Die Schirrmacher-Google-Suchmaschinen-Debatte: Eure Meinung?

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Auf Google+ wird seit gestern eine höchst unterhaltsame und niveauvolle Debatte über die Thesen von Frank Schirrmacher geführt (mit Beteiligung von Schirrmacher), die er am Montag in der FAZ publizierte: Digitales Gedächtnis – Wir brauchen eine europäische Suchmaschine.

Hier ein Beitrag, den ich gepostet habe: Eine Passage im Text von Schirrmacher ist doch höchst erfreulich: “Das Netz, das wird immer deutlicher, folgt den Regeln des talmudischen Kommentars, nicht denen des wissenschaftlichen. Offenbar nehmen wir Quellen, auch nachrichtliche, zunehmend als Glaubensinhalte wahr, nicht mehr als Fakten. Es könnte so sein, aber es könnte auch anders sein. Die alltägliche Wissenssozialisation beruht heute auf der Annahme: Die Fakten stimmen nicht mehr, jedenfalls stimmen sie nicht sehr lange – nicht deshalb, weil sie gelogen wären (auch das kommt vor), sondern weil sie schon in der nächsten Minute ganz anders sein können. Das Netz – in seinem gegenwärtigen Stadium – verhandelt deshalb vor allem das, was die Talmudisten ‘Lehrmeinungen’ nannten – Meinungen, nicht Orthodoxien. Das führt allerdings oft dazu, dass sich auf den labyrinthischen Wegen der Deutungen, des unvollständigen Lesens (etwa der Pressemitteilung, wie im vorliegenden Fall, statt des Textes) die Ursprungsquelle bis zur Unkenntlichkeit entstellt.” Die Schlussfolgerung im letzten Satz halte ich für falsch. Richtig beobachtet ist die sinkende Relevanz der Orthodoxien. Da braucht man nicht zum Talmud greifen. Niklas Luhmann reicht auch: Mit der Computerkommunikation, so Luhmann, wird die Eingabe von Daten und das Abrufen von Informationen soweit getrennt, dass keinerlei Identität mehr besteht. Wer etwas eingibt, weiß nicht, was auf der anderen Seite entnommen wird. Die Autorität der Quelle wird entbehrlich, sie wird durch Technik annulliert und ersetzt durch die Unbekanntheit der Quelle.

Ebenso entfällt die Möglichkeit, die Absicht einer Mitteilung zu erkennen und daraus Verdacht zu nähren oder sonstige Schlüsse zu ziehen, die zur Annahme oder Ablehnung der Kommunikation führen könnten. Die moderne Computertechnik greift die Autorität der Experten an. Fast jeder hat mittlerweile die Möglichkeit, die Aussagen von Wissenschaftlern, Journalisten, Unternehmern oder Politikern am eigenen Computer zu überprüfen. Die Art und Weise, wie Wissen in den Computer kommt, lässt sich zwar schwer überprüfen. Sie lässt sich aber jedenfalls nicht mehr in Autorität ummünzen. Und genau das treibt einige Denker, Einpeitscher und Debatten-Dompteure an die Decke. Man braucht das Internet nicht überhöhen oder kultisch in Web 2.0-Ideologie gießen.

Man muss das Internet auch nicht heilig sprechen. Wo die kulturellen Katastrophen der Computer-Kommunikation enden werden, kann kaum jemand vorhersehen oder beeinflussen. Das macht das Ganze ja so reizvoll. Das Problem des unvollständigen oder kursorischen Lesens kann vom Luhmann-Szenario nicht abgeleitet werden. Das Problem hatte schon Herder. Jeder Leser ist eben auch ein Nicht-Leser. Herder beschreibt sich als trockener Gelehrter, als ein totes, künstliches System von Wissensbeständen. Er selbst sei “ein Tinenfaß von gelehrter Schriftstellerei”. Mit 24 ist Herder so angefüllt von Wissen, dass er dieses als Ballast beklagt.

