer die Ursachen der hausgemachten Wirtschaftskrise zu untersuchen. Wer mit den Stinkefinger auf andere Staaten zeigt, lenkt von der eigenen Verantwortung ab. Mit einer Politik des weichen Geldes entstehen weder Innovationen noch Prosperität. Das gibt es keinen Automatismus. Ob nun der Staat sinnvoll oder weniger sinnvoll Steuergelder ausgibt, kann niemand wissen – nicht ich und auch nicht Herr Fricke. Es kann alles verplempert werden und sogar zu einer Verschärfung der Wirtschaftskrise beitragen.

Statt sich in Verschwörungstheorien zu ergehen, sollten Vertreter der angeschlagenen Euro-Länder mal nach Cupertino fahren und sich von Apple erklären lassen, wie man Rekordgewinne selbst in der schlimmsten Finanzkrise der Nachkriegszeit einfährt.

Das ist auch das Credo meiner morgigen The European-Kolumne: Die Glaubenskongregation der Makroökonomie: Fahrt nach Cupertino, um Innovationen zu lernen

Update – Kleine Twitter-Disputation:

Die Peinlichkeits-Rhetoren verstehen wohl nicht die metaphorische Polemik mit Apple. Die Liebwerteste Gichtlinge-Kolumne ist eine Glosse, werte Herren der aggregierten VWL-Weisheiten.

Nach dem Relegationsspiel-Theater mit den richtigen Pyromanen beschäftigen: Die Kommunen!

Ganz so falsch lag ich mit meiner Einschätzung über die Aushöhlung des Recyclingsprinzips. Nach der krachenden Niederlage in NRW droht dem Umweltminister Norbert Röttgen weiteres Ungemach. Diesmal aus Brüssel.

So hält nach einem Bericht des Fachdienstes Euwid der ehemalige EU-Kommissar Günter Verheugen das neue deutsche Kreislaufwirtschaftsgesetz für europarechtswidrig.

Das sagte Verheugen auf einer Podiumsdiskussion der Fachmesse Ifat in München.

Das Kreislaufwirtschaftsgesetz setze die europäische Abfallrahmenrichtlinie nicht richtig um und stelle „unsinnigerweise Müllverbrennung und Recycling gleich“, so Verheugen laut einer Pressemitteilung des Entsorgungsunternehmens Veolia.

Darüber hinaus unterbinde das Gesetz den Wettbewerb, indem es Kommunen das Recht einräume, Wertstoffe ohne jede Ausschreibung für sich zu beanspruchen.

Da erweist sich das Geschenk von Röttgen an die Kommunen wohl als Rohrkrepierer.

Der Bonner Abfallexperte Sascha Schuh hält in diesem Streit zwei Aspekte für wichtig. Es gehe um die wirtschaftlichen Interessen der kommunalen Abfallbetriebe beim Wertstoffhandel. Erinnert sei an den Streit um die Andienungspflicht von Altpapier. Darüber seien die Verbrennungskapazitäten bundesweit extrem gestiegen. Das führte zu einem Überangebot an Verbrennungskapazitäten.

“Ich will Ihnen das mal an einem Bespiel außerhalb der Verpackungsverordnung belegen. Es gibt hohe Mengen an Aufkommen von landwirtschaftlichen Agrarfolien. Diese werden von einigen Kommunen gar nicht freigegeben, um sie zu vermarkten oder zu günstigeren Konditionen zu beseitigen, da sie diese Stoff für ihre Abfallverbrennungsanlagen brauchen und lieber hochwertige Rohstoffe verbrennen als sie dem Verwertungskreislauf zuzuführen”, so Schuh im Interview mit dem Ich sag mal-Blog.

