Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen oder Websites zu schließen: Ego-Marketing oder Eco-Marketing? #nöccn

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Beton-Walter

Beton-Walter

Annette Schwindt wies mich beim Social Media ClubChat Bonn auf ein sehr spannendes Interview mit dem Digital-Business-Experten Brian Solis in der neuen Ausgabe der Zeitschrift t3n hin. Es Beinhaltet einigen Zündstoff und wird vielen Marketing-Beratern negativ aufstoßen, weil Solis einige heilige Kühe schlachtet:

„Der ‚traditionelle digitale Kunde‘ fällt eine Entscheidung, indem er googelt: Er klickt auf ‚Suchen‘, bekommt Ergebnisse angezeigt und klickt sich von dort aus weiter. Der Connected Customer dagegen beginnt nicht mit Google, denn er will gar keine Website mehr besuchen, die im Grunde ja nur eine digitale Broschüre ist. Er hat ein genaues Ziel vor Augen – will vielleicht etwas kaufen oder unternehmen – und will möglichst schnell dorthin gelangen. Er informiert sich also bei jemanden, dem er vertraut und der dasselbe Interesse teilt. Zum Beispiel bei Youtube, wo ihm ein kurzes Video seine Frage beantwortet oder ihm einen wertvollen Rat gibt. Oder er macht eine In-App-Suche, geht zu Pinterest oder zu Facebook. Die ‚Reise‘ des Kunden ist heute also schon in ihrem Ausgangspunkt eine andere. Trotzdem investieren wir fröhlich weiter in Suchmaschinen-Optimierung, Suchmaschinen-Marketing und auf Reichweite ausgerichtete Social Media-Kampagnen, um die Aufmerksamkeit der ‚traditionellen‘ Kunden zu bekommen.“

Es gehe also mehr um das Management von gemeinsamen Erfahrungen. Heute sei das fragmentiert und holprig – auch wenn Firmen immer mehr Apps und mobile Websites anbieten. Die vernetzten Kunden sind nach Ansicht von Solis schneller, besser informiert und organisiert.

„Sie wollen keine Zeit mit langwierigen Entscheidungen oder Transaktionen verschwenden“, sagt der Digital-Business-Experte.

Obwohl man über Smartphones viel intuitiver agieren könnte, lassen sich viele Transaktionen darüber nicht abwickeln. Die Unternehmen betrachten die Welt noch nicht durch die Augen ihrer Kunden. Man wird stattdessen in die “Kanäle” der Anbieter gepresst. Der offene Charakter und die chaotischen Kommunikationsströme, die sich im Social Web abspielen, werden schlichtweg ignoriert. Man setzt weiter auf die vertrauten Marketing- sowie Sales-Abläufe und degradiert soziale Medien zum bloßen Werkzeug, “statt eine wirklich neue unternehmerische Perspektive zu eröffnen”, moniert Solis.

Vor diesem Hintergrund spielt sich die Kontroverse New-Marketing-Community über den Sinn oder Unsinn von eigenen Web-Präsenzen ab, die Johnny Haeusler mit seiner provokativen Wired-Kolumne ausgelöst hat.

Natürlich geht es nicht um den Wunsch, Websites zu schließen, sondern um die steigende Irrelevanz von eigenen Webpräsenzen, was Haeulser in einer Reaktion auf die stürmischen Kommentare seines Opus klargestellt hat:

“Zunächst ist es nicht so, dass ich die von mir beobachtete Entwicklung, deren Schlussfolgerung ich in meiner zugespitzten Empfehlung habe münden lassen, besonders prima finde. Ganz im Gegenteil. Ich bin selbst ein Website-Typ, betreibe schließlich mindestens eine eigene und mag das virtuelle Zuhause, dass eine solche Seite sein kann. Mir ist außerdem der Kontrollverlust völlig bewusst, den eine Publikation erleben kann (aber keineswegs muss), wenn sie auf eine eigene Website verzichtet. Ebenso „wünsche“ ich mir die beschriebene Entwicklung nicht, sondern stelle fest, dass sie bereits stattfindet.”

