Flaschenpost an die Zukunft #StreamCamp

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Kittler und die Flaschenpost

Kittler und die Flaschenpost

Flaschenpost an die Zukunft könnte man die Gespräche nennen, die wir jede Woche in unserer Hangout on Air-Sendung Bloggercamp.tv führen. Also live übertragene Interviews, die kurze Zeit später als Youtube-Aufzeichnung vorliegen. Die perfekte Verschmelzung von synchroner und asynchroner Kommunikation. Unterhaltungen, die nicht im Netz verdunsten, sondern über die Speicherung ein Gedächtnis bekommen (Themen, die wir im November beim StreamCamp in Kölle vertiefen wollen).

„Flaschenpost an die Zukunft“ ist auch der Titel eines neuen Buches des Kadmos-Verlages und beinhaltet ein Gespräch des Künstlers Till Nikolaus von Heiseler mit dem Medienwissenschaftler Friedrich Kittler, das kurz vor seinem Tod vor gut zwei Jahren aufgezeichnet wurde. Es dokumentiert das intellektuelle Vermächtnis des großartigen Denkers, der die Medienwissenschaften neu erfand.

Formate der postmedialen Epoche

Es geht um den Zusammenhang von Kulturtechniken und der Entwicklung des Wissens. Mit der Computerkommunikation stoßen wir in eine postmediale Ära. Es dominieren nicht mehr massenmediale, sondern soziale Formate. Und der Kampf um den Augapfel, der zwischen Fernsehbildschirm und Computermonitor ausgetragen wird, kennt nur einen Sieger: den Computer. Vor gut 20 Jahren ist Kittler für diese These noch ausgelacht worden.

„Und was sehen wir heute: absolute Medienkonvergenz, aber eben in eine einzige Richtung: Alle anderen analogen und halbdigitalen Medien fließen in dieses eine universale hinein, wie es ihm von der Seinsgeschichte bestimmt worden ist.“

Mehr Flaschenpost morgen in meiner The European-Kolumne.

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Big Data-Navigatoren: Neue Königsdisziplin auf dem IT-Arbeitsmarkt? Universell qualifizierte Analysten nur schwer zu finden

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Das Netz

Ein Ende der Zukunft bescheren die Big Data-Systeme nicht. Die Verheißungen von der Berechenbarkeit der Welt sind wohl eher ein „Big Irrtum“:

„Menschliche Empfehlungen schlagen jeden Algorithmus“, so das Credo von Etsy-Managerin Kruti Patel Goyal.

Dennoch entfaltet sich mit der Datenwissenschaft eine neue Disziplin, um Navigatoren auszubilden, die mit der Flut von Bits und Bytes umgehen können. Es geht dabei nicht um Betätigungsfelder für Schnüffel-Programme und Geheimdienste, sondern um Anwendungsfelder in Medien, Verbänden und Unternehmen.

Bei freiberuflichen Big Data-Spezialisten ist die Nachfrage in Deutschland noch überschaubar, so die Erfahrung des Personalexperten Maximilian Nobis vom IT-Beratungshaus Harvey Nash.

„In den vergangenen Monaten hatten wir eine einzige Anfrage.“

Wenn man die einzelnen Themen betrachtet, die sich hinter dem Hype um Big Data verbergen, sieht es auf dem Kandidatenmarkt anders aus. Stichworte sind Data Warehouse, Business Intelligence, Dokumenten-Management oder soziale Netzwerke.

„Bei der Auswertung von großen Datenmengen steigt die Nachfrage auf dem Personalmarkt schon seit einigen Jahren. Es geht um Analysten für Geschäftsführung, Vertrieb, Marketing, Kundenservice, Kommunikation oder Finanzen. Hier sind wir dauerhaft auf der Suche nach qualifizierten Kandidaten“, bestätigt Nobis.

