Paul Feyerabend, Barcamps und Anregungen für Selbstdenker #bcbn

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Anregungen für Selbstdenker

Anregungen für Selbstdenker

Der Wissenschaftsphilosoph Paul Feyerabend war für die Wissenschaftszunft eine Zumutung. Nichts war ihm heilig, jede Denk-Konvention lehnte er ab, jede rituelle Vorstellung im Namen der Vernunft war für Feyerabend ein Instrument, um Menschen niederzuhalten.

Sein Rat: Selber forschen. Seine Methode:

“Ich habe in meinen Vorlesungen gelesen, was mir Spaß gemacht hat und was ich lernen wollte. Das Beste, um etwas zu lernen, ist eine Vorlesung darüber zu halten.”

Wie entstehen Ideen? Man kann ins Grüne gehen, ins Café oder in die Bibliothek, wie es Feyerabend formulierte. Oder eben Barcamps als offene und freie Bühne fürs Ideengewimmel nutzen. Ein Experimentierlabor ohne thematische Vorgaben, ohne Reden von der Kanzel und ohne Emponiergehabe von Powerpoint-Rhetorikern.

Das Beste, was man machen kann, ist eine Session anzubieten, selber zu forschen, zu denken, zu diskutieren und neue Ideen zu entwickeln. Etwa am 28. Februar auf dem Barcamp in Bonn.

Ich selbst möchte etwas lernen über die Bonner Forschungszeit des Ökonomen Joseph Schumpeter. Daher mein Sessionvorschlag: Welche Spuren hat der Ökonom Joseph Schumpeter in seiner Bonner Zeit von 1925 bis 1932 hinterlassen? Diese Lehrjahre sind in der Schumpeter-Forschung noch ein relativ unerschlossenes Feld. Ich präsentiere meine Recherchen und werde daraus einen Podcast erstellen.

Man hört und sieht sich beim Barcamp Bonn :-)

Siehe auch:

WARUM DIE WIRTSCHAFT MEHR SOCIAL WEB WAGEN SOLLTE.

Der Netzökonomie-Campus und Wutreden an die Deutschland AG #nöcbn

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Netzökonomie-Diskurs mit Käsekuchen. Selbstversorger Frank Michna.

Netzökonomie-Diskurs mit Käsekuchen. Selbstversorger Frank Michna.

Da denkt man, keiner interessiert sich für wirtschaftspolitische Themen, für Startups oder netzökonomische Belange und nur Spaßvögel wie Slimani können virale Hits im Web lostreten:

„Dann kommt Christian Lindner mit seiner Wutrede im NRW-Landtag über die Verachtung von Unternehmertum in Deutschland und in zwei Tagen wird die Rede allein bei welt.de 2,1 Millionen Mal angeklickt und über 18.000 Mal geteilt“, bemerkt Wirtschaftshistoriker und Management-Professor Klemens Skibicki auf Facebook.

Vielleicht müsse man die Themen ja doch nur auf den Punkt bringen, um die vernetzte Ökonomie und das Social Web den politischen Entscheidern schmackhaft zu machen. Abgesehen von der Glaubwürdigkeit der Replik des FDP-Politikers in Fragen des Unternehmertuns, wäre eine breite Debatte über den Gründergeist vonnöten, so das Resümee des zweiten Netzökonomie-Campus in Bonn.

Nicht nur Politik und Staat gefragt

Das ist nicht nur eine Hausaufgabe für Staat und Politik. Auch die Wirtschaft benötigt einen neuen Gründergeist.

Hangout on Air-Studio des Netzökonomie-Campus in Bonn.

Hangout on Air-Studio des Netzökonomie-Campus in Bonn.

Die Digitalisierung und das Social Web sollten genutzt werden, damit die Firmen in ihren Kernprozessen besser werden, fordert Marketing-Experte Michael Zachrau:

„Ich sehe die Chance, wo die Telekom zufällig auf Social Media gestoßen ist. Nämlich bei den Beschwerden. Funktioniert der Service im Call Center nicht mehr, entsteht auf Twitter zwar nicht gleich ein massiver Shitstorm, aber es gibt eine Vielzahl von Kunden, die das sofort netzöffentlich machen. Das sollte von Unternehmen nicht verteufelt, sondern als Chance gesehen werden.“

Wie könne man mit den Mitteln des Netzes die Services und Produkte verbessern – ohne Marktgeschrei und ohne Leadgenerierung für dümmliche Online-Kampagnen.