Die Kontrolle über die Distributionskanäle von News haben die klassischen Publikationshäuser nach Ansicht von Haeusler längst verloren, denn an den sozialen Medien haben sie bisher keinerlei Anteil. Gleiches gilt für die Unternehmenskommunikatoren. Die generelle Funktion von Verlagen und Marken als vertrauenswürdige Absender und Kuratoren werde dabei nicht überflüssig. Nur als Dirigenten taugen sie nicht mehr: In der Ego-Welt des alten Content-Webs dominierend noch die Denkmodelle wie meine abgegrenzte Homepage, mein Content und meine Leser oder Leads, schreibt Winfried Felser in einem Blogbeitrag.

Oder etwas drastischer ausgedrückt: Vom schönen Schein des Bullshitt-Klugscheißers. Genau davon muss man sich verabschieden, um nicht zum Opfer der eigenen Schein-Kauslitäten zu werden.

Am 22. März wollen wir diesen Diskurs beim dritten Netzökonomie-Campus mit Käsekuchen fortsetzen. Hashtag für Mitdiskutanten während der Liveübertragung #nöccn

Siehe auch:

Zur Medienkrise.

Facetubing vom Feinsten. Alle wollen mit Facebook arbeiten. Und Google? Nichts, nada, niente.

Gabriel im industriepolitischen Tal der Gedankenlosigkeit: Wir brauchen Spoiler, Software UND Vernetzungsintelligenz #bcbn15 @wmfra

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Im Land der Industrie-Romantik

Im Land der Industrie-Romantik

Sigmar Gabriel lebt nach Auffassung von The European-Chefredakteur Alexander Görlach noch im 19. Jahrhundert.

“Für unseren Wirtschaftsminister zählt die Industrie, deutsche Autos und so. Digitale Innovation, neue Geschäftsmodelle? Nichts für unseren Siggi. Er zettelt lieber Krach mit Google an. Fabuliert von der Zerschlagung des Konzerns. Wenn am Anfang des 21. Jahrhunderts der deutsche Wirtschaftsminister die Harfe auf ein Lied der alten Zeit anstimmt, dann ist die Frage mehr als angebracht, ob er wirklich denkt, dass wir in fünfzig Jahren den Chinesen immer noch Autos verkaufen oder ob Google nicht wirklich das Zukunftsauto auf den Markt bringen wird oder Apple vielleicht.”

Görlach verweist auf den englischen Publizisten Charles Percy Snow, der 1959 darauf hinwies, wie England gegenüber Deutschland den Anschluss im 19. Jahrhundert verloren hat. “Die Briten waren sich zu snobistisch, als dass sie von ihrem ererbten Bildungskanon hätten ablassen wollen. Kein Problem, sagte man in Deutschland, und so wurden hier die Applied Sciences geboren. Die exzellenten Ingenieurswissenschaften sind das Fundament für den Erfolg des ‘German Engineering’, von dem Deutschland bis heute profitiert.”

Aber selbst bei uns verlief dieser Prozess nicht ohne Reibungen und Widerstände. Das belegen die Forschungsarbeiten des Ökonomen Joseph Schumpeter in seiner Bonner Zeit von 1925 bis 1932.

In meiner Schumpeter-Session auf dem Barcamp Bonn erwähnte ich vor allem die Abhandlung von 1928 „Die Tendenzen unserer sozialen Struktur“. Hier untersucht Schumpeter die Diskrepanz zwischen der Wirtschaftsordnung Deutschlands und der Sozialstruktur. Die Wirtschaftsorganisation war kapitalistisch, die deutsche Gesellschaft war aber in ihren Gebräuchen und Gewohnheiten nach wie vor in ländlichen, ja sogar feudalen Denkweisen gefangen – heute industriekapitalistisch. Zur Reichsgründung 1871 haben nahezu zwei Drittel der Bevölkerung auf Gütern oder Gemeinden mit weniger als 2000 Einwohnern gelebt, noch nicht einmal 5 Prozent in Großstädten von mehr als 100.000 Einwohnern. Bis 1925 hatte sich der Anteil der Stadtbewohner verfünffacht, während der Anteil der Landbevölkerung um die Hälfte zurückgegangen ist. Ursache war vor allem ein sprunghafter Anstieg der Agrarproduktivität. Während 1882 in Deutschland nur 4 Prozent der kleinen Landwirtschaftsbetriebe Maschinen einsetzten, waren es 1925 schon über 66 Prozent. Die Mechanisierung löste eine Landflucht aus und trieb die Landarbeiter in die Städte. Auch politisch waren die “Landjunker” in der Weimarer Republik tonangebend.

