Poppy Blogs statt massenmediale Reichweiten-Logik

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Gunni im Halbmarathon-Konkurrenz-Kampf

Gunni im Halbmarathon-Konkurrenz-Kampf

Der internetzentristische Dauer-Konkurrenzkampf geht dem ZDF-Redakteur Martin Giesler zunehmend auf den “Saque”.

“Das Problem: Egal wie sehr man sich anstrengt, am Ende gewinnen immer Facebook, Twitter und Google”, schreibt er in seinem Blogpost mit dem Titel “WARUM ICH ALS JOURNALIST NUR NOCH DIE MONSTER FÜTTERE”.

Er arbeitet durchschnittlich 8.5 Stunden pro Tag für das ZDF und davor und danach noch einmal gute vier bis fünf Stunden an den anderen Projekten. Um überhaupt wahrgenommen zu werden, müsse der ZDF-Mann jeden Tag Reichweite aufbauen.

“Ansonsten kann ich es auch gleich sein lassen, mich in den sozialen Netzwerken zu äußern – oder noch schlimmer: als Journalist generell Geschichten zu erzählen. Reichweite wiederum baue ich mir über gute Inhalte und aktives Kommunizieren dieser Inhalte auf. Für diese guten Inhalte muss ich recherchieren und stets aktuell informiert sein. Das kostet Zeit – und Nerven.”

Dazu komme der Druck, dass sich das Aufbauen von Reichweite bei Twitter und Facebook so verhält, dass mittelfristig nur der bekommt, der schon hat.

“Nicht anders jedenfalls ist zu erklären, dass sich über die letzen Jahre in Social-Media-Deutschland kaum neue Köpfe etablieren konnten. Und wer als Journalist nicht heute bereits eine solide Follower-Basis von mehreren Tausend Menschen aufgebaut hat, der wird es auch in den kommenden Monaten und Jahren wahrscheinlich nicht schaffen. Zu groß ist der Lemming-Effekt. Zu groß ist die Sättigung an Meinungs-Mandatsträgern auch hier erreicht. Pluralität hat klare Grenzen”, so Giesler.

So geht seine Erzählung weiter und mündet letztlich in einem verzweifelten Resümee:

“Mir geht dieser internetzentristische Dauer-Konkurrenzkampf ziemlich auf den Saque. Und ich kann nicht erkennen, dass er mir, meiner Filterbubble oder dem Journalismus insgesamt wirklich gut tun würde. Immer mehr beschleicht mich das Gefühl, dass ich als Journalist in diesem Spiel immer verlieren werde und Facebook, Google und Twitter immer gewinnen.”

Aber welches Spiel will denn Giesler gewinnen? Welche Reichweite soll es sein? Mit was vergleicht er sich? Was kann man den so als Staubkörnchen im Gefüge des menschlichen Daseins beanspruchen? Als Autor weiß ich nie so richtig, welche Story gut laufen wird, welche Resonanz auf mich einprasselt und welche Empfehlungen im Social Web ausgesprochen werden. Facebook, Google, WordPress und Co. sind für mich nur nützliche Katalysatoren, um meine Beiträge überhaupt publizieren zu können.

Ich bin nicht so vermessen, meine bescheidenen Blogpostings als relevant oder interessant einzustufen. Das wäre ein wenig egozentrisch. Und dieses Reichweiten-Geblubber der traditionellen Medien konnte ich schon früher nicht leiden. Über die empirische Tragfähigkeit der Quoten-Fliegenbein-Zählerei habe ich mich ja schon häufig ausgelassen. Auch das Gerede von Filterblasen, unangreifbaren Social Web-Champions und neuen Gatekeepern beeindruckt mich jetzt nicht sonderlich. Jeder Mensch konstruiert sich Realitäten, hat eingeschränkte Möglichkeiten der Informationsverarbeitung und benötigt selektive Verfahren, um Informationen aufnehmen zu können.

