Lahmes Internet als Standortkiller für Firmen: Viel Palaver und wenig Taten

Standard
Schnelles Internet: Viel Palaver, wenig Taten

Schnelles Internet: Viel Palaver, wenig Taten

Im Rhein-Sieg-Kreis ärgern sich nach einem Bericht des General Anzeigers viele Firmen über leistungsschwache Internetverbindungen. “Einige ziehen sogar einen Wegzug in Erwägung”, schreibt der GA.

Und das betrifft nicht irgendwelche Nerds, die ihren Netz-Leidenschaften nachgehen, sondern mittelständische Betriebe. Von den Netzanbietern kann man keine großen Impulse erwarten. Ohne Fördermittel passiert in den Gebietskörperschaften wenig.

“Im Industriepark Kottenforst hat vor mehr als drei Jahren die Firma bn:t ein eigenes Glasfaserkabel verlegt und versorgt einen Großteil des Gebietes Am Hambuch. Große Unternehmen nutzten auch eigene Standleitungen anderer Anbieter”, so der GA.

Netzökonomisch fällt Deutschland immer mehr ins Mittelmaß zurück:

“Verglichen mit Asien ist Deutschlands Internet so schlecht und rückständig, dass es allmählich zu einer echten Gefahr für den Standort wird”, schreibt Redakteurin Eva Müller in ihrem Beitrag “MIND THE GAP” in der März-Ausgabe des Manager Magazins.

Unsere digitale Infrastruktur rutscht auf das Niveau von Entwicklungsländern ab. So rasen in Südkorea die Daten mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 22,1 Megabit pro Sekunde durch Glasfaserleitungen bis in jedes Haus – 100 Megabit-Leitungen sind die nächste Etappe, die man im Samsung-Land anstrebt. Wir schaffen im Schnitt noch nicht einmal sieben Megabit pro Sekunde und schlagen uns mit Studien des Ifo-Instituts herum, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministerium konstatieren, dass die Nachfrage für schnelles Internet einfach zu gering sei. Dabei dürfte selbst den Spitzenökonomen in München klar sein, dass besonders in Fragen der Infrastruktur das Angebot die Nachfrage schafft.

“Ohne Highspeed-Internet können Unternehmen digital nicht aufrüsten und fallen im globalen Wettbewerb zurück. An neue webbasierte Geschäftsmodelle ist in einem solchen Umfeld gar nicht erst zu denken”, so Manager Magazin-Redakteurin Müller.

Wie die Beispiele im Rhein-Sieg-Kreis belegen, entstehen Verwerfungen auch in den lokalen und regionalen Märkte. Besonders bitter ist die digitale Rückständigkeit für strukturschwache Gebiete in Deutschland, die junge Talente an Städte wie Köln, Berlin, München oder Hamburg verlieren. Zwischen 2002, dem Jahr des Bevölkerungshöchststandes, und 2008 haben 202 von 413 Landkreisen und kreisfreien Städten mehr als ein Prozent ihrer Einwohner verloren. In dem gleich langen Zeitraum zuvor traf das nur auf halb so viele Kreise zu. Diese lagen vorwiegend in Ostdeutschland, das nach der Wende erhebliche demografische Verluste zu verbuchen hatte. Gegenwärtig verliert bereits etwa ein Drittel der westdeutschen Kreise Bevölkerung. Wo die Lebensbedingungen schwierig sind, wo es an innovativen Betrieben und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt, verschärft sich meist auch die demografische Lage. Besser wäre es, über Cloud-Arbeitsplätze dezentrale Organisationen aufzubauen und die negativen Folgen von Landflucht sowie Überalterung abzumildern. Aber selbst mit flexiblen Arbeitsmodellen gibt es Probleme, wie Thomas Dehler von der Gesellschaft für Telearbeit im Interview mit dem Manager Magazin skizziert.

Für Cloud-Belegschaften benötige man eine Datenleitung mit sechs Megatbit.