Heute sind es die Lobbyisten und wissenschaftlichen Berater der Bundesregierung, die immer noch das industriepolitische Lied singen, obwohl wir seit den 1960er Jahren gar keine Industrienation mehr sind. Man braucht nur einen Blick in das Werk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte” von Professor Werner Abelshauser werfen.

Der Stellenwert von industriellen Produkten soll damit nicht in Frage gestellt werden – auch wenn es kaum noch eine industrielle Massenfertigung in Deutschland gibt. Wir exportierten 2013 Autos und Maschinen im Wert von über 350 Milliarden Euro. Darauf verweist Jonas Sachtleber von der studentischen Unternehmensberatung OSCAR in einem Beitrag unter dem Titel “Digitalisierung in Deutschland: Ein Desaster”.

“Hinzu kommen Datenverarbeitungsgeräte und elektronische Ausrüstung für mehr als 150 Milliarden Euro. Diese Produkte machen Deutschland zur Exportmacht. Um diese Stellung zu halten, muss Deutschland allerdings zum Ausrüster der Digitalisierung werden oder sich wenigstens an deren Umsetzung beteiligen”, fordert Sachtleber.

Einen wichtigen Punkt erwähnen die Studienautoren vom “Trendbook Smarter Service”:

“Wenn Produkte immer mehr zu intelligenten Services werden und die vernetzte Erlebniswelt der Kunden die Gewinner auf den Märkten der Zukunft definieren, dann werden smarte Services zu überlebenswichtigen Erfolgsfaktoren.”

Thyssen als Menetekel

Es geht dabei nicht um “Software STATT Spoiler”, wie die Zeit titelte, sondern um Spoiler, Software UND Vernetzungsintelligenz. Inhaltlich liegt der Zeit-Redakteur Götz Hamann allerdings richtig. Selbst die Perlen der deutschen Industrie – also Autokonzerne und Maschinenbauer – sind nicht mehr unangreifbar. Wenn Apple jetzt bis zu tausend Autoexperten einstellt, sollte das in München, Wolfsburg, Stuttgart und Ingolstadt nicht mit naserümpfender Arroganz beantwortet werden. ”

Autos werden heute fast wie Handys und Computer gebaut. Man bestellt die Bauteile, besonders gern bei Continental, Bosch und ZF Friedrichshafen. Dann setzt man alles zusammen, wie es Volkswagen mit seinem Baukastenprinzip vormacht, und vermarktet das Auto. Die eigene Wertschöpfung liegt dadurch nur bei rund 25 Prozent”, so Hamann.

Warum sollte nicht auch Apple dazu in der Lage sein? Es geht nicht mehr um Ego-Produktion, sondern um Eco-Produktion, so das Credo von Netskill-Geschäftsführer Winfried Felser. Das ökonomische Design eines vernetzten Unternehmens ist ein Gesamtkunstwerk.

„Was macht der Komponist? Erfindet er die Noten neu? Nein. Erfindet er das Orchester neu? Nein. Muss der Komponist alle Instrumente des Orchesters spielen können? Auch nicht“, so Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship.

Vorhandenes müsse nur neu kombiniert werden. Über die Kombinatorik von Komponenten gewinnen vor allem neue Unternehmen eine Geschwindigkeit, von der industrielle Großkonzerne nur träumen können – mit einem sehr geringen Geschäftsrisiko. Das ist eine Zäsur. Ein Unternehmen wie ThyssenKrupp könne bei neuen Projekten Teile auslagern, wenn etwa in Thailand ein neues Zementwerk gebaut werden soll. Vieles kommt aber aus dem eigenen Haus zu entsprechend höheren Fixkosten. Wenn Faltin mit einem freien Ingenieurbüro gegen den Konzern antreten und die Expertise für den Bau des Zementwerks dazukaufen würde, wäre er bei der Schnelligkeit der Projektplanung und der Kostenkalkulation nicht zu schlagen. Faltin sagte das einem Diplom-Ingenieur von ThyssenKrupp auf einem Flug nach Asien. Der Konzernmanager nickte und gab die Antwort:

„Ich gehe in anderthalb Jahren in Pension.“

Das spielte sich 2007 ab. Schaut man sich die Entwicklung von ThyssenKrupp in den vergangenen Jahren an, wirkt der Gesprächsverlauf wie ein Menetekel, Herr Gabriel. Ein gutes Thema für unsere Sendereihe “Kompetenzgespräche” via Hangout on Air.

