Nekrolog eines Printmedien-Kunden

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Heute schreibe ich einen Nekrolog als Stammleser von vielen Zeitschriften und Zeitungen, die ich mir früher regelmäßig gekauft habe – teilweise sogar im Abonnement.

Im Abo beziehe ich keinen einzigen Titel mehr. Mit meinen 51 Lenzen bin ich aber immer noch so konditioniert, dass ich ab und zu Printmedien kaufe. In meinem Stamm-Tabakladen. Früh morgens, bevor ich in meiner Stammbäckerei fünf Brötchen besorge, besuche ich den Tabakladen, um meinem Nikotinkonsum zu frönen. Am Dienstag greife ich manchmal zur NZZ wegen des Medienteils und zur FAZ wegen “Technik und Motor”. Am Donnerstag ist die Wochenzeitung “Die Zeit” fester Bestandteil meiner Kaufentscheidungen, da die Beiträge hintergründig und kompetent geschrieben werden – die iPad-Variante überzeugt mich leider nicht, sonst würde ich sie wohl dort bevorzugen.

Am Samstag taz und Welt – letztere wegen des Literaturteils. Bin halt ein Büchernarr. Aber insgesamt geht bei mir die Tendenz bei Printmedien deutlich nach unten. Heute nun habe ich Zeit, Handelsblatt und aus gegebenen Anlass die FTD erworben. Bei der FTD war es das zweite Mal nacheinander. Eine Ausnahme. Seit mindestens zwei Jahren habe ich dieses Medium nicht mehr in Printform gelesen. Alle drei Zeitungen beschäftigen sich mit dem drohenden Untergang der Zeitungen. In den Verlagen kocht es wohl derzeitig gewaltig, nach der Insolenz der Frankfurter Rundschau und dem Sterben der FTD.

Etwas ausführlicher möchte ich auf die etwas trotzige Titelstory “Die Zeitung lebt!” von Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart eingehen. Zuvor aber noch die Einschätzung der Eigentümerin meines Stamm-Tabakladens. Sozusagen die Sichtweise der Verkaufsbasis. Ist nicht repräsentativ, aber ein kleiner Indikator für die Gesamtsituation im Verlagswesen. Die Hauptkunden für Printmedien sind ältere Frauen, die noch treu ihre Lokalzeitung (Express oder GA) nachfragen und zu Titeln wie “Echo der Frau”, “Das Goldene Blatt”, “Landlust” und TV-Zeitschriften greifen. Danach sieht es schon düsterer aus. Jugendliche würden heute noch nicht einmal zu den Zeitschriften neigen, die früher wie warme Semmeln weggegangen sind. Das Dr. Sommer-Team mit der Zeitschrift Bravo lag früher im Schnitt bei 30 verkauften Exemplaren. Jetzt gehen noch nicht mal drei Exemplare pro Ausgabe über die Theke. Wirtschaftstitel schmelzen in den Regalen wie Schnee in der Sonne. Das liegt nicht an den Verkaufserfolgen, sie werden gar nicht mehr ausgelegt. Grossisten listen sie schlichtweg aus. Ausnahme Flughäfen und Hauptbahnhöfe. Das Resümee meiner Tabakladen-Frau: Jugendliche und junge Erwachsene kaufen Printmedien fast überhaupt nicht mehr. Und wer so sozialisiert wird, bleibt wohl auch in späteren Jahren bei dieser Konditionierung.

Eine umfängliche Ursachenanalyse für das Zeitungssterben möchte ich hier nicht präsentieren. Das ist in den vergangenen Jahren schon mehr als genug gemacht worden. Aber auf Gabor Steingart möchte ich noch eine kleine Replik loswerden. Schon heute früh hat mich der Handelsblatt-Chefredakteur in seinem Newsletter ja zu einer Meinungsäußerung aufgefordert:

“Im Hamburger Verlagshaus Gruner & Jahr spielen sich Dramen ab. Redaktion, Verlag und Aufsichtsrat ringen um die Zukunft der “Financial Times Deutschland“. Nach dem Aus für die ‘Frankfurter Rundschau’ würde binnen kürzester Zeit erneut eine überregionale Tageszeitung den Markt verlassen. Diese Entwicklung verheißt für unsere Demokratie nichts Gutes. In meinem Leitartikel ‘Die Zeitung lebt!’ benenne ich die Irrtümer unserer Zunft und versuche Alternativen zum Zeitungssterben aufzuzeigen. Ihre Meinung dazu würde mich sehr interessieren: steingart@handelsblatt.com.”

