Beckedahl: Telekom ist der größte Feind der Netzneutralität #Drosselkom

Drosselkom-Demo in Köln

Der Protest gegen die Drosselpolitik der Telekom nimmt an Schärfe zu. Kein Vorwahlgeplänkel, keine Eintagsfliege – die netzpolitische Bewegung nimmt den Angriff auf die Netzneutralität nicht hin, wie Markus Beckedahl auf der Anti-Drosselkom-Demo zur Hauptversammlung der Telekom in Köln deutlich machte.

Da wird es wohl nicht ausreichen, wenn Bundesnetzagentur und Kartellamt die Pläne des Magentakonzerns prüfen. Auch der Verweis der CDU-Netzpolitiker in der gestrigen Bloggercamp-Sendung auf bestehende Regelungen im Telekommunikationsgesetz können die Netzgemeinde nicht beruhigen.

Verlangt wird eine gesetzliche Festschreibung der Netzneutralität.

So, erst einmal trockene Klamotten anziehen. Es hat heute zur Demo ungedrosselt aus Kübeln geschifft.

Siehe auch:

Drosselkom: Offline and Online-Protests against ISP Plans to slow down Internet Connections – and for Net Neutrality.

Telekom: König Drosselkoms Abgang.

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Obermann und der Manager-Kapitalismus

War Obermann ein Telekom-Kapitän?

Der Telekom-Kapitän Rene Obermann verlässt sein Schiff seinen recht unbeweglichen Tanker. Das ist nicht weiter wild. Er kann ja machen, was er möchte. Bemerkenswert ist nur seine Begründung für den Rücktritt:

Nach 16 Jahren Tätigkeit für die Deutsche Telekom, davon elf Jahre im Vorstand, möchte Obermann wieder “stärker unternehmerisch geprägte Aufgaben” übernehmen.

“Ich will wieder mehr Zeit für Kunden, Produktentwicklung und Technik haben.”

Was hat er eigentlich in den sechs Jahren als Boss des Bonner TK-Konzerns gemacht? Es zeigt sich an dieser Aussage das ganze Dilemma von Konzernen, die nach der so genannten Shareholder Value-Doktrin geführt werden. Vor einigen Jahren hat das Malik Managementzentrum in St. Gallen interessante Befunde zu diesem Phänomen geliefert. Die leitenden Angestellten wie Obermann, denn nichts anderes ist er als Vorstandschef, pflegen nur selten Kontakt zu ihren Kunden.

Nur 15 Prozent der befragten Manager haben direkten Kundenkontakt. 85 Prozent dagegen kennen den Kunden nur vom Hörensagen. „Er hat so den Charakter eines Fabelwesens im Märchenwald“, moniert Fredmund Malik. Der Schweizer Managementberater erkennt keinen Grund, warum Top-Manager im zwölften Stock ihres Firmensitzes residieren. Warum nicht im Erdgeschoss? Da sei man viel näher dran am Kunden. Hoch oben gehe der visionäre Blick hin zum Horizont. Aber die Kunden seien ganz klein da unten. Die Gründe für das Fiasko bei Unternehmen wie Karstadt sieht Malik in einer kollektiven Irreführung des Managements, die sich ausschließlich vom Shareholder-Value leiten lasse.

„Durch die Lehre vom Shareholder-Value wurde die exklusive Hinwendung zum Aktionärsinteresse legitimiert und damit de facto die Abkehr vom Kunden und vom Kundennutzen“, führt Malik aus.

Es zählt ausschließlich die Steigerung des Aktienkurses und nicht die langfristige Weiterentwicklung des Konzerns. Was man früher als Spekulantentum bezeichnete, entwickelte sich zur Richtschnur für unternehmerisches Handeln. In der modernen Strategielehre sei es nicht mehr entscheidend, Kunden erfolgreicher zu bedienen als die Konkurrenz.

„Nun bestand Strategie darin, Deals zu machen sowie die Erwartungen des Börsenpublikums, der Analysten und Medien zu befriedigen“, kritisiert Malik.

Man verwechselte Gewinn mit wirtschaftlich-unternehmerischer Leistung. Die Tätigkeit des Wirtschaftens sei zwar komplex; die Logik des Wirtschaftens sei letztlich einfach:

„Wer Kunden hat, wird immer auch Kapital bekommen, ob von der Börse oder aus anderen Quellen, ist nicht entscheidend. Aber auch mit noch so viel Kapital lässt sich nicht wirtschaften, wenn man keine Kunden findet. Dass eine Idee Börsenkapital anzuziehen vermag, ist keinerlei Hinweis auf ihre Tauglichkeit für Kunden“, so Malik.