Er entwickelt deshalb eine Kulturtechnik der kursorischen Lektüre. Er wird zum Läufer, zum Cursor, der im virtuellen Raum der Gelehrtenbibliothek zwischen Texten durcheilt und in dieser schnellen Bewegung neue Querverbindungen schafft. Es sei ein methodisches Verfahren, das ihm die Lizenz zum Flüchtigen gibt. In der so genannten „percursio“- im Durchlauf – darf aufgezählt und angehäuft werden, ohne dass es jeweils einer expliziten Behandlung der einzelnen Elemente bedarf. Herder praktiziert die gelehrte Lizenz, Materialmengen „aufs Geratewohl“ zu durcheilen. Die richtige Ordnung ist dabei zweitrangig. Die Sylvae wird definiert als Sammlung von schnell niedergeschriebenen Texten. Man schreibt nicht akademisch korrekt oder pedantisch genau, sondern aus dem Stegreif. Man formuliert aus dem Schwung heraus. Seine Lektüre ist nicht mehr festgelegt auf einen ursprünglichen oder autoritätsfixierten Wortlaut. Herders Suchläufe kennen keinen Abschluss. Das Universalarchiv ist uneinholbar. Eine beständige Lektüre der Menschheitsschriften ist unmöglich. „Alles“ ist nicht zu lesen, zu kennen, zu wissen. Es reicht nur zu Verweisen und Fundorten. Entscheidend ist die Zirkulation der Daten, der Datenstrom, der keinen Anfang und kein Ende hat, der neue Routen und Entdeckungen zulässt. Kanonische Wissensbestände müssen durch intelligente Suchroutinen ersetzt werden.

Und dann landen wir wieder bei Google und den Warnungen von Schirrmacher, die er schon in seinem Buch “Payback” in etwas anderer Form artikuliert hat. Die Vernetzung von Maschinen und Menschen zu Bedingungen, die von der Maschine diktiert werden. Es ist die Unterwelt der Benutzeroberfläche, die den FAZ-Herausgeber wohl weiter umtreibt. Maschinenräume im Silicon Valley, die ein Nichtinformatiker niemals zu sehen bekommt. Dort würden unsere digitalen Doppelgänger gebaut. Am Ende mündet das Ganze in Maschinen-Paternalismus – das kann allerdings unter privater und auch staatlicher Regie eintreten. Selbst unter dem Regime einer europäischen Suchmaschine. Mich würde ein Blick in den Maschinenraum von Google auch brennend interessieren. Vielleicht eher eine Aufgabe für Wikileaks!

Darauf antwortete Schirrmacher: Gunnar Sohn et al, leider in Eile: 1. Wir wissen n i c h t was Google weiss. Oder finden Sie irgendwo im Netz die Ergebnisse der minütlichen Analytik und ihrer Hochrechnung, jenseits der meistgesuchten Suchbegriffe. Das aber ist das Wissen des 21.Jhrdts.

2. “Alles“ ist nicht zu lesen, zu kennen, zu wissen.” Das ist ja gerade nicht das Neue! Das wussten ja gerade die Enzyklopädisten am besten. Das Neue ist doch umgekehrt, das der imaginäre Vertrag, an den alle glauben, besagt das “alles” zu wissen ist, was ist und kommuniziert. Tertium non datur. Man exisitert nicht, wenn man nicht im Netz exisitert, hiess das ja mal so schön. Konsequent entstehen erstmals seit der Reformation wieder Institutionen der Allwissenheit, die ihre Priester in die Marketing- und Personalabteiungen entsenden.

Meine Replik: Zu. 1. Das ist doch profan. Natürlich wissen wir nicht, was die Mountain View-Boys wissen. Sonst könnten wir direkt morgen ein Google Plus Plus gründen. Die wären schön blöd, ihre Betriebsgeheimnisse zu lüften. Die Problematik entsteht in der Tat, wenn Menschen über Maschinen und Algorithmen anfangen, zwischen gut und böse, richtig und falsch zu befinden.

2. Ihre Gegenstrategie einer europäischen Suchmaschine kann genauso in die Hose gehen und zu Verwerfungen führen. Entscheidend ist die Vielfalt der Möglichkeiten, Wissen zu generieren und selber zu publizieren. Wenn Sie nun insinuieren, hier gäbe es nur drei amerikanische Konzerne, die das Netzgeschäft dominieren, dann müssen Sie aber auch erwähnen, dass die großen Drei sich bis auf das Messer bekämpfen. Da gibt es keinen Gleichklang. Im Social Web erschien bis vor drei Wochen Google noch als der große Verlierer und man sprach von der Dominanz des Social Graph, der wichtiger sei als die Maschinen-Intelligenz von Google. Zur Zeit schaut Zuckerberg ziemlich blöd aus der Wäsche. Alles kann sich sehr schnell drehen. Entscheidend ist wohl die Tatsache, dass sich im Netz dauerhaft kein Monolith etablieren kann.