“Doch selbst dieses bescheidene Surftempo erreichte nur ein Teil der 700 qualifizierten Bewerber im südlichen Brandenburg, das die Berliner Firma als Pilotregion avisiert hatte. Und selbst die 80 Kandidaten, die Dehler schließlich einstellte, verzeichneten immer wieder technisch bedingte Fehlzeiten”, berichtet das Manager Magazin.

Siehe auch:

Google macht Zukunft – auch in der Industrie: Und Deutschland?

Ebenso holprig läuft das Vorzeigeprojekt der deutschen Wirtschaft: Industrie 4.0 ist in Deutschland mehr Vision denn Wirklichkeit.

Über diese Anzeigen

„Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Planungsspektakel“: Zum Beethoven-Festspielhaus

Standard

Beethoven Denkmal

Jetzt hat der Bonner Stadtrat mit den Stimmen von CDU, SPD, FDP und Bürger Bund beschlossen, das Areal südlich der Beethovenhalle für ein neues Konzerthaus „zur Verfügung zu stellen“ und an eine „private Bauherrengesellschaft“ zu übergeben. Auf dem Gelände muss dann nur noch ein Bunker und ein Studentenwohnheim abgerissen und Versorgungsleitungen verlagert werden. Das Ganze kostet schlappe 8,45 Millionen Euro, wobei die Stadt ihren Kostenanteil auf 4,4 Millionen Euro deckeln möchte. Der Rest soll vom Land NRW kommen. Die Baukosten liegen angeblich bei rund 70 Millionen Euro, also auf dem Niveau der Elbphilharmonie, als man der Öffentlichkeit noch Beruhigungspillen verabreichtet, bevor das Wunderwerk dann auf knapp 600 Millionen Euro hochschnellte. Unklar ist immer noch, in welcher Höhe die Stadtverwaltung mit den Betriebskosten des Beethoven-Neubaus belastet wird.

Planungsdialektik: Bleiben wir wieder nur Zaungäste?

Die Post startet im Juli wieder einen Architektenwettbewerb. Diesmal mit zehn „namhaften“ Architekturbüros aus aller Welt. Ende Oktober soll ein „Preisgericht“ die beiden besten Entwürfe präsentieren. Die Ergebnisse sollen dann öffentlich im Posttower gezeigt werden. Dann prüfen ausgewählte Generalunternehmen die Baukosten. Danach gründet man eine Betriebsstiftung, klärt die Bau- und Betriebskosten, erstellt das Nutzungskonzept und legt einen Businessplan. Im Frühjahr 2019 soll der Honoratiorenbau dann fertig sein, um noch in einer Konzertsaison vor dem großen Jubiläum das Haus „einzuspielen“. Bleiben wir bei diesem „Und-täglich-grüßt-das-Murmeltier-Planungsspektakel“ wie¬der nur Zaungäste?

Fragt man die Festspielhaus-Freunde nach der Beteiligung der Bonner Bürgerschaft beim Wettbewerbsverfahren, bekommt den Verweis auf die private Trägerschaft. Fragt man nach der Notwendigkeit des Prachtbaus, argumentieren die Klassik-Fans mit den Interessen der Stadt. Ein sehr schönes dialektisches Spielchen auf Kosten der Allgemeinheit, auf Kosten der Kleinkunst und der Graswurzel-Kulturszene. Das Konzerthaus sei ein „Luftschloss, von dem nur wenige profitieren“, kritisiert Dorothea Paß-Weingartz von den Grünen. Damit steht sie nicht allein. Die Post könnte ja die Sitzungen des „Preisgerichts“ via Hangout on Air live übertragen und über Twitter Wortmeldungen zulassen. Bloggercamp.tv würde das organisieren. Oder scheuen Post und Festspielhaus-Honoratioren die Graswurzel-Debattenkultur des Netzes?