Nächsten Montag werde ich beim Webmontag in Frankfurt dazu einen kleinen Vortrag halten: Im Land der digitalen Bräsigkeit – Wie wir den Weg in die vernetzte Ökonomie versemmeln

Kurzfassung: Wo bleiben die Impulse in Wirtschaft und Politik, um uns von der Anachronismen der untergegangenen Industriewirtschaft zu befreien, wie es der Wirtschaftshistoriker Werner Abelshauser in seinem Standardwerk “Deutsche Wirtschaftsgeschichte seit 1945″ ausdrückt? Wo sind klare Konzepte für einen institutionellen Rahmen zu erkennen, um uns auf die Bedürfnisse der nachindustriellen Ära auszurichten?

Weder die wirtschaftlichen Eliten noch die öffentliche Meinung waren und sind sich der Realität bewusst, “dass schon Anfang der sechziger Jahre selbst bei stark rohstofforientierten Produzenten, wie der deutschen Großchemie, bis zu zwei Drittel der Wertschöpfung auf der Fähigkeit zur Anwendung von wissenschaftlich basierter Stoffumwandlungsprozesse beruhte”, schreibt Abelshauser in der erweiterten Auflage seines Opus.

Seit den neunziger Jahren sind mehr als 75 Prozent der Erwerbstätigen und ein ebenso hoher Prozentsatz der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung durch immaterielle und nachindustrielle Produktion entstanden. Die innere Uhr der politischen Entscheider ist immer noch auf die industrielle Produktion gepolt. Man merkt es an der wenig ambitionierten Digitalen Agenda der Bundesregierung, man erkennt es an den lausigen Akzenten, die in der Bildungspolitik gesetzt werden und man hört es bei den Sonntagsreden der Politiker, wenn es um Firmenansiedlungen geht. Es gibt keine Konzeption für eine vernetzte Ökonomie jenseits der industriellen Massenfertigung aus den Zeiten des Fordismus​.

Alles so viral hier: Wird Facebook das neue Youtube? – Thema bei #Bloggercamp.tv ab 20:15 Uhr

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Facebook greift Youtube an

Facebook greift Youtube an

Facebook hat in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im „Welt“-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten. Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft“, so Mendelsohn.

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zurzeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social-Web-Primus

So habe der Social-Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegtbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank-You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen. Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernst zu nehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

AdWeek berichtet von Budweiser, McDonald’s und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort Youtube-Links zu teilen.

Es geht um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft und hier wollen sich Youtube und Facebook ein großes Stück vom Kuchen sichern. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von Youtube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Noch hat allerdings Youtube die Nase vorn und die Video-Funktionen bei Facebook sind nicht wirklich smart, wie Marco Jahn konstatiert:

“Facebook fehlt leider noch einiges, um als Videoplattform zu taugen. Die Zahlen der Reichweite und Views sind gut, aber leider ist das Video nach einem Tag in den Tiefen der Timelines verschwunden. Des Weiteren lassen sich die Videos nicht gut außerhalb von Facebook verbreiten. Wir setzen für das Video-Marketing der Bundeswehr immer noch auf YouTube und haben dort jeden Monat über eine Million Views. Facebook-Videos setzen wir nur in Einzelfällen ein.”

Genug Stoff für unsere Bloggercamp.tv-Runde.

In der Sendung diskutieren: Roland Eisenbrand, Online Marketing Rockstars; Jannis Kucharz, netzfeuilleton.de; Marco Jahn, Freelancer; Gerhard Schröder, KreativeKK; Constantin Sohn, Informatikstudent und Gaming-Redakteur.

Die Moderation mache ich heute alleine, daher für Zwischenrufe während der Liveübertragung bitte nur die Frage-Antwort-Funktion von Google Plus einsetzen. Auf Twitter und Co. werde ich während der Sendung nicht schauen. Rechts oben auf Fragen-Button gehen, dann öffnet sich rechts das Fenster, um Beiträge posten zu können.

