Þorpið – Das Dorf

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Ursprünglich veröffentlicht auf Wortspiele: Ein literarischer Blog:

Eine Besprechung in Iceland Review Online

Island - Möven © Wolfgang Schiffer

Island – Möven © Wolfgang Schiffer

Einige Gedichte aus Þorpið – Das Dorf von Jón úr Vör habe ich in meinem „Wortspielen“ bereits vorgestellt und damit zugleich über die kürzlich erfolgte Publikation der deutschsprachigen Übersetzung dieses Klassikers unter den isländischen Gedichtzyklen im Queich Verlag informiert.

Bernhild Vögel, u. a. Literatur- und Kulturkorrespondentin der deutschen Ausgabe von Iceland Review Online, hat (wie seinerzeit die erweiterte Neuausgabe Geahnter Flügelschlag von Stefán Hörður Grímsson aus dem Verlag Kleinheinrich) Original und Übersetzung nun gelesen und ihre Eindrücke „druckfrisch“ ins Netz gestellt.

Ich freue mich, dass ich ihren Artikel in Iceland Review Online heute als Gastbeitrag auch in den „Wortspielen“ bekannt machen darf. Selbst mit einem kurzen visuellen und akustischen Eindruck kann ich zum Schluss noch einmal aufwarten: er ist das Ergebnis meiner Präsentation des Gedichtbandes Þorpið – Das Dorf im Kultursalon Freiraum in Köln, aufgezeichnet von…

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Nietzsche, Vorstandschefs und die heilsame Wirkung von Gesprächen mit KUNDEN

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Das Nietzsche-Rätsel

Das Nietzsche-Rätsel

Es sei nicht Job eines Unternehmenschefs, sich um irgendetwas anderes zu kümmern, als dass an den richtigen Stellen die richtigen Leute sitzen, die von ihrem Fachgebiet mehr verstehen als er selbst, kontert Jürgen Braatz von Fondswissen meine gestrige The European-Kolumne über die Marktschreier auf Facebook.

“Was du forderst ist einerseits romantisch, andererseits verachtet es Fachleute und wünscht sich den Super-Chef. (Bist du heimlich unterbewußt Nietsche-Fan?) Den gibt es in der GmbH und, wie du richtig schreibst, in einer Bäckerei”, so die Reaktion von Braatz auf Google Plus.

Was mein Beitrag mit Nietzsche zu tun haben soll, kann ich jetzt nicht genau beurteilen. Aber er meint wohl einen anderen Autor namens Nietsche – den habe ich nicht gelesen. Ansonsten ist mir wohl bewusst, dass ein Konzernchef zeitlich nicht in der Lage ist, Kundenanfragen zu beantworten, Twitter-Accounts oder Facebook-Seiten zu pflegen. Für wie blöd hält mich der Fondswissen-Manager?

Es wäre für Führungskräfte allerdings eine heilsame Kur, ab und an in die operativen Gefilde der eigenen Organisation einzutauchen und ein wenig Praxisluft zu schnuppern. Nichts anderes besagen meine Zeilen, die ich gestern publiziert habe:

Vielleicht sollten Organisationen mal den Versuch wagen, einfach nur mit ihren Kunden ins Gespräch zu kommen, sie von Produkten und Diensten zu überzeugen, Kritik nicht als feindlichen Angriff zu werten, Anregungen zur Verbesserung der Angebote zu nutzen und Servicewünsche direkt ohne Warteschleifen-Bürokratie zu erfüllen. In Crowdfunding-Kampagnen muss man um jeden Unterstützer kämpfen, man muss jeden Schritt erläutern, damit die Community nicht auseinanderfliegt. Das sollten sich die Fanpage-Gewinnspielproduzenten als Vorbild nehmen.

Ich bin so schön

Es wäre ja schon mal ein großer Fortschritt, wenn Organisationen sich ihren Schönwetter-Gesprächsmodus abgewöhnen und normale Gespräche mit der Netzöffentlichkeit führen würden. Als weiteren Indikator könnte man die Aktivitäten der Unternehmen und sonstigen Organisationen in sozialen Medien und Blogs heranziehen.

Wie oft sprechen denn Mitarbeiter und Vorstand mit Interessenten, Kunden und Kritikern? Wie oft werden Kundenanfragen auf Facebook und Co. beantwortet und wie zufrieden sind die Anfragenden? Wie dauerhaft wird denn über Themen gesprochen, die in Corporate Blogs präsentiert werden? Wie viel wird in externen Blogs über eine Marke geschrieben? Wer erhebt die Daten? Wird die Methodik ausreichend beschrieben?