Im Beitrag von Steingart gibt es einige Punkte, die völlig an der Wirklich vorbeigehen. Da wird wieder die Leier von der Umsonstkultur und den milliardenschweren Umsätze von Google abgenudelt sowie vom “Jahrhundertirrtum” der Verleger, die Waren Information und Analyse im Internet gratis feilzubieten.

Es liegt eben an der Natur und Architektur des Netzes und der sozialen Medien, dass die Einstiegsbarrieren für die Vermittlung von Informationen so niedrig geworden sind, dass man keine riesigen Apparate mehr braucht, um publizistisch tätig zu werden. Die Jedermann-Medien breiten sich unaufhaltsam aus, mit sehr unterschiedlichen Konzepten der Finanzierung. Schauen Sie doch auf die Gaming-Youtuber, die sich alleine über die Klickraten mittlerweile nicht nur ein Taschengeld, sondern eine ganze Unternehmung leisten können. Beim Jedermann-TV via Hangout On Air wird es ähnlich ablaufen und selbst die klassischen TV-Anstalten treffen, obwohl es die Fernsehmacher noch nicht wahrhaben wollen. Ein Beispiel für Realitätsverdrängung lieferte beispielsweise ZDF-Sprecher Alexander Stock mit Blick auf die Original Channels von YouTube. Hierbei handelt es sich um werbefinanzierte und somit kostenfreie Spartenkanäle, die vor ein paar Wochen gestartet wurden:

„Eine Wirkung auf den TV-Markt werden diese webbasierten Plattformangebote nicht haben. Dafür ist die Internetnutzung am TV-Gerät zu gering.“

Die Reaktion von ARD-Programmdirektor Volker Herres geht in die gleiche Richtung:

„Für uns sind neue Themenkanäle keine Konkurrenz. Das Erste werde seine Schwerpunkte anlässlich des Starts des Youtube-Programms nicht verändern“.

Diese Einschätzung könnte sich rächen:

„Es ist besser, eine solche Herausforderung, die zu Beginn nur Teile des eigenen Geschäftsmodells gefährdet, früh anzunehmen und darauf zu reagieren. Denn gerade Werbekunden könnten an den zielgruppenspezifischeren Angeboten der YouTube-Channel einen großen Gefallen finden. Und jüngere Zielgruppen, die bereits heute regelmäßig Youtube nutzen, nehmen das Angebot gerne in Anspruch nehmen. Durch den individuellen Abruf verschiedener Clips kann man nicht nur ein individuelles Spartenprogramm erstellen. Es lässt sich sogar problemlos auf mobilen Geräten wie Handys und Tablet-PCs abrufen – und nicht nur bei Internet-tauglichen Smart-TVs. So besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass sich für immer mehr Nutzer das klassische Lean-Back-TV zu einem Lean-Forward-TV entwickelt. Und man hat den Eindruck, dass beitragsfinanzierten TV-Anstalten darauf nicht vorbereitet sind“, so Professor Ralf T. Kreutzer, der im Frühjahr 2013 gemeinsam mit Microstrategy-Manager Karl-Heinz Land das Buch „Digitaler Darwinismus – der (stille) Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke – Welche Macht Social Media wirklich innewohnt“ (Gabler Verlag) herausbringt.

Die beiden Autoren wollen die verschlafenen Führungskräfte wachrütteln und dokumentieren, welche Auswirkungen die sozialen Medien und weitere online-basierte Entwicklungen auf etablierte Geschäftsmodelle und erfolgreich eingeführte Marken haben. Im Jammertal hocken also nicht nur Verleger. Die Digitalisierung und Vernetzung macht auch vor anderen Geschäftszweigen nicht halt.

Völlig daneben sind die vorwurfsvollen Ausführungen von Steingart in Richtung der Werbewirtschaft.

