Götterliebling Hofmannsthal: “Lassen Sie mich gehen, ich halte das Opium nicht länger aus”

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Hofmannsthal und Dichterfreund Borchardt

Hofmannsthal und Dichterfreund Borchardt

Das Referat meines Sohnes über Hugo von Hofmannsthal, vor ein paar Jahren für den Deutsch-Leistungskurs verfasst, ist vielleicht immer noch recht interessant – nicht nur wegen des Interviews mit dem Sohn von Rudolf Borchardt, einem nicht ganz unwichtigen Weggefährten des Wiener Dichters:

Hofmannsthal betrat die Literaten-Szene 1891 mit knapp achtzehn Jahren und wurde fast augenblicklich berühmt. Auf einer Landpartie trug der Primaner den namhaften Schriftstellern Wiens sein erstes Versdrama vor. “Wortlos”, so wurde später über den Ausgang dieser Lesung berichtet, “saßen Arthur Schnitzler und die anderen aus der Stadt Gekommenen, Männer der sicheren Feder und anhebende Meister ihres Handwerks, vor dem Knaben, der seine Blätter zusammennahm”.

“Wissen, Klarheit, Künstlerschaft”, notiert Arthur Schnitzler im März 1891 in seinem Tagebuch, “es ist unerhört in dem Alter.” Noch im gleichen Jahr verbreitete sich der Ruhm des Knaben über Wien hinaus. In Kopenhagen staunte Georg Brandes über die Magie dieser Verse, in München machte sich Stefan George reisefertig, um dem „Zwillingsbruder” den Dichterbund anzutragen, und in Berlin überlegte der spätere Dichterfreund Rudolf Borchardt, sein Studium abzubrechen, um einer wie Hofmannsthal zu werden. “Meine ganze Last schien mir abgenommen”, schilderte er später den Eindruck, den schon wenige Zeilen des jungen Dichters auf ihn gemacht hatten, und noch nach Jahrzehnten gestand er die “Erschütterung” ein, die ihn seitdem nie wieder verlassen habe.

“Das Jahr der Wunder, der drei Tragödien und welcher Gedichte!” – mit diesen Worten charakterisierte Borchardt das Jahr 1897, als der dreiundzwanzigjährige Hofmannsthal auf die Höhe seines Ruhms gelangte. Gerade war in den “Blättern für die Kunst” eines der schönsten Gedichte Hofmannsthals erschienen, in dem sich die berühmten Zeilen finden: “Ganz vergessener Völker Müdigkeiten / Kann ich nicht abtun von meinen Lidern”. Gedicht „Terzinen über Vergänglichkeit“.

Allerdings war das Echo auf Hofmannsthal nicht nur positiv, wie Borchardt nach einem von ihm in Bonn organisierten Rezitationsabend im Jahr 1898 erfahren musste. Das Bonner Publikum lachte, murrte und drohte laut zu werden. Der Kunsthistoriker Justis Riesenleib erhob sich gar von seinem Sitzplatz und verließ lautstark die Veranstaltung mit den Worten:

„Lassen Sie mich gehen, ich halte das Opium nicht länger aus.”

Worauf sich der halbe Saal zum Gehen entschloss (nachzulesen in der Bonner Zeitung vom 24. Mai 1898 – das war einer der Hauptgründe, warum Borchardt die Uni Bonn ohne Abschluss verließ, aber dazu werde ich noch gesondert etwas schreiben, gs).

Chandos-Brief: Epochales Werk und persönliches Krisendokument

Mit fünfundzwanzig Jahren war Hofmannsthal schon zur europäischen Legende geworden, und in einem sonderbaren Übertragungsprozess erblickten manche in ihm die jugendliche Entsprechungsfigur zum gleichfalls in die Legende entrückten siebzigjährigen Kaiser.

Chandos Brief

„Fünfundzwanzig Jahre später war Hugo von Hofmannsthal ein verfallener, unglücklicher und fast vergessener Mann, ein Relikt aus unvordenklichen Zeiten und so gründlich vergangen wie die Gesellschaft, deren Wunderkind er gewesen war. Kaum noch jemand las seine Gedichte, kein Theater spielte seine Stücke, und einzig durch den Salzburger ‚Jedermann‘ haftete später sein Name noch im Gedächtnis“, so der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher.

