Umfrage, bitte mitmachen: Wer ist der Phrasendrescher des Jahres?

Auch das Jahr 2010 war wieder einmal ein Jahr der Phrasendrescher. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat einige Perlen von Managern und Politikern zusammengetragen, die wir im nächsten Jahr nicht mehr hören wollen. Dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen. „Heute muss sich die Herrschaft verkleiden, denn der offene Befehl ist nicht mehr möglich, und dann entwickelt die Phrase eine eigene Struktur und Perfidie“, schreibt der SZ-Redakteur Thomas Steinfeld in seinem Buch „Der Sprachverführer“. Schon Kurt Tucholsky geißelte die Bürokratensprache der Buchhalter mit ihren Stempelkissen und Ärmelschonern. Geändert hat sich wenig. Hohlformeln sind so praktisch. Sie halten die Öffentlichkeit auf Distanz und sind unverbindlich. Sie sagen alles und nichts. Und so müssen wir wohl auch im Neuen Jahr die semantische Umweltverschmutzung ertragen. Führungskräfte von Wirtschaft, Staat und Politik werden wieder unentwegt Brücken bauen, Weichen stellen, Dinge auf den Prüfstand stellen und in trockene Tücher bringen, anderen vorwerfen, mit heißer Nadel zu stricken, und für sich selbst beanspruchen, auf dem richtigen Weg zu sein und sich breiter aufzustellen.

Kommen wir zur Hitliste der FAS:

Da profiliert sich Postchef Frank Appel mit folgendem Satz: „Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgendwo“ – schon gar nicht bei der Post.

Zur tautologischen Speerspitze zählen Unternehmenberater wie McKinsey-Häuptling Dominic Barton: „Die Welt hat sich verändert, sie ist volatiler geworden“.

Rhetorische Brillanz stellt Conti-Boss Elmar Degenhart unter Beweis: „Das sehen wir ganz gelassen.“ Wer es glaubt.

Wer höher hinaus will, gibt sich krampfhaft bescheiden wie Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber: „Ich habe meinen Traumjob, nämlich Finanzvorstand bei Daimler zu sein.“ Was für ein überzeugendes Statement.

Bahnbrechend ist die Erkenntnis von Metro-Chef Eckhard Cordes: „Wir sehen im Moment ganz klar die dynamischste Entwicklung in Asien.“

Bla-bla-blubb artikuliert der Celesio-Vorstandsvorsitzende Fritz Oesterle über DocMorris: „Die Marke hat enorme Anziehungskraft (die ist wohl magnetisch, gs), wir mussten aber die….Prozesse im Hintergrund verbessern.“ Klingt vordergründig.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ist in Interviews immer so schwer zu verstehen. Das liegt nicht nur an der Nuschelei: „Wir wollen keine Top-Down-Prozesse initiieren, sondern fördern das Bottom-up-Prinzip.“ Ist das nun eine Kriegserklärung an Westerwelle oder nicht?

„Unser Risikomanagement ist …..gestärkt aus der Krise hervorgegangen“, sagte nicht Guido, sondern der KfW-Mann Ulrich Schröder. Ein Mutmacherspruch, der immer wirkt.

Für Banker ist es zudem wichtig, nicht die Orientierung zu verlieren. Deshalb gilt für West-LB-Vorstandschef Dietrich Voigtländer: „Wir blicken nach vorne“, um nicht in den Abgrund blicken zu müssen.

Denn: „Nichts ist in Stein gemeißelt“, betont Wolfgang Marzin, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Gähn.

„Sparen ist alternativlos“, sagte Karl-Ludwig Kley von der Firma Merck und ist wohl bei Merkel in die Rednerschule gegangen.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will mehr: „Wir müssen das breiter diskutieren.“ Und danach besser aufstellen, weil es dazu keine Alternative gibt – siehe Merkel-Deutsch.