Mir ist es auch völlig egal, ob der Teufel immer auf den großen Haufen scheißt, weil es in der Logik des Netzes den einen großen Haufen nicht mehr gibt – also die berühmte Pareto-80-20-Verteilung. 20 Prozent aller Knoten im Netz vereinen 80 Prozent aller Links auf sich. Es gibt aber sehr viele 80/20-Verteilungen mit sehr geringen Schnittmengen. Systemingenieure, die sich über Netzwerke austauschen, unterscheiden sich von der Gaming-Community oder von Koch-Fans. Die politischen Netzaktivisten haben kaum Zugang zu den Stars der Youtube-Szene. In all diesen Netzwerken könnte Pareto mit seiner Formel fündig werden.

Die Möglichkeiten, eigene 80/20-Nischen zu finden, sind definitiv größer geworden. Eine Zementierung kann ich nicht verorten. Jeder hat die Möglichkeit, mit neuen Formaten auf Youtube erfolgreich zu sein oder den Livestreaming-Markt aufzumischen, der noch relativ unerschlossen ist. Die Frage ist halt nur, wie definiere ich Erfolg? Beim ZDF-Blogger sind es vielleicht Einschaltquoten wie bei “Wetten, dass”. Als Alleinunterhalter habe ich diesen Anspruch nicht. Hübsche Vorschläge, wie man sich im Netz positionieren kann, hat Christop Kappes in einem Carta-Kommentar gemacht:

Eine Imitation der Massenmedien sei nicht der richtige Weg – da liegt wohl das Vergleichsproblem, wenn man von Reichweiten-Anstregungen spricht.

“Der Weg führt über netzspezifische Formen und ist vor allem das Leben, Durchleben, Vorleben eines Prozesses. Ein Experiment mit mitunter überraschenden Ergebnissen, an dem alle lernen können.”

Die Empfehlungen richten sich an Carta, könnten aber auch für andere Netzprojekte interessant sein:

Er würde vieles anders machen:

Inhaltlich:

“Ein bisschen mehr Netzkultur – mehr als professionelles Feuilleton. Hier veröffentlichen zum Teil Medienwissenschaftler Texte, bei denen mir die Synapsen einschlafen. Warum nicht mal ein Internet-Mem mitmachen, zum Beispiel? How about einen Schuss Pop? Poppy Carta.”

Publikation:

“Weg vom Dokument, hin zu Personen und Prozessen. Beispiel: Aggregation des Umfelds machen, kuratieren. Personen stehen für Kompetenzen.
Beispiel: Auch mal das Schnelle, Assoziative, Hingeworfene. Es geht darum, einen Prozess in Gang zu halten. Das Perfekte, Fehlerfreie, das darf gern weiter das Ideal der Qualitätsmedien sein.”

Richtung:

“Wiki und Etherpad statt WordPress (dat werde ich jetzt nicht machen, gs).”

“Eine Oberfläche, bei der alle Beiträge logisch gleichrangig und vernetzt sind. Oder von vornherein ein verteiltes System vieler Blogs, die miteinander verzahnt sind.
Die Chance der Blogs sei, dass die Serialisierung aufgehoben wird, die mit ihren gleichen Ergebnissen so langweilt: “Eine Website ist ein flüssiges Produkt wie ein Bauplan, an dem viele gemeinsam arbeiten können, und das somit sich weiter verästelt, ausdifferenziert, entwickelt”, soweit ein paar Auszüge des Kommentars von Christoph Kappes.

Solche Vorschläge sollte man diskutieren und ausprobieren. Durchwursteln und schauen, was passiert.

Die Verzahnung vieler Blogs wäre übrigens ziemlich erstrebenswert. Kombiniert mit Netzwerk-Treffen, Video- und Audio-Formaten, einer gemeinsamen Vermarktung und anderen Dingen. Wäre übrigens auch ein Thema für meine geplanten Zettelkasten-Stammtische :-)

Update: Eigentlich könnte ich diesen Beitrag ja hübsch in die internet-optimistische Blog-Parade von Patrick Breitenbach einreihen.

Das ist doch ein sehr optimistischer Beitrag!

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ichsagmal-Feuerwerk: Wünsche Euch einen guten Rutsch!

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Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2013 an.

Hier ist ein Auszug:

Etwa 8.500.000 Menschen besuchen jedes Jahr das Louvre Museum in Paris. Dieses Blog wurde in 2013 etwa 130.000 mal besucht. Wenn dieses Blog eine Ausstellung im Louvre wäre, würde es etwa 6 Jahre brauchen um auf die gleiche Anzahl von Besuchern zu kommen.

