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Tag: 14. Mai 2013
Google Glass: Stasi-Brille oder nützlicher Assistent? Ausblick auf meine morgige Kolumne
Noch ist die Datenbrille „Google Glass“ nicht auf dem Markt, da erklingen in Deutschland schon die Alarmglocken. Die staatlichen Datenschützer bringen sich in Position und warnen vor dem so genannten „Lifelogging“, also dem unbemerkten Aufzeichnen von vertraulichen Gesprächen. Das Rechtssystem sei auf das Ausspähen der Umgebung nicht vorbereitet.
Selbst auf der Berliner Digitalkonferenz re:publica, die sich für neue technologische Entwicklungen zu begeistern pflegt, stößt das smarte Brillengestell des Suchmaschinen-Giganten auf Skepsis, wie mein Bloggercamp-Kollege Hannes Schleeh in einem Feldtest feststellte.
Drei Tage beglückte er das Nerd-Treffen mit einem Replikat und provozierte nicht nur wohlwollende Kommentare. So fragte der Chef der Gastronomie erbost:
„Nimmst Du mich jetzt auf, oder was?“
Auf Twitter gab es eine Flut von Reaktionen. Hier nur drei Beispiele:
„Ob den Leuten, die ihre #googleglass aufm Kopf tragen, bewusst ist, wie bescheuert das aussieht?“
„Habe jemandem auf der #rp13 die Brille aus dem Gesicht gerissen und zertreten. War leider gar kein Google Glass.“
„Irgendwie fühle ich immer ein Unbehagen, wenn mir jemand mit #googleglass entgegenkommt, wie auf der #rp13, etwa als wäre es Röntgenbrille.“
Führte das Street View-Projekt von Google zu höchst bizarren Abwehrkämpfen von Hausfassaden, Gartenzwergen im Vorgarten und Verpixelungs-Initiativen zur Unkenntlichmachung von Jägerzäunen, wird die Brillenvariante zu einem noch größeren Sturm der Empörung beitragen: Schlagzeilen wie „Stasi-Brille belästigt Otto-Normal-Verbraucher“ oder „Spionage-Spielzeug für Stalker und Spanner“ sind vorprogrammiert.
Liebwerteste Gichtlinge der Bild-Zeitung, für diese Schlagzeilen beantrage ich übrigens Leistungsschutzrecht!
Aber selbst Google-Chairman Eric Schmidt und Google Ideas-Direktor Jared Cohen greifen in ihrem neuen Opus „Die Vernetzung der Welt“ zum Vokabular von billigen Agenten-Filmen, um den Nutzen der Wunder-Brille zu beschreiben. So könnte man in Kombination mit einer Armbanduhr frühzeitig Religionswächter oder Agenten der Geheimpolizei verorten. Kein Scherz, das haben die beiden Autoren so formuliert. Die Uhr kommuniziert über GPS-Daten den Standort ihres Trägers und die Datenbrille stellt fest, aus welcher Richtung ein Agent kommt. Mehr ist den Google-Topmanagern auf 441 Seiten nicht eingefallen. Kein Wunder, dass die Phantasie wuchert.
Damit der Nutzen von elektronischen Assistenten (ich wollte schon Agenten schreiben) nicht vollends vor die Hunde geht, sollten potenzielle Anwender von intelligenten Gadgets schon jetzt über neue Formen der Höflichkeit nachdenken, fordert der Blogger Gerhard Schröder im ichsagmal.com-Interview.
Wir können darauf warten, was der Gesetzgeber zu Google Glass sagt. Besser wäre es, als Zivilgesellschaft über freiwillige Regeln nachzudenken. Wer bei der Blogparade bis Ende Mai mitmachen möchte, findet hier die nötigen Infos: Glassiquette statt Glasshole.
Ausführlich ist das in meiner morgigen The European-Kolumne nachzulesen.
Weitere Hangout-Interviews mit Fachleuten sind in der Planung. Wer sich dazu äußern möchte, ist herzlich eingeladen.
Übrigens sind auch Skype-Chats anfällig für „Spionage“: Vorsicht beim Skypen – Microsoft liest mit.
Selbstbestimmung statt Manager-Kapitalismus: Wolf Lotter auf der #rp13
In einem kurzen und pointierten Vortrag auf der republica in Berlin hat sich brandeins-Essayist Wolf Lotter mit der Frage beschäftigt, wie man auf die Krise des (Finanz-)Kapitalismus reagieren sollte. Mehr Staat, mehr Regulierung, mehr Verbote, mehr Steuerausgaben oder gibt es auch eine andere Lösung, um sich vom traditionellen Kapitalismus zu lösen? Lotter nennt sein Vademekum für einen Neuanfang „Zivilkapitalismus“. Wie könne man frei und unabhängig sein, wenn man seine persönliche Ökonomie nicht im Griff hat? Er sieht in der öffentlichen Debatte einen Missing Link der Aufklärung und Emanzipation. Die Ökonomie spiele hier nur eine untergeordnete Rolle.