Hofmannsthal habe nach seinem sechsundzwanzigsten Lebensjahr keine Gedichte mehr geschrieben. Der Chandos-Brief von 1902 kann also als epochales Werk für die literarische Moderne gesehen werden. So bezeichnete der Kritiker Gustav Landauer den Brief 1903 als Manifest einer neuen Dichtergeneration, die sich vom Glauben an das Wort abwende und zum „Rhythmus, zum Unsagbaren“ tendiere.

„Hofmannstahl verhalf einem Epochengefühl zum Ausdruck, das noch immer andauert. Das inhaltsleere Gerede einer kulissenhaften Öffentlichkeit, der zerfahrene, konzentrationsschwache Geisteszustand, den wir als Signum unserer Epoche betrachten, das unbehagliche Gefühl, die Welt verflüchtige sich vor unseren Augen und ließe uns mit Worten zurück, die keine Bedeutung mehr haben – all dies hat Hofmannsthal bereits vor hundert Jahren heraufziehen sehen“, erklärt der FAZ-Lieraturchef Hubert Spiegel im Jahr 2002.

Der Chandos-Brief ist allerdings auch eine Wegmarke für die persönliche Befindlichkeit Hofmannsthals. Er dokumentiert die nie mehr überwundene Sprach- und Schaffenskrise; danach schreibt er Dramen, Prosastücke, einen fragmentarischen Roman, aber nie wieder Lyrik im strengen Sinne. Der Erfolg seiner Opern im Zusammenwirken mit dem Komponisten Richard Strauß und seiner Theaterstücke stellte sich erst nach dem Tod des Schriftstellers ein und wirkt bis heute.

„Zwar hat er, zählt man die nachgelassenen Verse hinzu, fast hundert Gedichte verfasst, aber zu Lebzeiten nur siebzehn – ausnahmslos bis 1900 entstandene – für überliefernswert gehalten. Die frühreife, dann plötzlich stockende und vom Leben überholte Produktivität hat Hofmannsthal über die literarische Wirkung hinaus zum wirklichen Protagonisten der zerfallenen Monarchie gemacht“, so die These von Frank Schirrmacher.

Borchardt hat den Chandos-Brief als Weggabelung zum Schlechten gewertet – zu Lebzeiten seines Dichterfreundes. Mit den dramatischen Arbeiten, die seit 1902 entstanden, konnte er sich nicht anfreunden. Borchardt sah den Brief als Krisendokument und versuchte, seinen Freund zum einstweiligen Verzicht auf jede literarische Betätigung zu überreden. Das bestätigte mir vorgestern Cornelius Borchardt, der in München lebende Sohn von Rudolf Borchardt, in einem Telefonat:

Aktualität des Chandos-Briefes

Hubert Spiegel machte deutlich, dass der Brief, den der junge Hugo von Hofmannsthal in den Briefkasten der Weltliteratur warf, seine Empfänger auch heute noch erreicht und berührt. Gilt das wirklich nur heute? An vier Zitaten möchte ich das deutlich machen, die aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen.

Jetzt ist die Klasse gefordert, Zeit und Autor des jeweiligen Zitates zu erraten (für die Leser ist die Auflösung in Klammern nachzulesen):

„Ich bin ein Wörterbuch von Künsten und Wissenschaften. Ein trockener Gelehrter, ein totes, künstliches System von Wissensbeständen.“ (J.G. Herder, Journal meiner Reise im Jahr 1769)

„Wir glauben etwas von den Dingen selbst zu wissen, wenn wir von Bäumen, Farben, Schnee und Blumen reden, und besitzen doch nichts als Metaphern der Dinge, die den ursprünglichen Wesenheiten ganz und gar nicht entsprechen.“ (Friedrich Nietzsche, Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinn, 1873)