Klicke hier um den vollständigen Bericht zu sehen.

Management in Zeiten des Kontrollverlustes: Wie kann das funktionieren?

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Kann man Kontrollverlust organisieren?

Kann man Kontrollverlust organisieren?

Stichworte wie Enterprise 2.0, Crowdsourcing, Selbstorganisation, Kunden helfen Kunden, Netzwerk-Ökonomie, starke und schwache Beziehungen im Internet, Zugang zu nichtredundanten Informationen, Wissensmanagement über kollektive Intelligenz oder Management in Zeiten des Kontrollverlustes sind das, womit sich Führungskräfte heute beschäftigen sollten – in der Politik, in der Verwaltung und in der Wirtschaft!

Wie sich neue Technologien und das Internet auf Unternehmen auswirken werden, ist nach Ansicht von Aastra-Chef Jürgen Signer noch schwer zu beantworten:

„Die Erwartungshaltung von jungen Leuten, die ins Berufsleben starten, ist riesengroß. Was sie im privaten Umfeld an Kommunikationstechnologien nutzen, erwarten sie auch am Arbeitsplatz. Hier müssen sich die Firmen erst herantasten.“

Viele Geschäftskunden seien bei diesem Thema noch sehr zögerlich. Man müsse alle Mitarbeiter mitnehmen, nicht nur die Nachwuchskräfte.

Notwendigkeit von Social-Web-Exerzitien

Um die Social-Web-Philosophie in einem Unternehmen zu verankern, sollte man das machen, was die Jesuiten „Exerzitien“ nennen, so der Ratschlag des Netzwerkexperten Professor Peter Kruse.

„Sie machen Übungen, die dazu geeignet sind, Wertemuster in Bewegung zu versetzen. Und ich glaube, das empfindet jeder, der mit diesen Technologien arbeitet. Wenn man sich wirklich in seinem Alltag auf die neuen Möglichkeiten einlässt, ändert sich der Arbeitsstil und nach einiger Zeit ändern sich auch die Einstellungen und Bewertungen.“

Das Einführen der Technologie sei noch der leichteste Teil. Man müsse einen Erlebnisraum für nicht hierarchische Kommunikation schaffen.

„Wenn Sie ein Netzwerk haben, dann treten die Top-down-Beeinflussungen in den Hintergrund. Man arbeitet weniger über die Linie. Macht ist nicht mehr gekoppelt an den Besitz der Information. Dann muss man sich einlassen auf unkontrollierte, ja sogar unkontrollierbare Dynamik. Und da sehe ich bei Unternehmen tatsächlich noch ein Problem“, erläutert der Organisationspsychologe.

Okkupation der sozialen Medien

Als Indikator für diese These kann man die Netzaktivitäten der Firmen auf Facebook und Co. heranziehen. „Social Media wird okkupiert von den klassischen Marketingstrategen“, moniert Kruse im Interview mit „The Narrative“. Ein Anstupser hier, ein Gewinnspiel da, ein wenig Storytelling dort oder alter Wein in neuen Schläuchen unter der Überschrift „Content Marketing“. Das Ganze degeneriert zur Fortsetzung der Berieselungswerbung mit anderen Mitteln:

„Wenn man ehrlich ist, dann sind die neuen Möglichkeiten auch neue Wege, um Kunden noch mehr und noch nachhaltiger zu nerven. Wenn Retargeting-Experten ins Schwärmen kommen, dann wird den meisten Usern übel. Und wenn E-Mail-Experten empfehlen, die Newsletter am besten täglich zu verschicken, dann finden das 99 Prozent der Adressaten gar nicht lustig“, weiß Jan Steinbach vom Beratungsunternehmen Xengoo in Düsseldorf.

Der Kunde wird immer noch nicht als Souverän des Geschehens betrachtet, sondern als manipulierbares Klickvieh.

Unternehmen, die wirklich relevanten Content und Dialog bieten, werden von den Kunden gefunden und bevorzugt.