Morgen ausführlich in meiner The European-Mittwochskolumne nachzulesen. Die Idiotensysteme im Management müssen eine Woche warten :-)

Totalüberwachung und die Kunst der Vernetzung: Juli Zeh diskutiert heute mit David Eisermann

Standard
Automatisierte Kontrollgesellschaft?

Automatisierte Kontrollgesellschaft?

Die Autorin Juli Zeh kritisiert den gesellschaftlichen Sicherheitswahn, der das Informations- in ein Kontrollzeitalter verwandelt, als existenzielle Gefahr für die Demokratie. Was kann jeder einzelne dagegen tun? Was ist vom Staat zu fordern? Und nicht zuletzt: Welche Verantwortung haben Kunst und Künstler für den Fortbestand der Freiheit, im Netz und außerhalb?

Über diese Fragen diskutiert Moderator David Eisermann (WDR 3, „Mosaik“) mit der aus Bonn stammenden Juli Zeh („Spieltrieb“, „Nullzeit“) in der dritten Folge der Gesprächsreihe in Kooperation mit der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland am heutigen Sonntag, um 17 Uhr im Foyer der Halle Beuel, Siegburger Straße 42, 53111 Bonn-Beuel. Der Eintritt ist frei.

Das werde ich mir natürlich nicht entgehen lassen :-)

Kampfpreise für Windows-Tablets und tägliche Blog-Beiträge in Bonn, die den General Anzeiger toppen #wmbn

Standard

Steve Paine aka „Chippy“ hat gestern beim Webmontag im Bonner Waschsalon einige mobile Gadgets vorgestellt, etwa das Tablet “Dell Venue 8 Pro”, das wohl auf dem amerikanischen Markt durch die Decke gegangen ist bei einem Preis, der anfänglich unter 200 Dollar lag. Innerhalb von Stunden war das Gerät am Wochenende ausverkauft und ist als Windows-Computer erfolgreicher als Laptops und stationäre Computer. Für Microsoft entwickeln sich vor allem die Einbrüche bei Laptops zu einem echten Problem, meint Chippy. Mit den Kampfpreisen für Windows-Tablets versucht man, diesem Trend entgegenzusteuern.

Chippy hatte einige Geräte dabei, die man ausgiebig testen konnte. Mehr dazu auf seinen Websites, die sich ausführlich mit der mobilen Welt beschäftigen: Ultrabook News, Carrypad und UMPCPortal – Ultra Mobile PCs. Chippy ist übrigens auf Youtube sehr erfolgreich unterwegs und experimentiert dort auch mit Hangout on Air. Beeindruckend die Interaktion mit den Zuschauern während der Liveübertragung.

Ebenso spannend ist das gestern vorgestellte Blog-Projekt von Sascha Foerster – ein Aggregator, der das gesamte Blog-Leben in Bonn einfängt und in Magazinform präsentiert. Über 170 Blogs aus Bonn hatte er bereits in seinem Fee­dre­a­der gesam­melt.

“Bon­ner blog­gen in allen Berei­chen, sei es Tech­no­lo­gie oder Life­style, seien es Foto– oder Musik­blogs. Die Bon­ner Blo­go­sphäre ist kaum noch über­schau­bar. Das soll sich ändern.”

Entstanden ist die Website http://www.bonnerblogs.de. Gute Idee, die täglich unter Beweis stellt, was in der Bonner Blogszene los ist. Mit monatlich 500 bis 600 Einträgen könne die Blogosphäre locker mit der Produktion des General Anzeigers mithalten.

An die Zins-Gichtlinge des Finanzamtes Bonn-Außenstadt: Sollen wir spekulieren für Verzugszinsen?

