Über Telearbeit und die dicken Gehaltsschecks bei Yahoo

Standard
Thema für Bloggercamp.tv

Thema für Bloggercamp.tv

Über Sinn und Unsinn der Entscheidung von Yahoo-Chefin Marissa Mayer, die eigenen Mitarbeiter vom Home Office wieder ins Büro des eigenen Unternehmens zurückzuholen, ist in den vergangenen Monaten heftig gestritten worden. Das Ganze mit einer Tabula rasa-Methode durchzusetzen, ist wohl nicht der richtige Weg:

“Mit Zwang erreicht man eher das Gegenteil. Es gibt sicherlich Mitarbeiter, die die Trennung von Privat- und Geschäftsleben schätzen. Es gibt aber auch Mitarbeiter, die Mischformen favorisieren und sicherlich wird es auch Angestellte bei Yahoo geben, die nur deshalb bei diesem Unternehmen sind, weil sie zu Hause arbeiten können. Die radikale Entscheidung von Mayer kann die Vertrauensbasis zerstören”, so der Personalexperte Maximilian Nobis vom IT-Beratungshaus Harvey Nash.

In einer Zeit mit Fachkräftemangel gehe das zu Lasten der Motivation und führt vielleicht sogar zu einer Abwanderung von Talenten.

Schlechter Stil

“Yahoo ist ein Technologiekonzern und lebt von guten Arbeitskräften. Der Belegschaft so eine Maßnahme per E-Mail mitzuteilen ist kein guter Stil. Es ist wohl der verzweifelte Versuch von Mayer, ihren angeschlagenen Konzern wachzurütteln”, betont Nobis.

Gary Swart von der Onlinejob-Börse oDesk geht nur von einer kurzfristigen Maßnahme aus. Sie müsse ein ganz anderes Problem lösen.

“Bei Yahoo gibt es viele, die einen dicken Gehaltsscheck erhalten und sich zu Hause einen lauen machen. Mrs. Mayer beordert jetzt alle zurück ins Büro, um herauszufinden, wer gut ist und wer nicht. In einem Jahr wird die Telearbeit bei Yahoo sicher wieder erlaubt sein. Um die besten Talente anzulocken und zu halten, muss ein Unternehmen flexibles Arbeiten ermöglichen. Sonst hat es keine Chance”, betont Swart im Interview mit der Zeit.

In der IT-Branche seien eher Mischformen gefragt, so Nobis. Er kenne bei den Firmenkunden von Harvey Nash keinen Fall, wo ausschließlich auf die Arbeit in den eigenen vier Wänden gesetzt wird. Es dominieren flexible Modelle.

Ob es Mayer gelingt, auf den Spuren ihres alten Arbeitgebers zu wandeln und eine ähnliche Campus-Kultur wie Google auf die Beine zu stellen, sei schwierig.

“Die Leute zurückzuholen, ist erst einmal mit hohen Investitionen verbunden. Grundsätzlich ist ein Home Office-Arbeitsplatz wesentlich günstiger. Und wenn man dann noch den Anspruch hat, ein Wohlfühl-Klima wie bei Google zu schaffen, dann muss man noch mehr ausgeben. Marissa Mayer wird mit dieser Aktion kein Geld sparen”, erläutert der Harvey Nash-Manager in München.

Google-Kultur bei Yahoo?

Um eine ähnliche Arbeitskultur wie beim Netz-Giganten Google zu entwickeln, braucht man nach Ansicht von Nobis einen langen Atem.

“Das wird Mayer nicht so schnell bewerkstelligen, schon gar nicht mit radikalen E-Mails. Auch Schwarz-Weiß-Denken führt hier nicht weiter. In der IT-Branche dominieren flexible Arbeitszeitmodelle. Und das ist sehr sinnvoll – etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Reine Home Office-Arbeit wird sehr häufig abgelehnt, denn viele Ideen und Innovationen entstehen nicht in Meetings, sondern auf dem Flur im direkten Austausch mit Kolleginnen und Kollegen”, betont Nobis.

Eine Umkehr in der Technologiebranche nach dem Modell von Yahoo sieht er nicht. Es gebe verschiedenste Formen bei den Arbeitszeiten: Vertrauensarbeitszeit, Kernzeiten, Kombination von Präsenztagen im Büro und Möglichkeiten für das Arbeiten zu Hause. “Da hat sich eine Menge getan – auch bei den technologischen Möglichkeiten, an fast jedem Ort der Welt arbeiten zu können. Einen Rückfall in alte 9 to 5-Zeiten wird es nicht geben”, so das Resümee von Nobis. Eine Wende konnte Mayer als Vorstandschefin bislang nicht einleiten. Der Marktanteil von Yahoo am Suchmaschinenmarkt ist weiterhin rückläufig.