Problematisch wird es, wenn die Begriffe Manager und Unternehmer nicht mehr sauber getrennt werden. Das Wesen eines Managers ist das eines Angestellten, da er kein eigenkapitalbasiertes Risiko trägt. Die Abfindungen sind bereits vertraglich festgeschrieben, so dass kein Super-Star am Ende vor dem finanziellen Ruin steht. Im Fall von Obermann, dessen Vertrag noch bis 2016, sieht es wohl anders aus. Durch die frühzeitige Auflösung der Vereinbarung fällt angeblich keine Abfindung an. Das sollte noch genauer untersucht werden.

Beim Shareholder Value kommt noch ein weiteres Problem hinzu. Sie sind nur noch selten Aktionäre im Sinne des unternehmerischen Eigentümers:

„Sie kaufen Aktien nicht als Anleger, um sie wegen des Unternehmens und seiner Leistungsfähigkeit zu halten. An den Unternehmen selbst ist diese Art von Aktionär im Grunde nicht interessiert, sondern an der schnellen Perfomance für die Fonds-Manager und die Zertifikat-Besitzer“, bemängelt Malik.

Die 100 größten Money Manager Amerikas verwalten fast 60 Prozent der US-Aktien und da gehe es in erster Linie um die Turnover-Rate, also um Aktienumschichtungen und weniger um unternehmerische Belange, sonst würden diese Manager die Papiere länger halten. Bei der Telekom ist dieses Phänomen mit den institutionellen Anlegern zwar nicht so ausgeprägt (so liegt der Aktien-Steubesitz bei rund 61 Prozent), aber in den Grundzügen auch vorhanden. Zudem hinterlässt Obermann mit seinen 49 Lenzen eine Vielzahl von Baustellen. Er macht sich aus dem Staub. Die Bilanz des scheidenden Telekom-Chefs sieht bescheiden aus, so das Handelsblatt: Der Umbau des verlustreichen US-Geschäfts ist immer noch nicht abgeschlossen – zuletzt musste die Telekom 7,4 Milliarden Euro (!!!!) auf T-Mobile USA abschreiben. In Deutschland verliert der Konzern scharenweise Festnetzkunden – allein in den ersten neun Monaten 2012 waren es 800.000 In wichtigen Schwellenländern wie China ist die Telekom immer noch nicht aktiv.” Und so richtig eingefunden in das mobile Geschäft und die App-Economy hat sich der Magenta-Laden immer noch nicht. Auch der Breitbandausbau verläuft bislang kläglich.

Siehe auch: VATM-Studie: Zur Lage der TK-Dinosaurier – Warum Apple und Google besser sind.

Steve Jobs hasste solche Leute, die sich selbst als “Unternehmer” bezeichnen, aber nicht bereit sind, die Arbeit auf sich zu nehmen, die für den Aufbau einer echten Firma notwendig ist. Dies ist die schwerste Aufgabe, die es im Geschäftsleben gibt. Auf diese Weise trägt man wirklich etwas bei und fügt dem Vermächtnis derer, die vor einem da waren, etwas hinzu.

Aber Obermann ist ja kein Unternehmer.

Telekom im Kreuzfeuer: Aufgabe der Netzneutralität erschwert Innovationen

Die Deutsche Telekom hat sich Ansicht Peter Piksa keinen Gefallen getan. “Im Manager Magazin gab der Telekom-Chef René Obermann nun ein Interview, in dem er sich ganz offen gegen das Prinzip der Netzneutralität aussprach und damit mal eben eine spontane Protestwelle auslöste, die so wohl niemand erwartete. Anschließend versuchte man die Wogen zu glätten, was die Sache jedoch nur noch schlimmer machte”, schreibt Piksa in seinem Blog.

Google und Apple seien laut Telekom zwei Aushängeschilder für Unternehmen, welche mit ihrem Terrabyte-großem Content die Leitungen der Telekom verstopfen. Google betreibe schließlich YouTube und Apple beliefet seine Kunden mit Musikdownloads und das alles geht halt so sehr auf die Kapazitäten, dass es jetzt halt an der Zeit ist, die Netzneutralität einzureißen und das Internet in seiner vollen Bandbreite nur noch jenen zur Verfügung zu stellen, die es sich leisten können. “Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass die Telekom bereits von dem Konsumenten Geld für den Internetzugang bezieht, nein. Jetzt will man sich auch noch von Contentanbieter dafür bezahlen lassen, dass man sie mit den Usern verbindet”, so Piksa. Mark Nierwetberg von der Telekom sieht nicht die Freiheit des Internets im Zentrum der Diskussion, sondern die Frage, wie man in Zukunft Investitionen ins Netz refinanzieren könne: “Das ist die Frage, die wir uns stellen. Und wir diskutieren die. Sie bevölkern, wie sie schreiben, das Internet. Gut, das soll auch so bleiben. Andere machen im Internet Geschäfte, dabei wird Geld verdient. Wie wird in Zukunft dieses Geld verteilt, wenn immer mehr Dienste mit immer größerem Hunger auf Bandbreite ins Netz wandern? Entstehen vielleicht Geschäftsmodelle, die gesicherte Qualität – so war Sicherheit gement – verlangen? Als TV Sender zahle ich eine Einspeisegebühr für das Kabel, Netzbetreiber könnten in Zukunft eine gesicherte Qualität für TV Dienste im Netz anbieten – dürfen die dann diesen eindeutig kommerziellen Dienst bepreisen? Darf man als Netzbetreiber die Frage stellen? Wer trägt die Investitionen für den Ausbau der Netze”, fragt sich der Telekom-Mann.