Ein weiterer Kritikpunkt an der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetztes ist die sogenannte Gleichstellungsklausel, die im Paragraf 8 Absatz 3 getroffen wurde. Sie besagt, dass die thermische Verwertung der stofflichen Verwertung gleichgestellt wird, wenn ein Brennwert von 11.000 Kilojoule wird. Auch das sieht Sascha Schuh kritisch:

“Ich sehe das als einen absoluten Rückschritt in der Entwicklung, die wir in den vergangenen 20 Jahren in der Bundesrepublik hatten. Wir haben uns alle bis zum letzten Zahnpastatübchen und Kaffeedöschen darum bemüht, eine wertstoffliche Verwertung aufzubauen. Es hieß ja schon einmal die Parkbankgesellschaft in der Bundesrepublik. Heute wird ganz lapidar die thermische Verwertung der stofflichen und werkstofflichen Verwertung gleichgesetzt. Ich denke aber, dass gerade der Einwand, der durch die Branchenverbände BVSE und BDE gemacht wurde bis hin zur Eingabe zur Kommission nach Brüssel Wirkung zeigen werden und wir dort auch zukünftig sehen werden, wie sich die Entwicklung zwischen der thermischen und werkstofflichen Verwertung entwickeln wird. Es ist auf jeden Fall wichtig und notwendig, dass die werkstoffliche Verwertung der thermischen Verwertung zukünftig weiter vorgezogen wird. Es wäre ein Unding, wenn wir genau diesen Verwertungszweig zukünftig unterordnen würden, Materialien verbrennen würden und somit die Primärenergie weiter stärker verbrauchen würden, um neue zu erzeugen.”

In erster Linie würden Kommunen das Geld sehen. “Es geht augenscheinlich nur darum, dass die Kommunen versuchen, weitere Löcher in ihren Kassen zu stopfen. Dies schaffen sie, indem die Kommunen mehr Einnahmen kreieren und sehen, dass wir mittlerweile in der Sekundärrohstoffvermarktung von einem Anbietermarkt, der wir vor vielen Jahren auch noch waren, zu einem Nachfragermarkt geworden sind. In diesem Nachfragermarkt unterliegen die Preise deutlichen Steigerungen im Laufe eines Jahres, gemäß der Nachfrage. An diesem Spiel möchten die Kommunen gerne teilnehmen und auch an den Erlösen partizipieren”, erläutert Schuh.

Den Widerspruch zum EU-Recht sieht auch die Abfallrechtsexpertin Dr. Birgit Stede: Nunmehr stehe das neue Kreislaufwirtschaftsgesetz klar im Widerspruch zur Abfallrichtlinie der EU, so Stede. Hier gebe es eine klare Vorgabe: Erst komme die Vermeidung, dann die Wiederverwendung, danach die stoffliche Verwertung (Recycling) und erst am Schluss folgt die sonstige Verwertung, zu der auch die Müllverbrennung zählt.

„Berlin durchbricht komplett die Hierarchiefolge, die Brüssel vorschreibt“, sagt Stede.

Das sei kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt für das Recycling. Die von Verbänden bereits angekündigte Beschwerde bei der EU-Kommission werde sich daher wohl auch gegen diese Gleichstellungsklausel richten. Es könnte sogar zu einer Klage der EU-Kommission gegen das Kreislaufwirtschaftsgesetz kommen, vermutet Stede. Norbert Röttgen wird wohl auch als Umweltminister noch ein paar Niederlagen hinnehmen. Da wäre wohl die Rolle als Oppositionsführer im NRW-Landtag besser gewesen.

Zu den Beschwerdeführern in Brüssel gesellen sich jetzt noch die Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) und der Verband Deutscher Metallhändler (VDM). Die Ausgestaltung der „gewerblichen Sammlung“ im neuen Abfallgesetz verstoße, insbesondere was kleingewerbliche Sammlungen von Schrott betrifft, gegen europäisches Recht, erklärten die beiden Verbände nach einem weiteren Bericht des Fachdienstes Euwid.