“Jahrzehntelang war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass die Finanzierung von Zeitungen zur Hälfte durch die Wirtschaft mit ihren Anzeigen erfolgt. Doch die Wirtschaft zieht sich zurück (schnief, gs); es fand eine Neudefinition (????, gs) des Begriffs Werbung statt. Sie wird nicht mehr als das kommunikative Band zwischen Bürgern und Firmen gesehen. Sie soll nicht mehr in erster Linie informieren und überzeugen, sie soll jetzt anschaffen. Eine Anzeige muss verkaufen, sagen die, die dafür zuständig sind.”

Bei diesen Zeilen fehlen einem die Worte – nicht ganz. Auf welchem Planeten lebt Steinhgart eigentlich. Werbung habe früher informiert als Band zwischen Bürgern und Firmen? Werbung war und ist bislang schonungslose Berieselung nach dem Prinzip der Einwegkommunikation. Was über Massenmedien auf mich niederging empfand ich immer als Belästigung und nicht als Dialog. Egal, in welcher Medienform sie dargeboten wurde. Diese Art der Werbung funktioniert auch im Netz nicht.

Der Journalismus-Professor Stephan Ruß-Mohl hat das sehr gut beschrieben: Massenmedien hatten als “Partner” der Werbewirtschaft lange Zeit eine marktbeherrschende Stellung.

“Damit konnten sie bei den Anzeigenpreisen kräftig zulangen. Über Jahrzehnte hinweg erzielten sie Traumrenditen, von denen nicht nur viele Verleger, sondern auch so manche Redakteure in ihren Nischen wie die Maden im Speck lebten. Im Internet herrscht dagegen Wettbewerb. (Ja, Wettbewerb, Herr Steingart. Wo das Handelsbatt die Marktwirtschaft so sehr liebt, gs). Der Konkurrent, der auf dieselben Anzeigenkunden hofft, ist nur einen Mausklick entfernt. Deshalb schrumpfen bei den Werbeumsätzen die Margen, aus denen sich früher Redaktionen großzügig finanzieren ließen“, so Ruß-Mohl.

Für die Werbetreibenden seien das paradiesische Zustände. Sie könnten ihre Zielgruppen ohne allzu große Streuverluste über das Internet sehr viel besser erreichen und müssten das Geld nicht mehr zum Fenster rausfeuern. Und noch ein Trend schröpft die Verlage: Wer nach einer neuen Freundin Ausschau hält oder sein Auto zum Verkauf anbietet, kann online inzwischen gratis oder für wenig Geld seine Ziele erreichen. Hier hilft die Silo-Taktik der Verlagsmanager nicht weiter. Die entsprechenden Portale laufen auch ohne Nachrichten-Content! Da wird auch das Leistungsschutzrecht, Verwertungsgesellschaften, Abmahnterror, Gebühren-Abzocke und sündhaft teure Payment-Strategien nicht weiterhelfen. Deshalb kann ich mich der Forderung von netzpolitik.org nur anschließen: Fordert eine richtige Bundestagsdebatte über das Leistungsschutzrecht.

Für die auswechselbaren Tagesnachrichten der Gesternmedien helfen die Schutzwälle nicht weiter, sie werden zu einer Innovationsstarre der Verlage führen und sie zu Dinosauriern der Medienwelt degradieren.

Das ist übrigens auch ein Problem beim Handelsblatt. In den vergangenen Monaten habe ich zwei Ausgaben gekauft. Jeweils am Freitag. Es lag nur an den Schwerpunktgeschichten – deshalb bin ich ja auch ein Stammleser der Zeitschrift brand eins. Es waren die Wochenend-Titel über “Wirtschaft neu denken” “Aufstieg, Fall und Wiederaufstieg der Bundesbank”, die mich zum Kauf animierten.