Schon vor einigen Jahren startete der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke einen ähnlichen Angriff auf Google und Co.: „Diese Unternehmen sind künftig darauf angewiesen, dass wir ihnen für ihre neuen Anwendungen die erforderliche Netzqualität garantieren. Es kann nicht sein, dass nur der Kunde über das monatliche Grundentgelt für diese schöne neue Welt bezahlt. Auch alle Web-Unternehmen, die Infrastrukturen für ihr Geschäft nutzen, sollten dann ihren Beitrag leisten.“

Traditionell war das Geschäftsmodell der Telcos vertikal integriert: Von der untersten Schicht – dem Kupfer- oder Glasfaserkabel – bis hinauf zu den oberen Schichten oder Protokollebenen – der eigentlichen Übertragung von Sprach- und Datensignalen – hatten die Netzbetreiber die Kontrolle über alle technischen Ebenen der Netze und Anwendungen. Mit dem Siegeszug des Internet-Protokolls hat sich das gewandelt, da Internet-Applikationen nicht im Zentrum der Netze entstehen, sondern an deren Rändern, und auf einer höheren Schicht transportiert werden.

Experten warnen zurecht vor einer Fragmentierung des Internets durch die Eigeninteressen der Telcos. In einem offenen Netz könne jeder ein Innovator sein und die Kontrolle über die Entwicklung seiner Innovationen sein. In einem Netz, das nicht dem Ende-zu-Ende-Prinzip folge, obliegen Innovation und Kontrolle dem Netzbetreiber; damit verschlechtern sich die ökonomischen Bedingungen für Innovationen.

Wer die Netzneutralität aufgibt, opfert die Prinzipien, die das Internet erfolgreich gemacht haben. Wer sich an die Unvereinbarkeit proprietärer Netze wie dem BTX-Dienst der Deutschen Telekom erinnert, wird eine Ahnung davon haben, was uns bevorsteht, wenn sich kurzfristige Shareholder-Interessen durchsetzen sollten. Dem übergeordneten Ziel, in Deutschland mit der Förderung des breitbandigen Internets Impulse für mehr Innovation zu setzen, wäre mit einem diskriminierenden Netz jedenfalls nicht gedient.

Michael Seemann hat zu diesem Thema einen sehr interessanten Vortrag gehalten.

Boom des mobilen Internets nicht aufzuhalten – Innovationsbedarf bei der Interaktion von Nutzer und Technik

80 Prozent der Internetnutzer in Japan gehen mobil ins Web

80 Prozent der Internetnutzer in Japan gehen mobil ins Web

Nach Ansicht von HTC-Chef Peter Chou http://www.htc.com ist es erst durch den Computerhersteller Apple gelungen, das Mobiltelefon zum Internet-Terminal zu machen. „Der Grund ist, glaube ich, ein tief greifendes Missverständnis bei den Telefonherstellern. Wir Ingenieure haben uns viel zu sehr auf technische Details oder ellenlange Funktionslisten konzentriert – aber die Masse der Benutzer hat das wenig geschert. Apple hat es als Erster mit einem ganz neuen, ganz anderen Geräte- und Bedienkonzept versucht. Und Erfolg gehabt“, so Chou im Interview mit der Wirtschaftswoche.