Standard
Die Zinsphantasien des Bonner Finanzamtes

Die Zinsphantasien des Bonner Finanzamtes

Gestern erklärte ich noch vollmündig, wie unsere öffentlich gemachten Service-Ärgernisse die Anbieter zur Umkehr bewegten und unsere Anliegen in Erfüllung gingen. Heute beschreibe ich einen Fall, bei dem mein netzöffentliches Bekenntnis wohl chancenlos ist. Es geht um das Finanzamt Bonn-Außenstadt. Vorbemerkung: Wir haben weder ein Konto in der Schweiz, noch irgendwelche Ambitionen, dubiose Zocker-Geschäfte in Steueroasen zu unterstützen. Wir kennen den Unterschied von Brutto und Netto, bilden brav nach dem Eichhörnchen-Prinzip Rücklagen für die Steuerabgaben und tasten das Tagesgeld-Konto erst an, wenn der Steuerbescheid ins Haus flattert.

Für das Steuerjahr 2011 haben wir unsere Unterlagen pünktlich vor dem 31. Dezember 2012 abgegeben. Alles wurde geprüft, es gab nicht eine einzige Beanstandung. Soweit so gut. Der Steuerbescheid ist erst vor einigen Tagen zugestellt worden. Das Finanzamt Bonn Außenstadt brauchte für unsere recht überschaubare Steuererklärung 14 Monate, um uns mitzuteilen, was denn nun an Vater Staat abgedrückt werden muss. Für diese Zeit berechnet uns der zuständige Mitarbeiter Verzugszinsen von rund 5 6 Prozent, obwohl wir fast in masochistischer Manier im vergangenen Jahr mehrmals nachfragten, wann denn nun endlich der Steuerbescheid eintrifft, schließlich brauchen wir Planungssicherheit für die laufende Steuerschuld und müssen kalkulieren, was von unseren Rücklagen übrig bleibt und was für die Zukunft an Reserven vorhanden sein muss.

Dass sich der Fiskus dann auch noch für die eigene Untätigkeit mit 56-prozentigen Verzugszinsen belohnt, ist eine Frechheit. Aber noch frecher ist die Begründung des Mitarbeiters:

“Sie konnten schließlich in dieser Zeit mit dem Geld ‘arbeiten’.”

Was wird einem hier eigentlich nahegelegt? Sollen wir irgendwelche Geschäfte am grauen Finanzmarkt machen und Fonds von Firmenjägern zeichnen, die mit ihren dubiosen Methoden mittelständische Unternehmen ausbluten lassen, um üppige Renditen ohne realwirtschaftliches Risiko zu “verdienen”? Soll ich die provisionsgetriebenen Finanzprodukte der Banken kaufen, die uns vor fünf Jahren in die Finanzkrise getrieben haben?

Wir müssen die Rücklagen liquide halten, da nur schwer berechenbar ist, in welchem Arbeitstempo unsere Steuererklärung bearbeitet wird und eine Zahlungsaufforderung bei uns eintrudelt. Entsprechend können diese Gelder nur auf ein Tagesgeldkonto mit einer mageren Verzinsung von 1,1 Prozent gehen. Die Niedrig-Zinspolitik ist für Kreditnehmer ein erfreulicher Tatbestand, für klassische Geldanlagen aber nicht.

In einer Fußnote möchte ich noch erwähnen, dass das Finanzamt zum wiederholten Male Kirchensteuern berechnet hat, obwohl ich vor Ewigkeiten dem klerikalen Glaubenszirkus den Mittelfinger mit Austritt gezeigt habe. Alle Unterlagen liegen der Behörde vor, trotzdem scheint ein Alzheimer-Virus im System zu stecken. Aber jetzt wird es noch lustiger. Der Betrag für die Kirchensteuer ist mir gut geschrieben worden, aber nicht die Verzugszinsen, die auch für diese Abgabe berechnet wurden.

Jetzt reicht es, liebwerteste Zins-Gichtlinge des Finanzamtes Bonn Außenstadt. Wir legen gegen diese fragwürdige Zinspolitik Widerspruch ein.

Was könnte man denn noch so machen? Dienstaufsichtsbeschwerde, Klagen oder?????