Warum sollte ich mir das Handelsblatt zulegen mit den dämlichen Kurstabellen, die mir Online von jeder x-beliegigen Bank oder Yahoo Finance weitaus präziser und in Echtzeit angeboten werden. Warum sollte ich mir noch mal den Schlagabtausch zwischen Merkel und Steinbrück in der gestrigen Haushaltsdebatte antun? Printmedien, die täglich erscheinen, sind ein Anachronismus. Sie berichten in der Regel über Gestern-Ereignisse und mutieren deshalb zu Gestern-medien. Mein Rat an das Handelsblatt. Umstellung auf eine Wochenzeitung, die sich in ihrer Wirtschaftsberichterstattung am Vorbild der Zeit orientiert und ausschließlich mit Schwerpunktthemen aufwartet, die über den Tellerrand des Tagesgeschehens hinaus gehen.

Echtzeit-Nachrichten sollten nur noch online kommen. Das Börsengeschehen kann man automatisiert auswerten und vielleicht noch kuratieren. Alles weitere wurde beim c’t-Online-Talk von Deutschlandradio Wissen sehr schön auf den Punkt gebracht. Kommt direkt am Anfang der Gesprächsrunde über den Niedergang der Wirtschaftspresse:

Soweit die Meinung eines früheren Stammkunden von Printmedien, der nur noch spontan zu Printausgaben greift.

Übrigens übt sich auch Springer-Chef Döpfner in der Kunst des Pfeifens im Walde:

Der Journalismus hat das Beste noch vor sich.

Siehe auch:

“Financial Times Deutschland” am Ende – Ein Blatt für Sturm und Drang.

Update:
Im Laufe des Tages sind noch einige Beiträge zur Zeitungskrise hinzugekommen. Hier eine kleine Auswahl:

Medienvielfalt selber machen – was die Zeitungskrise mit Blogs zu tun hat.

Warum Blogs gerade heute voll super sind und warum eigentlich noch viel mehr möglich wäre.

“Financial Times Deutschland” – Chronik eines absehbaren Ablebens.

ZEITUNGSKRISE: Das Blatt wendet sich.

Auf eine Tasse Tee mit Richard Zinken: „Wer zahlt bestimmt.“

Auf den Hund gekommen: Der Wärmestuben-Journalismus der »Zeit«.

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28 Gedanken zu “Nekrolog eines Printmedien-Kunden

  1. Das Sterben hat gerade erst begonnen. Kommt davon, wenn Internetausdrucker an der Welt von Gestern festhalten. Was ich seit langem nicht kapiere: Wieso verstehen das die Verlage nicht? An zu wenig Hirnschmalz kann es doch nicht liegen.

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  2. Dieser Post war bitter nötig, Gunnar. Ich fühle mich mit dem Thema “Tageszeitung” immer in die späten 1990er Jahre zurückversetzt. Damals wurde in Unternehmen ernsthaft darüber diskutiert, ob die Investition in eine Internetseite denn lohnenswert sei. Motto: “Das geht auch wieder vorbei.” Die selben Menschen sind heute wieder empört wenn man Ihnen sagt, dass selbst Journalisten den Tod der klassischen Tageszeitung vorhersagen. Das sind die gleichen Stimmen, die wachsende Anrufvolumen in Call Centern prophezeien, Social Media gleichbedeutend mit einer Facebook-Seite sehen und den Vernetzungsgedanken rund um mobile Endgeräte auf das Ein- und Ausschalten des Zimmerlichts per Handy beschränken. Frustrierend daran finde ich, dass diese Leute 3 Jahre später nichts mehr von Ihren Ansichten der Vergangenheit wissen wollen. Dann sind dies nämlich jene Kollegen, die sagen “Ich habe das alles kommen sehen.” Herr, wirf Hirn vom Himmel. In meinem “Kokoschinski-Blog” aufgegriffen: http://andreasklug.wordpress.com/2012/11/22/es-lebe-der-content/

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  3. Das ist Du schön zusammen gefasst, Andreas. Ich kann mich noch gut an die Angriffe von CC-Beratern erinnern, die wegen meiner Analysen kräftig um sich geschlagen haben oder sogar verlorene Wetten nicht einlösen wollten. Jetzt gebärden sie sich als die Wissenden. In Wirklichkeit haben sie die Dimension der Vernetzungseffekte des Digitalen immer noch nicht erfasst. Es sind viele Lippenbekenntnisse im Spiel und wenig Taten.