Den größten Innovationsbedarf fürs Handy der Zukunft sieht er in der Interaktion zwischen Nutzer und Technik. „Eine wirklich intelligente Sprachsteuerung wäre ein Ansatz. Aber das erfordert enorm viel Rechenleistung, und die braucht viel Strom. Die nötigen Akkus machen die Geräte groß und schwer. Das ist eine der ganz großen Herausforderungen, nicht nur für die Handyproduzenten, sondern die gesamte IT-Branche“, so Chou gegenüber der Wirtschaftswoche.
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Nach Ansicht von Björn Behrendt, Geschäftsführer der Wissenscommunity Hiogi gibt es mittelfristig nur zwei Steigerungsmöglichkeiten zum genialen iPhone-Design und den strikten Softwaredesignvorgaben von Apple, die geprägt sind durch die zwei Knöpfe und den großen Touchscreen mit Fingertipp-Bedienung: „Spracherkennung und Befehle über Gedanken. Da viele Gerätehersteller noch meilenweit entfernt sind von der iPhone-Usability empfiehlt sich auch für HTC: lieber schnell kopieren als in Ehre zu sterben“, so Behrendt.

Klar sei auf jeden Fall, dass der Boom des mobilen Internets nicht aufzuhalten ist. „Trendsetter sind die Asiaten. So hatten im vergangenen Jahr schon 90 Prozent der Südkoreaner einen mobilen 3G-Zugang und 63 Prozent führen mobile Zahlungen durch. Vier Fünftel der Japaner gehen mobil ins Web und schon jeder Zehnte macht das ausschließlich mobil“, sagte Behrendt bei seinem Vortrag auf dem Mehrwertforum der Deutschen Telekom in Berlin. Hier der Vortrag von Behrendt.

Neue Technik werde in der Startphase häufig überschätzt. „Jahre später dann, wenn sie vor ihrem Durchbruch steht, wird ihr Einfluss unterschätzt. Hype-Zyklen nennen Experten dieses Phänomen. Einen solchen Zyklus hat auch das mobile Internet durchlaufen. Während der Versteigerung der UMTS-Lizenzen überboten sich Visionäre mit Prognosen, das Handy werde schon bald zu einer Art digitalem Butler mutieren. Alle machten Jagd auf die Killer-Applikation, die ultimative, weil geldbringende Anwendung. Doch Mobiltelefone blieben graue Kästen, mit denen Kunden allenfalls Kurznachrichten verschickten. Für das mobile Surfen interessierte sich kaum jemand“, schreibt die Wirtschaftswoche.

Nun sei der Knoten geplatzt. Um 16 Prozent werde der Umsatz mit mobilen Datendiensten in diesem Jahr weltweit zulegen, auf 124 Milliarden Euro. Das erwartet der Branchenverband Bitkom. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft nutzt bereits jeder Dritte das mobile Internet. Parallel dazu leitete die Telekom-Tochter T-Mobile im vergangenen Jahr dreimal mehr Daten durch ihre europäischen Netze als 2007. Das mobile Internet sei ein neues Massenmedium, das laut Google-Chef Eric Schmidt ein größeres Geschäft werde, als das PC-Internet es je war.

„Das mobile Internet ist erst in Ansätzen erkennbar. Da ist vor allen Dingen in Europa noch sehr viel Marktpotenzial vorhanden. So kann niemand vorhersagen, was passiert, wenn beispielsweise ortbasierte Services auf auf Web 2.0-Communities treffen. Natürlich hat das eine enorme Sprengkraft wenn Giganten wie Apple, Google, Microsoft und Nokia aufeinander treffen und gleichzeitig noch Heerscharen von Applikationsentwicklern auf deren freigegebenen Plattformen innovative Dienste für den mobilen Nutzer entwickeln und täglich neue Dienste auf den Downloadcharts vom Apple-Store oder demnächst auch OVI stehen“, erläutert Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Die Innovationsgeschwindigkeit verlaufe zur Zeit ungehemmt, keiner weiß, wo das hinführen wird und wie sich unser Leben und wie sich insbesondere auch die Wertschöpfungsketten in der Wirtschaft verändern werden. „Interessant ist, dass trotz der ganzen Vielfalt der Software, Hardware und Anwendungen, die sich dahinter verbergenden Nutzungsszenarien der Endverbraucher meist sehr einfach bleiben: ‚Wo ist der nächste Fahrradladen?’; ‚Welche Freunde sind gerade in der Nähe?’; ‚Wie gut ist der Inder dort an der Ecke?’; ‚Gibt es die Kamera noch irgendwo billiger?’“, so der Sprachdialogexperte Pape. Das seien Nutzungsszenarien, die nach einer Spracherkennung und einem Sprachdialog geradezu schreien. „Wenn es gelingt, den Sprachdialog in die mobilen Anwendungen einzubinden, dann wird die ganze Entwicklung noch einmal eine neue Dimension bekommen. Spracherkennung und Sprachdialog werden auch der Schlüssel dafür sein, Bevölkerungsgruppen an der Entwicklung teilhaben zu lassen, die von der neuen Technologie bisher ausgeschlossen sind“, resümiert Pape. Das müssten die großen Anbieter in ihren Strategien für das mobile Internet berücksichtigen.