Zu den Spitzenkräften der Phraseologie zählt Steinfeld den Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Seine Erklärung hat er vor zwei Jahren abgegeben. Es wäre schade, wenn sie hier fehlen würde: „Wir werden unseren Kurs der zeitnahen Transparenz fortsetzen und uns unvermindert für zielführende Reformen des Finanzsystems insgesamt einsetzen.“ Da beschleicht mich ein Gefühl. Dieser Schweizer Rhetor hat das Zeug zum Bundeskanzler.

Wer nun ist der Phrasendrescher des Jahres? Bitte abstimmen.

Onlinetool zur Verpixelung der Republik – Politikerfotos sollten da auch aufgenommen werden

Google hat jetzt ein Online-Tool freigeschaltet, mit dem man den Suchmaschinen-Giganten auffordern kann, Bilder von Häusern und Grundstücken unkenntlich machen zu lassen.

Wenn man später ein unerwünschtes Bild entdeckt, kann man die Funktion “Ein Problem melden” verwenden. Google kümmert sich um alles Weitere.

Könnte ich mit meiner Politiker-Problemliste da auch zum Zuge kommen? Ich hatte ja eine kleine Foto-Galerie zusammengestellt, die man der Netzgemeinde nicht zumuten kann.

Politiker, verpixelt Euch! Persönlichkeitsrechte nicht nur auf Street View beschränken

Ich kann Politiker wie Ilse Aigner und Guido Westerwelle gut verstehen, warum sie ihre Privatwohnungen oder Privathäuser verpixeln lassen wollen. Die Wohnorte der Polit-Prominenz sollte man der Netzöffentlichkeit einfach nicht zumuten. Zumutung ist dabei ein ganz wichtiges Stichwort. Es gibt so viel Politiker-Schund im Internet, der so schnell wie möglich verpixelt werden sollte, um die Persönlichkeitsrechte der Allgemeinheit nicht zu beschädigen.

Dümmliche Urlaubsfotos, alberne Wahlkampfauftritte, modische Verirrungen, zersauste Frisuren, zu kurz geratene Röcke, miserables Schuhwerk, erotische Umarmungen von Parteifreunden, peinliche Semi-Prominente, unglaubwürdige Actionfotos, gruslige Porträtaufnahmen, beschämende Abendgarderobe und, und, und. Nach einigen Minuten der Bildrecherche habe ich schon mal folgende Fotos zusammengetragen, die dringend verpixelt werden sollten. Was fällt Euch noch dazu ein? Politiker-Homestorys, Scharping im Schwimmbecken, Bildergalerien auf Politiker-Websites, englischsprechende Politiker aus dem Schwabenland oder was noch?

Was alles sonst noch so für eine Verpixelung spricht, beantworten Bild-Leser.

P.S. Liebe Google-Entwickler, könntet Ihr nicht noch eine Software auf den Markt bringen, um zum Selbstschutz der Politiker peinliche Auftritte in der Öffentlichkeit automatisch zu verpixeln?

Weltweit führender Wortmüll: Auf der Suche nach der Floskel des Jahres

In mehreren Beiträgen und Umfragen spürte ich in den vergangenen Monaten der populärsten Worthülse nach, die von Politikern, Beratern, Funktionären oder Managern abgesondert wird. Eine kleine Meldung in Welt kompakt hat mich jetzt noch einmal animiert, den Wortmüll des Jahres zur Abstimmung zu stellen: Da schreibt der Redakteur Jürgen Stüber über eine Trendbefragung von Scout 24, „einer führenden Unternehmensgruppe von Onlinemarktplätzen in Europa“. Sind die Scout-Leute Tabellenführer, Spitzenläufer im Marathon oder hat Stüber nur einfach die Pressemitteilung abgeschrieben, wo man in drei Absätzen mindesten fünfmal als Leser damit konfrontiert wird, was für ein weltweit führender semantischer Müll jeden Tag fabriziert wird? Der Web 2.0-Experte David Meerman Scott hat über dieses Phänomen ein „Kauderwelsch-Manifest“ veröffentlicht. Er verweist dabei auf eine Journalisten-Umfrage über die nervigsten Formulierungen in Pressemitteilungen:

Ganz oben auf der Liste steht „führend“ in unterschiedlichen Variationen (ein führender Hersteller von Socken, ein weltweit führender Anbieter von Nasenspray oder führend in der Produktion von Potenzmitteln). 94 Prozent der befragten Redakteure in den USA können das Wort „führend“ nicht mehr ertragen. Auf der Rangliste der Wut folgen idiotische Kreationen wie „Wir freuen uns,….“, „Wir sind zufrieden“ oder „Wir freuen uns wahnsinnig“.