Schirrmacher: Nein, nicht profan, sondern, um im Bild zu bleiben, sakral. Sie reden vom materiellen Geschäftsgeheimnis von Google. In der Tat: wie wichtig das ist zeigt der Patentthriller um die Erfindung des Telefons. In der Tat: das ist profan.

Das wirkliche Geheimnis ist nicht der Algorithmus, der uns füttert, sondern den wir füttern. Was wohl gewesen wäre, wenn Bells Erfindung alle Telefonate aufgezeichnet hätte, analysiert hätte, Stichwörte gefiltert hätte, Rückschlüsse auf Ort, Zeitpunkt und Stimmfärbung getroffen hätte und das ganze dann als sein Privateigentum weiterverkauft hätte. Wenn das:

http://online.wsj.com/article/SB10001424052748704547604576263261679848814.html

schon möglich ist, ohne verbale Kommunikation und bei nur 2000 Menschen, was ist dann heute insgesamt möglich? Das wüsste ich gern, mehr nicht. Gegen das Sakrale hilft nur Aufklärung – das würde schon reichen, hat nämlich auch in der Vergangenheit schon geholfen.

Darauf antwortete ich: Was ist denn zur Zeit der Ausfluss dieser Analysen unserer digitalen Lebensspuren? Personalisierte Werbung und personalisierte Services, not more. Bislang also höchst profane Dinge.

Und da stoßen wir doch zum Kern der Debatte mit der Aussage von Schirrmacher: Das wirkliche Geheimnis ist nicht der Algorithmus, der uns füttert, sondern den wir füttern. Was wohl gewesen wäre, wenn Bells Erfindung alle Telefonate aufgezeichnet hätte, analysiert hätte, Stichwörte gefiltert hätte, Rückschlüsse auf Ort, Zeitpunkt und Stimmfärbung getroffen hätte und das ganze dann als sein Privateigentum weiterverkauft hätte.

Das würde ich gerne in meiner Montagskolumne für The European aufgreifen. Was haltet Ihr von den Schirrmacher-Thesen?

Frank Schirrmacher braucht eine europäische Suchmaschine: Der Chirac des Tages

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Frank Schirrmacher von der FAZ macht sich Sorgen über europäische Gehirne. Unser Wissen wird zunehmend ausgelagert und zwar in die Hände amerikanischer Konzerne. “Nach dem Stand der Dinge liegt das wirkliche Wissen heute in der Hand von einem, mit Apple und Facebook maximal drei Mega-Konzernen. Was heißt es, dass wir von dem virtuellen Bibliotheksdirektor niemals erfahren, was eigentlich das relevante Wissen der Jetztzeit ist: welche Schlüsse er aus unseren Lektüren, unserem Verhalten, unserem Konsum, unserem Leben zieht? Was er weiß? Vielleicht müssen wir uns Gott als diesen Bibliothekdirektor vorstellen”, schreibt Schirrmacher.

Während die EU Milliarden ausgibt, um mit Galileo das GPS nocheinmal nachzubauen, sei die Entwicklung einer europäischen Suchmaschine schon im ersten Anlauf gescheitert (siehe unten, gs). “China, besorgt um seine Deutungshoheit, hat Baidu. Man muss das Werkzeug Google, mit dem wir heute alle arbeiten, nicht perhorreszieren. Aber eine europäische, nicht privatwirtschaftliche Suchmaschine, die keiner politischen oder ökonomischen Kontrolle unterliegt, ist vielleicht das wichtigste technologische Projekt der Gegenwart. Der Chaos Computer Club wäre ihr TÜV. Wenn wir diese Maschine nicht bauen, werden wir uns eines Tages vielleicht an uns selbst nur in einem einzigen Moment erinnern: wenn wir zum ersten Mal unser von der Videokamera aufgezeichnetes Bild auf dem Computerschirm sehen”, so die Sorgen des Neuro-Feuilletonisten. Hier endet der langamtige Exkurs, der so verheißungsvoll begonnen hatte. Was man nachschlagen kann, brauche man nicht im Gedächtnis zu behalten. Nach dieser alten Lehrerweisheit funktioniere auch Google. “Nur dass der Stoff von Google unser Leben ist”. Alles schön und gut. Wer in Europa soll diese Maschine bauen? Und der Chaos Computer Club soll als TÜV für ein europäisches Vorhaben fungieren – bezahlt mit Steuergeldern?