Wie in analogen Zeiten wird die Fliegenbein-Zählerei von jenen Agenturen durchgeführt, die auch für die Social-Web-Kampagnen verantwortlich sind. Dann könnte man auch meine Oma fragen, wie sie denn ihren Lieblingsenkel beurteilt. Für meine Oma war ich natürlich immer der Größte – meine Lehrer dachten allerdings ganz anders.

Vorbild Bäckermeister

Für pragmatische und bodenständige Unternehmen bietet die direkte Kommunikation über Social-Web-Plattformen gigantische Möglichkeiten. Macht Expertenrunden via Hangout on Air mit Euren wichtigsten Kunden, setzt auf die Zusammenarbeit mit externen Fachleuten, macht virtuelle Stammtisch-Runden mit Bloggern, die in den Themen der eigenen Angebote Ahnung haben. Kuratiert kritische Erfahrungen der Kundschaft und beantwortet die Serviceanfragen über YouTube-Videos. Macht die Super-User zur wichtigsten Anlaufstelle beim Abtesten von neuen Diensten und Produkten. Verschwendet kein Geld für x-beliebige iPad-Verlosungen, sondern bastelt endlich eine Kundenversteher-Meta-App, die meinen Alltag als Verbraucher verbessert. Entsprechende Vorschläge hat Andreas Klug von Ityx im ichsagmal-Bibliotheksgespräch gemacht:

Schickt auf Facebook & Co. keine Marketing-Jünglinge ins Feld, sondern den Chef des Unternehmens (so als kleine Lehrstunde, Meister Braatz), um nicht mehr mit dem Rücken zum Kunden zu agieren. Schielt nicht auf die Zahlenspielchen der Excel-Exegeten, sondern erfreut Euch über jeden einzelnen Dialog, der Kunden zufriedenstellt. Nehmt Euch bewusst die großen Konzerne mit ihren Marketing-Truppen nicht zum Vorbild. Probiert einfach mal etwas anderes. Schmeißt die strategischen „Prozess-Empfehlungen“ der Consulting-Schmierlappen in den Müll und setzt auf Euren gesunden Menschenverstand. Bauchgefühl schlägt die Schein-Rationalität der Zahlendreher. Hier liegt die hohe Kunst, die der Bäckermeister intuitiv besser versteht als hoch dotierte Konzernchefs:

„Marketing zwar machen, aber unbewusst, aus der Intuition heraus; und dabei das eigene Handeln noch nicht einmal als Marketing zu verstehen“, schreibt „Wiwo“-Autor Thomas Koch, dessen Werbesprech-Kolumnen als Buch erschienen sind mit dem Titel „Werbung nervt“.

Die oberste Führungsetage in großen Unternehmen gehört in die erste Reihe, gehört mit der Nase in die Belange des Kunden gedrückt, um die richtigen Entscheidungen zu treffen. Nicht Monologe, die allein dem Kreativen-Ego dienen, wären plötzlich Maß aller Dinge, sondern Dialog mit Stammkunden, „mit den Begeisterten und den weniger Begeisterten. Gespräche. Respekt. Empathie“, so Koch. Etwas, was in Bäckereien, Kneipen oder Friseurläden jeden Tag praktiziert wird – ohne infantiles Facebook-Werbesprech.

Nihilistisch im Sinne von Nietzsche ist das doch überhaupt nicht. Es geht eher um meine scheinbar naive Vorstellung von Kundenzufriedenheit. Scheint aber wohl bei Braatz nicht richtig angekommen zu sein. Was meint Ihr? Vielleicht löst Ihr auch das Nietzsche-Rätsel.

Update:

Das Nietzsche-Rätsel ist immer noch nicht gelöst in der Fortsetzung unserer kleinen Google Plus-Debatte:

Literatur-Lesung: Luhmann und die Erfindung des deutschen Skandalfußballs

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Neue Zettelkasten-Literatur

Neue Zettelkasten-Literatur

Handkuss oder Zungenkuss? Luhmann macht’s mit Charme, Lesung aus dem Buch: Wie halten Sie’s mit Außerirdischen, Herr Luhmann?, Kadmos-Verlag.