„Also kein Platz für Störwerbung! Und schon gar nicht für solche, die einen mittels Cookies oder sonstigem Tracking auf Schritt und Tritt verfolgt“, resümiert Steinbach.

Nach Ansicht von Kruse entscheidet nicht die Sendeenergie des Anbieters, sondern die Neugier des Nachfragers. So viel Kontrollverlust wollen die liebwertesten Gichtlinge in den Unternehmen immer noch nicht zulassen. Ausführlich nachzulesen in meiner heutigen The European-Kolumne.

Bürokratische Hierarchien prägen immer noch den Alltag fast aller größeren Organisationen, so die Analysen von Niels Pfläging in seinem Opus “Organisation für Komplexität”. Jeder von uns registriert diese Denke mit Unbehagen. In der Praxis ist das Chefgehabe aber nicht totzukriegen.

“Wenn wir von Management sprechen, meinen wir Techniken, Instrumente und Modelle, die auf die Verbesserung oder Optimierung von Organisationen als Systeme von Weisung und Kontrolle abzielen”, schreibt Pfläging.

Wie kann man nun diese Hierarchien brechen? Pfläging bringt dezentralisierte Netzwerkstrukturen ins Spiel, bei denen es keine Positionen, sondern Rollen gibt. Und die können ständig wechseln – Status verliert an Bedeutung. Vielleicht hilft es ja auch, die “stehenden Heere” in der Bürowelt aufzulösen, um mehr Spielraum für Selbstorganisation zu bekommen. Wo und wie jemand arbeitet, ist egal. Entscheidend sind die Projektziele und nicht das Chefregime über Vorzimmer, Schleimer, Befehlsempfänger und Meeting-Schauläufer. Mit Thomas Dehler von Value5 habe ich das in puncto vernetzte Services diskutiert – Bericht folgt dazu noch.

Wie seht ihr das? Wie lässt kann man das Management in Zeiten des Kontrollverlustes organisieren? Das würde ich gerne über Interviews vertiefen.

Mit dem Anwesenheitswahn will die neue Arbeitsministerin Nahles ja schon mal Schluss machen. Bin gespannt, was da herauskommt…

Heute um 16 Uhr werden wir das bei Bloggercamp.tv mit Michael Seemann sicherlich ansprechen, schließlich geht es um sein erfolgreich via Startnext finanziertes Buch “Das Neue Spiel – Nach dem Kontrollverlust”.

Man hört und sieht sich nachher :-) Hashtag für Twitter-Zwischenrufe #bloggercamp

Eine neue Ära der Berechenbarkeit versprechen ja die Big Data-Hohepriester. Das sind auch nur Placebo-Effekte.

5 Jahre Carta: Feier mit Podiumsdiskussion über den Journalismus nach Snowden: „Wie engagiert darf, wie neutral muss Journalismus sein?“

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Carta feiert Geburtstag

Carta feiert Geburtstag

Morgen feiert Carta im Berliner BASE_camp sein fünfjähriges Bestehen.

Fünf Jahre Carta, das sind mittlerweile fast 5.800 Beiträge von rund 600 Autoren. Fünf Jahre Carta, das sind auch mehr als 36.000 Kommentare von Lesern, teilen die Herausgeber in einer Presseaussendung mit.

Um digitale Debattenkultur, um argumentative Auseinandersetzung im Netz ging es Robin Meyer-Lucht, als er Carta Ende 2008 als „Plattform der digitalen ÖÖffentlichkeit“ für eine Vielzahl von unterschiedlichen Positionen rund um Politik, Wirtschaft und Kultur ins Leben rief.

Carta war dabei immer auch mit dem Ziel verbunden, ein Bewusstsein für die politisch und publizistisch vernachlässigten Herausforderungen des digitalen Wandels zu fördern. Insofern war der Mehrautoren-Blog nicht nur Beobachter, sondern auch aktiver Teil des Umbruchs.

Heute ist das Netz in der Realpolitik angekommen – und Gegenstand intensiver Kontroversen, bei denen auch Journalisten nicht selten Partei sind. Siehe auch das Bloggercamp.tv-Gespräch mit Carta-Herausgeber Wolfgang Michal.