Mehrwertforum in Berlin: Virtuelle Call Center, digitale Innovationen durch Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Kommunikation

Software verbindet immer mehr den privaten Lebensraum mit dem Geschäft: Arbeit ist Teil des Privatlebens und das Private vermischt sich mit Beruflichem. Das gilt mittlerweile auch für die Call Center-Branche. In einer vernetzten Welt müssen sich besonders die Anbieter im Kundenservice ständig neu ausrichten. Den Aufbau und Ablauf einer Organisation in Beton zu gießen, um sie auf Effizienz zu trimmen, gelingt immer weniger.

ThTlabs_005In der Telekom-Forschungseinrichtung T-Labs in Berlin wird deshalb nicht der Mensch, sondern der Arbeitsplatz mobil – das Büro steckt quasi in der Hosentasche: „Wir möchten nicht das Büro abschaffen, sondern es allgegenwärtig machen“, so die Visionen von Hermann Hartenthaler von T-Labs. Wo immer man sich gerade aufhalte, soll überall und jederzeit die Möglichkeit bestehen, sich in dem vertrauten Arbeitsumfeld zu bewegen. Call Center-Agenten arbeiten immer häufiger an wechselnden Standorten und Arbeitsplätzen für ein- und dieselbe Hotline. Moderne Softwarelösungen wie die webbasierte Automatic Call Distribution (ACD) der Deutschen Telekom verbinden dabei Anrufer automatisch mit dem richtigen Ansprechpartner – und das ohne teure Investitionen in Technik vor Ort.

Ungenutzte Ressourcen könne man besser ausschöpfen und eine optimale Erreichbarkeit von Services sicherstellen. Mitarbeiter könnten sich selbstständig und zu jeder Zeit am ACD-System anmelden – unabhängig von ihrem Aufenthaltsort. Das heißt: Obwohl räumlich von einander entfernt, werden die Agenten Teilnehmer eines großen virtuellen Call Centers. Anrufer wählen eine Servicenummer und erreichen stets einen Gesprächspartner – ganz egal, wo dieser sitzt.

Der Anwender benötigt allerdings ausgefeilte Instrumente für die Steuerung und das Monitoring des Telekommunikationsverkehrs. Diese Instrumente müssten so zeitnah wie möglich greifen und ständig verfügbar sein – nur auf dieser Basis kann das Servicemanagement schnell und gezielt agieren. Die Notwendigkeit dieser Qualitätskontrolle belegt der „Customer Self Service Report“ des Marktforschungsinstituts Harris Interacitve: In einer Umfrage gaben 59 Prozent der Verbraucher zu Protokoll, dass sie Unternehmen nach einer negativen Call Center-Erfahrung dauerhaft den Rücken kehren. Der Einfluss telefonischer Dienste auf das Ansehen der Firmen ist also erheblich. Entsprechend wichtig sind Erfolgskontrollen des Serviceniveaus. Um für die ACD ein flexibles Echtzeit-Monitoring zu realisieren, hat das Dortmunder Softwareunternehmen VoicInt Telecommunications sein „Web Enterprise Monitoring“ an die Call- Center-Plattform der Deutschen Telekom angebunden. „So stehen Kunden umfassende Informationen, Statistiken und Kennzahlen parallel zu den laufenden Prozessen bereit. Über einen beliebigen Webbrowser und sogar über Mobilfunkgeräte wie das iPhone können die Verantwortlichen beispielsweise Informationen zur Anzahl der Anrufe und Gespräche, zur Erreichbarkeit, zu Gesprächsdauer oder Service Level abrufen“, erläutert Peter Nowack, Geschäftsführer von VoicInt.

Mit dem Tool erweitere die Deutsche Telekom ihre erfolgreiche Call Center-Lösung aus dem Netz um eine zentrale Funktion. Echtzeitinformationen seien für die effiziente Steuerung eines Call Centers unabdingbar. Genau so wichtig sei es, die Daten und Indikatoren übersichtlich darzustellen. Das werde etwa mit einer professionellen grafischen Aufbereitung der Informationen durch das Web Enterprise Monitoring ermöglicht. Manager und Teamleiter könnten auf einen Blick den Status und das Service Level erfassen, um die Ressourcenauslastung zu optimieren.