„Mein Kopf kommt nicht mehr mit. Was mich angeht, so muss ich bekennen, dass ich den geistigen Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gewachsen bin.“ (Frank Schirrmacher, Payback: Warum wir im Informationszeitalter gezwungen sind zu tun, was wir nicht tun wollen, und wie wir die Kontrolle über unser Denken zurückgewinnen, 2009)

„Diese Szenarien der Wirklichkeitserfassung durch ein pathologisches Bewusstsein sind in besonderem Maße gekennzeichnet durch das Phänomen der Plötzlichkeit; in Verbindung mit der ästhetischen Kategorie des Hässlichen dient es der Intensivierung der Schrecken und ermöglicht die Darstellung epiphanieartigen (Epiphanie: Erscheinen einer Gottheit, Constantin Sohn) Aufblitzens der Wahnvorstellung allseitiger Bedrohung durch die dämonischen Kräfte des Unbewussten.“ (Thomas Delfmann, Ernst Weiß: Existenzialistisches Heldentum und Mythos des Unabwendbaren, 1989 – die Doktorarbeit des Deutschlehrers….)

Mehr Literatur gibt es am Freitag in der Bonner Südstadt, um 19:30 Uhr. Vielleicht habt Ihr ja Lust, meine Livestreaming-Lesung live zu erleben: Thomas Mann, Berthold Brecht und die SocialTV-Bewegung. Citypension Bonn, Goethestraße 33, 53113 Bonn.

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Katzenbilder, Digitalisierung und Star-Ökonomen ohne digitale Expertise #nöcbn

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Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf

Netzökonomischer Käsekuchen-Diskurs in Bonn-Duisdorf

Schutzgesetze und Klagemauer-Reden helfen wohl nicht weiter, um sich gegen den digitalen Tsunami zu wappnen. Was viele liebwerteste Gichtlinge in Politik und Wirtschaft immer noch nicht begriffen haben, sind die volkswirtschaftlichen Effekte der vernetzten Ökonomie, die sich nicht auf das Teilen von Katzenbildern im Social Web reduzieren lassen.

Beim ersten Bonner Netzökonomie-Campus, der in meiner Bibliothek stattfand und über den mephistophelischen Umsonst-Dienst Hangout on Air übertragen wurde, kritisierten die Experten unisono die alten Rezepturen, die selbst hoch qualifizierte Politikberater wie DIW-Chef Marcel Fratzscher dem politischen Führungspersonal in Berlin vorbeten.

Im neuen Fratzscher-Opus „Die Deutschland-Ilussion – Warum wir unsere Wirtschaft überschätzen und Europa brauchen“ tauchen eine Vielzahl von klugen Analysen über den brüchigen Status quo der deutschen Wettbewerbsfähigkeit auf. Schaut man im Register unter D wie Digitalisierung oder I wie Internet oder Informationstechnologie nach, findet man nur gähnende Leere.

Der DIW-Chef empfiehlt stattdessen in alter keynesianischer Machart mehr staatliche Investitionen, um etwa dem Verfall von Straßen entgegen zu wirken. Das ist recht erbärmlich für einen „Star-Ökonomen“, der sich zum wichtigsten Stichwortgeber von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hoch gearbeitet hat. Deshalb brachte ich bei der Vorstellungsrunde unserer netzökonomischen Käsekuchen-Diskussion auch als Hashtag „Schumpeter-statt-Keynes“ ins Spiel. Schumpeter warf bekanntlich Keynes und seinen Aposteln vor, das wirtschaftliche Geschehen nur in Aggregaten zu denken und die Rolle von Innovationen sowie unternehmerischen Einzelentscheidungen auszublenden. Makroökonomen seien blind für die Auswirkungen von neuen Technologien und Geschäftsmodellen.