Seit Emile Zolas „Ich klage an…!“ und dem Aufkommen des „Muckraker“-Journalismus in Amerika stellt sich die Frage „Wie engagiert darf, wie neutral muss Journalismus sein?“ Gilt noch die „Doktrin“ des Fernsehjournalisten Hanns-Joachim Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“

Oder muss dieser journalistische Leitsatz heute modifiziert werden?

Seit den Enthüllungen durch Wikileaks, besonders seit den Enthüllungen der Snowden-Dateien durch Glenn Greenwald stellen sich diese Fragen mit neuer Aktualität.

Darüber diskutieren am 10. Dezember um 18.30 Uhr im Berliner BASE_camp, Mittelstraße 51-53:
• Marina Weisband, frühere politische Geschäftsführerin der Piratenpartei
• Franz Sommerfeld, Vorstand M.DuMont Schauberg
• Cherno Jobatey, Editorial Director Huffington Post Deutschland
• Wolfgang Michal, Herausgeber Carta.info
Moderiert wird das Gespräch von der Medienjournalistin Vera Linß (Deutschlandradio Kultur, DRadio Wissen).

Da hoffe ich doch auf Livestreaming :-)

#StreamCamp13 als Weckdienst für Echtzeit-Kommunikation #SMCBN

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Streaming-Action

Blogger, Podcaster, Youtuber, Gamer, Journalisten, Unternehmer, Kulturschaffende, Laien und Profis trafen sich am Wochenende im Kölner Startzplatz zur StreamCamp-Weltpremiere, um sich über Ideen, Konzepte und technische Möglichkeiten sowie Erfordernisse für Liveübertragungen im Internet auszutauschen. Ein Hardware-Feuerwerk von quick & dirty bis pro und Greenscreen-Couch, wie es Thomas Riedel aka Droid Boy von Nerdhub ausdrückte. Es wächst eine autonome TV und Hörfunk-Szene heran, die im Vergleich mit den Webvideo-Größen noch in den Kinderschuhen steckt und mit unglaublicher Experimentierfreude neue Bildsprachen für Echtzeit-Kommunikation bastelt.

Therapeutisches Katzen-Livestreaming

Etwa die stundenlange Übertragung von Katzenbildern, die fast schon eine therapeutische Wirkung in der Web-Hektik entfalten – Schnodderpepe sei Dank (dramaturgisch wertvolle Katzenbewegtbilder bitte mit dem Hashtag #katzenlivestream versehen – ich werde demnächst das Ganze mit #katzenlivestream #fett bereichern).

Oder das kollektive Livestreaming in der Session des WDR-Fernsehjournalisten Kai Rüsberg, der über OneShotVideojournalismus sprach.

Sehr vielen klassischen Fernsehmachern fehlt das Mindset, um die richtigen Antworten für die Graswurzel-Bewegung zu finden, meint etwa Markus Hündgen vom Webvideopreis im Sammelband „Einfach fernsehen“ vom Grimme-Institut. Es sei mehr als ein Handwerk, um Bewegtbild zu produzieren. Es sei eine andere Herangehensweise, eine andere Denke und ein anderes Feeling, die hier zum Ausdruck kommt.

Wenn TV-Talkshows abnerven, macht man eigene Formate

Die Livestreaming-Technik bietet nach Ansicht von Youtube-Star Dr. Allwisend völlig neue Möglichkeiten. Auch aus dem kulturellen Blickwinkel heraus könnte da was entstehen – aber was genau, wird man noch sehen müssen. So sei Katerfrühstück ein Versuch, es anders als im Fernsehen zum machen. Was viele in den üblichen Talkshows abnerven würde, seien die immer gleichen Floskeln, die Politiker und Experten zum Besten geben.

Warum wandern millionenfach junge Menschen zu Plattformen wie Twitch.tv ab, um sich live die Pro-Gamer von Starcraft oder League of Legends anzuschauen? Auf dem StreamCamp gaben Constantin Sohn (der Sohn vom Sohn) und Dominik Warwass eine deftige Antwort.