Denn es sei schwierig, die technische Expertise mit den fachlichen Anforderungen zu kombinieren:

„Zudem ist ein Typus gefragt, der die Ergebnisse auch gut präsentieren kann.“

Daten-Analysten müssten sich darüber hinaus mit den Produkten der Anbieter auskennen – also mit den Programmen von Firmen wie Microsoft, Oracle oder SAP.

„Eine große Herausforderung für die Fachkräfte ist der Umgang mit richtig großen Datenmengen, die weit über die Datenbanken von Organisationen hinausgehen“, erläutert Nobis.

Den universell ausgerichteten Big Data-Analysten werde man wohl auch in den nächsten Jahren nicht finden. Es gehe eher um Fähigkeiten, in interdisziplinären Teams arbeiten zu können und sich auszutauschen.

„Alles andere ist utopisch. Eine Person wird niemals alle geforderten Qualifikationen mitbringen können“, resümiert der Harvey Nash-Manager.

Big Data ist also wohl eher eine Klammer für unterschiedliche Einsätze. Die Marktforscher von Gartner erwarten in diesem Umfeld bis zum Jahr 2015 weltweit rund vier Millionen neue offene Stellen. Nur rund ein Drittel könne mit qualifizierten Kandidaten besetzt werden. Für den Big Data-Nachwuchs eine höchst erfreuliche Botschaft.

Big Data will ich weiter im Auge behalten. Wer seine Expertise in einem Hangout-Interview zum Ausdruck bringen möchte, ist herzlich eingeladen. Einfach eine Mail schicken an: gunnareriksohn@gmail.com

Krümelmonster, besiegte Kanzlerin und viele Tweets #tck13

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Tweetcamp in Kölle

Drei Tage Technologiekonferenz in Wien – schon spannend. Dann zwei Tage Tweetcamp in Kölle – noch spannender. Tolle Sessions, interessante Gespräche und viele Ideen für neue Projekte mitgenommen.

Eindrucksvoll fand ich die Vorstellung des Startup-Unternehmens tame.it, gegründet von jungen Journalisten, die erkannt haben, welche Kraft Twitter für die redaktionelle Arbeit entfaltet und wie wichtig Recherchetools sind, um noch mehr aus dem Twitter-Strom herauszuziehen. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass so ein Unterfangen nicht von großen Verlagen kommt, die immer noch an der Wirkung der 140-Zeichen-Maschinierie zweifeln. Torsten hat das mit der Tweet-Quote der Tagung von Netzwerk-Recherche verglichen.

Die haben weitaus weniger getwittert als die Tweetcamper, obwohl bei der journalistischen Fachtagung wesentlich mehr Teilnehmer waren. “Journalisten sollten auf diesem Feld viel aktiver sein”, so Tame-CCO Torsten Müller.

Aufschlussreich waren auch die Ausführungen @schnodderpepe über Filme im Netz. Nicht nur die Produktionen seiner eigenen Agentur, sondern die Möglichkeiten für Unternehmen und sonstige Organisationen, mit gut gemachten Videoproduktionen wesentlich mehr Resonanz zu erzielen als mit den weichgespülten Werbefilmchen fürs Fernsehen.

Die Resonanz kann via Youtube und Co. wesentlich präziser gemessen werden als mit den Schummel-Reichweitenquoten der so genannten werberelevanten Zielgruppe von Menschen zwischen 14 und 49 Jahren.

Erfrischend offen gingen die drei Online-Redakteurinnen des Kölner Stadt-Anzeigers mit den Tops und Flops ihres Hauses auf Twitter um.

Es entwickelte sich eine sehr kritisch-konstruktive Debatte mit dem Plenum über den Umgang der klassischen Medien mit Twitter.

Ich selbst hatte mich am ersten Tag spontan zu einem kleinen Vortrag entschlossen – ohne große Vorbereitungen: Ein (inzwischen gelöschter) Tweet eines CDU-Beraters und seine Folgen – Wie wir Merkel besiegten.

Wer den Fall noch einmal Revue passieren lassen möchte, hier die Chronologie der Ereignisse Anfang April:

Merkel-Hangout und Sendelizenz: Was als harmloser Tweet begann und in einer 007-Debatte eskalierte.