Verpuffender Keynesianismus in neuen Schläuchen

Entsprechend profan fallen die Empfehlungen der volkswirtschaftlich ausgebildeten Politikflüsterer aus. Was Fratzscher und Co. vortragen, ist alter Keynesianismus in neuen Schläuchen: Mehr Staatsausgaben, geldpolitische Globalsteuerung, Industrieförderung, ein wenig mehr bauen und schon läuft die Konjunktur:

„Man kann nicht mit altem Denken in neuen Welten erfolgreich sein. Da ich mich als Wirtschaftshistoriker mit dem Strukturwandel in den vergangenen drei Jahrhundert beschäftigt habe, weiß ich, dass wir andere Methoden und Kompetenzen brauchen“, fordert Wirtschaftsprofessor Klemens Skibicki beim Netzökonomie-Campus.

Das Internet bewirke die größte Senkung der Transaktionskosten, die wir je erlebt oder historisch erforscht haben. Die wirtschaftspolitischen Empfehlungen, die in Berlin und anderswo verlautet werden, seien verpuffender Keynesianismus.

Im Vergleich mit der Merkel-Regierung ist Elmar Weiler, Dekan der Ruhr-Universität in Bochum, in seinen Erkenntnissen schon viel weiter. Er treibt die notwendige Neuerfindung seiner Stadt unter dem Stichwort Bochum 4.0 voran.

„Bochum 1.0 dokumentiert die Zeit, als man Kohle aus der Erde holte, bis keine mehr da war. Allen sei klar gewesen, dass sich die Lagerstätten erschöpfen würden. Dann hat man angefangen, einen Hightech-Werkstoff zu entwickeln – nämlich Stahl. Da brauchte man nicht nur Eisenerz, sondern auch sehr viel Wissenschaft, um etwa rostfreien Stahl herzustellen. Das war Bochum 2.0. Von der Kohle über den Stahl geht die Erfolgsgeschichte weiter zu Fabriken, in denen Hochleistungsmaschinen gefertigt wurden wie Autos und Handys. Diese Zeit geht jetzt auch zu Ende. Also Bochum 3.0″, sagt Weiler.

Jetzt folgt die Phase 4.0:

„Es bricht eine neue Zeit an, die weniger geprägt sein wird von großen Industriewerken”, meint Weiler – auch wenn das viele Industrielobbyisten immer noch nicht ganz wahrhaben wollen.

Der Uni-Rektor ist fest davon überzeugt, dass das in der Region der Vergangenheit angehört.

Relevanter werden Mittelstand und innovative Unternehmen, die sich besser vernetzen müssen bei der Erzeugung von lokalen Wertschöpfungsketten. Es gehe dabei um die Vernetzung von allem. Also Kultur, Sport, Wissenschaft, Wirtschaft und das Engagement der Bürgerschaft. Was Professor Weiler in wenigen Worten skizziert hat, sollte sich die Große Koalition in Berlin hinter die Ohren schreiben.

Wie überzeugt man Zukunftsverweigerer?

Was mit Bochum 4.0 umschrieben und angestoßen wird, ist für den theologisch fundierten Informatiker Winfried Felser ein richtiger Schritt, um die Zukunftsverweigerer der überkommenen Ökonomie abzuholen. Das erreiche man nicht mit Begriffen wie „digitale Wirtschaft“ oder mit Konferenzen wie die re:publica in Berlin. Letzteres würden die Altvorderen als spleeniges Internet-Getöse von esoterischen Nerds abtun. Es müsse Maßnahmen geben, die auch IHK-Mitglieder, inhabergeführte Unternehmen und Konzernchefs erreichen, empfiehlt Netskill-Geschäftsführer Felser beim netzökonomischen Diskurs in der rheinischen Beethoven-Metropole. Jeder Handwerker, jeder Heizungsbauer und jeder Hersteller sollte sich die Frage stellen, ob er morgen noch mit seinem Geschäftsmodell erfolgreich sein kann. Etwa bei der Wartung von vernetzten Heizungen, die digital überwacht und gewartet werden. Da ist ein Systemingenieur gefragt und nicht mehr der klassisch ausgebildete Installateur – vom Schornsteinfeger mal ganz schweigen.

Die Querschnittsfunktion der Netzökonomie

Das Wort „Netzökonomie“ unterstreicht, dass die Digitalisierung und Vernetzung den Querschnitt aller Wirtschaftstätigkeiten betrifft. Mit Furcht, die sich durch Medien, Politik, Wirtschaft und Universitäten zieht, sei die digitale Transformation nicht zu bewerkstelligen, ergänzt Skibicki.