Mehrwertforum im Axica Kongresscenter am Brandenburger Tor

Mehrwertforum im Axica Kongresscenter am Brandenburger Tor

„Die netzbasierte ACD ist ein Highlight unter der Mehrwertlösungen der Deutschen Telekom“, sagt Lars Völkering, Leiter Produktmanagement Managed Services bei der Telekom im Vorfeld des Mehrwertforums https://mwl.telekom.de/mehrwertforum in Berlin. Das Echtzeit-Monitoring von VoicInt steigere den Nutzwert der Lösung noch einmal deutlich. Das System wird auf dem Mehrwertforum vom 13. bis 14. Mai in Berlin präsentiert. Weitere Themen: Dieter Brandes, ehemaliger Aldi-Manager äußert sich zur Kunst der Einfachheit. Andreas Klug von der ITyX Solutions AG und Michael Schneider vom Bosch Communication Center zeigen auf, wie digitale Innovationen auf Künstliche Intelligenz treffen. Hiogi-Chef Björn Behrendt präsentiert Geschäftsmodelle im Zeitalter von intelligenten Web und Social Communities. Perspektiven von Internet-TV und Mehrwertlösungen der Zukunft beleuchten Dr. Randolph Nikutta von T-Labs und Johannes Nünning, Leiter Strategie Mehrwertlösungen der Deutschen Telekom.

T-Mobile und Skype: Kostenfrei-Logik wird sich auch im Mobilfunk ausbreiten

Seit Wochenbeginn gibt es Skype auch für das iPhone. Keine Sensation, aber die Anwendung wurde von Apple-Fangemeinde lange erwartet. „Smartphone kaufen, Datenflatrate abonnieren, billig per Skype telefonieren. Genau dieser Traum könnte jetzt in Erfüllung gehen, zumindest theoretisch. Praktisch aber werden deutsche iPhone-Nutzer auch künftig ganz normal über Mobilfunknetze Gespräche führen müssen, denn der Mobilfunk-Marktführer mag Skype nicht in seinen Netzen sehen“, berichtet Spiegel Online. T-Mobile werde den Dienst in seinem Mobilfunknetz blockieren. Die Begründung: Würden iPhone-Anwender ihre Datenverbindung für Skype-Gespräche nutzen, würde die Leistung des Netzes leiden. Datenübertragungen würden verlangsamt, das Netz könnte überlastet werden. Davor müsse man sich schützen, behauptet ein T-Mobile-Sprecher.

Zudem müsse man eine gleichbleibende Qualität der Sprachverbindungen garantieren. Probleme mit Skype könnten von den Kunden als Telekom-Probleme fehlinterpretiert werden. Wohl deshalb will der Konzern die mobile Skype-Nutzung auch an seinen WLAN-Hotspots unterbinden. Branchenexperten reagieren mit Unverständnis. „Dass durch die Skype-Nutzung das Netz überlastet wird, kann ebenso als vorgeschobenes Argument angesehen werden wie die Behauptung, dass Kunden sich bei T-Mobile beschweren würden. Ich glaube vielmehr, dass durch die Nutzung der VoIP-Software die etablierten Spielregeln in Gefahr geraten und T-Mobile seine Gatekeeper-Funktion mit aller Macht aufrecht erhalten will. So ist denkbar, dass Kunden den günstigsten iPhone-Tarif buchen und ihre Gespräch dann über Skype führen. Noch gravierender ist sicherlich der Kontrollverlust. Über Skype kann gechattet und weitere Zusatzdienste genutzt werden. Die Dose der Pandora hat sich also schon geöffnet“, erklärt der Düsseldorfer Unternehmensberater Bernhard Steimel von Mind Business. Mit der Internet-Kostenfrei-Logik würden nach seiner Ansicht die Bezahl-Geschäftsmodelle der Mobilfunkanbieter unter Druck geraten. Im übertragenden Sinne erinnere die Situation ein wenig an den Untergang des Kommunismus und die letzten Abwehrschlachten vor dem Mauerfall.

„T-Mobile will sich das Geschäft mit dem iPhone nicht verderben lassen. Es bleiben nur fremde WLAN-Zugänge für Skype auf dem iPhone nutzbar, etwa zu Hause an DSL-Anschlüssen oder kostenpflichtigen Hotspots anderer Betreiber etwa an Flughäfen oder in Hotels. Damit sinkt die Attraktivität des Dienstes. Ohnehin müsste der Benutzer für sogenannte Skype-out Calls, also Anrufe aus Skype in öffentliche Telefonnetze hinein zahlen. Besonders die Gespräche in Mobilfunknetze haben keinen Preisvorteil gegenüber Angeboten von Mobilfunknetzbetreibern“, weiß Internetkenner Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity.

Unabhängig davon habe sich Skype eine Selbstbeschränkung auferlegt, um nicht direkt mit den Telefonanbietern in Konflikt zu geraten. Vorerst werde nur WLAN unterstützt, UMTS nicht. Das T-Mobile es aber anscheinend nicht selbst so genau nimmt, zeige sich daran, dass viele VoIP-Clients und Chat-Clients nutzbar sind. „Langfristig wird sich Skype durchsetzen. Die Sprachqualität über das iPhone ist schon jetzt wirklich gut“, so die Erfahrung von Schmidt.