Die europäische Antwort auf Google sollte Quaero sein – doch das vollmundig rausposaunte deutsch-französische Prestigeprojekt ist kläglich in die Hose gegangen. Wie soll also etwas in Europa gelingen, was vor fünf Jahren schon nicht klappte? Übrig geblieben ist das deutsche Forschungsprogramm Theseus – auch da ist bislang der Durchbruch nicht gelungen.

Der frühere französische Staatspräsident Chirac startete 2006 das Projekt Quaero mit großem Getöse, um die erste „wahre multimediale Suchmaschine“ in Europa auf die Beine zu stellen. Es sollte nicht nur Texte, sondern auch Musik oder Bilder finden. Die Suchergebnisse sollten auf Computern, Mobiltelefonen und Fernsehen in mehreren Sprachen angezeigt werden können. In den Internetforen und Branchenkreisen wurde das Projekt von Anfang an skeptisch gesehen, denn bei Google arbeiten mehrere tausend Softwareentwickler an der stetigen Verbesserung der Suchmaschine. Schon damals war klar, dass man den Vorsprung von Google mit einem staatlich geförderten Projekt nicht einholen könne. Damals schrieb ich in einem Artikel:

Keine Gesellschaft verfügt über eine grössere Rechenleistung als Google mit seinem Netzwerk gewöhnlicher, doch aufgemotzter PCs. In einem Zeitalter der hoch spezialisierten Arbeit montiert Google jeden PC seines mächtigen Netzwerks in sicheren Anlagen, die kein Aussenseiter betreten darf, einschliesslich der Besucher des Googleplex, die glauben, alles gesehen zu haben. Der schiere Umfang der Rechenoperationen sorgt dafür, dass dieses Vorgehen kostengünstiger und qualitativ hochwertiger ist als der Kauf massgefertigter Computer bei einem anderen Hersteller. Die massgeschneiderten PCs arbeiten zusammen und führen Suchaktionen rasch durch, indem sie Anfragen in winzige Komponenten zerlegen. Diese Teile werden gleichzeitig verarbeitet, indem man sie mit im Voraus indizierten und aufbereiteten Kopien des Internet vergleicht.

Quaero plante Projekte, die sich die Google-Entwicklerteams schon längst auf die Fahnen geschrieben haben. Schon in naher Zukunft werde sich die ursprüngliche Suche im Web über den PC auf alle anderen Produkte ausbreiten.

Technologische Innovationen funktionieren eben nicht auf dem Niveau von Kommissionen, Räten oder Komitees. Sie entstehen auch nicht durch Proklamationen im Feuilleton.

Ähnlich erhellend sind die Schirrmacher-Mondphasen zur Rettung der Qualitätspresse: “Es könnte sein, dass Zeitungen und Zeitschriften und die seriösen Nachrichtensendungen eine ganz andere Zukunft haben. Sie wären das letzte verbliebene Kommunikationsmittel, die in einer elektronischen Welt die Zeit biologisch organisieren: gleichsam mit Aufgang und Untergang der Sonne. Oder mit den Mondphasen – wenn es um Wochenpublikationen geht -, die wir uns in den Begriff der ‘Woche’ übersetzt haben. Der Markt für diese Exklusivität von Zeit wird wachsen, nicht schrumpfen, wenn die Zeit der Narkose vorbei ist.” Alles klar?

„If the news is that important, it will find me.” Social Media statt Google? Expertenmeinungen gefragt!