“In der von der Kölner Rechtsanwaltskanzlei Köhler & Klett verfertigten Beschwerdeschrift monieren die Verbände, dass die gewerblichen Kleinsammlungen von Schrott aus privaten Haushaltungen in Zukunft mit derartigen Restriktionen versehen sein werden, dass sie faktisch ausgeschlossen sind. Nutznießer davon seien die öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (Kommunen), denen der Schrott überlassen werden muss. Damit werde die privatwirtschaftliche Sammeltätigkeit ausgelöscht, die in Deutschland auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken kann”, schreibt Euwid.

Update: Und so schnell wird man von der Realität überrollt. Da schmeißt doch die Merkel den Röttgen raus. Ok. Dann muss halt Peter Altmaier die Kreislaufsuppe auslöffeln.

Müll, Moneten, Monopole: Was die Kommunen in der Abfallwirtschaft erreichen wollen

Justus Haucap von der Monopolkommission hat direkt auf meinen Tweet zum Müllkrieg der Kommunen reagiert.

Das Interview mit Sascha Schuh von der Bonner Beratungsgesellschaft Ascon ist auch sehr interessant und fast kompakt die neue Gefechtslage in der Abfallwirtschaft zusammen.

Schon am Freitag bin ich in meiner Kolumne für Service Insiders auf einige Aspekte eingegangen:

Mit der Novelle des Kreislaufwirtschaftsgesetzes steht auch ein neues Wertstoffgesetz auf der Agenda des Bundesumweltministeriums. Mit dem Erfolg des Vermittlungsausschusses im Rücken wollen auch hier die Kommunen ihre Interessen durchdrücken.

„Auf der kommunalen Seite gibt es verschiedene Überlegungen, eine Ausgestaltung einer einheitlichen Verpackungs- und Wertstoffentsorgung zu entwickeln, die auf den dauerhaften Fortbestand der dualen Systeme verzichtet“, heißt es in der Analyse einer Berliner Anwaltskanzlei.

Die Mitfinanzierung der Wertstofftonne könnte über eine andere Trägerschaft (Beleihung) erfolgen. Als Modell könnte eine unabhängige „Gemeinsame Stelle“ (klingt ein wenig wie die Zentrale Stelle, die von Vertretern Dualer Systeme ins Spiel gebracht und sich als Rohrkrepierer herausstellen könnte) fungieren für die Einziehung und Verteilung der Finanzmittel.

Es gab nach Erkenntnissen des Bundes der Steuerzahler schon vor der Novelle einige Initiativen von Gebietskörperschaften, sich die Gelbe Tonne unter den Nagel zu reißen, um wie beim Altpapier die Wertstofferlöse zu kassieren. Das sei allerdings regelmäßig kläglich gescheitert. Denn es fehle an den nötigen Investitionen in moderne Sortier- und Recyclingtechnologien. Hier hätten die mittelständisch geprägten Unternehmen klar die Nase vorn – auch was die Vermarkung der Sekundärrohstoffe anbelangt. Es wäre schade, wenn die Kommunen jetzt einen funktionierenden Markt zerstören und den Mittelstand gefährden würden, kritisiert der Verwaltungsrechtsexperte Harald Schledorn vom Bund der Steuerzahler.

Die Rechtsberater der Kommunen wittern trotzdem Morgenluft, um auch beim Wertstoffgesetz die Positionen ihrer Mandantschaft maximal zu stärken. Eine Steilvorlage biete eine schwammige Formulierung des neuen Kreislaufwirtschaftsgesetzes, so Rechtsanwältin Birgit Stede.

So könnten die Kommunen gewerbliche Sammlungen von Abfall untersagen, wenn sie nicht wesentlich leistungsfähiger seien als kommunale Dienstleistungen.

„Was soll wesentlich leistungsfähiger sein? Wenn jetzt nicht zügig ein Eingreifen der EU-Kommission erfolgt, wird es eine Flut von Rechtsstreitigkeiten geben“, resümiert Stede.

In Kassel werden morgen beim Abfall- und Bioenergieforum alle Kontrahenten im Müllstreit auftreten. Hier geht es zum Programm.

