Moore’s law und die self-fulfilling prophecy des Umweltministers: Nicht zaudern bei der Energiewende

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Energiewende
Bundesumweltminister Peter Altmaier bezweifelt nach einem Bericht von tagesschau.de, alle Ziele der Energiewende erreichen zu können. Es stelle sich die Frage, ob es gelinge, den Stromverbrauch bis zum Jahr 2020 um zehn Prozent zu senken, sagte der CDU-Politiker der “Bild am Sonntag”. “Wenn wir das noch irgendwie schaffen wollen, dann bedarf das riesiger Anstrengungen”, fügte er hinzu. Möglicherweise werde es auch deutlich weniger Elektroautos geben als bislang angenommen.

An der Energiewende hänge auch Altmaiers Ruf als Umweltminister. Er räumte Fehler seines Ressorts in der Vergangenheit ein. So sei nicht jedem der “Koordinierungsbedarf” bei der Energiewende klar gewesen.

Es habe zudem “Prognosen zur Höhe der Strompreise gegeben, die dann revidiert werden mussten”.

In diesem Zusammenhang warnte Altmaier vor sozialen Problemen, die sich aus der Energiewende ergeben könnten:

“Für mich hat Priorität, dass Strom bezahlbar bleibt”, betonte der Minister.

Für September kündigte er ein Treffen mit Vertretern von Sozialverbänden, Verbraucherschützern und Politik einschließlich Kommunen an.

Der CDU-Politiker verknüpfte sein persönliches politisches Schicksal mit dem Gelingen der Energiewende:

“An der Antwort auf die Frage, ob es mir gelingt, die Energiewende flott zu machen, wird sich entscheiden, ob ich ein guter und erfolgreicher Umweltminister bin.”

Vielleicht sollte sich Herr Altmaier das Interview mit Professor Lutz Becker von der Karlshochschule anhören. Ab der 16. Minute (die Ausführungen zur App-Economy kann sich der Umweltminister sparen).

Planung, so Becker, sei in erster Linie self-fulfilling prophecy. Man dürfe die Drehbuchwirkung von Zielen nicht unterschätzen.

“Es gibt ja in der Informatik das berühmte mooresche Gesetz nachdem sich alle vier Jahre die Leistungen von Chips verdoppelt. Da sagte Moore selber, der Forschungschef bei Intel war, das sei eine self-fulfilling prophecy. Es ist einfach so passiert, weil Moore es so gesagt hat. Dann ist das in die Business-Pläne geschrieben worden und dann haben die Investoren genau in diesem Segment investiert. Dafür sind Pläne wichtig”, so Becker im Gespräch mit mir.

Deshalb sollte man das Projekt der Energiewende nicht mit Skeptizismus überziehen. Da fehlt dem Umweltminister doch schlichtweg das wissen. Technologisch ist das machbar. Auch die Elektromobilität. Hier seien die Nutzer viel aufgeschlossener, als es in der Öffentlichkeit kolportiert wird, so Professor Becker. Peter Altmaier sollte Lutz Becker einfach mal ins Umweltministerium einladen. Denn es gibt noch einige Erkenntnisse, die die Alt-Industrien einfach nicht wahrhaben wollen.

Update (15. Juli). Siehe auch den Blogpost von Professor Becker für Harvard Business Manager: Vor der nächsten Revolution – Elektromobilität und regenerative Energien sind wichtige Trends. Doch Auto- und Stromkonzernen fällt es schwer, richtig auf diese tiefgreifenden Veränderungen zu reagieren. Sie verlassen sich lieber auf ihre Kernkompenzen und vermeintliche Wettbewerbsvorteile. Das ist gefährlich.

Vielleicht sucht ja der neue Umweltminister schon nach Möglichkeiten, um der Öffentlichkeit zu verklickern, dass man in der Energiewende zurückrudern und wieder verstärkt auf fossile Energieträger setzen müsse. Das wäre ein Sockenschuss. Volkswirtschaftlich bieten sich für Deutschland ungeahnte Möglichkeiten. Zudem schauen sehr viele Länder auf das Experiment hierzulande. Wie war das denn mit dem Ziel der USA, als erste Nation auf dem Mond zu landen. Wusste JKF, dass das technisch möglich ist? Wohl kaum. Erst die darauffolgenden Ingenieurleistungen führten zur erfolgreichen Mondexpedition. Das Thema der visionären Pläne, die positive Wirkung von self-fulfilling prophecy auf Innovationen würde ich gerne weiter vertiefen. Statements, Interviews, Bibliotheksgespräche also wieder gefragt.

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4 Gedanken zu “Moore’s law und die self-fulfilling prophecy des Umweltministers: Nicht zaudern bei der Energiewende

  1. Altmaier bringt es einfach nicht. Wie bei der Netzpolitik: da hat er auch ein wenig twittern mit Politik verwechselt. Die Fakten sprechen gegen ein Verbleiben im Amt von Altmaier:

    – er hat für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke im Bundestag gestimmt
    – er spricht nicht über desertec, Solarstrom aus der Sahara
    – er spricht nicht über Gleichstromhochspannungsnetze (um Sahara-Strom nach Mitteleuropa zu bringen
    – er spricht nicht über visionäre Projekte wie Batterien für ca. 5.000 €/Haushalt um a) Wind- und Sonnenenergie zwischenzupuffern und b) Ladestationen für E-Autos zu haben
    – er spricht nicht über eine Forcierung der Nordseeleitungen, um billigeren, sauberen Norwegenstrom endlich nach Deutschland zu bringen, nachdem die Marktöffnung von dem Sozialisten Brüderle (Nenn-Partei FDP) jahgrelang verhindert wurde, um die Sozialisten in der CDU, die sich an ENBW-Schmiergeld bereichern wollten wie Mappus (und Honnecker in Wandlitz) zu unterstützen mit ihrer Atomdreckstechnologie, die auch Altmaier förderte
    – er spricht nicht darüber, mit den Norwegern neben Oberbecken auch Unterbecken zu bauen, um Strom zwischenzupufffern
    – Altmaier hat im Deutschen Bundestag für eine Kürzung der Solarförderung gestimmt und die deutsche Solarindustrie gegen die chinesische Konkurrenz serienweise in die Insolvenz gechickt (und das Geld will man für Waffen verballern, tausende Schützenpanzer, überteuerte Drohnen zum Remote-Control-Morden am Hinduskusch für Live-Killerspiele wie die Amis)
    – Altmaier hat noch nicht mal angefangen, den Dreck aus den AKW wegzuräumen, den er selbst noch verlängert produzieren wollte
    – er spricht nicht über verbrauchsnahe Heizkraftwerke
    – der “Economist” ist voll von “shale gas” (Schiefer-Gas). Altmaier hat als Saarländer, dem gerade der letzte Pütt zugemacht wurde, keinen Ton darüber, wie wir schneller aus der Kohle kommen.
    http://www.economist.com/node/21558432

    Solange die CDU an der Regierung ist, werden wir keine zukunftsfähige Energiepolitik bekommen. 2013 ist unsere nächste Chance. Mit dem weinerlichen Altmaier, der Dreckspolitiken promoted hat und schon nach ein paar Wochen das Handtuch wirft, dass er seine Ziele nicht erreichen kann, werden wir nicht vorwärtskommen.

    Das weinerliche Gejammer von Altmaier ist überflüssig. Wenn er es nicht kann, soll er gehen, statt plärren.

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