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  4. Tja, was will da noch sagen, wenn ein (ehemaliger) Stammleser schon so urteilt. Nur unwesentlich jünger geht es mir genauso, wenn ich auch immer noch die Print-Titel (F.A.Z., IHT, Spiegel, Zeit) im Briefkasten habe. Doch wieviel lese ich noch in der gedruckten Ausgabe? Während ich früher (bis ca. 2006 / 2007) regelmäßig täglich 2 Stunden in den gedruckten Ausgaben gelesen habe, ist es heute nur noch ein Durchblättern, wenn überhaupt. Meist bin ich am Vorabend schon durch die iPad-Ausgabe gegangen und so ist die Zeitung im Briefkasten am nächsten Morgen bereits die Zeitung von gestern. Zusätzlich sind durch das Internet zahlreiche neue Informationskanäle hinzugekommen, die die Tageszeitung, zumindest in ihrer gedruckten Form für mich entbehrlich, ja, überflüssig machen.

    Vor kurzem sagte Maris Hubschmid, Redakteurin beim „Tagesspiegel”, in einem Interview, Print bedeute ihr mehr. Online schreibe ja jeder Hans und Franz. Was für ein absoluter Quatsch, kann ich da nur sagen. Offensichtlich sitzen in den Redaktionen mittlerweile auch Hinz und Kunz. Als noch Stammleser kann ich das von vielen Zeitungsverlagen und Redakteuren gebetsmühlenartig vorgebrachte Argument, guter Journalismus sei nur unter dem Dach einer Tageszeitung gewährleistet, absolut nicht unterschreiben. Diese Pseudo-Rivalität, Journalisten versus Blogger, ist nichts mehr als Spiegelfechterei. Ein guter Text kann auch in Keilschrift in einer Höhle in die Wand gemeißelt sein. Die Tageszeitung muss sich einfach darüber im Klaren sein, dass sie ernstzunehmende Konkurrenz bekommen hat. Rückwärtsgewandte Zitate wie das obige bringen den Tageszeitungen mit Sicherheit keine neuen Leser.

    Ich sehe auch nicht, dass durch die gedruckten Ausgaben meine Kinder zum Zeitungslesen motiviert werden. Allenfalls dienen sie ihnen als Zeichen aus einer vergangen Welt, dass man sich irgendwie informieren muss. Aber zu Zeitungslesern von gedruckten Ausgaben werden meine Kinder und ihre Freunde wohl nicht werden. Warum ich selbst noch daran festhalte? Nostalgie? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.

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  5. Joas, bei mir ist es genauso. Nur noch ein kurzes Durchblättern und die Zeitung kommt auf einen großen Haufen. Am Wochenende wird noch mal durchgeblättert, interessante Artikel werden rausgerissen und landen dann vielleicht auf meinem Schreibtisch. Der Rest geht in die Blaue Tonne und erfreut die Stadt Bonn beim Geschäft mit dem Altpapier. Das lohnt sich ja noch immer.

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  6. Und gerade twittert Christoph Keese: “Starker Text von Gabor Steingart: “Die Zeitung lebt!l” In Suche erscheint Raub-PDF gleich hinter HB – bezeichnend!”

    Quod erat demonstrandum. Ich glaube, die wollen es nicht begreifen …

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  7. Ohne irgendeine Wertung vornehmen zu wollen, eine kurze Anmerkung:

    Dass Tageszeitungen den Online-Nachrichten hinterherhinken, ist unbestritten. Bei allem Schulterzucken über den Niedergang der Printprodukte fehlt mir in den aktuellen Diskussionen und Kommentaren im Netz jedoch ein Aspekt: Ich kenne noch keine überzeugenden Online-Alternativen, die regionalpolitisch ausgerichtet sind. Das Aus der Frankfurter Rundschau würde mich beispielsweise sehr schmerzen, weil damit ein Kontrollorgan (die 4te Gewalt) über die Kommunen und Stadtparlamente im Rhein-Main-Gebiet wegfällt (weder FAZ noch Neue Presse füllen diese Lücke).

    Viele User schreiben, dass man sich im Netz “sowieso besser und ungefilteter beispielsweise über Syrien informieren kann”. Bei aller Freude über internationale Nachrichten – für uns Bürger ist die Information über das Geschehen in unseren Gemeinden und Kommunen ein sehr wichtiger demokratischer Prozess. Ein Sterben der Regionalzeitungen finde ich in diesem Zusammenhang höchst problematisch!