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FacebookVor ein paar Monaten schrieb ich einen Blog-Beitrag über die Vorherrschaft von Google, die doch lange anhalten sollte. Waren vor ein paar Jahrzehnten noch Hardwarehersteller wie IBM und Sun die beherrschenden Größen im Markt, wurden sie in den Neunzigern vom Softwarehersteller Microsoft überholt. Jetzt werde Google den Takt vorgeben und eine neue Ära begründen, da sind sich die Autoren von absatzwirtschaft und PC-Praxis einig: „Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker“, sagt Professor Max Mühlhäuser von der TU Darmstadt: „Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon ,eingebaut’.“

Zur Zeit hat sich der Wind etwas gedreht und man versteht immer mehr die Aussagen des Wissenschaftsjournalisten Ranga Yogeshwar: „Wenn Sie das Gefühl haben, es ging in den vergangenen Jahren schnell, dann legen Sie den Gurt an: Es wird noch schneller“, so Yogeshwar bei seinem überaus interessanten Vortrag auf den Voice Days in Nürnberg.

In Blogger-Kreisen wird nunmehr bezweifelt, ob Google in der Lage ist, den Trend zum Echtzeitweb mitzugehen und die Schlagkraft des Social Webs richtig zu nutzen. So schreibt Olaf Kolbrueck in seinem Blog „off the record“: Norbert Bolz irre mit seiner Annahme, dass ein Internetnutzer nur auf das stößt, war er wirklich sucht. „Ein Internetnutzer stößt in der Regel nur auf das, was er sucht.“

„Der Medienwissenschaftler ist offenbar nur selten in Netzwerken unterwegs. Sonst wüsste er, dass die Nachricht und die Botschaft den Nutzer künftig vor allem findet – durch die Vernetzung mit ähnlich Gesinnten“. „If the news is that important, it will find me.” Die Ökonomie der Aufmerksamkeit bekommt eine neue Logik, die von Jeff Jarvis als Echo-System bezeichnet wird. Google scheine zu ahnen, so der off the record-Blogger, dass die Suche allein in Zukunft nicht mehr die Kernrolle spielen wird.
„It’s because of this fundamental shift towards user-generated information that people will listen more to other people than to traditional sources. Learning how to rank that “is the great challenge of the age ”, sagt Google-Vordenker Eric Schmidt in einem sehenswerten Video. „Es ist also geradezu zwingend für Google sich dem Thema zu widmen. Wenn sich der soziale Lifestream als Königsweg zum Auffinden von Informationen etabliert, ist das Geschäftsmodell von Google auf lange Sicht gefährdet“, schreibt Kolbrueck.

Social Media werde wohl zum größten Konkurrenten für Google. Die Suche nach Nachrichten und Informationen könnte bald wie ein lästiges Stück Arbeit aus der Zeit Dampfmaschinen wirken, wenn diese Inhalte künftig ohne größere Mühe mit Unterstützung des eigenen Social Media-Ökosystems zum Nutzer finden.
Es sei deshalb auch falsch, wenn der Publizist Richard David Precht auf den Münchner Medientagen über systemrelevante Massenmedien (er dürfte Print, TV und Co meinen) philosophiert, die der Kitt der Gesellschaft seien, weil sie Öffentlichkeit herstellen. Genauso gut könnte man die Sonntagspredigt als sozialen Klebestoff der Kirche bezeichnen, wo doch vor allem das gemeinsame Abendmahl die Gemeinschaft herstellt. „Der Kitt der Gesellschaft entsteht eben künftig nicht durch Glotze und Papier, sondern durch die Vernetzung der Menschen untereinander“, so Kolbrueck.

Zeichnet sich hier am Horizont eine Machtablösung ab? Diese Frage würde ich gerne mit Eurer Hilfe recherchieren für einen NeueNachricht-Beitrag. Also bitte Tipps und Expertenmeinungen an meine E-Mail-Adresse gunnareriksohn@google.mail.com schicken oder mich anrufen unter: 0177 – 620 44 74.

