Wenn Warteschleifen öffentlich werden – @Telekom_hilft im Kundendialog mit @nifoc_

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Statt Hotline-Terror nun Twitter-Terror

Statt Hotline-Terror nun Twitter-Terror

Ich bin hier ja schon häufig darauf eingegangen, warum Service-Anbieter den netzöffentlichen Dialog mit Kunden hassen und sich lieber wieder in ihren anonymen Hotline-Höhlen verkriechen würden. Dumm nur, dass sich die Kunden darauf nicht einlassen. Und wenn dann ein Unternehmen wie die Telekom in sozialen Netzwerken Anlaufstellen für den Dienst am Kunden bietet und dennoch in der Organisation nicht für reibungsloses Kundenmanagement sorgt, sind die negativen Netzwerkeffekte noch verheerender.

Was Daniel Kempkens in schönster Twitter-Prosa mit @Telekom_hilft seit acht (!) Monaten wegen eines profanen Router-Problems erlebt, stellt selbst den legendären Buchbinder Wanninger in den Schatten.

Bei Schlecky Silberstein kann man das absurdeste Kundengespräch der Welt in voller Pracht genießen.

Hier noch die Reaktion des Social Media-Teams von @Telekom_hilft

Man sollte diesen Twitter-Diskurs als Hörbuch rausbringen oder einen Song komponieren oder so.

Share Economy: Wie sich die Normen der Industriekultur auflösen – Vernetzung statt Abschottung @kainoertemann

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Die gute alte Zeit - Neckermann macht's möglich und so...

Die gute alte Zeit – Neckermann macht’s möglich und so…rechts sitzt übrigens meine Schwester und links ihre beste Freundin. Und so richtig glücklich machte mich das anscheinend nicht ;-)

Was viele Kritiker der Share Economy als naiv abtun, ist volkswirtschaftlich ein zentraler Effekt der Digitalisierung: Die Anwendung und der Nutzen von Produkten werden wichtiger als der Besitz. Das ganze Szenario spielt sich bei drastisch sinkenden Transaktions- und Grenzkosten ab. „Zugang vor Besitz“, wie es der Internet-Vordenker Jeremy Rifkin in seinem zugespitzten Opus „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ beschreibt, breitet sich auf alle Bereiche der Ökonomie aus, fernab von altruistischen oder neoliberalen Sandkasten-Spielchen. Selbst weltweit operierende Unternehmen reagieren auf den Wechsel von Eigentum auf Zugang, indem sie sich stärker als sogenannte „Solution Provider“ positionieren – als Anbieter von Komplett-Lösungen. Was wir erleben und endlich ohne Wehklagen zur Kenntnis nehmen sollten, so Professor Peter Wippermann vom Hamburger Trendbüro, ist die Auflösung von Normen der Industriekultur. Es geht um die Individualisierung des Konsums. Anbieter können sich nicht mehr hinter Industrielobbyisten, Schutzrechten, Meisterbriefen und Innungen verstecken, sondern müssen sich stärker auf die individuellen Präferenzen der Konsumenten ausrichten.

Handelskonzerne werden entmachtet

Globale oder regionale Plattformen ermöglichen es jedem Einzelnen, Kontakte zu Anbietern aufzunehmen, die früher nicht möglich waren, betont Wippermann im ichsagmal.com-Interview. Über mobile Applikationen bekommt man Auswahlsysteme, um selber mit Knopfdruck Konsumentscheidungen zu treffen, ohne staatliche Vorgaben und Platzhirsch-Gebaren von Dienstleistern und Produzenten. Globale und lokale Plattformen bauen Hierarchien ab, die normalerweise von Händlern und Produzenten gehegt und gepflegt werden. Deshalb geht die Kritik am Plattform-Kapitalismus, der mächtige Meta-Händler hervorbringt, wie es Sascha Lobo in seiner „Spiegel“-Kolumne skizziert, an der Realität vorbei. Wir erleben tatsächlich ein Ende der klassischen Mittelsmänner, die über Preisdiktate ihre Dominanz zelebrierten. Beispielsweise die fünf großen Handelskonzerne in Deutschland, die immer noch rund 80 Prozent des Marktes beherrschen und mit ihrer Einkaufsmacht nach Belieben in den so genannten Herbstgesprächen Produzenten knechten – auch Markenartikler.