Wetten, dass-Fernsehen vor der Ablösung

Die Pläne von ARD und ZDF zur Gründung eines neuen Jugendsenders seien nur noch Verzweiflungstaten. In der Gaming-Szene hätten diese Sender eh nichts zu bestellen. Serien, Filme oder Berichte über Computerspiele schauen die beiden Twitch.tv-Experten schon lange nicht mehr in der Flimmerkiste. Hier steht das Wetten, dass-Fernsehen vor der Ablösung (ziemlich blöd für die Berechnung der mehr als fragwürdigen TV-Quote – aber das ist ein ganz anderes Thema, das ich mir gesondert vorknöpfe).

Und wenn sich das seriöse Feuilleton nicht mehr mit Literatur, Literaturzeitschriften und unabhängigen Literaturverlagen fernab des Mainstreams beschäftigt, machen es die Kulturinteressierten in Eigenproduktion, wie beim Wortspiel-Radio mit meinem Freund Wolfgang Schiffer:

Veränderungen sieht man auch in der Unternehmenskommunikation, wie Agrarblogger Hannes Schleeh mit dem kleinsten Ü-Wagen der Welt auf der größten Hallenmesse Agritechnica unter Beweis stellte.

„Messemarketing mit bewegten Live-Bildern wird immer wichtiger, aber auch einfacher. Wo früher riesige Übertragungswagen mit mannshohen Satellitenschüsseln und enorm teures Equipment im Einsatz waren, genügt heute ein schneller Internetzugang über LAN, WLAN oder LTE, um die Livebilder ins Internet zu streamen.“

Die Sendungen fanden im Stundentakt statt und wurden direkt auf der Startseite der Messe http://www.agritechnica.com eingebettet. Schon nach kurzer Zeit hatten die Youtube-Clips über 40.000 Abrufe erreicht. Mit schwerer Technik ist das nicht machbar.

Kundenkommunikation ohne Separatismus

Die Unternehmen sollten sehr schnell ihre digitale Feindlichkeit gegenüber den neuen Kommunikationsformen im Social Web überwinden, fordert Andreas Klug vom Kölner Software-Unternehmen Ityx, der zu den StreamCamp-Sponsoren zählt.

Andreas Klug

Echtzeit-Kommunikation habe unendlich viele Vorteile, besonders für vernetzte Services. So ist es keine Hexerei, wenn Anbieter Plattformen anbieten, damit sich Kunden untereinander austauschen können, um Probleme bei der Bedienung von Geräten oder bei der Installation von Software für alle schnell zu beantworten – in der Netzöffentlichkeit. „Was machen die Firmen? Jeder Servicefall wird nach wie vor separat beantwortet, auch wenn das Serviceproblem bei tausenden von Kunden gleichzeitig auftritt. Das ist strategisch ein großer Fehler“, so Klug.

Etwas verschlafen reagiert auch noch die Medienaufsicht auf die Streaming-Revolution, weshalb wir in Bloggercamp.tv die Bundeskanzlerin wohl auch in Zukunft besiegen müssen. Deshalb stimme ich Ole Reißmann ausdrücklich zu: Wir brauchen eine Macht fürs Netz.

Wer beim Weckdienst für Echtzeitkommunikation mitmachen möchte, ist herzlich eingeladen, beim StreamCamp mitzumachen – und da braucht man nicht bis zum nächsten Barcamp für Live-Streaming am 15. und 16. November in München warten.

Wir starten eine StreamCamp-Academy für Studien, Tagungen, Seminare, Workshops, Stammtische und sonstige Formate, die sich nach unserem Zusammentreffen im Kölner Startplatz herauskristallisieren.

Siehe auch:

StreamCamp-Rückblick von Nicole Hundertmark.

Und von Christian Wendling von Phase 10.

Interessant auch:

Livestreams in HD jenseits vom Massenmarkt.

Weiteres Barcamp, was mich interessieren könnte: Krisenkommunikation als Chance im digitalen Zeitalter.

Und das Hamburger Barcamp muss auch sehr gut gewesen sein.

Heute Abend geht es dann weiter mit Livestreaming beim Social Media Club Bonn: “Was kommt nach dem Social Web?”, das beantwortet Gerhard Schröder (@PadLive) und wird über Echtzeit-Video-Kommunikation sprechen.