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  8. Das müssen sich die Regional- und Lokalzeitungen aber radikal ändern und keinen Agentur-Journalismus mehr betreiben. Ich möchte die Tagesschau von gestern nicht mehr am in der Zeitung von heute lesen. Das ist ermüdend.

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  9. Die “alten (etablierten/Main-Stream-/) Medien”, die mittlerweile zum Teil in über 70 Ländern erscheinen (siehe zum Beispiel die Von Holtzbrinck Publishing Group), sind meiner Ansicht nach häufig nicht ernst- oder gewissenhaft daran interessiert, aufzuklären. Ein gutes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach das kürzlich aufgeführte “17-und-4-Spiel”, bei dem vier EU-Präsidenten (Barroso, Juncker, Van Rompuy und Draghi (siehe zum Beispiel http://www.handelsblatt.com/politik/international/radikaler-reformvorschlag-eu-will-eigenes-parlament-fuer-die-euro-laender/7100282.html); alle vier sind zufälligerweise “Bilderberger” und keine (!!!?) ach so wertvolle Zeitung und kein TV-Sender erwähnte in diesem Zusammenhang diese Verbindung!!!(?)) mit mächtigen Schritten daran arbeiten, die Souveränität von Nationen (in diesem Fall die Souveränität von den 17 Euro-Ländern) einzuschränken. Einige besorgte und aufgeweckte Bürger haben zum Teil schon seit Langem versucht, ohne Drohungen/Diffamierungen/Kriminalisierungen/… und) Panikmache darauf aufmerksam zu machen, dass es zum Beispiel Gruppen wie die sogenannten Bilderberger sind, die — möglicherweise — die Souveränität von Staaten/Haushalten oder demokratische Grundrechte (Pressefreiheit etc.) einzuschränken drohen; im allgemeinen ist zu beobachten, dass diese besorgten Bürger ignoriert oder zum Beispiel als Besessene/Spinner abgetan wurden und werden. Leider sind zum Beispiel Artikel zu diesem Thema aus dem Netz, entweder von den “großen” oder “alternativen” Medien, meist auch nicht wirklich gut. Ich verliere meine Zuversicht in die Zukunft — und auch in die Möglichkeiten des “Netzes”: Die allermeisten Journalisten, Politikwissenschaftler, Ökonomen, Ökologen, Psychologen und wie die Wissenschaftler und Experten alle heißen kann ich kaum (mehr) ernst nehmen, nicht zuletzt, weil ich das Gefühl vermittelt bekomme, dass sie (es sind überwiegend die selben Gestalten in den Medien wie vor der Finanz- und anderen Krisen) die Bürger oder Tatsachen nicht ernst nehmen (wollen).

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  10. Schön geschrieben und so wahr. Ich bin früher ein Zeitungsnarr gewesen und habe die Lektüre immer genossen. Doch seit Jahren lese ich schon kein Papier mehr. Wenn ich etwas wissen will, gehe ich im Netz stöbern. Selbst im Flugzeug tue ich mir das inzwischen nicht mehr an, Zeitungen haben ihren Mehrwert verloren.

    Auch den Hinweis eines anderen Kommentators auf die wichtige Rolle im regionalen Umfeld vermag ich nicht nachzuvollziehen. Ich lebe in einem Landkreis im Norden Hannovers und wenn ich mir die dortige regionale Tageszeitung doch mal am Wochenende beim Bäcker mitnehme, finde ich immer nur das Gleiche: Agenturmeldungen, größtenteils unbearbeitet. Im Regionalteil die immer gleichen Berichte über Schützenvereine mit Fotos von mit Lametta behangenen alten Männern.

    Ich selbst bin in der Automobilwirtschaft tätig und sehe diverse Parallelen, was das Ernstnehmen der Wirkungen des Internets betrifft. Man kann das hier nicht in drei Sätzen erklären, so was mache ich in meinem Blog. Aber Fakt ist eines: Viele Mittelständler schlagen alle Warnungen in den Wind und hoffen darauf, ihre tradierten Geschäftsmodelle irgendwie in die Neuzeit hinüberretten zu können.