Uber, eBay, Amazon und lokale Netzwerke sind nach Ansicht des Kölner Wirtschaftshistorikers Klemens Skibicki in erster Linie perfekte Matching-Plattformen, um Anbieter und potenzielle Käufer in Verbindung zu bringen. Bei den globalen Plattformen besteht das erste Mal auch für kleine Manufakturen und Dienstleister die Möglichkeit, weltweit die eigenen Produkte zu vermarkten und direkt mit Kunden in Kontakt zu treten. Mit den Handelskonzernen war dies nicht möglich.

Ökonomische Debatte ohne ökonomisches Wissen

Was wir im Streit um die Share Economy erleben, sei eher eine Vulgarisierung der ökonomischen Debatte, kritisiert Skibicki, Professor für Economics, Marketing und Marktforschung an der Cologne Business School. Man argumentiere mit Kampfformeln, aber nicht mit volkswirtschaftlichen Kenntnissen. Etwa bei Begriffen wie Dumping-Preisen oder Dumping-Löhnen oder der von Sascha Lobo beschriebenen Dumping-Hölle, die uns die Netz-Plattformen bescheren.

„Dumping bedeutet, dass ich unterhalb meiner Kosten anbiete, um Konkurrenten zu verdrängen. Das kann man in jedem VWL-Lexikon nachschlagen.“

In Wahrheit gehe es um die Senkung der Transaktionskosten.

„Anbieter und Nachfrager können sich so einfach finden wie nie zuvor. Viele Zwischeninstanzen sind nicht mehr nötig“, sagt Skibicki.

Selbst in der Autoindustrie hätten das viele Unternehmen verstanden und investieren ins Car Sharing. Sie sehen sich immer weniger als Automobilhersteller, sondern mehr als Transportunternehmer oder Dienstleister für Mobilität.

Wer nicht clever ist, den fressen Uber und Co.

Viele andere Branchen seien nicht so clever, um sich aus eigenem Antrieb zu reformieren. Genau in diese Lücke würden dann aggressive Neulinge wie Uber und Airbnb stoßen. Die Voraussetzungen sind für eine Ökonomie des Teilen sind jedenfalls wesentlich besser, als es sich der Ökonom Martin Lawrence Weitzman in den 1980er-Jahren vorstellen konnte. Er zählt aus gutem Grund mit seinem Werk „The Share Economy: Conquering Stagflation” zu den Ideengebern einer politischen Ökonomie des Teilens. Fernab von sozialutopischen Vorstellungen hat Jeff Jarvis die Möglichkeiten der Share Economy in seinem Buch „Mehr Transparenz wagen!” in der Kundenkommunikation auf den Punkt gebracht:

Das radikal öffentliche Unternehmen ermutigt seine Angestellten, die Tools der sozialen Netze zu nutzen, direkte und offene Beziehungen mit den Kunden zu unterhalten, indem sie Fragen beantworten, sich Vorschläge anhören und umsetzen, Probleme lösen und Produkte verbessern.

Theoretisch. In der Praxis dominieren die Zuchtmeister des Controllings, die sich mit einer Kultur der Offenheit, des Teilens und der Mitbestimmung nicht anfreunden wollen. Sie verkriechen sich hinter Schutzrechten, Abstimmungsschleifen, Sprachregelungen und einem Dirigentenstab. Selbst jene, die die digitale Transformation in Schaufensterreden und Keynotes predigen.