„Von Zivilgesellschaft reden alle, wenn es beispielsweise um Netzwerke geht. Zivilgesellschaft ist aber mehr als Demokratie-Verhübschung, es ist mehr als ab und zu eine Volksabstimmung durchzuführen, es ist mehr als das Recht für Demonstrationen. Zivilgesellschaft macht selbständig. Kultur, Schule, Ausbildung und Gesellschaft, in der wir uns befinden, wollen das nicht unbedingt. Sie wollen nicht unbedingt zur Selbständigkeit erziehen. Selbständigkeit und Selbstbestimmtheit gehören bei uns immer noch zu den Risikosportarten“, so Lotter.
Woran liegt das? Wir leben immer noch in der alten Kultur des Industriekapitalismus und das ist eben eine Kultur der Unterordnung, der Hierarchie und der Abhängigkeit.
„In diesem Industriekapitalismus gibt es einen Manager-Kapitalismus – also den Kapitalismus der leitenden Angestellten“, erläutert Lotter, die in der Regel übrigens kaum für ihr eigenes Handeln haften müssen – im Gegensatz zu inhabergeführten Firmen.
Politik und Konzernmanager seien aus einem Holz geschnitzt, so die Beobachtung von Lotter. Man brauche nur das Organigramm eines Konzerns mit den Organigrammen von Parteien und politischen Organisationen vergleichen. Dann finde man fast immer die gleichen Strukturen:
„Deshalb verstehen sich Politiker, Beamte und Konzernmanager auch so gut, wenn sie miteinander lobbyieren.“
Wie beim Leistungsschutzrecht (gs).
Diese Kultur habe sich über Jahrzehnte verfestigt. Max Weber nennt dieses Phänomen „Das stahlharte Gehäuse“.
Manager-Kapitalismus sei Mitläufer-Kapitalismus. Es gebe Mitarbeit und Verbraucher aber keine Gestalter, die etwas in die Hand nehmen. Man solle nehmen, was Manager anbieten. Also Lieschen Müller, die angeblich von den Drosselplänen der Telekom nicht betroffen ist.
Es dominieren in dieser Kommandowirtschaft die Begriffe der Fremdbestimmung. Das gilt für Angestellte und für Kunden. Reicht es da als Konsequenz der vergangenen Krisenjahre aus, wenn wir das Primat der Politik wieder in den Vordergrund stellen?
„Das Primat der Politik hat über viele Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch das Untertanentum und die Fremdbestimmung kultiviert. Wir brauchen deshalb kein Primat der Politik im Sinne der Machtpolitik. Wir brauchen das Primat der Person. In der Ökonomie brauchen wir deshalb Selbstverwirklicher“, fordert Lotter und zitiert die Headhunterin Sue Reindke.
„Die Dinge ändern sich nur, wenn wir sie selbst ändern. Wenn wir uns eine neue Arbeite- und Führungskultur wünschen, müssen wir selbst Chefs werden.“
Anti-Haltungen, die sich gegen das wirtschaftliche System an sich richten, seien eher eine Camouflage für Bequemlichkeit im Denken, um nichts ändern zu müssen. „Alles Scheiße“ sei keine Antwort für eine Verbesserung.
„Das ist keine Haltung, sondern eine Ausrede“, meint Lotter.
Fundamentale Negation ändert gar nichts. Es geht darum, die Wirtschaft zu ändern. Es müsse sich, so Lotter, nicht nur das Bewusstsein ändern, sondern es müssten auch konkrete Dinge passieren. Erziehung zur Selbständigkeit und nicht zur Unterordnung. Bildung als Universalwerkzeug. Es sei schlicht Selbstbetrug zu glauben, dass alles im Leben planbar wäre.
„Üben wir die Fähigkeit, mit Überraschungen umzugehen. An die Stelle von Ohnmacht tritt ein konstruktives Staunen.“
Wirtschaft müsse barrierefrei sein und keine alten Besitzstände pflegen. Sie müsse Zugänge schaffen. Zivilgesellschaft sei Graswurzel und nicht Konzernwirtschaft. Es sei nicht Sache von Menschen in dunklen Anzügen oder Business-Kostümen. Oder wie es Leo Tolstoi ausdrückte:
„Damit die Lage der Menschen besser wird, müssen die Menschen besser werden.“
Ansätze sehe ich dazu in einer neuen Kultur der Beteiligung, der Makers-Bewegung und Krautökonomie.
Bin gespannt. Habe es schon vorbestellt. Eure Meinung interessiert mich. Wir könnten das auch in Hangout-Interviews weiterspinnen. Wer sich an der Debatte beteiligen möchte, sollte sich bei mir melden.
Interessant auch:
re:publica 2013: Replik, Respektsbekundungen, ein Rant und offene Fragen.