Abschied vom Tastenwahlblock – Sprachsteuerung als „Tipping Point“ des mobilen Internets

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Lösungen von Nuance für die Automobilbranche

Lösungen von Nuance für die Automobilbranche

Mobile Computer und Navis setzen sich nach einem Bericht des Computer Informationsdienstes (CID) immer mehr durch. Doch wer unterwegs auf den Rechner zugreifen möchte, hat nicht immer die Hände frei oder muss die Augen auf seine Umgebung richten. Hier sehen die Marktforschungsexperten der Datamonitor Group die größten Chancen für Sprachsteuerungs-Applikationen. Die weltweiten Umsätze mit sogenannter „Advanced Speech Recognition” (ASR) sollen demnach in Smartphones und mobilen Kleinrechnern von 32,7 Millionen US-Dollar im Jahr 2009 auf 99,6 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 steigen. Für die Spracherkennung in Fahrzeugen sagen die Analysten eine Steigerung von jetzt 64,3 Millionen US-Dollar auf 208,2 Millionen US-Dollar im Jahr 2014 voraus.

Sprachsteuerung für mobile Geräte

Sprachsteuerung für mobile Geräte

Sprachcomputer zählen auch für die Suchmaschinen zu den wichtigsten Instrumenten, um das mobile Internet bequem bedienen zu können. So bietet Yahoo ab sofort die Handy-Applikation „oneSearch Voice“ für Smartphones und das iPhone in Deutschland an. Das lästige Tippen auf der kleinen Tastatur oder dem Touch-Screen falle weg. Es genüge jetzt, den Suchbegriff per einfach auszusprechen. Die Darstellung der Ergebnisse werden für Handy-Displays optimiert angezeigt: Statt langer Linklisten liefere Yahoo nach Kategorien gegliederte Antworten. Sucht man beispielsweise mit der gesprochenen Eingabe „Bundesliga” nach aktuellen Fußballergebnissen, erhält man eine Vielzahl von detaillierten Resultaten wie aktuelle Spielstände, Tabellenübersichten, Fotos sowie weiterführende Links. Die Ergebnisse sind nach Angaben von Yahoo übersichtlich in Kategorien aufbereitet. „Das System ist lernfähig: Es passt sich immer besser an die individuelle Sprechweise seines Nutzers an, je häufiger es eingesetzt wird. Während die meisten mobilen Spracherkennungssysteme auf einzelne Kategorien wie lokale Suchen spezialisiert sind, bietet wir den Nutzern die Möglichkeit, offene Suchanfragen zu stellen – mit hoch relevanten Ergebnissen für jede Art von Spracheingabe”, erklärt Michael Stenberg, Partner Director Central & Eastern Europe Yahoo! Mobile. Stenberg. Wer es dennoch lieber klassisch mag, könne nach wie vor auch die herkömmliche Texteingabe nutzen.

tipping pointDurch das Spracherkennungs-Feature will Yahoo seine Position als zentraler Einstiegspunkt ins mobile Internet festigen. Die Applikation kann unter http://de.m.yahoo.com/voice direkt auf unterstützte Handys oder über den iTunes Store auf das iPhone heruntergeladen werden. Die Sprachsteuerung wird von Web 2.0-Pionier Tim O’Reilly http://radar.oreilly.com sogar als „Tipping Point“ gewertet: Der Begriff bezeichnet jenen Moment, in dem etwas Einzigartiges zum Normalzustand wird und einen qualitativen Umschlagspunkt markiert. „Es ist es an der Zeit, Telefone als erstklassige Geräte zu sehen, um auf das Internet zugreifen zu können, und nicht nur als Möglichkeit, Inhalte und Anwendungen umzuwidmen, die ursprünglich dazu gedacht waren, mit einer Tastatur und einem Bildschirm gelesen zu werden“, meint O’Reilly.