Die Systeme von Wirtschaft und Politik gleichen mehr einer Gruppe von Inseln, die durch das Meer von Inkompatibilität, unterschiedlicher Formate und Medienbrüche gekennzeichnet ist, bemerkt der Publizist Tim Cole. Man gießt kräftig analogen Wein in die digitalen Schläuche, um einen Rest von Kontrolle zu bewahren – scheitern dann diese Geschäftsmodelle mit Käfighaltung, liegt es an der digitalen Sphäre, nicht an den Hohepriestern der Abschottung: Etwa bei E-Books, die nicht weitergegeben werden dürfen und irgendwann verschwinden, falls der Rechteinhaber es so beschließt. Verleihen geht auch nicht. Wer gibt denn freiwillig seine Accountdaten mit den vielen Sonderzeichen in den Passwörtern weiter? Einfach den Anbieter wechseln? Sofort erscheint eine Warnmeldung:

„Bitte beachten Sie, dass Sie bei DRM-geschützten Titeln nicht nur die ACSM-Ticketdatei laden, sondern diese auch via Adobe-ID lizenzieren und aktivieren müssen“.

In der Kundenkommunikation sollte man so schnell eine Kultur für Open Services entwickeln. Offenheit und Partizipation scheuen die meisten Anbieter allerdings wie der Teufel das Weihwasser.

“Unternehmen sehen Kritik naturgemäß lieber in den dafür vorgesehenen Beschwerdekanälen, wo sie für die Außenwelt unsichtbar bleiben. Bei Twitter hingegen ist die Kritik öffentlich und lässt sich auch nicht einfach löschen wie zum Beispiel auf Facebook-Unternehmensseiten. Verbraucher haben damit einen Hebel, Unternehmen zu einer Reaktion zu bewegen”, so Kathrin Passig in einem Beitrag für das Buch “Die Kunst des Zwitscherns” (erschienen im Residenz Verlag).

Microblogging wirke wie ein Transmissionsriemen. Es sei viel einfacher geworden, eine Information sehr breit zu streuen. Als Beispiel nennt Passig wir-sind-einzelfall.de.

„Der Initiator hatte immer schlechteren Handyempfang, wurde aber von 02 als ‘Einzelfall’ abgetan.”

Nach dem Aufruf über Twitter war der Kunde nicht mehr allein. Innerhalb weniger Wochen kamen auf der Website 10.000 solcher „Einzelfälle” zusammen. So kann aus der von Firmen so geliebten Hotline-Anonymität ein Sturm der Entrüstung losgetreten werden: Ein Einzelfall für alle.

Postings zu einem defekten DSL Router beim Twitter-Account der Telekom können von vielen Kunden und Interessierten wahrgenommen und weitergegeben werden. Oder die Problemlösung kommt von einem anderen Kunden, ganz ohne Beteiligung eines Mitarbeiters. In der „Global CMO Study“ von IBM wird erwähnt, dass vier von zehn Kunden im Geschäft stehend mittels ihres Smartphones Bewertungen über Produkte abfragen, um sich begleitend zur Beratung des Verkäufers weitere Infos von der der Community zu holen. Gegen diese Bewertungen können Unternehmen nach Einschätzung von Daniel Backhaus nichts ausrichten. So etwas lässt sich nicht verbieten.

„Die ‚DNA‘ des Social Web besteht ja geradezu darin, dass Individuen ohne technische Hürden publizieren.”

In Bild, Ton und Schrift, auch live via Hangout on Air wie die Beschwerde eines Apple-Kunden über das gebogene iPhone 5 seines Sohnes. Angeblich sei die Krümmung durch einen Anwendungsfehler entstanden, der zum Garantieausschluss führt. Wenn der Nutzer das Gerät in seine Hosentasche steckt und einer Temperatur von 35 Grad aussetzt, kann es zur Deformation führen. Die Kosten für eine Reparatur müsse daher der Kunde bezahlen. Nun wird kaum ein Anwender das Binnenklima seiner Kleidung messen. Sollte das wirklich die offizielle Position eines Weltkonzerns sein, ist das wohl nur als schlechter Scherz zu verbuchen. Was passiert eigentlich im Sommer bei 40 Grad im Schatten? Müssen iPhone-Besitzer dann Kühlschläuche mitführen? Das Video erfreute sich übrigens immer noch einer großen Popularität mit Kommentaren auf Youtube, die sich gewaschen haben. Um Anbieter vollends in den Wahnsinn zu treiben, empfiehlt Spiegel-Kolumnist Tom König König eine Social-Web-Guerilla-Taktik:

„Nehmen wir an, Sie ärgern sich über die unverschämt hohen Gebühren, die Ihre Bank für eine Transaktion berechnet hat. Sagen Sie es nicht dem Schalterfuzzi. Schreiben Sie keinen Brief an das Servicecenter. Machen Sie stattdessen ein Foto Ihres Kontoauszugs und posten Sie es bei Flickr oder Twitpic, mit der Überschrift: ‚Kundenabzocke bei der Sparkasse Dödelsberg‘.“

Wenn dann der Kundendialog immer noch verweigert wird, ist das wie ein Sechser im Lotto. Dann kann man den Anbieter zur Schlachtbank führen:

„Ich dachte, das hier ist eine Social-Media-Seite für menschlichen Kundendialog! Ich habe ganz höflich eine individuelle Frage gestellt und möchte nicht mit vorgefertigten Satzbausteinen aus der Rechtsabteilung abgespeist werden, sondern eine individuelle Antwort erhalten. Alles andere wäre eine Frechheit. Ich bitte deshalb nochmals um Erklärung, warum ich für diese Standardtransaktion 17 Euro zahlen soll.“

Noch schöner ist es, wenn der Anbieter den Eintrag löscht, um in die nächste Runde des Partisanen-Kampfes eintreten zu können:

„Denn als findiger Guerilla-Kunde hatten Sie von Ihrem Facebook-Posting natürlich einen Screenshot gemacht. Und deshalb können Sie jetzt beweisen, dass die Sparkasse Dödelsberg ein Gegner der verfassungsmäßig verbrieften Meinungsfreiheit ist.“

Das geht so lange weiter, bis das Anliegen erfüllt wird. Der vernetzte Kunde in einer Share Economy ist mächtiger denn je. Gute Gründe, aus den Hotline-Silos so langsam herauszukriechen und perfekt vernetzte sowie offene Service-Konzepte zu entwickeln.

Soweit mein Beitrag für die Blogparade von Brightone.

Nicht nur Politik und Wirtschaft laufen der Vernetzung hinterher, auch die BWLer #nöcbn

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Wo sind die deutschen Internet-Visionäre?

Wo sind die deutschen Internet-Visionäre?

Stichworte wie industrielles Internet, Industrie 4.0, Smart Cities und die Aktivitäten der Silicon Valley-Giganten betreffen mittlerweile jedes Unternehmen, ob klein oder groß, ob produzierendes Gewerbe oder Dienstleistungen.

„Da schaut man zuerst auf Arbeiten der Wirtschaftswissenschaften, um Orientierungshilfe zu bekommen, wie die Welt der digitalen Transformation für das Management begreifbar und besser handelbar wird und wie ein Unternehmen in der digitalen Ökonomie bestehen kann“, schreibt Arno Rolf, Professor für Informatiksysteme in Organisationen und Gesellschaft, in einem FAZ-Gastbeitrag.

Das Objekt der Betriebswirtschaftslehre sei nicht mehr allein die einzelne Unternehmung.

„Der Fokus ist auch auf ihre Einbindung in Netzwerke gerichtet. In Netzwerkorganisationen haben einzelne Unternehmen keine scharf umrissenen Grenzen mehr“, so der Uni-Professor aus Hamburg.

Ein Rückzug auf die „Kernkompetenzen“ eines Unternehmens funktioniert nicht mehr. Da vieles nicht mehr selbst entwickelt und hergestellt, sondern an Spezialisten im Netzwerk ausgelagert werde, hat das Management vor allem die Aufgabe, die richtigen externen Netzwerkpartner zu finden, zu koordinieren und bei der Stange zu halten.