„Die Telekom fällt zurück in die finsteren Zeiten der ‚Walled Gardens’“, kritisiert der Mobile Services-Experte und Fachautor Sebastian Paulke. Für viele Kunden seien die im iTunes-Shop angebotenen Applikationen ein entscheidender Grund, sich zugunsten eines iPhones zu entscheiden. Anstatt willkürlich Skype zu sperren, nicht aber den von der Telekom stark beworbenen Musikfinder Shazam, der auch Datentraffic verursacht, wäre das Unternehmen gut beraten, durch günstige Flatrate-Tarife den Nutzwert von Skype gegen Null zu treiben und durch Kostenführerschaft Marktanteile zu übernehmen. „Besonders die im Social Web überdurchschnittlich aktive Klientel der iPhone-Nutzer werde sich das kaum bieten lassen. Analog zum Versuch von E-Plus und O2, die im vergangenen Jahr den VoIP-Provider Rebtel sperrten, werden sie eine derartige Aufruhr in einschlägigen Fach- und Userforen veranstalten, dass die Telekom entweder schnell einlenken und Skype wieder freigeben wird, oder noch mehr Marktanteile an Nutzer verlieren, die ihr iPhone ‚hacken’“, vermutet Paulke.

Skype fürs iPhone und der Albtraum von T-Mobile

Skype-Apps fürs iPhone

Skype-Apps fürs iPhone

Der ITK-Journalist Michael Hülskötter hat einen ersten Erfahrungsbericht über Skype fürs iPhone geschrieben. Sein Fazit: “Skype fürs iPhone kommt endlich das Original aufs Apple-Smartphone. Mit allen wichtigen Features, die man von der Mac- und PC-Variante kennt – samt vertrautem Startton. Ok, Konferenzschaltungen und Videochats sind natürlich nicht möglich. Man muss es ja aber auch nicht gleich übertreiben…”.

Die Blockadehaltung von T-Mobile ist typisch. Man melkt die Sprachtelefonie-Kuh, bis sie tot umfällt. Laut Wirtschaftswoche wird T-Mobile Skype voraussichtlich auch bei einem Internetzugang über die Hotspots des Unternehmens unterbinden. Denn die Vertragsbedinungen, mit denen sich die Nutzung von VoIP-Software unterbinden lässt, gelten laut T-Mobile gleichfalls für die WLAN-Zugänge. Davon wäre dann nicht nur das iPhone betroffen, sondern alle WLAN-fähigen Geräte, auf denen sich Skype installieren lässt.

Entsprechend groß ist die Empörung bei Internetexperten.“Mit der Blockade der fällt die Telekom zurück in die finsteren Zeiten der ‘Walled Gardens’ – und verprellt die Kunden ebenso wie sie sich rechtlich auf schlüpfriges Terrain begibt: Für viele Kunden sind die im iTunes-Shop angebotenen Applikationen ein entscheidender Grund, sich zugunsten eines iPhones zu entscheiden. Anstatt willkürlich Skype zu sperren, nicht aber den von der Telekom stark beworbenen Musikfinder Shazam, der auch Datentraffic verursacht, wäre das Unternehmen gut beraten, durch günstige Flatrate-Tarife den Nutzwert von Skype gegen Null zu treiben und durch Kostenführerschaft Marktanteile zu übernehmen”, so der Mobile Services-Experte und Fachautor Sebastian Paulke.

Insbesondere die im Social Web überdurchschnittlich aktive Klientel der iPhone-Nutzer werde sich das nicht bieten lassen: analog dem Versuch von E-Plus und O2, die im vergangenen Jahr den VoIP-Provider Rebtel sperrten, werden sie derartigen Aufruhr in einschlägigen Fach- und Userforen veranstalten, dass die Telekom entweder schnell einlenken und Skype wieder freigeben wird, oder noch mehr Marktanteile an Nutzer verlieren, die ihr iPhone “hacken” und z.B. mit einem E-Plus Base 5 Full Flat-Tarif betreiben. T-Mobile will wohl die Sprachtelefonie-Kuh so lange melken, bis sie tot umfällt. Aber was kommt danach. Skype lässt sich nicht aufhalten.