Und ich werde auch dabei sein.

Die Wirtschaft brummt und die professionellen Konjunkturforscher liegen wohl wieder falsch #manager-magazin


manager-magazin-Redakteur Henrik Müller kommt zu einem Befund, den ich schon Anfang des Jahres hier veröffentlicht habe:

“Die gängigen Konjunkturprognosen sind viel zu pessimistisch, jedenfalls für Deutschland. Wir stecken in einer Wachstumsdynamik, die noch lange nicht zu Ende ist, die sogar noch Jahre andauern kann. Falls es nicht zu einem großen Unfall kommt – einer unkontrollierten Staatspleite in Europa oder einem Zerbrechen des Euro oder einem Krieg im Nahen Osten – segelt die Bundesrepublik mit sattem Rückenwind.”

Der manager-magazin-Konjunkturindikator, ermittelt vom privaten Forschungsinstitut Kiel Economics, zeige wieder nach oben. “1,2 Prozent sagt er derzeit für 2012 vorher. Tendenz: weiter steigend. Gut möglich, dass Deutschland auch das laufende Jahr mit einer Zwei vor dem Komma abschließen wird. Diese Prognose steht in krassem Gegensatz zu den meisten anderen Vorhersagen.”

Da nähert sich das manager magazin meiner Vorhersage an ;-)

Ich selbst habe ja in den vergangenen Jahren ein sehr komplexes ökonometrisches Modell entwickelt, um die Konjunktur vorherzusagen. Das Rechensystem beruht auf einer Neujahrskarte, die ich jedes Jahr von meinem alten Arbeitgeber erhalte: Das Institut für Demoskopie Allensbach. Die von dem Informatiker und Statistiker Professor Steinbuch entdeckte Korrelation zwischen dem Wirtschaftsverlauf und dem Allensbacher Stimmungsbarometer habe ich ja hier schon mehrfach hinlänglich erläutert. Die Antworten auf die Jahresfrage, ob man dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen schaut, hat eine Menge mit Wirtschaftspsychologie zu tun, die von den Zahlendrehern in den Wirtschaftsinstituten sträflich vernachlässigt wird. Der Optimismus ist in der Bevölkerung etwas zurückgegangen, aber nicht so dramatisch, wie es die Medienberichte suggerieren. Da vergeht ja keine Woche ohne eine Krisen-Schlagzeile. Mit Hoffnungen blicken immer noch 49 Prozent dem Jahr 2012 entgegen – vor einem Jahr lag dieser Wert sieben Prozentpunkte höher. Befürchtungen geben 17 Prozent zu Protokoll – ein Anstieg von vier Prozentpunkten. Skepsis äußeren dann noch 26 Prozent – ein Plus von fünf Prozentpunkten. Unentschieden sind 8 Prozent. Das ist ungefähr das Meinungsbild des Jahres 2006 – also die Einschätzung für 2007.

Demnach kommt jetzt meine kompliziert berechnete Prognose für 2012. Das Wachstumstempo wird sich nur leicht abschwächen und erreicht 2,5 Prozent.

Meine Wachstumsprognose für 2012: 2,5 Prozent! Und ein kleiner Exkurs über VWL-Wetterfrösche

Im vergangenen Jahr lag bekanntlich das Wachstum in Deutschland bei rund 3 Prozent (die endgültigen Zahlen werden vom Statistischen Bundesamt am 11. Januar vorgelegt- trotz der dauerhaften Negativmeldungen über die Eurokrise. Die professionellen und steuerlich üppig finanzierten Konjunkturforscher rechneten nur mit 2,2 Prozent. Ich selbst ging von einem ähnlich starken Wachstum wie 2010 aus und tippte auf 3,7 Prozent. Da lag ich also in der Abweichung diesmal nicht sehr viel besser – aber auch nicht schlechter.