Erfolgreich seien jene Organisationen, die neue Netze knüpfen, Projekte wechseln, neuen Knoten im Netz Bedeutung geben und nationale Grenzen überschreiten. „Die fehlende Vernetzung eines Akteurs kann schnell zum Ausschluss führen. Tradierte Hierarchien werden nicht überflüssig, sie sind aber unsichtbarer geworden“, so Rolf. Begrenzungen fallen über weltweit verteilte Rechner weg:

„Die Nutzer – Unternehmen, private Nutzer, Verbraucher, Lieferanten, Regionen oder staatliche Behörden – werden zu Knoten im Netz und arbeiten über das Internet zusammen. Die Netze haben offene Strukturen, können grenzenlos expandieren, neue Knoten einbeziehen und überflüssige rasch abschalten.“

Was in der Forschung noch schwach ausgebildet sei, ist die ungeheure Dynamik der digitalen Transformation mit ihren ständig neu aufkommenden Trends in der Informationstechnik und der Angriffslust der Internetkonzerne aus dem Silicon Valley. Sie seien es in erster Linie, die die Umwelt volatil und komplex machen.

„Für diese Entwicklung hat weder die Business-Ecosystems-Forschung noch die Betriebswirtschaftslehre bislang befriedigende Antworten. Dafür braucht es ganz neue Konzepte und Methoden, und neue Metaphern müssen her, weil beispielsweise aus den klassischen linearen Strukturen wie Supply Chains oder Value Chains (Wertschöpfungsketten) dynamische Value Networks (Wertschöpfungsnetze) werden (Zhang, Jianliang/Fan Yushun: Current State and Research Trends on Business Ecosystem)“, erläutert der Informatiker.

Reiche das Business-Ecosystem-Leitbild aus, um eine der drängenden Fragen der Wirtschaftswissenschaften, den steilen Aufstieg der Internetgiganten Google und Co. zu verstehen und die Folgen für die traditionellen Unternehmen abzuschätzen und daraus Schlüsse und Erkenntnisse für die Strategien des Managements zu ziehen?

Welche Antworten hat man auf die „Tsunami-Strategien” der Internetgiganten Google, Amazon, Facebook, Apple und Co, die mit ihren Angeboten fast alle Branchen überrollen. Man würde gern wissen, ob die aktuelle ökonomische Forschung diesen Vorgang im Schumpeterschen Sinne als schöpferische Zerstörung einschätzt oder dafür eine neue Metapher gefunden werden müsse.

Eine Herausforderung werde der mit Internet, Smartphones und Applikationen (Apps) einhergehende Kulturwandel sein.

„Bislang setzt die Betriebswirtschaftslehre eher auf hierarchische Modelle. Eine zentrale Instanz müsse alles im Griff haben. Mit den neuen Techniken ist eine Mitmachkultur entstanden, die in alle Generationen hineinflutet und mit einem enormen Zugewinn an Bequemlichkeit und Komfort für die Nutzer verbunden ist; für manche auch mit der Möglichkeit, selbständig in Start-ups arbeiten zu können. Diese Alltagsattraktivität ist der Grund für eine bislang nie dagewesene Technikakzeptanz“, meint Rolf – was vielleicht für die Gründerszene gilt, nicht jedoch für die politischen Akteure.

Es seien vor allem die Start-ups mit ihren hierarchiearmen Projektorganisationen, die die Innovationen vorantreiben.

„Sie sind heute vielfach die Impulsgeber und Schöpfer von Innovationen für große Unternehmen, die sich mit ihren Bürokratien teilweise lahmlegen“, resümiert Rolf.

Die klassische BWL liefert für die digitale Transformation weder Modelle, Methoden noch Metaphern. Vielleicht sollte man spezielle Lehrstühle für Netzökonomie etablieren, um die Wirkungen des Plattform-Kapitalismus, wie es Sascha Lobo formulierte, zu untersuchen.

Autoland bald abgebrannt?

Autoland bald abgebrannt?

Technikbasierte Unternehmen wie Google machen jedenfalls vor keiner Branche und vor keinem etablierten Unternehmen halt – selbst die deutsche Autoindustrie wird das zu spüren bekommen. Siehe: Google macht Zukunft – auch in der Industrie: Und Deutschland?