Ziegelstein-Barrieren im Management

Aber schon beim Management von Ideen und Innovationen errichten die meisten Unternehmen in Deutschland Ziegelstein-Barrieren. Sie meiden den offenen Austausch mit Kunden und der interessierten Öffentlichkeit im Netz, bemängelt Innovationsberater Jürgen Stäudtner.

„Was bei uns in der Wirtschaft abläuft, hat wenig mit digital und social zu tun.“

Da regiert eher die Abschottung über Zertifizierungen und Patente.

Wir laufen in eine agile Netzwerk-Ökonomie rein, wo es nicht ausreicht, irgendwelche Praktikanten zur Betreuung der Facebook-Seite abzustellen, meint Winfried Felser von der Unternehmer-Plattform Competence Site.

Ausführlich nachzulesen in meiner morgigen The European-Kolumne.

Bevor die Unternehmer im Social Web aktiv werden, sollten sie das Digitale vielleicht erst einmal mehr umarmen.

Was die Deutschland AG so leistet, erkennt man am Beispiel Karstadt.

Götterliebling Hofmannsthal: “Lassen Sie mich gehen, ich halte das Opium nicht länger aus”

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Hofmannsthal und Dichterfreund Borchardt

Hofmannsthal und Dichterfreund Borchardt

Das Referat meines Sohnes über Hugo von Hofmannsthal, vor ein paar Jahren für den Deutsch-Leistungskurs verfasst, ist vielleicht immer noch recht interessant – nicht nur wegen des Interviews mit dem Sohn von Rudolf Borchardt, einem nicht ganz unwichtigen Weggefährten des Wiener Dichters:

Hofmannsthal betrat die Literaten-Szene 1891 mit knapp achtzehn Jahren und wurde fast augenblicklich berühmt. Auf einer Landpartie trug der Primaner den namhaften Schriftstellern Wiens sein erstes Versdrama vor. “Wortlos”, so wurde später über den Ausgang dieser Lesung berichtet, “saßen Arthur Schnitzler und die anderen aus der Stadt Gekommenen, Männer der sicheren Feder und anhebende Meister ihres Handwerks, vor dem Knaben, der seine Blätter zusammennahm”.

“Wissen, Klarheit, Künstlerschaft”, notiert Arthur Schnitzler im März 1891 in seinem Tagebuch, “es ist unerhört in dem Alter.” Noch im gleichen Jahr verbreitete sich der Ruhm des Knaben über Wien hinaus. In Kopenhagen staunte Georg Brandes über die Magie dieser Verse, in München machte sich Stefan George reisefertig, um dem „Zwillingsbruder” den Dichterbund anzutragen, und in Berlin überlegte der spätere Dichterfreund Rudolf Borchardt, sein Studium abzubrechen, um einer wie Hofmannsthal zu werden. “Meine ganze Last schien mir abgenommen”, schilderte er später den Eindruck, den schon wenige Zeilen des jungen Dichters auf ihn gemacht hatten, und noch nach Jahrzehnten gestand er die “Erschütterung” ein, die ihn seitdem nie wieder verlassen habe.

“Das Jahr der Wunder, der drei Tragödien und welcher Gedichte!” – mit diesen Worten charakterisierte Borchardt das Jahr 1897, als der dreiundzwanzigjährige Hofmannsthal auf die Höhe seines Ruhms gelangte. Gerade war in den “Blättern für die Kunst” eines der schönsten Gedichte Hofmannsthals erschienen, in dem sich die berühmten Zeilen finden: “Ganz vergessener Völker Müdigkeiten / Kann ich nicht abtun von meinen Lidern”. Gedicht „Terzinen über Vergänglichkeit“.

Allerdings war das Echo auf Hofmannsthal nicht nur positiv, wie Borchardt nach einem von ihm in Bonn organisierten Rezitationsabend im Jahr 1898 erfahren musste. Das Bonner Publikum lachte, murrte und drohte laut zu werden. Der Kunsthistoriker Justis Riesenleib erhob sich gar von seinem Sitzplatz und verließ lautstark die Veranstaltung mit den Worten:

„Lassen Sie mich gehen, ich halte das Opium nicht länger aus.”

Worauf sich der halbe Saal zum Gehen entschloss (nachzulesen in der Bonner Zeitung vom 24. Mai 1898 – das war einer der Hauptgründe, warum Borchardt die Uni Bonn ohne Abschluss verließ, aber dazu werde ich noch gesondert etwas schreiben, gs).