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  11. Vielen Dank für die treffende Analyse. Ich muss sagen, dass mich die Selbstmitleidsbekundungen der Verlage teilweise auch sehr genervt haben.

    Mich fasziniert die Trägheit, die viele Branchen, wie hier die Verlagsbranche, an den Tag legen und immer anderen die Schuld an ihrer verzwickten Lage geben. (Kostenloskultur etc.) Was mich aber wirklich ärgert, ist, dass der Kunde darunter zu leiden hat. Ich würde für ein Abo auf dem Ipad oder ähnlichen Geräten natürlich etwas bezahlen, aber nicht die horrenden Preise, die im Moment teilweise von den großen Blättern verlangt werden. Darüber hinaus bin ich auch bereit für einzelne Artikel zu zahlen, damit ich selbst entscheiden kann, was mich interessiert und was ich kaufen möchte. Aber wieder ist der Preis meiner Meinung nach zu hoch. Ich bin nicht bereit 2,99€ für 300 Wörter zu bezahlen. Natürlich müssen die Wertschaffenden vernünftig entlohnt werden, aber die Betonung liegt auf vernünftig.

    Ich finde es unglaublich schade, dass die Verantwortlichen das Potenzial dieser Veränderungen bis jetzt kaum zu erkennen vermögen und ich, als Kunde, würde mich sehr darüber freuen, wenn Verlage mir ihr Produkt, einfach, unkompliziert und mit fairen und funktionierenden Bezahlmodellen anbieten würden.

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  12. Hallo Gunnar, ein wunderbarer Nekrolog. Der Gabor Steingart mag zwar eine schöne Verlagskarriere hingelegt haben. Aber Entwicklungen in den Medien hat er schon früher unterschätzt. In meinem ersten Jahr bei Focus hat er mir bei einem Pressempfang die arrogante Frage gestellt, was ich denn bei diesem Blättchen wolle. Das würde ja niemand ernst nehmen.

    Damals druckte der Spiegel noch schwarz-weiß, die Farbe grau, öde das Layout, der Text klang alt, wie schon mal gekaut. Kurz darauf hatte Focus eine Million Auflage und der Spiegel wurde bunt, die Beiträge gerieten deutlich kürzer. Übrigens ist der Niedergang der Zeitungen und vor allem der Wirtschaftsblätter wie der FTD und bald auch Impulse und Börse online, ein herber Schlag für die PR-Branche. Wo sollen die denn die PR-Fredies noch ihre Themen unterbringen? Auch dort ist ein Paradigmenwechsel im Gang – siehe die pilzhaft aufschießenden PR-Schleudern im Internet wie PR-Gateway. Nur eins bleibt bestehen: “Content is King!”. Die Frage ist nur, wie er verteilt wird. Um das richtig zu organisieren, müssen die, die ihn verteilen sich viel mehr mit denen beschäftigen, die ihn suchen. Mich beziehend auf Harald Henn und seine Aussage: “Analoge Denkweisen im digitalen Zeitalter führen zu Gemälden”, kann ich da nur sagen: Steingart, male ruhig schön weiter, dann kommst Du mit Deinem Handelsblatt ganz sicher ins Museum!

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  13. Hallo Heiner, herrlicher Kommentar, schöne Insider-Infos. Und Du hast vollkommen recht. Entscheidend ist die Frage, wie ein Link mich findet, der mich wirklich interessiert. Mit den aggressiven Pull-Methoden der klassischen Medien funktioniert das mit Sicherheit nicht. Die Lage dürfte sich noch verschlechtern, wenn Google die Links und Text-Häppchen der Massenmedien rausschmeißt, sollte das Leistungsschutzrecht in seiner jetzigen Form Gesetzeskraft bekommen. Dann trifft es die Verlage im Ganzen.

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  14. Hallo Gunnar, “verschlechtern” ist aber entgegen Deiner Gewohnheit sehr zaghaft ausgedrückt.

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  15. Ja, die Verlagsbubis werden schon früh genug erkennen, wie tief der Abgrund sein wird. Da möchte ich sie jetzt nicht in Depressionen stürzen.

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