Facebook, Youtube und der Kampf um den Bewegtbild-Markt – Warum Video-Sternchen verglühen und die Werber wieder jubeln könnten

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subtile Jagd Mark Zuckerberg 053

Bislang redet jeder nur über Youtube, wenn über die Revolution des Bewegtbildes sinniert und der Niedergang des linearen Fernsehens prognostiziert wird. Da kommen dann die Youtube-Sterne und Sternchen zu Wort mit ihren fantastischen Abo-Zahlen, da wird ehrfürchtig von der Fanbase eines Sami Slimani berichtet, der mit Must-Haves über Augencreme, Duftkerzen, gesunden Eisrezepten und Motivations-Aphorismen für Schlagzeilen sorgt:

„Das Leben ist etwas Besonderes & unsere Zeit auch. Machen wir das Beste daraus.“ Oder: „Das Leben ist wie Hunger Games. Wer nicht kämpft, verliert.“

Danke, mein liebwertester Livesaver-Gichtling für diese lebensklugen Ratschläge, die irgendwie mein Leben verändern werden. Die Produzenten und Vermarktungs-Gurus des Youtube-Spektakels wie Mediakraft-Geschäftsführer Christoph Krachten träumen schon davon, größer als große Fernsehanstalten zu werden.

„Y-Titty, die Spaßvideofranken und mit drei Millionen Abos größten Zugpferde bei Mediakraft, verlassen das Haus ohnehin nur noch durch den Hinterausgang“, schreibt Wired, um nicht von kreischenden Fans in gut organisierten Schichten vor dem Haupteingang in den Wahnsinn getrieben zu werden.

So etwas nervt ja auch wirklich auf die Dauer. Mit zur Zeit rund 400 Millionen Views im Monat zählt das deutsche Youtube-Netzwerk Mediakraft auf der nach oben offenen Skala zu den Schwergewichten der Youtube-Szene.

Böhmermann erledigt Youtube-Stars

Mark Zuckerberg könnte den nuschelnden Strahlemann Slimani und viele andere Youtube-Macher wieder auf den Boden der Tatsachen reißen, wenn das vorher nicht schon Jan Böhmermann erledigt hätte.

Facebook hat jedenfalls in diesem Jahr eine Video-Offensive gestartet und jeder kann das auf seiner Timeline feststellen:

„Aktuell zählen wir über eine Milliarde Videoaufrufe von direkt auf Facebook hochgeladenen Videos pro Tag. Bewegtbild ist der aktuell wichtigste Trend in den sozialen Medien. Deswegen haben wir unsere Videofunktionen überarbeitet, zeigen jetzt etwa, wie oft ein Video gesehen wird, und ermöglichen denjenigen, die Videos hochladen, genauere Analysen“, so Facebook-Europachefin Nicola Mendelsohn im Welt-Interview.

Kurzfilme statt Fotos

Die Zahl der Videoproduktionen steigen im Zuckerberg-Imperium extrem an. Kurze Videos nehmen mittlerweile die Rolle ein, die digitale Fotos noch vor wenigen Jahren hatten.
Die Autoplay-Funktion, mit der Videos automatisch ohne Ton abgespielt werden, sobald sie in der Timeline auftauchen, spielt dabei eine große Rolle für die Steigerungsraten. Wer davon genervt sei, kann das abstellen oder anpassen, erläutert Mendelsohn. Auf dem Smartphone lässt sich Autoplay auf die Momente beschränken, in denen das Gerät mit einem WLAN verbunden ist, damit die Videos nicht das Datenvolumen der Nutzer im Mobilnetz belasten.

„Grundsätzlich gilt bei allen Innovationen von Facebook: Die Menschen können selbst entscheiden, ob sie das nutzen. Aber wir haben festgestellt, dass die Mehrzahl der Menschen das Autoplay-Feature annimmt und beim schnellen Scrollen durch die Neuigkeiten innehält, wenn dort ein für sie relevantes Video läuft.“

Für die Werbeindustrie ist das eine gute Botschaft, für Youtube-Stars eher nicht. Erlösmodelle, wie bei der Google-Tochter, bietet Facebook zur Zeit nicht an. Klickraten-Millionär kann man dort also nicht werden. Allen anderen ist das ziemlich wurscht, wenn es darum geht, virale Hits zu landen:

„Videos auf Facebook werden viel schneller geliked, kommentiert und geteilt. Dahinter steckt keinesfalls Zufall, sondern Kalkül von Facebook“, schreibt Netzfeuilleton-Blogger und Youtube-Kenner Jannis Kucharz.