Der Klassiker „Solutions“ (Lösungen) löst bei 68 Prozent der Umfrageteilnehmer allergische Reaktionen aus. Nicht fehlen dürfen proaktive Lückenfüller, Best Practices, Synergien im Aufstellen von Allgemeinplätzen, leere Blicke über den Tellerrand, Paradigmenwechsel beim Aussenden von schwachsinnigen Werbefloskeln und revolutionäre Innovationen bei der Produktion von heißer Luft.

Zum Jahresende sollten wir zu einem Urteil kommen über die Floskel des Jahres: Wer an der Umfrage teilnimmt, kann etwas gewinnen (bitte die E-Mail-Adresse unten angeben oder mir zusenden: gunnareriksohn@googlemail.com). Als Preis winkt diesmal das Buch von Markus Reiter, Die Phrasendrescher – Wie unsere Eliten uns sprachlich verblöden.

Siehe auch: Der Sprech der Entscheider. Ohne Bullshit kein Bingo! Der brand eins-Journalist Thomas Ramge verhandelt jeden Dienstag die dämlichsten Worthülsen von denen da oben in der Teppichetage. Beziehungsweise von denen, die da gerne säßen.

Coca Cola scheitert an Mao: Ausländisches im Dienst der Kommunistischen Partei in China

Listkompetenz der KP China

In westlichen Medienberichten wundert man sich wieder über China. So durchkreuzt die Regierung in Peking die Pläne von Coca Cola und verbietet die Übernahme des größten chinesischen Saftherstellers Huiyuan. Das 2,4 Milliarden Dollar schwere Geschäft schade dem „Wettbewerb“ und sei daher auch nicht im Interesses der Verbraucher, erklärte verklausuliert das Handelsministerium. Nun bricht bei ausländischen Investoren wieder die Heulerei aus. Man spricht von Rückschlag, Verunsicherung und Protektionismus. Ätsch. In ihrem Expansionsdrang macht China keine Abstriche und kauft sich lustig in westliche Schlüsselbranchen ein. Zuhause hält Peking den Laden sauber. Die Empörungsspirale verläuft immer nach dem gleichen Muster, weil westliche Politiker und Manager einfach nicht kapieren, nach welchen Strategemen China vorgeht. Dabei hat der Sinologe Harro von Senger alles sehr genau dokumentiert:

„Welche Rolle das Gesetzesrecht in der Volksrepublik China spielt und welchen Stellenwert es in diesem Land hat, stelle ich in ‚Supraplanung’ deutlich dar. Wenn man die Verfassungsartikel zur Kenntnis nehmen und in ihrer vollen Tragweite begreifen würde, dann würde vieles, was in der politischen Tagespraxis geschieht, durchschaubar und leicht vorhersehbar werden. Aber leider werden offizielle Dokumente der Volksrepublik China im Westen regelrecht boykottiert und planmäßig nicht gelesen oder mit einem Lacher abgetan. In Europa scheint man zu meinen, Hintergrundwissen über die Volksrepublik China sei überflüssig, es genüge, von Fall zu Fall die Tagesereignisse zu verfolgen und mit westlichen Alltagswissen ad hoc zu reagieren“, sagte von Senger.

In seinem Opus „Supraplanung“ legt er fundiert dar, wie nachhaltig und langfristig der Sinomarxismus von der kommunistischen Partei in China vertreten wird. Jeder, der sich die Mühe mache, die Satzungen der Kommunistischen Partei Chinas vom 14. November 2002 und vom 21. Oktober 2007 zu lesen, werde auf den folgenden in beiden Satzungen übereinstimmenden Passus stoßen: „China befindet sich jetzt im Anfangsstadium des Sozialismus und wird sich über eine längere Zeit in diesem Stadium befinden. Das ist ein unüberschreitbares Stadium bei der Modernisierung im wirtschaftlich und kulturell rückständigen China, das mehr als 100 Jahre in Anspruch nehmen wird….Das höchste Ideal und das endgültige Ziel der Partei ist die Verwirklichung des Kommunismus“.