Ob die alten Regeln, die in Deutschland gelten, noch zeitgemäß sind, analysiert Professor Klemens Skibicki:

Mit dem Netzökonomie-Campus, der am Sonntag startet, möchte ich eine neue Debatte anstoßen, die dann über Tagungen, Studien, E-Books, Workshops, Barcamps, virtuellen Expertenrunden via Hangout on Air weitergeführt werden kann.

Der Diskurs startet am Sonntag bei Kaffee und Kuchen um 16 Uhr und wird live übertragen. Hashtag für Zwischenrufe #nöcbn – steht für Netzökonomie-Campus Bonn. Ihr könnte natürlich auch die Frage-Antwort-Funktion auf der Eventseite benutzen.

Siehe auch:

Datenverkehr nur mit Nummernschild.

Symbol für die digitale Inkompetenz: Leistungsschutzrecht.

Weltweit führende Belanglosigkeit: Corporate Blog als Zweitverwertungs-Müllkippe

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Schönwetter-Posen bringen keinen relevanten Content

Schönwetter-Posen bringen keinen relevanten Content

Michaela Brandl hat noch einmal zusammen getragen, warum Corporate Blogs nicht funktionieren: Es mangelt an relevantem Content, es fehlt eine offene Kommunikationskultur, Autoren bekommen keine Entscheidungskompetenz, Ziele sind unklar definiert, der Aufwand wird unterschätzt und Blogs leiden unter einem Silo-Dasein fernab des wirtschaftlichen Geschehens in Organisationen.

Unternehmensblogs werden zu Zweitverwertungs-Deponien von weltweit führenden und gut aufgestellten PR-Marketing-Bullshit-Dämlichkeiten degradiert.

Dafür könne aber das Format “Corporate Blog” nichts, meint Brandl, wenn Firmen-Kommunikatoren mit weichgespülten und aufgehübschten Powerpoint-Nichtigkeiten aufwarten. Woher soll aber der relevante Content kommen, wenn die gleichen PR-Nasen bei Pressemitteilungen und öffentlichen Auftritten mit semantischen Leerformeln und Plastikdeutsch glänzen? Wenn das Top-Management von der Relevanz der Außenkommunikation via Blogs nicht bis in die Zehenspitzen überzeugt ist, misslingt die Operation “Corporate Blogs”. Aus dem gleichen Grund landen 99 Prozent aller Pressemitteilungen im Müllschlucker.

“Ich denke, den meisten Kommunikationsverantwortlichen ist inzwischen klar, dass in ein Blog keine Presseinfos gehören und dass es als langfristiges Engagement kontinuierlich Ressourcen erfordert”, schreibt Michaela Brandl.

Ist das wirklich so? Wer bei Pressetexten, Broschüren und Powerpoint-Präsentationen nur Content-Attacken der Selbstbeweihräucherung ablaufen lässt, kann nicht gleichzeitig in einem anderen Format zu einem Gott der Relevanz und Verständlichkeit aufsteigen. In meiner The European-Kolumne, auf die Michaela Brandl verweist, habe ich das etwas ausführlicher dargelegt:

Es gibt eindeutig identifizierbare Nachrichtenfaktoren, die für Aufmerksamkeit sorgen oder eben nicht: Schwellenfaktor eines Ereignisses, Eindeutigkeit der Nachricht, Tragweite, Überraschung, Kontinuität (rauscht etwas wie ein Lauffeuer durch die Öffentlichkeit – Mem-Stärke würde ich das nennen), Personalisierung und Negativismus (Konflikt und Kontroverse – ja die Welt ist eben keine Hollywood-Schaukel). Alles andere ist halt die Schönwetter-Sauce von PR und Marketing, die täglich ins Netz und in die Mail-Accounts gegossen wird. Wasch mich, aber mach mich nicht nass.