Wie sieht denn Euer Wunschmodell aus? Kommentare erwünscht. Wir könnten dazu sicherlich auch mal eine Hangout-Diskussionsrunde machen, oder? Wer daran interessiert ist, möge sich bei mir melden.

About these ads

Wenn der Kochtopf vernetzt ist und das Fachpersonal fehlt #theeuropean

Standard
Ingenieure für die vernetzte Ökonomie gesucht

Ingenieure für die vernetzte Ökonomie gesucht

Die vernetzte Ökonomie macht auch vor der klassischen Industrieproduktion nicht halt. Schlagworte wie Industrie 4.0, Smart Factory, intelligente Fabrik, Integrated Industry, Machine-to-Machine-Kommunikation und Internet der Dinge sind ein Wegweiser für die Veränderungen in den nächsten Jahren:

„Sie beschreiben die Vernetzung der bisher insular aufgebauten Produktion und der Unternehmen; oder auf gut Deutsch: Ohne Internet und Software geht künftig gar nichts mehr. So wie fast jeder Büroarbeitsplatz einen Internetzugang hat, wird zukünftig jede Maschine einen solchen Zugang haben. Vor allem geht es darum, dass die Maschinen untereinander vernetzt werden und kommunizieren können“, so FAZ-Redakteur Georg Giersberg.

Es reicht nicht mehr aus, über Spezialkenntnisse für Mechanik, Maschinenbau oder Fertigung zu verfügen – Wissen über Software und Programmierung müssen dazu kommen.

„Der Anteil der Softwareingenieure nimmt in der Industrie deutlich zu“, so Giersberg.

Es gebe kaum eine technische Disziplin, die ohne elektronische Steuerungen und ohne Vernetzung mit anderen Steuerungssystemen oder dem Internet auskommt – das gilt selbst für Kochtöpfe, Heizungsanlagen und Druckmaschinen.

Die aktuell diskutierte Revolution des Produktionsprozesses rüttelt an vielen Paradigmen der Berufswelt der Ingenieure: Neben der technischen Expertise, wird zusätzliches Informatikwissen über Interoperabilität, Offenheit und Skalierbarkeit durch die dazu notwendigen IT-Architekturen und Middleware-Komponenten verlangt.

„Dies sind im Grunde genommen unvereinbare Anforderungen, die einen Ingenieur an die Grenze seiner mentalen Fähigkeiten bringt. Entweder man ist ein begnadete Schrauber und Nerd oder der vorausschauende konzeptionell denkende IT-Architekt“, sagt Kasten Berge, Geschäftsführer von SearchConsult in Düsseldorf.

Ausführlich nachzulesen in meiner morgigen Kolumne für das Debattenmagazin “The European”. Würde ich mich über viele Retweets, Likes, Plusse und Kommentare freuen :-)

Update:

Hier die komplette Kolumne: Schrauber trifft Nerd.

Jobsuche über die Crowd?

Standard

Weisheit der Vielen für die Stellenvermittlung

In Branchen mit einem Mangel an Fachkräften ist es wohl schwierig, auf Effekte des Crowdsourcings für die Stellenvermittlung zu setzen.

“Auch wir nutzen Facebook und andere Portale bei der Kandidatensuche. Es kommt allerdings immer darauf an, in welchem Markt man sich bewegt. Wir erleben als IT-Personalberatung, die sich direkt an die potenziellen Kandidaten wendet, wie stark die Zahl der angesprochenen Kandidaten pro freier Stelle im Durchschnitt gestiegen ist, bis eine Vakanz besetzt ist”, so Karsten Berge von SearchConsult gegenüber pressetext.

In Zeiten des Fachkräftemangels benötige man eine detektivische Spürnase und ein gutes Beziehungsmanagement, um zu erfolgreichen Abschlüssen zu gelangen.

Speziell bei höher dotierten Positionen mit einem Jahresgehalt von 70.000 Euro und mehr steigen auch die Anforderungen. Freunde, Bekannte und Kollegen müssen da schon sehr genau informiert sein.

“Entscheidend sind die Anforderungen, die zwischen den Zeilen einer Stellenanzeige stehen. Aber genau diese Details sind oft am wichtigsten, um eine Vakanz mit dem geeigneten Kandidaten zu besetzen”, sagt Berge.

In der IT-Branche werde schon länger nach dem “Mitarbeiter werben Mitarbeiter”-Prinzip gearbeitet – mit Prämien von 3.000 Euro. Laut Experten ist dies eine zusätzliche Variante, um qualifizierte Kandidaten zu finden.