Chandos-Brief: Epochales Werk und persönliches Krisendokument

Mit fünfundzwanzig Jahren war Hofmannsthal schon zur europäischen Legende geworden, und in einem sonderbaren Übertragungsprozess erblickten manche in ihm die jugendliche Entsprechungsfigur zum gleichfalls in die Legende entrückten siebzigjährigen Kaiser.

Chandos Brief

„Fünfundzwanzig Jahre später war Hugo von Hofmannsthal ein verfallener, unglücklicher und fast vergessener Mann, ein Relikt aus unvordenklichen Zeiten und so gründlich vergangen wie die Gesellschaft, deren Wunderkind er gewesen war. Kaum noch jemand las seine Gedichte, kein Theater spielte seine Stücke, und einzig durch den Salzburger ‚Jedermann‘ haftete später sein Name noch im Gedächtnis“, so der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher.

Hofmannsthal habe nach seinem sechsundzwanzigsten Lebensjahr keine Gedichte mehr geschrieben. Der Chandos-Brief von 1902 kann also als epochales Werk für die literarische Moderne gesehen werden. So bezeichnete der Kritiker Gustav Landauer den Brief 1903 als Manifest einer neuen Dichtergeneration, die sich vom Glauben an das Wort abwende und zum „Rhythmus, zum Unsagbaren“ tendiere.

„Hofmannstahl verhalf einem Epochengefühl zum Ausdruck, das noch immer andauert. Das inhaltsleere Gerede einer kulissenhaften Öffentlichkeit, der zerfahrene, konzentrationsschwache Geisteszustand, den wir als Signum unserer Epoche betrachten, das unbehagliche Gefühl, die Welt verflüchtige sich vor unseren Augen und ließe uns mit Worten zurück, die keine Bedeutung mehr haben – all dies hat Hofmannsthal bereits vor hundert Jahren heraufziehen sehen“, erklärt der FAZ-Lieraturchef Hubert Spiegel im Jahr 2002.

Der Chandos-Brief ist allerdings auch eine Wegmarke für die persönliche Befindlichkeit Hofmannsthals. Er dokumentiert die nie mehr überwundene Sprach- und Schaffenskrise; danach schreibt er Dramen, Prosastücke, einen fragmentarischen Roman, aber nie wieder Lyrik im strengen Sinne. Der Erfolg seiner Opern im Zusammenwirken mit dem Komponisten Richard Strauß und seiner Theaterstücke stellte sich erst nach dem Tod des Schriftstellers ein und wirkt bis heute.

„Zwar hat er, zählt man die nachgelassenen Verse hinzu, fast hundert Gedichte verfasst, aber zu Lebzeiten nur siebzehn – ausnahmslos bis 1900 entstandene – für überliefernswert gehalten. Die frühreife, dann plötzlich stockende und vom Leben überholte Produktivität hat Hofmannsthal über die literarische Wirkung hinaus zum wirklichen Protagonisten der zerfallenen Monarchie gemacht“, so die These von Frank Schirrmacher.

Borchardt hat den Chandos-Brief als Weggabelung zum Schlechten gewertet – zu Lebzeiten seines Dichterfreundes. Mit den dramatischen Arbeiten, die seit 1902 entstanden, konnte er sich nicht anfreunden. Borchardt sah den Brief als Krisendokument und versuchte, seinen Freund zum einstweiligen Verzicht auf jede literarische Betätigung zu überreden. Das bestätigte mir vorgestern Cornelius Borchardt, der in München lebende Sohn von Rudolf Borchardt, in einem Telefonat:

Aktualität des Chandos-Briefes

Hubert Spiegel machte deutlich, dass der Brief, den der junge Hugo von Hofmannsthal in den Briefkasten der Weltliteratur warf, seine Empfänger auch heute noch erreicht und berührt. Gilt das wirklich nur heute? An vier Zitaten möchte ich das deutlich machen, die aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen.