Wie wird es dieses Jahr. Ich selbst habe ja in den vergangenen Jahren ein sehr komplexes ökonometrisches Modell entwickelt, um die Konjunktur vorherzusagen. Das Rechensystem beruht auf einer Neujahrskarte, die ich jedes Jahr von meinem alten Arbeitgeber erhalte: Das Institut für Demoskopie Allensbach. Die von dem Informatiker und Statistiker Professor Steinbuch entdeckte Korrelation zwischen dem Wirtschaftsverlauf und dem Allensbacher Stimmungsbarometer habe ich ja hier schon mehrfach hinlänglich erläutert. Die Antworten auf die Jahresfrage, ob man dem neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen schaut, hat eine Menge mit Wirtschaftspsychologie zu tun, die von den Zahlendrehern in den Wirtschaftsinstituten sträflich vernachlässigt wird. Der Optimismus ist in der Bevölkerung etwas zurückgegangen, aber nicht so dramatisch, wie es die Medienberichte suggerieren. Da vergeht ja keine Woche ohne eine Krisen-Schlagzeile. Mit Hoffnungen blicken immer noch 49 Prozent dem Jahr 2012 entgegen – vor einem Jahr lag dieser Wert sieben Prozentpunkte höher. Befürchtungen geben 17 Prozent zu Protokoll – ein Anstieg von vier Prozentpunkten. Skepsis äußeren dann noch 26 Prozent – ein Plus von fünf Prozentpunkten. Unentschieden sind 8 Prozent. Das ist ungefähr das Meinungsbild des Jahres 2006 – also die Einschätzung für 2007.

Demnach kommt jetzt meine kompliziert berechnete Prognose für 2012. Das Wachstumstempo wird sich nur leicht abschwächen und erreicht 2,5 Prozent.

Damit liege ich deutlich über den Werten der meisten Konjunkturforscher – mit Ausnahme des Aufsichtsratschefs von Roland Berger (aber der ist ja auch nur Unternehmensberater….).

Das Handelsblatt hat dankenswerter Weise mal die wichtigsten Prognosen der Glaskugel-Ökonomen zusammen gefasst:

DIW: 0,6 Prozent

Burkhard Schwenker von Roland Berger: 3 Prozent

Ifo-Institut: 0,4 Prozent

Bundesregierung: 1 Prozent

Sachverständigenrat: 0,5 Prozent

Internationale Währungsfonds: 1,3 Prozent

Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung: – 0,1 Prozent (das gewerkschaftsnahe Haus rechnet also mit einer Rezession)

Bundesbank: 0,6 Prozent

Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut: 0,5 Prozent

Wolfgang Streeck setzt sich übrigens in einem lesenswerten Beitrag für den Sammelband “Wissenschaftliche Politikberatung” mit den Glaskugel-Ökonomen auseinander. Ihre politische Vitalität beruhe auf empirischer Untauglichkeit. Es seien nur wirtschaftswissenschaftliche Wetterfrösche. Die Konjunkturforschung, die uns pro Jahr zweistellige Millionen-Beträge kostet, bezeichnet Streeck als falschen, aber wirkmächtigen Zauber. Konjunkturforscher erscheinen als Hightech-Kaffeesatzleser, die Politiker und Wirtschaftskapitäne in die Zukunft träumen lassen und für ihre Fehlprognosen so viel öffentliche Aufmerksamkeit erhalten, dass sie den ökonomischen Gang der Dinge tatsächlich beeinflussen. Ein Hintergrundverständnis der Gesellschaft geht den Ökonomen ab. Die setzen sich in ihren theoretischen Modellen zu wenig mit der Lebenswirklichkeit der Menschen auseinander. Das gilt übrigens für alle Denkrichtungen der VWL – von Hayek bis Keynes.