Warum wird ein Konzernboss zur Heulsuse? #Döpfner #Google

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Auf dem Weg in den Google-Staat?

Auf dem Weg in den Google-Staat?

Wenn Monopole wie Google in der gesamten Wirtschaftsgeschichte langfristig nicht überleben, wie Mathias Döpfner in seinem Heulsusen-Opus in der FAZ schreibt, frage ich mich, warum der Springer-Chef seine Angst gegenüber dem Suchmaschinen-Konzern zum Ausdruck bringt. Denn diese Monopol – ob privat oder staatlich – scheitern doch irgendwann an der Selbstzufriedenheit, “die der eigene Erfolg gebiert”. Es könnte zu politischen Eingriffen kommen, was ordnungspolitisch völlig in Ordnung ist, oder zu einer Abwendung der Nutzer. Davor haben selbst Giganten wie Facebook, Google und Co. Angst, wie man an der NSA-Debatte ablesen kann.

Dass nun ein Konzernboss gegenüber einem anderen Konzernboss seine politischen Bedenken artikuliert, die von privatwirtschaftlichen Organisationen ausgehen können, wenn sie sich als Staat im Staate aufführen, ist zumindest merkwürdig.

Mal unabhängig von den Erfolgsaussichten von Big Data, Internet via Drohnen, gläserne Haushalte über den Einsatz der Nest-Technologie (wie viele Haushalte in Deutschland nutzen Nest?) und fahrerlosen Autos. Schaut man sich die Leistungsbilanz von Google etwas genauer, erkennt man, dass die Kohle fast ausschließlich über Werbeeinnahmen in die Kassen des Mountain View-Konzerns fließt. Alle anderen Ausflüge haben sich in schöner Regelmäßigkeit als Flop herausgestellt. Etwa das Hardware-Geschäft, wie Bloggercamp.tv-Kollege Hannes Schleeh eindrücklich nachweist. Google versagt übrigens auch beim klassischen Kundenservice – aber das sei nur am Rande erwähnt.

Zieht man also von der Döpferschen Jammerlappen-Suada die Datenkraken-Furcht ab, bleibt die Angst vor der Abhängigkeit des Springer-Konzern vom Traffic, der über Google läuft und von der Vermarktung von Restplätzen seiner Online-Werbung über den Google-Algorithmus. Der Artikel hätte sich auf zwei Sätze beschränken können. Beim netzpolitischen Exkurs fehlt dem Springer-Vorstandschef einfach die Glaubwürdigkeit. Warum hat Döpfner eigentlich so viel Schiss vor Google, wo doch in der Medienwelt das so genannte “Unverdrängbarkeitsgesetz” von Wolfgang Riepl vorherrscht? Das von Döpfner zitierte Gesetz soll sich ja in der Riepl-Promotion mit dem Thema “Das Nachrichtenwesen des Altertums” aus dem Jahr 1913 verstecken. Döpfner sollte das Opus etwas genauer lesen (wenn er es überhaupt gelesen hat). Dann würde er folgende Zeilen zur Elektrizität finden:

“Einen Stillstand gibt es nicht mehr, und eine geringe Zahl von Jahren bringt durchgreifendere Umgestaltungen hervor als früher von Jahrhunderten.”

Ansonsten ist der FAZ-Gastbeitrag in die übliche Debatten-Ecke von FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher einzuordnen, die “Per Johansson” in seinem Roman “Der Sturm” so schön auf den Punkt gebracht hat:

“Christian Meier sei auf der Flucht gewesen, lautete ein in Deutschland offenbar immer populärer werdendes Gerücht. In der Vergangenheit habe er so viele große Theorien in die Welt gesetzt, so viele weltumspannende Phantasien über die Macht der Netzwerke, die Zukunft der Roboter und die Allmacht der Gentechnik.”

Letztlich ging es immer nur um die nächste große Verschwörungstheorie. Die Leute hörten dem Meier aber nicht mehr so gebannt zu. Er schien an die Seite zu rutschen, und es wirkte fast komisch, wenn er wieder einmal den Untergang der Welt beschwor. Eine Prognose, die auch wirklich schwer zu erfüllen ist. Von der Unmöglichkeit eines Berichtes über den eingetretenen Untergang mal ganz abgesehen.

Siehe auch:

Die Ängste von Springer-Chef Mathias Töpfer.

Springer-Chef Döpfner: “Wir haben Angst vor Google”