Firmenübernahmen, wie von Coca Cola geplant, wird die KP China niemals zulassen. Sie stehen im Widerspruch zu den machtpolitischen Strategemen. Die Prinzipien sind simpel: „Vom Import zum Export, vom Lernen zur Neuschöpfung“. Es geht um die Befolgung der Polaritätsnorm: „Ausländisches für China nutzbar zu machen“. In Peking wird man westliche Unternehmen nur tolerieren, so lange sie den Zielen der KP nutzen und sich in die Gastrolle fügen. Hier kommt die Dialektik von Mao Tse Tung zum Einsatz:

„Alles Ausländische muss so behandelt werden wie unsere Speise, die im Mund zerkaut, im Magen und Darm verarbeitet, mit Speichel und Sekreten des Verdauungsapparates durchsetzt, in verwertbare und wertlose Bestandteile zerlegt wird, worauf die Schlacken ausgeschieden und die Nährstoffe absorbiert werden, sodass unser Körper Nutzen von der Speise hat; das Ausländische darf keineswegs mit Haut und Haaren roh verschlungen, kritiklos einverleibt werden“.

Professor von Senger empfiehlt den westlichen Politikern und Managern bei China-Geschäften dem Rat von Jesus zu folgen: „Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16).

„In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts sollte der verborgene Schatz, der in dem bei uns unbekannten Ausspruch Jesu ruht, gehoben werden.“

Es sei unverzichtbar, sich ein optimales Listwissen anzueignen. Im politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb unterliege die Listenblindheit der Listkompetenz. Das gelte für Politiker und Unternehmer.

cotton lamb artwork

Korrektes Behördendeutsch: Duden und Behördenspiegel starten eine Umfrage – Wichtiger wäre es, das Blöken der Phrasendrescher zu beenden

silhouette of cow during sunset
Photo by Pixabay on Pexels.com

Folgende Mail trudelte heute bei mir ein:
Liebe Kollegen in den Redaktionen,

es geht um das Thema „korrektes Deutsch“. Bekanntlich wurde kürzlich der Vorschlag laut, den Zusatz „Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch“ ins Grundgesetz aufzunehmen. Bekannte Journalistinnen und Journalisten wie Maybrit Illner (1) und Zafer Senocak (2) setzen sich seitdem in kontroversen Beiträgen mit dem Thema „korrektes Deutsch“ auseinander. In diesem Zusammenhang interessiert uns die Frage: Wie wichtig ist korrektes Deutsch für die Kommunikation von Behörden, in der Kommunikation mit dem Bürger? Angesprochen sind in erster Linie alle, die selbst in Behörden mitarbeiten, aber das Thema ist natürlich für alle Bürger interessant, und vielleicht auch für Sie, die Journalisten, deren wichtigstes Werkzeug bei der täglichen Arbeit die deutsche Sprache sein dürfte. Die Zeitschrift Behördenspiegel (http://www.behoerdenspiegel.de/) und der Dudenverlag fragen daher online: „Wie wichtig ist korrekte Rechtschreibung in deutschen Behörden?“ 

Wir würden uns freuen, wenn Sie Ihr Publikum sowie interessierte Kollegen über diese aktuelle Umfrage informieren und insbesondere alle zur Teilnahme einladen würden, die selbst für Bund, Länder, Gemeinden und öffentliche Körperschaften tätig sind. Selbstverständlich gibt es auch etwas zu gewinnen. Teilnehmer haben die Chance, eines von fünf Softwarepaketen des „Duden Korrektors“ mit dem dazugehörigen Upgrade „Recht und Verwaltung“ zu gewinnen. Ende der Mail.