Virale Hits beim Social Web-Primus

So habe der Social Web-Primus seinen Algorithmus angepasst, um den Nutzern mehr Videos im Stream anzuzeigen. Mit Erfolg. Immer mehr Content-Produzenten setzen auf die Bewegbild-Karte: Spätestens seit der Ice Bucket Challenge haben immer mehr Nutzer auch die Video-Funktion von Facebook für sich entdeckt und teilweise zum ersten Mal ein Video ins Netz gestellt, weiß Kucharz. Noch sind die Video-Funktionen für die Kurzfilme recht beschaulich und nicht vergleichbar mit den Möglichkeiten bei Youtube. Aber das kann sich mit neuen Features schnell ändern, wie die Thank You-Funktion beweist.

Nutzer werden gezielt dazu aufgefordert, Videos direkt auf Facebook hochzuladen https://www.facebook.com/gsohn/posts/10204198849583760/ . Lange Zeit galt Youtube als ultimative Plattform für Amateure mit ungeahnten Optionen für die Professionalisierung. Facebook positioniert sich als ernstzunehmende Alternative, um Videos einfach und schnell mit seinen Freunden zu teilen, bemerkt Kucharz.

Die eigentliche Bedrohung sieht er allerdings nicht bei den Amateuren, sondern bei den Profis wie BuzzFeed, die Videoclips zur Vermarktung einsetzen und Kooperationen mit Facebook abschließen. Inzwischen seien einige Marken dazu übergegangen, ihre Videos direkt auf Facebook hochzuladen.

Wer gewinnt 500 Milliarden Dollar?

„AdWeek berichtet von Budweiser, McDonalds und Beyoncé, die inzwischen ihre Videobeiträge lieber direkt auf Facebook hochladen, anstatt dort YouTube-Links zu teilen”, so Kucharz.

Spannend ist auch das neue Format des US-Senders ABC, das exklusiv auf Facebook läuft. In zwei Minuten berichet Anchorman David Muir über die Geschehnisse des Tages.

“The One Thing” heißt die Sendung, deren erste Folge bereits über 100.000 Mal bei Facebook angeklickt wurde, berichtet Meedia.

Die Facebook-Strategie zahlt sich bislang aus. Bis zum Oktober 2014 konnte der Konzern seine Unique Viewers um 10 Millionen steigern, erklärt Jan Firsching von Futurebiz. YouTube muss einen Verlust von rund 2,5 Millionen verbuchen. Der Abstand zwischen beiden Konkurrenten ist noch groß, aber der Vorsprung von Youtube schmilzt. Facebook wird mit seiner Video-Politik nicht am Status quo festhalten und weitere Verbesserungen für Bewegtbild-Produzenten bieten, schließlich geht es um ein 500 Milliarden Dollar schweres Werbegeschäft. Facebook könnte mit der Autoplay-Funktion in der Timeline besser geeignet sein, Nutzer nebenbei mit einer Werbebotschaft in Verbindung zu bringen, als das Konzept von YouTube, das Nutzer die Werbung nach wenigen Sekunden überspringen lässt, resümiert Kucharz.

Wer wird dann noch über die nuschligen Creme-Tipps von Slimani reden?

Ob Facebook zum neuen Youtube wird, wollen wir in der nächsten Woche bei Bloggercamp.tv erörtern.

Wer als Talkgast dabei sein möchte, kann sich bei mir melden. Böhmermann versus Slimani wäre doch eine fantastische Konstellation.

In unserer kleinen Show mit dem Google-Dienst (!) Hangout on Air gelten ja Barcamp-Prinzipien. Also meldet Euch.

Wenn sich jetzt noch die Marketing-Politik vieler Firmen vom Einwegkommunikations-Modus auf Facebook verabschieden würde, könnte noch mehr Dynamik im Wettbewerb der sozialen Netzwerke entstehen.

Von so einem Erfolg kann Facebook bislang nur träumen:

We never thought a video would be watched in numbers greater than a 32-bit integer (=2,147,483,647 views), but that was before we met PSY. “Gangnam Style” has been viewed so many times we have to upgrade!

Spannendes Projekt: Wire – Die Macher von Skype starten neue Kommunikationsplattform.