„Was sich im Ruhrgebiet beim Niedergang von Stahl, Kohle und industrieller Massenfertigung abspielt, gilt für ganz Deutschland. Leider beteiligen sich Politik und Verwaltung an diesem Prozess nicht. In anderen Ländern ist man da schon sehr viel weiter“, weiß Kommunikationsberater Frank Michna.

Die Digitalisierung aller Lebensbereiche hängt eng mit der steigenden Leistungsfähigkeit der Mikroprozessoren zusammen:

„Das bekommen dann irgendwann auch Busfahrer und sogar Piloten zu spüren, die von intelligenter Steuerungstechnologie ersetzt werden“, sagt Innovationsexperte Jürgen Stäudtner vom Beratungshaus Cridon.

International werde nur die industrielle Expertise gesehen. Wir sollten schleunigst damit beginnen, dieses Wissen mit digitaler Kompetenz aufzuladen.

Der Dreiklang mobiles Internet, Social Web und Industrie 4.0 betrifft alle. Netzökonomie sei daher kein Thema für außerirdische Aliens, sondern gehört auf die Tagesordnung von BDI und Co., so das Credo des Kommunikationswissenschaftlers Jonas Sachtleber, der für die studentische Unternehmensberatung Oscar tätig ist.

Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik liefern in Deutschland für die digitale Transformation bislang weder Modelle, Methoden noch Metaphern.

Fünf Teilnehmer, ein Käsekuchen

Fünf Teilnehmer, ein Käsekuchen

Mit dem Netzökonomie-Campus möchte ich das über Tagungen, Studien, E-Books, Workshops, Barcamps, virtuellen Expertenrunden via Hangout on Air ändern. Wäre toll, wenn wir unseren Käsekuchen-Dialog fortsetzen könnten.

Kleiner Auszug meiner morgigen The European-Kolumne.

Siehe auch:

EU-Digitalkommissar Günther Oettingers erste Einlassungen zum Urheberrecht machen wenig Hoffnung für die anstehende Reform. Seine erste Themensetzung überzeugt nicht.

Wie schrecklich: “Google dringt in unser Kerngeschäft ein”

Leider, leider: Ein digitales Wunder lässt sich nicht verordnen.

Twitch und der Kampf für sauberes Livestreaming

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Livestreaming mit Alkohol

Livestreaming mit Alkohol

Twitch kämpft mit Bekleidungsregeln für sauberes und moralisch einwandfreies Livestreaming.

Folgende Punkte sollten die Gaming-Moralhüter, die Richter und Staatsanwalt in Personalunion spielen, in ihre AGBs aufnehmen: Nicht mehr toleriert werden,

Stinkefüße und übel riechende Socken (hygienische Zumutung);

leise Fürze – gemeint sind rückwärtige Ausdünstungen durch eine verschämte Gesäßanhebung – im Volksmund auch “einen fahren lassen” genannt (gravierende Methan-Emissionen mit nicht kalkulierbaren Folgen für die Erderwärmung);

öffentlicher Hangout-Konsum von Mettbröttchen oder noch schlimmer von Mettigeln (Provokation für Vegetarier sowie Veganer und seelische Grausamkeit gegenüber Netzmenschen, die mit ihren Bloggerbäuchen hadern – also ich);

Livesendungen mit süß anmutenden Winkekatzen – die via Twitter mit dem Hashtag ‪#‎katzenlivestream‬ verbreitet werden. Noch ablehnungswürdiger sind jene Web-Zeitgenossen, die einen Blogbeitrag schreiben und dabei einen #katzenlivestream mit einer fetten und winkenden Glückskatze live übertragen (Tierquälerei und Propagierung von sinnlosem Glücks–Aberglauben, der in der Glücks-Themenwoche der ARD uns jeden Tag um die Ohren gehauen wurde);

Husten ins Mikrofon (Virenschleuder mit Pandemiepotenzial);
Interviews mit meinem Bloggercamp.tv-Kollegen Hannes Schleeh, die ihn als Henning oder Hans titulieren (üble Verleumdung).