Konjunkturforscher wissen nicht, wie Menschen ticken: Nachwort zum Herbstgutachten

Die Konjunkturforscher haben ihren Modus wieder auf Pessimismus gestellt. Nach dem heute vorgestellten Herbstgutachten werde angeblich wieder eine Periode magerer Wachstumsraten beginnen. Für das nächste Jahr komme es zwar nicht zu einer Rezession – aber das Bruttoinlandsprodukte steige nur um 0,8 bis 1,2 Prozent – vielleicht sogar noch schlechter. Im Frühjahr rechneten die vom Steuerzahler finanzierten Konjunktur-Forschungsinstitute noch mit 2 Prozent. Nun ja, in den vergangenen Jahren lagen die Glaskugel-Ökonomen eigentlich immer falsch. Nach oben und nach unten. Ihre groben makroökonomischen Indikatoren können halt die vielen Einzelentscheidungen im Wirtschaftsleben nicht im Ansatz richtig erfassen. Alle Konjunkturforscher starren wie gebannt auf die Entwicklungen der Euro- und Finanzmarktkrise.

Wie das ganze Börsen- und Schulden-Spektakel auf die Realwirtschaft durchschlagen wird, ist ungewiss. Darauf machte bereits in den 1930er Jahren der Ökonom Joseph A. Schumpeter aufmerksam. Makroökonomen würden sich nur mit Aggregaten beschäftigen, also mit der Gesamtsumme der Mittel, die Volkswirtschaften für den Konsum und für Investitionen aufwenden. Einzelne Unternehmer, Firmen, Branchen und Konsumenten verschwinden aus dem Blickfeld. Die Rolle von Innovationen werde heruntergespielt, bemängelte Schumpeter. An den Rekordumsätzen und Gewinnen, die Apple selbst nach dem Ausbruch der Lehman-Krise erzielte (und wer strategische Fehler macht und Innovationsschübe verpennt, stürzt halt ab: Beispiel Blackberry!), erkennt man, wie falsch die Ökonometrie funktioniert – übrigens auch der Wirtschaftsjournalismus. Seit 2009 wurde wohl kein Wort zu häufig verwendet wie “Krise”.

Der einseitige Blick auf die Erschütterungen der Börsen ist nicht gleichzusetzen mit dem, was wirklich passiert: “Die meisten ökonomischen Analysen konzentrieren sich auf finanzielle Motive wie das Streben nach mehr Konsum oder Einkommen. In der Wirtschaftswissenschaft von heute geht es jedoch nicht nur um Geld und viele Wirtschaftswissenschaftler sind der Ansicht, dass auch nicht-finanzielle Motive untersucht werden sollten”, schreiben George A. Akerlof und Rachel E. Kranton in ihrem Buch “Identity Economics”. Die Identität sei eine unterschätzte Größe. Normen, die unser Verhalten beeinflussen, hängen von unserer Position in einem bestimmten sozialen Kontext ab. Es gibt also eine Vielzahl von Wechselwirkungen, die berücksichtigt werden müssen, um richtige Prognosen zu treffen.

Auch die von mir angeführte Allensbach-Jahresumfrage über Hoffnungen und Befürchtungen ist ja nur ein grober Indikator für den Konjunkturverlauf. Stimmungslagen sind auch das Ergebnis von sehr verschiedenen Faktoren. Allerdings hat sich dieses Stimmungsbarometer für meine Konjunkturprognosen als recht hilfreich erwiesen. Ich konnte zumindest bessere Vorhersagen treffen als die professionellen Konjunkturforscher. Anfang 2012 ist es dann wieder soweit und ich werde wieder eine Einschätzung vorlegen. Aber ich wage schon jetzt eine Aussage. Die Süddeutsche Zeitung liegt mit ihrem Artikel über das Weihnachtsgeschäft bestimmt nicht auf der richtigen Linie: “Schuldenkrise trifft Weihnachtsgeschäft”. Auch wenn der Sommer für den Handel mies gelaufen ist, wird es in den nächsten Wochen wieder kräftig in den Kassen klingeln. Die Schuldenkrise von Griechenland und Co. wird nicht auf die Konsumenten durchschlagen.