Berge sagte mir noch in dem Gespräch, dass einige Firmen kräftig nach IT-Fachleuten für Cloudcomputing und Business Intelligence suchen. Das werde ich wohl aufgreifen und mir die Anwendungsfelder und Projekte anschauen, bei denen Cloud- und BI-Spezialisten zum Einsatz kommen sollen.

Besonders beim Cloudcomputing dominiert ja wohl die Skepsis, wie eine Bitkom-Umfrage Anfang des Jahres belegt:

Erst 10 Prozent aller Unternehmen setzten 2012 auf Public Cloud Lösungen. Im Jahr zuvor waren es 6 Prozent. 11 Prozent der Unternehmen planten oder diskutierten den Einsatz (Vorjahr: 7 Prozent).

„Es gibt immer noch viele Vorbehalte gegen die Public Cloud, von denen die meisten unbegründet sind“, so Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

So sagen 79 Prozent der Unternehmen, die Public Cloud-Lösungen ablehnen, dass sie Angst vor einem Datenverlust haben. Kempf:

„Gerade kleine und mittelständische Unternehmen erreichen mit Cloud-Lösungen in der Regel ein deutlich höheres Sicherheitsniveau als mit IT-Systemen, die sie in Eigenregie betreiben.“

KPMG-Partner Bruno Wallraf:

„Interessanterweise hat fast die Hälfte der Befragten gegenüber Cloud Computing eine skeptische bis ablehnende Haltung. Die kritische Einschätzung vieler Unternehmen spiegelt sich aber keineswegs in den tatsächlichen Erfahrungen der Nutzer wider. Im Gegenteil: Mehr als drei Viertel derjenigen, die Cloud Computing bereits nutzen, berichten positiv. Dennoch gilt es, Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes, der Integrationsfähigkeit sowie Unsicherheiten über die rechtlichen Grundlagen von Cloud Computing ernst zu nehmen.“

Wo sieht das schon besser aus? Welche Branchen und Unternehmen sind aufgeschlossen, wo werden Fachkräfte gesucht? An weiterführenden Infos wäre ich sehr interessiert.

Alte Eisen glühen noch – Bekenntnisse eines C 64-Veteranen

Standard

Für den Arbeitsmarkt zähle ich ja mit meinen 51 Lenzen schon längst zum alten Eisen – zumindest in der Welt der Angestellten. Vor einigen Jahren gab es ja den Trend, die über 50jährigen mehr oder weniger aus den Betrieben rauszudrängen. Das Phänomen machte bekanntlich auch vor Zeitungsredaktionen nicht halt. Folge: Es fehlen erfahrene Redakteure, die den Jüngeren mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gott-sei-Dank bin ich seit gut 13 Jahren freiberuflich tätig und muss mich nicht mehr um die merkwürdige Personalpolitik in der Wirtschaft scheren. Mit der Überalterung der Gesellschaft wird sich auch bei der Rekrutierung in Zukunft einiges ändern – auch wenn das in den Köpfen von Führungskräften noch nicht so ganz angekommen ist.

Laut forsa-Umfrage meinen 77 Prozent der Jungen, dass Ältere im Beruf Probleme mit neuen Technologien und Kommunikationsformen haben. Das bestätigen aber nur 54 Prozent der Alten. Die sogenannten Silver Surfer sind derzeit die am schnellsten wachsende Gruppe im Internet – schon das untermauert, dass Ältere durchaus technikaffin sind.

„Ob Chinesisch oder die neue Buchhaltungssoftware: Alte können sich alles zutrauen“, erklärt Margaret Heckel, Autorin des Buches „Midlife-Boomer“

Leider bleiben ältere Bewerber in den Technologie-Berufen auf der Strecke, kritisiert Maxiilian Nobis von IT-Personaldienstleister Harvey Nash: „Eine vertane Chance für die Unternehmen. Die Vorteile dagegen werden kaum gesehen.“

Die Älteren schaffen es oft nicht einmal bis zum Bewerbungsgespräch.

„Der passt nicht ins Team“ heiße es dann, berichtet Nobis. Gemeint ist: Der jeweilige Chef – selbst Mitte 30 – will keinen Mitarbeiter, der mehr Erfahrung hat, ihn womöglich nicht akzeptiert und damit nicht steuerbar ist. „Ein älterer Mitarbeiter hat größere Auswirkungen auf ein Team als eine Nachwuchskraft. Er findet schneller Gehör und ist in der Regel sehr präsent“, sagt der IT-Personalexperte. Natürlich sei es eine berechtigte Frage, wie gut sich ein Bewerber integrieren kann. „Aber das ist letztlich nicht vom Alter abhängig, sondern vom Charakter.“

Das Thema habe ich etwas ausführlicher in einer Meldung für NeueNachricht aufgegriffen:

Midlife-Boomer auf dem Arbeitsmarkt nicht abschreiben – Ältere Arbeitnehmer bieten großes Potenzial.