Dabei könnte die Wirtschaftswelt so viel schöner sein, sagt Ralf Schwartz. Gefordert seien Mut, Rückgrat und Selbstbewusstsein, unsere Persönlichkeit auszubilden, uns zu messen an ungeschriebenen Gesetzen:

„Der Vielfalt zu huldigen, statt immer wieder nur dieser elenden Droge Einfalt. Ich kann so lange predigen, wie ich will – zum Beispiel in der ,Wirtschaftswoche‘-Kolumne mit dem Titel ‚Werbung muss wieder Kunst werden‘ – nichts wird passieren, wenn nicht der letzte meiner Punkte Realität wird und der Manager des Status quo endlich zum Mäzen des Neuen wird. Warum Manager sich das nicht trauen? Nun, weil sie niemanden über sich wissen, der ihnen den Rücken freihält, wenn es eng wird. Niemanden, der ihnen Mut macht, sie Fehler und Erfahrungen machen lässt, zum Wohle des Produktes, der Marke, des Unternehmens.“

Genau das ist der Grund, warum wiederum diese liebwertesten Gichtlinge des Top-Managements ihren eigenen Mitarbeitern keinen Mut machen, ihnen keine Carte blanche geben, kein Spielfeld, um sich die Hörner abzustoßen und in neue Erfahrungen zu investieren. Stattdessen produzieren sie Ladenhüter. Nach innen und außen.

Blogs könnten zur kommunikativen Schaltzentrale für Wissensmanagement und Kundenservice in Unternehmen aufsteigen. Sachlich, mit hohem Nachrichtenwert, diskussionsfreudig und offen. Wie lassen sich Produkte und Dienste verbessern, wie verständlich sind neue Produkte und Dienste, was ist in der eigenen Branche los, was muss wirtschaftspolitisch anders gemacht werden (etwa schnelles Internet für dezentrales Arbeiten), mit welcher Qualifikation sollten sich Nachwuchskräfte bewerben, wie kann man die Beziehung zu Power-Usern organisieren, was wird im Netz über die eigene Organisation publiziert, was sagen Youtuber über unsere Angebote (Erklärvideos, Unboxing-Gags, Testreihen könnten in Blogs sehr schön kuratiert werden) und, und, und.

Wenn wir über Sinn und Unsinn von Corporate Blogs diskutieren, sollten wir konkreter werden. Kennt Ihr positive Beispiele, die über das PR-Dünnbrettboher-Niveau hinausgehen? Darüber würde ich gerne mit Euch sprechen in Live-Interviews via Hangout on Air. Für die Hangouts solltet Ihr dann direkt konkrete Beispiele mitbringen.

Kontaktiert mich einfach über Blog-Kommentare, Twitter, Facebook, Google Plus oder E-Mail: gunnareriksohn@gmail.com

Siehe auch:

Mal ehrlich: Corporate Blogs funktionieren nicht!

Auch wichtig: Fast zwei Drittel der von Karrierebibel untersuchten Blogs von DAX-Konzernen können keine Kommentare vorweisen. Der Rest erhält im Schnitt zwei magere Reaktionen. Nur fünf Blogs kommen auf drei und mehr Kommentare pro Beitrag.

Die besten Interaktionen erzielen Gastautoren – was mich jetzt nicht verwundert bei dem weltweit führenden Hochglanzbroschüren-Gequatsche der meisten Firmen. Ich verstehe nicht, warum Unternehmen nicht in der Lage sind, ihre fachliche Expertise ohne Werbe- oder PR-Schwafelei zu kommunizieren. Captcha-Codes und nervige Disqus-Tools in den Kommentarfunktionen sind weitere Stolpersteine für Dialoge. Häufig steckt hinter den Unternehmensblogs gar keine Blogtechnologie (sollte man auch mal ausführlicher analyisieren).

Und auch für die Kundenkommunikation im Social Web wichtig: Eine Im Netz leben wir nicht unter Käseglocken, sondern sogar politisch vielfältiger als im normalen Leben.

Wie man übrigens richtig auf Kundenanfragen reagiert, zeigt meine blumige Intervention auf Facebook.