Tastenwahlblock auch digital bislang nicht tot zu kriegen

Tastenwahlblock auch digital nicht tot zu kriegen

Auch in der ITK-Branche erwartet man Impulse von der Sprachsteuerung: „Computer werden heute immer noch primär über eine Tastatur bedient, die aus der Schreibmaschine entstanden ist, so als ob jeder Tastendruck einen mechanischen Hebel in Bewegung setzt. Selbst der Zeilenvorschub und Wagenrücklauf alias Carriage return ist uns erhalten geblieben, obwohl damit schon lange kein Papier mehr transportiert wird. Telefone haben zwar die Revolution von der Wählscheibe hin zur – in der Regel – 3×4 Tastatur gemacht, standardisiert nach ITU E.161, das erfolgte aber bereits in den 70er Jahren. Selbst moderne Handys und Smartphones halten sich noch an den Tastenwahlblock, entweder in mechanischer Ausführung oder als Icon-Darstellung auf einem Touchscreen“, weiß Andreas Latzel, Deutschland-Chef des ITK-Spezialisten Aastra, der viel Wert auf die Benutzerfreundlichkeit seiner Systeme legt. Die Technikentwicklung verlaufe zwar rasant, im Kern aber immer noch traditionell. Vorhersehbar sei, dass der Tastaturblock an seine Grenzen stoße – spätestens mit der breiten Einführung der SIP-Telefonie und der SIP-Teilnehmeradressen.

„Anders als bei professionellen Tischgeräten kommt die Ausstattung von Handys mit alphanumerischen Tastaturen zwar auch vor, ist aber in der Regel wegen der beschränkten Abmessungen nicht befriedigend. Da bietet sich der Weg zum Sprachinterface an: der Ansage von Adressen oder Einträgen des Telefonbuchs in normaler Sprachform. Sinnvoll ist das beim Autofahren oder anderen Tätigkeiten, die beide Hände verlangen“, erläutert Latzel. Noch interessanter werde die Sprachsteuerung nach Ansicht von SemanticEdge-Geschäftsführer Lupo Pape, wenn Wissen über die Domäne und Dialogintelligenz hinzukommen. „Dann kann man von Sprachdialogsystemen sprechen. Das ist das, was wir mit dem Personal Assistant umsetzen. Dazu müssen die Wissensgebiete semantisch aufbereitet und Dialogstrategien hinterlegt werden. Die wichtigsten Use-Cases gilt es zu modellieren“, resümiert Pape.

Antwortmaschine als Google-Killer? Aufregung in der Blogosphäre

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Eine neue Suchmaschine versetzt angeblich die Blogosphäre in Aufregung. Das berichtet die Financial Times Deutschland. Der Wissenschaftler Stephen Wolfram soll einen “Google-Killer” entwickelt haben. “Doch den glaubten vor ihm schon viele erfunden zu haben”, so die FTD.

“Da schreibt Nova Spivack, Suchmaschinenexperte aus San Francisco, einen begeisterten Blogeintrag über Professor Wolframs neueste Entwicklung. Über eine Suchmaschine, die angeblich spezifische, sachbezogene Fragen viel präziser beantworten kann als jede andere Suchmaschine”, berichtet die FTD.

Sein Dienst könnte nach Meinung von Suchmaschinenexperten nicht nur sehr nützlich, sondern im Internet auch einflussreich werden. “Aber ein Google ist Wolfram Alpha deswegen noch nicht, auch wenn Spivack seinen Blogeintrag vollmundig mit ‘Wolfram Alpha kommt – und es könnte so wichtig wie Google sein’ überschreibt. Was genau kommt, wird die Welt erst im Mai wissen, wenn die Website an den Start geht”, führt die FTD weiter aus.

Das Rätsel ist auch schnell entlüftet, denn das Ganze soll als Antwortmaschine funktionieren – läuft also auf den Pfaden von semantischen Technologien. Sie wird, anders als Google, auf eine Suchanfrage nicht einfach Links auflisten, die eine Antwort auf die Frage des Nutzers enthalten könnten. Stattdessen analysiert die Technologie Fragen, auf die es sachbezogene Antworten gibt – und liefert diese. Sie soll eine große Auswahl in “natürlicher” Sprache gestellter Fragen beantworten können, schreibt Spivack, der vergangene Woche zwei Stunden mit Wolfram gesprochen hat und sich dessen Onlineservice vorführen ließ. Ja toll. Konzepte für die so genannte Antwortmaschine werden an vielen Stellen zur Zeit entwickelt. In Deutschland arbeitet das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz am Web 3.0-Standard. Mit dem von der Bundesregierung geförderten Projekt Theseus soll die Marktreife erreicht werden. Auch bei Google. Ich habe darüber schon mehrfach berichtet. So einfach lassen sich die Google-Forscher nicht die Butter vom Brot nehmen. Bei der Sprachsteuerung sind die Jungs nur schwer zu toppen. Weiteres hier.