Und zur nächsten republica werde ich auch wieder erscheinen, trotz meines hohen Alters :-)

Findet diesmal vom 6. bis 8. Mai statt – da hat ja meine Mutter Geburtstag. Kann ich ja mit einem Besuch kombinieren. Meine Mutti ist übrigens mit ihren 82 Jahren auch noch sehr rüstig.

Gemeinschaftsdiagnose der Wirtschaftsforschungsinstitute oder: “Wenn der Hahn kräht auf dem Mist…

Standard

, ändert sich das Wetter oder es bleibt, wie es ist.” Heute ist wieder der Tag der Makroökonomen, die ihre Prognosen zur Entwicklung der Konjunktur vorlegen. Und siehe da, die Institute schwelgen im Hochgefühl eines starken Wirtschaftswachstums:

“Die deutsche Wirtschaft befindet sich im Aufschwung. Die Institute prognostizieren eine Zunahme des realen Bruttoinlandsprodukts um 3,5 % für das Jahr 2010 und um 2,0 % für das Jahr 2011. Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich dabei weiter verbessern. Die Zahl der Arbeitslosen dürfte im Jahresdurchschnitt 2011 erstmals seit 1992 unter 3 Millionen liegen. Die Defizitquote des Staates dürfte auf 2,7 % sinken. Die Wirtschaftspolitik in Deutschland muss den angekündigten Konsolidierungspfad weitergehen. Auf europäischer Ebene sind Insolvenzordnungen für Staaten und Banken erforderlich. Ein strengerer Stabilitäts- und Wachstumspakt könnte als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein. Eine Verlängerung des Rettungsschirms für Euroländer oder die Einführung von gepoolten Staatsanleihen sind dagegen genauso abzulehnen wie der von der EU-Kommission vorgeschlagene Mechanismus zur Vermeidung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte.” Zitat Ende. Wow, was für eine wissenschaftliche Leistung, wenn man das schon Bekannte jetzt bedeutungsschwanger in einem Gutachten verkündet. Nun leide ich ja nicht an Alzheimer und habe mir mal die Prognose des vergangenen Jahres zu Gemüte geführt. Tenor:

“Für das kommende Jahr rechnen die Institute mit einer nur zögerlichen Erholung. Aufgrund der immer noch schwachen Expansion der Weltwirtschaft werden die deutschen Exporte lediglich in moderatem Tempo zulegen. Die Inlandsnachfrage dürfte nur sehr langsam anziehen. Die Investitionsbereitschaft der Firmen wird aufgrund nur wenig verbesserter Absatzperspektiven und der ungünstiger werdenden Finanzierungsbedingungen gering bleiben. Die privaten Konsumausgaben werden mehr und mehr durch die verschlechterte Lage am Arbeitsmarkt belastet. Endogene Auftriebskräfte werden nur allmählich spürbar, so dass die Konjunktur im Prognosezeitraum auf wirtschaftspolitische Unterstützung angewiesen bleibt. Alles in allem rechnen die Institute für das Jahr 2010 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um 1,2 %. Die Zahl der Arbeitslosen steigt im Jahresdurchschnitt auf 4,1 Mill.”

Warum sagen die Konjunkturforscher eigentlich nichts zu ihren permanenten Fehlprognosen, die wir als Steuerzahler jedes Jahr auch noch alimentieren müssen? Diese Erbsenzähler mit ihren ökonometrischen Modellen liegen so häufig neben der Spur, dass man ihnen keinen einzigen Cent aus der Staatskasse bezahlen sollte. Besser wäre es wohl, ein paar professionelle Pokerspieler zu beauftragen, um die Wirtschaftsentwicklung vorherzusagen. Oder man schaut sich einfach die Jahresumfrage von Allensbach an, ob die Menschen den kommenden zwölf Monaten mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegensehen. Das korreliert enger mit dem Konjunkturzyklus als die Rechenmodelle der Konjunkturforscher.

Siehe auch:
Glaskugel-Wirtschaftsforscher warnen vor zu viel Optimismus.

Und diese Meldung, die ich am Anfang des Jahres geschrieben habe, sollten sich die Wirtschaftsforschungsinstitute hinter den Spiegel stecken: Die Allensbach-Jahresumfrage und das Versagen der Konjunkturforscher: Wirtschaftsaufschwung stärker als es die Prognoseprofis vorhersagen!

Was der Glaskugel-Ökonomen-Spaß für die Steuerzahler an Kosten verursacht, habe ich hier ausgeführt: VWL-Mechaniker im Machbarkeitswahn.