Unternehmen als soziales Laboratorium – Abschied von den McKinsey-Schnelldusch-Managern der Deutschland AG #nöcbn

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Schönes Thema für die nächste netzökonomische Käsekuchen-Runde

Schönes Thema für die nächste netzökonomische Käsekuchen-Runde

Es kann ja noch so viele Mimikry-Aktivitäten von deutschen Unternehmen in sozialen Netzwerken geben. Nach innen sind die Organisationen alles andere als social, offen und vernetzt. Das brachte ich in meiner The European-Kolumne zum Ausdruck: Digitalisierung, Internet und soziale Netzwerke erfordern neue Führungsprinzipien, lautet die zentrale These des neuen Buchs „Management by Internet“ von Willms Buhse. Die Technik stehe dabei gar nicht im Vordergrund. Viel wichtiger seien Änderungen jener Mentalitäten und Organisationsformen, die den Arbeitsalltag der meisten Menschen in Deutschland prägen.

“Zentral gelenkte, hierarchische Organisationen sind in ihrer starren Verfasstheit kaum in der Lage, angemessen auf Veränderungen zu reagieren. Es geht darum, Unternehmen agiler zu machen, ihnen Freiraum für selbst organisiertes Arbeiten zu schaffen”, erläutert der Enterprise-2.0-Experte.

Die bittere Realität in deutschen Unternehmen bringt Ex-Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger auf den Punkt:

“Noch immer herrscht das Bild vor, dass man auch gesellschaftliche wie menschliche Herausforderungen wie ein Ingenieur oder Techniker lösen kann. Auch deshalb hält sich das internationale Ansehen der deutschen Führungskräfte in Grenzen. Sie gelten als eher stur, nüchtern, extrem sachlich und wenig beziehungsorientiert.”

Wir brauchen daher viel mehr Unternehmenslenker, die mit Mut echte soziale Laboratorien schaffen, wo zumindest schon einmal in einigen Bereichen die Arbeitskultur radikal auf den Prüfstand gestellt wird.

“Sei es durch direkte Wahl von Vorgesetzten, sei es durch neue souveränitätseinräumende Arbeitszeitkonzepte, sei es durch das Rekrutieren neuer Mitarbeiter durch das suchende Team und nicht durch die Personalabteilung, sei es durch praktische Reduzierung der Einkommensspreizung, sei es durch Laboratorien, in denen Bürger die Entwicklung des Unternehmens mitdiskutieren”, sagt Sattelberger im Gespräch mit Xing.

Und dann folgt eine Passage, die sich die Dax-Vorstände hinter den Spiegel stecken können: Wir brauchen mehr Diversität an den Unternehmensspitzen.

“Das Klonen in deutschen Chefetagen ist extrem ausgeprägt. Viele Topmanager sind deutsche, weiße, männliche, ähnlich ausgebildete Konzerngewächse, meist mit einem ansehnlichen ‘McKinsey & Co’-Hintergrund, die dann eine lineare, gleichförmig verlaufende Schnelldusche als Manager in Hauptverwaltungen absolviert haben. Die Topmanager heute sind zwar akademischer als früher, aber damit nicht unbedingt gebildeter. Statt vieler Patriarchen haben wir jetzt mehr Technokraten in den Konzernen.”

Dingdong. Es seien eben nur leitende Angestellte und keine echten Unternehmer. Nur 4 Prozent der DAX30-Vorstände haben je unternehmerische Erfahrung gesammelt. Insbesondere was die Unternehmensführung angeht, werde in DAX30-Konzernen oder auch in GmbHs vieles nicht ohne weiteres möglich sein – das verhindern derzeit allein schon rechtliche Rahmenbedingungen, wie etwa das Aktiengesetz. Auch die Corporate Governance Vorgaben seien zu weich und zu schwammig.

Wie kann man diese Verkrustungen wirklich aufbrechen? Irgendwelche Facebook-Fanseiten ändern hier gar nichts. Das ist reines Marketing-Einweg-Gedöns. Wenn wir die nächste netzökonomische Käsekuchen-Runde einläuten, würde ich gerne die geklonten McKinsey-Schnelldusch-Manager der Deutschland AG in den Vordergrund rücken.

Über die Kanzlerin muss man wohl nicht groß reden: Merkel fühlt sich im Neuland verfolgt.