Jetzt ist die Klasse gefordert, Zeit und Autor des jeweiligen Zitates zu erraten (für die Leser ist die Auflösung in Klammern nachzulesen):

„Ich bin ein Wörterbuch von Künsten und Wissenschaften. Ein trockener Gelehrter, ein totes, künstliches System von Wissensbeständen.“ (J.G. Herder, Journal meiner Reise im Jahr 1769)

„Wir glauben etwas von den Dingen selbst zu wissen, wenn wir von Bäumen, Farben, Schnee und Blumen reden, und besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge, die den ursprünglichen Wesenheiten ganz und gar nicht entsprechen.“ (Friedrich Nietzsche, Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, 1873)

„Mein Kopf kommt nicht mehr mit. Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin.“ (Frank Schirrmacher, Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen, 2009)

„Diese Szenarien der Wirklichkeitserfassung durch ein pathologisches Bewusstsein sind in besonderem Maße gekennzeichnet durch das Phänomen der Plötzlichkeit; in Verbindung mit der ästhetischen Kategorie des Hässlichen dient es der Intensivierung der Schrecken und ermöglicht die Darstellung epiphanieartigen (Epiphanie: Erscheinen einer Gottheit, Constantin Sohn) Aufblitzens der Wahnvorstellung allseitiger Bedrohung durch die dämonischen Kräfte des Unbewussten.“ (Thomas Delfmann, Ernst Weiß: Existenzialistisches Heldentum und Mythos des Unabwendbaren, 1989 – die Doktorarbeit des Deutschlehrers….)

Mehr Literatur gibt es am Freitag in der Bonner Südstadt, um 19:30 Uhr. Vielleicht habt Ihr ja Lust, meine Livestreaming-Lesung live zu erleben: Thomas Mann, Berthold Brecht und die SocialTV-Bewegung. Citypension Bonn, Goethestraße 33, 53113 Bonn.

Lahmes Internet als Standortkiller für Firmen: Viel Palaver und wenig Taten

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Schnelles Internet: Viel Palaver, wenig Taten

Schnelles Internet: Viel Palaver, wenig Taten

Im Rhein-Sieg-Kreis ärgern sich nach einem Bericht des General Anzeigers viele Firmen über leistungsschwache Internetverbindungen. “Einige ziehen sogar einen Wegzug in Erwägung”, schreibt der GA.

Und das betrifft nicht irgendwelche Nerds, die ihren Netz-Leidenschaften nachgehen, sondern mittelständische Betriebe. Von den Netzanbietern kann man keine großen Impulse erwarten. Ohne Fördermittel passiert in den Gebietskörperschaften wenig.

“Im Industriepark Kottenforst hat vor mehr als drei Jahren die Firma bn:t ein eigenes Glasfaserkabel verlegt und versorgt einen Großteil des Gebietes Am Hambuch. Große Unternehmen nutzten auch eigene Standleitungen anderer Anbieter”, so der GA.

Netzökonomisch fällt Deutschland immer mehr ins Mittelmaß zurück:

“Verglichen mit Asien ist Deutschlands Internet so schlecht und rückständig, dass es allmählich zu einer echten Gefahr für den Standort wird”, schreibt Redakteurin Eva Müller in ihrem Beitrag “MIND THE GAP” in der März-Ausgabe des Manager Magazins.

Unsere digitale Infrastruktur rutscht auf das Niveau von Entwicklungsländern ab. So rasen in Südkorea die Daten mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 22,1 Megabit pro Sekunde durch Glasfaserleitungen bis in jedes Haus – 100 Megabit-Leitungen sind die nächste Etappe, die man im Samsung-Land anstrebt. Wir schaffen im Schnitt noch nicht einmal sieben Megabit pro Sekunde und schlagen uns mit Studien des Ifo-Instituts herum, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium konstatieren, dass die Nachfrage für schnelles Internet einfach zu gering sei. Dabei dürfte selbst den Spitzenökonomen in München klar sein, dass besonders in Fragen der Infrastruktur das Angebot die Nachfrage schafft.

“Ohne Highspeed-Internet können Unternehmen digital nicht aufrüsten und fallen im globalen Wettbewerb zurück. An neue webbasierte Geschäftsmodelle ist in einem solchen Umfeld gar nicht erst zu denken”, so Manager Magazin-Redakteurin Müller.

Wie die Beispiele im Rhein-Sieg-Kreis belegen, entstehen Verwerfungen auch in den lokalen und regionalen Märkte. Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete in Deutschland, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren. Zwischen 2002, dem Jahr des Bevölkerungshöchststandes, und 2008 haben 202 von 413 Landkreisen und kreisfreien Städten mehr als ein Prozent ihrer Einwohner verloren. In dem gleich langen Zeitraum zuvor traf das nur auf halb so viele Kreise zu. Diese lagen vorwiegend in Ostdeutschland, das nach der Wende erhebliche demografische Verluste zu verbuchen hatte. Gegenwärtig verliert bereits etwa ein Drittel der westdeutschen Kreise Bevölkerung. Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage. Besser wäre es, über Cloud-Arbeitsplätze dezentrale Organisationen aufzubauen und die negativen Folgen von Landflucht sowie Überalterung abzumildern. Aber selbst mit flexiblen Arbeitsmodellen gibt es Probleme, wie Thomas Dehler von der Gesellschaft für Telearbeit im Interview mit dem Manager Magazin skizziert.