Fallen Euch noch weitere Punkte ein, die man Twitch mit auf den Weg geben sollte?

Bonn-Duisdorf entdecken!

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Rathaus Hardtberg

Rathaus Hardtberg

Heute konnte ich für den Blog “Bonn Entdecken” mein Stadtviertel vorstellen – also Duisdorf. Architektonisch ist der Bezirk nicht so aufregend, aber man kann hier sehr gut leben. Michèle Lichte hat das gut auf den Punkt gebracht:

“Duisdorf ist quirlig. Natur findet man nur am Rande des Meßdorfer Feldes (und im Derletal!!!!, gs), aber man wohnt gut angebunden und hat viele Einkaufsmöglichkeiten. Kulturell wird auch einiges geboten im ‘TIK’, im Kulturzentrum Hardtberg und in der Mehrzweckhalle.”

Bäckerei Penkert

Und dann gibt es ja noch die weltbeste Bäckerei Penkert, die weltbeste Metzgerei Wingen, den weltbesten Kiosk und den Optiker Zapp und, und, und.

Weltweit führende Belanglosigkeit: Corporate Blog als Zweitverwertungs-Müllkippe

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Schönwetter-Posen bringen keinen relevanten Content

Schönwetter-Posen bringen keinen relevanten Content

Michaela Brandl hat noch einmal zusammen getragen, warum Corporate Blogs nicht funktionieren: Es mangelt an relevantem Content, es fehlt eine offene Kommunikationskultur, Autoren bekommen keine Entscheidungskompetenz, Ziele sind unklar definiert, der Aufwand wird unterschätzt und Blogs leiden unter einem Silo-Dasein fernab des wirtschaftlichen Geschehens in Organisationen.

Unternehmensblogs werden zu Zweitverwertungs-Deponien von weltweit führenden und gut aufgestellten PR-Marketing-Bullshit-Dämlichkeiten degradiert.

Dafür könne aber das Format “Corporate Blog” nichts, meint Brandl, wenn Firmen-Kommunikatoren mit weichgespülten und aufgehübschten Powerpoint-Nichtigkeiten aufwarten. Woher soll aber der relevante Content kommen, wenn die gleichen PR-Nasen bei Pressemitteilungen und öffentlichen Auftritten mit semantischen Leerformeln und Plastikdeutsch glänzen? Wenn das Top-Management von der Relevanz der Außenkommunikation via Blogs nicht bis in die Zehenspitzen überzeugt ist, misslingt die Operation “Corporate Blogs”. Aus dem gleichen Grund landen 99 Prozent aller Pressemitteilungen im Müllschlucker.

“Ich denke, den meisten Kommunikationsverantwortlichen ist inzwischen klar, dass in ein Blog keine Presseinfos gehören und dass es als langfristiges Engagement kontinuierlich Ressourcen erfordert”, schreibt Michaela Brandl.

Ist das wirklich so? Wer bei Pressetexten, Broschüren und Powerpoint-Präsentationen nur Content-Attacken der Selbstbeweihräucherung ablaufen lässt, kann nicht gleichzeitig in einem anderen Format zu einem Gott der Relevanz und Verständlichkeit aufsteigen. In meiner The European-Kolumne, auf die Michaela Brandl verweist, habe ich das etwas ausführlicher dargelegt:

Es gibt eindeutig identifizierbare Nachrichtenfaktoren, die für Aufmerksamkeit sorgen oder eben nicht: Schwellenfaktor eines Ereignisses, Eindeutigkeit der Nachricht, Tragweite, Überraschung, Kontinuität (rauscht etwas wie ein Lauffeuer durch die Öffentlichkeit – Mem-Stärke würde ich das nennen), Personalisierung und Negativismus (Konflikt und Kontroverse – ja die Welt ist eben keine Hollywood-Schaukel). Alles andere ist halt die Schönwetter-Sauce von PR und Marketing, die täglich ins Netz und in die Mail-Accounts gegossen wird. Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Dabei könnte die Wirtschaftswelt so viel schöner sein, sagt Ralf Schwartz. Gefordert seien Mut, Rückgrat und Selbstbewusstsein, unsere Persönlichkeit auszubilden, uns zu messen an ungeschriebenen Gesetzen:

„Der Vielfalt zu huldigen, statt immer wieder nur dieser elenden Droge Einfalt. Ich kann so lange predigen, wie ich will – zum Beispiel in der ,Wirtschaftswoche‘-Kolumne mit dem Titel ‚Werbung muss wieder Kunst werden‘ – nichts wird passieren, wenn nicht der letzte meiner Punkte Realität wird und der Manager des Status quo endlich zum Mäzen des Neuen wird. Warum Manager sich das nicht trauen? Nun, weil sie niemanden über sich wissen, der ihnen den Rücken freihält, wenn es eng wird. Niemanden, der ihnen Mut macht, sie Fehler und Erfahrungen machen lässt, zum Wohle des Produktes, der Marke, des Unternehmens.“

Genau das ist der Grund, warum wiederum diese liebwertesten Gichtlinge des Top-Managements ihren eigenen Mitarbeitern keinen Mut machen, ihnen keine Carte blanche geben, kein Spielfeld, um sich die Hörner abzustoßen und in neue Erfahrungen zu investieren. Stattdessen produzieren sie Ladenhüter. Nach innen und außen.

Blogs könnten zur kommunikativen Schaltzentrale für Wissensmanagement und Kundenservice in Unternehmen aufsteigen. Sachlich, mit hohem Nachrichtenwert, diskussionsfreudig und offen. Wie lassen sich Produkte und Dienste verbessern, wie verständlich sind neue Produkte und Dienste, was ist in der eigenen Branche los, was muss wirtschaftspolitisch anders gemacht werden (etwa schnelles Internet für dezentrales Arbeiten), mit welcher Qualifikation sollten sich Nachwuchskräfte bewerben, wie kann man die Beziehung zu Power-Usern organisieren, was wird im Netz über die eigene Organisation publiziert, was sagen Youtuber über unsere Angebote (Erklärvideos, Unboxing-Gags, Testreihen könnten in Blogs sehr schön kuratiert werden) und, und, und.

Wenn wir über Sinn und Unsinn von Corporate Blogs diskutieren, sollten wir konkreter werden. Kennt Ihr positive Beispiele, die über das PR-Dünnbrettboher-Niveau hinausgehen? Darüber würde ich gerne mit Euch sprechen in Live-Interviews via Hangout on Air. Für die Hangouts solltet Ihr dann direkt konkrete Beispiele mitbringen.

Kontaktiert mich einfach über Blog-Kommentare, Twitter, Facebook, Google Plus oder E-Mail: gunnareriksohn@gmail.com

Siehe auch:

Mal ehrlich: Corporate Blogs funktionieren nicht!

Auch wichtig: Fast zwei Drittel der von Karrierebibel untersuchten Blogs von DAX-Konzernen können keine Kommentare vorweisen. Der Rest erhält im Schnitt zwei magere Reaktionen. Nur fünf Blogs kommen auf drei und mehr Kommentare pro Beitrag.

Die besten Interaktionen erzielen Gastautoren – was mich jetzt nicht verwundert bei dem weltweit führenden Hochglanzbroschüren-Gequatsche der meisten Firmen. Ich verstehe nicht, warum Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre fachliche Expertise ohne Werbe- oder PR-Schwafelei zu kommunizieren. Captcha-Codes und nervige Disqus-Tools in den Kommentarfunktionen sind weitere Stolpersteine für Dialoge. Häufig steckt hinter den Unternehmensblogs gar keine Blogtechnologie (sollte man auch mal ausführlicher analyisieren).

Und auch für die Kundenkommunikation im Social Web wichtig: Eine Im Netz leben wir nicht unter Käseglocken, sondern sogar politisch vielfältiger als im normalen Leben.

Wie man übrigens richtig auf Kundenanfragen reagiert, zeigt meine blumige Intervention auf Facebook.