Merkel-Hangout: Rundfunk oder nicht? Keine endgültige Entscheidung der Medienaufsicht – ZAK-Chef wollte Duftnote setzen und die Debatte entspannen.

Live-Hangouts sind eher Abrufdienste und kein Rundfunk #MerkelHangout.

Weitere Berichte zum Tweetcamp (ohne Garantie auf Vollständigkeit):

#nr13 und #tck13: Journalismus und Twitter

tweetCamp 2013: In den Herzen der Nerds

Tweetcamp Köln – Tag 1

#TCK13: RECAP VOM TWEETCAMP 2013 IN KÖLN

tweetCamp: Das Barcamp zum Thema Twitter war ein voller Erfolg.

Besonders aktiv war Thomas Riedel aka Droid Boy @boydroid, der einen Großteil der Sessions live ins Netz gestreamt hat via Hangout on Air.

Frag den Staat zum Spähprogramm #Prism

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Spionage

Folgende Frage habe ich heute via fragdenstaat.de an den Bundesnachrichtendienst gestellt. Dieser Laden untersteht zwar dem Bundeskanzleramt – aber nach Rücksprache mit einem Behörden-Insider wird man da zu schnell abgewimmelt. Ist mir beim Bundesinnenministerium so ergangen. Also geht die Frage direkt an die Bundesbehörde:

Bitte teilen Sie mir auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes mit, ob Ihre Behörde Daten aus dem amerikanischen Spähdienst PRISM erhalten hat oder Zugriff auf diese hatte. Dabei ist es ohne Belang, wann dies geschah und ob die Daten weiterverwendet wurden oder nicht. Auch ist es für mein Informationsersuchen nicht von Belang, zu welchen Vorgängen diese Daten erhalten oder genutzt wurden, so dass ich keine Offenlegung von eventuell sicherheitsrelevanten, einzelnen Vorgängen erwarte.

Gleichlautend ging die Anfrage auch an das Bundesamt für Verfassungsschutz und an das Bundeskriminalamt.

Wenn Ihr ähnliche Anfragen startet, würde mich das interessieren.

Welche Taktiken die Behörden anwenden, um das Informationsgesetz zu unterlaufen, habe ich ja schon einige Male beleuchtet. Etwa in meinem Beitrag “IFG-Erlebnisse: Verzögern, verschleppen, vernebeln, Hürden einziehen, Zugang erschweren”.

Lustig die Geschichte von netzpolitik.org: Copyrightverstoß in PRISM-Logo.

Die Geldschneiderei der Dünnbrettbohrer-Fließband-Veranstalter

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Social Web ist anders, ätsch

Mein Briefkasten wird jede Woche mit irgendwelchen Broschüren von den großen Konferenzveranstaltern zugemüllt. Das sind Fließbandproduktionen, um Trendthemen als Umsatzmaschine zu nutzen. Interesse an Inhalten, die in die Tiefe gehen, ist bei diesen Anbietern nicht vorhanden. Man präsentiert ein paar prominente Namen und verlangt für diese dünne Sauce dann 1000 bis 3000 Euro Gebühr pro Teilnehmer.

08/15-Hochglanz-Scheiße. Powerpoint-Orgien, keimfreie Top-Hotels, dümmliche Tagungsunterlagen, aseptische Diskussionen, schlechter Kaffee und wichtigtuerisches Personal. Meine Konsequenz: Weder lasse ich mich als Redner für solche Dünnbrettbohrer-Konferenzen buchen, noch plane ich den Besuch dieser Schlau-Schwatz-Zusammenkünfte. Zeitverschwendung für einen zu hohen Schnöselfaktor.

Ich kann daher den Wutausbruch von Marco Ripanti versehen: So nicht, liebe Konferenzveranstalter!

Siehe auch:

Wie mich die Kall Zenta Welt zum Journalisten zweiter Klasse degradierte.

Mein Bericht vom Mobile Gipfel in Bonn.