Mein Gott, liegt hier wirklich das Problem, semantischen Müll möglichst korrekt zu schreiben. Oder sollten wir eher darüber nachdenken, warum wir jeden Tag von aalglatten Marketing-Führungskräften, Politikern, Bürokraten und Pressesprechern mit lauwarmer Buchstaben-Sauce übergossen werden?

Das Business-, Politik- und Marketing-Sprech“ der Powerpoint-Rhetoriker hat zu einem Niedergang der Sprachkultur geführt. Da wird nur noch gut aufgestellt, weltweit führender Senf angeboten, nach Synergien und dem Alleinstellungsmerkmal geschaut und eine Politik betrieben, zu der es keine Alternative gibt (Lieblingsfloskel der Sprachgöttin Merkel). Es dominieren Weitschweifigkeit und Allgemeinplätze. In der Computerbranche werden jeden Tag Applikationen implementiert, Lösungen, Plattformen oder Innovationen für höhere Effizienz angeboten – natürlich immer von führenden Lösungs- und Diensteanbietern. Das Gestammel der Fachleute hat vor 70 Jahren schon Kurt Tucholsky durch den Kakao gezogen. Er hat sich an inhaltslosen Modeworten und dem wichtigtuerischen Bürokratendeutsch die Zähne ausgebissen. Geändert hat sich leider wenig. „Verwickelte Dinge kann man nicht simpel ausdrücken, aber man kann sie einfach ausdrücken. Dazu muss man sie freilich zu Ende gedacht haben“, schrieb Tucholsky 1931.
Den Sprachdurchfall erlebt man leider immer häufiger: „Fast alle, die im Weinberg des Zeitgeistes arbeiten, kommunizieren so: Sozialarbeiter, Gender-Beauftragte, Think-Tanker, Bürokraten, Wohlfahrtsverwalter, die ‚sinnstiftende Klasse’ ganz allgemein“, stellt Zeit-Mitherausgeber Josef Joffe fest: „Lernprozesse“ (früher „Lernen“) sind immer „kreativ“, Profile werden stets „geschärft“, um „kreativ genutzt“ zu werden. Das seien Wörter, so Joffe, die munter von der Festplatte purzeln. Besonders beliebt sei die Redundanz durch Wiederholung und Pleonasmen – „doppelt gemoppelt“.

„‚Programm’ reicht nicht, ein ‚Programmdesign’ muss her. Dieses wird ‚initiiert und etabliert’ – ‚gefördert’ sowieso. Die ‚Erfolgskontrolle’ ist zu armselig, stattdessen heißt es: ‚Entwicklungen werden durch Methoden der Selbstevaluation und durch die Maßnahmen zu Qualitätsüberprüfung erfasst.’ Selbstverständlich muss stets ‚sensibilisiert und qualifiziert’ werden. Die ‚Konzeption’ eines Projekts muss durch die ‚thematische Ausgestaltung’ aufgebläht werden. Und immer wieder die Aneinanderreihung des Gleichen: ‚Die Blabla hat für alle Phasen der Programmarbeit konkret auf die Programme zugeschnittene Instrumente entwickelt, um die Qualität zu sichern und Ergebnisse für weitere Vorhaben zu nutzen.’ Es könnte auch heißen: ‚Unsere Vorhaben werden regelmäßig überprüft.’ Aber so würde ein Geschäftsbericht nicht 100, sondern nur 20 Seiten füllen und die Bedeutung der jeweiligen Institution mindern, limitieren und reduzieren“, schreibt Joffe.

Der Bullshit-Quotient steigt, weil der Schwall der Wörter ein gutes Versteck bietet. „Wer die Schärfe meidet, eckt nicht an, provoziert keine Kritik. Die basic issue ist es, defensive oder gar aggressive Reflexe zu minimieren; sonst kostet es Kunden und Wähler. Hier vereint sich also Marketing-Sprech mit Political Correctness. Niemandem wehtun, am wenigsten sich selber. Lau badet’s sich gut, im Schaum noch besser. Doch stumpfe Sprache stumpft auch das Gehirn ab – des Redners wie des Zuhörers“, warnt Joffe.