Krise als Katalysator für die Telekommunikation: Notwendige Marktkonsolidierung wird beschleunigt

Die Finanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt haben sich in den vergangenen Monaten auch für die Telekommunikationsbranche deutlich verschärft. Zu diesem Urteil gelangte Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg, der sich auf der Euroforum-Jahrestagung „Telecom Trends” in Düsseldorf zu den Auswirkungen der Finanzkrise für die Bonitätseinschätzung der Unternehmen äußerte. „Der kurzfristige Commercial-Paper Markt war als alternative Finanzierungsquelle nur begrenzt nutzbar und Neuemissionen von Unternehmensanleihen sind ins Stocken geraten. Die Finanzierungsoptionen der Unternehmen werden unseres Erachtens derzeit ausschließlich von dem Motto ‚Cash is King’ getrieben“, so Burkert.

Die Unsicherheit an den Märkten dürfte nach Einschätzung des Bankmanagers die Finanzierungsperspektiven für die Unternehmen auch in den nächsten Monate mitbestimmen, was aufgrund der deutlich gestiegenen Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen die Finanzierung für die Firmen verteuern werde. „An dieser Stelle sind Unternehmen mit einer mittelständischen Unternehmerkultur, die stark auf Eigenkapital setzen, klar im Vorteil. Sie können jetzt ihre Stärken ausspielen. Zum einen stehen für solche Unternehmen immer noch sehr wettbewerbsfähige Konditionen zur Verfügung, zum anderen blockieren die Finanzierungsfragen nicht das Management“, erläutert Branchenkenner Andreas Latzel, Deutschlandchef des TK-Konzerns Aastra. Sein Unternehmen habe seit mehr als zehn Jahren ununterbrochen einen positiven Cash Flow. „Trotz großer Akquisitionen, können wir uns voll auf das operative Geschäft konzentrieren und gleichzeitig die Chancen nutzen, die sich in der aktuellen Situation ergeben“, sagt Latzel.

Nach Marktanalysen des Beratungshauses Booz & Co.

Frisch von der Tagung Telecom Trends in Düsseldorf: E-Plus will EDGE in diesem Jahr zu einem Massenprodukt machen

Intensiv bemühen sich die Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone und O2 (Germany) seit einiger Zeit, ihren Kunden die Nutzung von Datenanwendungen über UMTS und HSDPA schmackhaft zu machen. Nach wie vor können die Umsätze mit den Datendiensten den Preisverfall und Umsatzrückgang bei den Mobilfunkgesprächen nicht kompensieren. Der Düsseldorfer Mobilfunkanbieter E-Plus will sich in diesem Jahr bei mobilen Datendiensten voll auf die Vermarktung kleinerer Anwendungen konzentrieren. „Edge ist als Übertragungsstandard für kleine mobile Datenapplikationen völlig ausreichend“, zeigte sich der Chefstratege der E-Plus Gruppe, Dr. Andreas Gregori auf der 13. EUROFORUM-Jahrestagung „Telecom Trends“ in Düsseldorf überzeugt.

Ob sich der steigende Datenbedarf bei den Kunden für die Mobilfunkanbieter auch in bare Münze wurde von ihm skeptisch beurteilt. Die sei nur über eine intensive Segmentierung zu erreichen. In der Produktgruppe „Data Light“ bietet das Unternehmen seinen Kunden neuerdings beispielsweise die Möglichkeit, für eine Pauschale von ein Euro pro Monat drei ausgewählte Webseiten jederzeit zu besuchen. „Wir werden das Thema Edge dieses Jahr massiv ausbauen und den Markt mit passenden Angeboten im Breitenmarkt weiter umkrempeln”, versprach Gregori.

Dabei ist der Discountmarkt mit seinen alternativen Vertriebswegen für E-Plus den Ausführungen des E-Plus Marketingchefs zufolge inzwischen ausgereizt. In der jüngsten Partnerschaft mit dem ADAC tritt der Düsseldorfer Anbieter als Exklusiv-Partner für die grundlegenden Konzepte zu den Mobilfunkangeboten des Automobilclubs auf. „Der ADAC kennt den Mobilfunk-Bedarf seiner Mitglieder viel besser als wir“, erklärte Gregori den strategischen Hintergedanken seiner Vertriebspartnerschaften heute in Düsseldorf im Gespräch mit dem Fachdienst Portel. Das positive Image des ADAC, bestehend aus Vertrauen, Verlässlichkeit und Schutz rund um das Thema Mobilität, unterstütze E-Plus nun mit geeigneten Angeboten im Bereich Mobilfunk. „Wir konzentrieren uns immer auf hochrelevante Basisdienstleistungen für den Massenmarkt“, so Gregori.

Generell ist die TK-Branche wenig innovativ, so mein Eindruck. Nur Infrastruktur-Gebrabbel und die Hoffnung, dass mehr Bandbreite auch mehr Dienste auf die Netze zieht. Kein Steve Jobs-Gen bei den Telco-Managern vorhanden. Später mehr von der Tagung.