Für Cloud-Belegschaften benötige man eine Datenleitung mit sechs Megatbit.

“Doch selbst dieses bescheidene Surftempo erreichte nur ein Teil der 700 qualifizierten Bewerber im südlichen Brandenburg, das die Berliner Firma als Pilotregion avisiert hatte. Und selbst die 80 Kandidaten, die Dehler schließlich einstellte, verzeichneten immer wieder technisch bedingte Fehlzeiten”, berichtet das Manager Magazin.

Siehe auch:

Google macht Zukunft – auch in der Industrie: Und Deutschland?

Ebenso holprig läuft das Vorzeigeprojekt der deutschen Wirtschaft: Industrie 4.0 ist in Deutschland mehr Vision denn Wirklichkeit.

„Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Planungsspektakel“: Zum Beethoven-Festspielhaus

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Beethoven Denkmal

Jetzt hat der Bonner Stadtrat mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und Bürger Bund beschlossen, das Areal südlich der Beethovenhalle für ein neues Konzerthaus „zur Verfügung zu stellen“ und an eine „private Bauherrengesellschaft“ zu übergeben. Auf dem Gelände muss dann nur noch ein Bunker und ein Studentenwohnheim abgerissen und Versorgungsleitungen verlagert werden. Das Ganze kostet schlappe 8,45 Millionen Euro, wobei die Stadt ihren Kostenanteil auf 4,4 Millionen Euro deckeln möchte. Der Rest soll vom Land NRW kommen. Die Baukosten liegen angeblich bei rund 70 Millionen Euro, also auf dem Niveau der Elbphilharmonie, als man der Öffentlichkeit noch Beruhigungspillen verabreichtet, bevor das Wunderwerk dann auf knapp 600 Millionen Euro hochschnellte. Unklar ist immer noch, in welcher Höhe die Stadtverwaltung mit den Betriebskosten des Beethoven-Neubaus belastet wird.

Planungsdialektik: Bleiben wir wieder nur Zaungäste?

Die Post startet im Juli wieder einen Architektenwettbewerb. Diesmal mit zehn „namhaften“ Architekturbüros aus aller Welt. Ende Oktober soll ein „Preisgericht“ die beiden besten Entwürfe präsentieren. Die Ergebnisse sollen dann öffentlich im Posttower gezeigt werden. Dann prüfen ausgewählte Generalunternehmen die Baukosten. Danach gründet man eine Betriebsstiftung, klärt die Bau- und Betriebskosten, erstellt das Nutzungskonzept und legt einen Businessplan. Im Frühjahr 2019 soll der Honoratiorenbau dann fertig sein, um noch in einer Konzertsaison vor dem großen Jubiläum das Haus „einzuspielen“. Bleiben wir bei diesem „Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Planungsspektakel“ wie¬der nur Zaungäste?

Fragt man die Festspielhaus-Freunde nach der Beteiligung der Bonner Bürgerschaft beim Wettbewerbsverfahren, bekommt den Verweis auf die private Trägerschaft. Fragt man nach der Notwendigkeit des Prachtbaus, argumentieren die Klassik-Fans mit den Interessen der Stadt. Ein sehr schönes dialektisches Spielchen auf Kosten der Allgemeinheit, auf Kosten der Kleinkunst und der Graswurzel-Kulturszene. Das Konzerthaus sei ein „Luftschloss, von dem nur wenige profitieren“, kritisiert Dorothea Paß-Weingartz von den Grünen. Damit steht sie nicht allein. Die Post könnte ja die Sitzungen des „Preisgerichts“ via Hangout on Air live übertragen und über Twitter Wortmeldungen zulassen. Bloggercamp.tv würde das organisieren. Oder scheuen Post und Festspielhaus-Honoratioren die Graswurzel-Debattenkultur des Netzes?

Morgen ausführlich in meiner The European-Mittwochskolumne nachzulesen. Die Idiotensysteme im Management müssen eine Woche warten :-)