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Ursprünglich veröffentlicht auf Tech:

I don’t think of myself as having the brain of a fanboy. But I do cheerfully admit to getting a little giddy when it comes to Wolfram Alpha. I think that this “computational knowledge engine” is one of the web’s most impressive pieces of technology. More important, it’s an enormously useful reference tool.

Unlike a search engine, Wolfram Alpha doesn’t try to act like it knows everything. But when it comes to factual information such as math, science and basic information about history, it knows a lot — and it lets you ask about it in plain English and nearly always understands what you want. I think of it as both my calculator and my almanac.

At SXSW Interactive last week, I spent time with the service’s creator, Stephen Wolfram, who talked with me about some of its recent additions as well as its future direction.

Stephen Wolfram

Wolfram Research

Wolfram Alpha’s latest…

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Feuilleton-Beherrscher Martin Amis auf der lit.COLOGNE: “Eros als Lebensantrieb”

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“Martin Amis, Sohn des mittlerweile verstorbenen erfolgreichen Romanciers Kingsley Amis, startete als Wunderkind in den Literaturbetrieb hinein – und sein erster, vor vielen Jahren erschienener Roman, ‘The Rachel Papers’, war grandios; und er hat sich zum bestbezahlten “ernsten” Romancier Englands entwickelt. Seine Vorschüsse bereiten dem englischen Geistesleben Wechselbäder aus Neid und Begeisterung. Er hat es geschafft”, so beschreibt Walter Klier in der FAZ den Autor, der gestern auf der lit.COLOGNE sein neuestes Werk “Die schwangere Witwe” im 28. Stockwerk des Hochhauses mit dem sinnigen Namen “Sky” vorstellte.

Moderiert von der Spiegel-Autorin Susanne Weingarten. Der Schauspieler Nikolaus Benda übernahm die Lesung der deutschen Übersetzung.

Ein Grund für den Erfolg von Amis sieht Walter Klier in der Art, wie er das Feuilleton beherrscht. Er wisse genau, was man wie schreiben muss, um am “cutting edge” zu sein oder “absolument moderne”, wie es im neunzehnten Jahrhundert als Muss für den Künstler formuliert wurde.

“Die schwangere Witwe berichtet von der Zeit, als sich die Liebe vom Sex trennte. Eine urkomische Abrechnung mit den Errungenschaften der sexuellen Revolution vom Bad Boy der englischen Literatur”, so lautet die Ankündigung der Lesung auf der Website des Veranstalters.

Amis hat schon vor 40 Jahren über die 1970er Jahren geschrieben – sehr zeitnah und dringlich. Es sei aber eine andere Situation, jetzt noch einmal zurückzublicken. Für ihn war die sexuelle Revolution ein beherrschendes Thema – im Gegensatz zur Generation der Väter und Großväter. Wenn man älter werde und irgendwann an die Schallmauer des 50. Lebensjahres heranrückt, merkt man, dass das Leben auf sonderbare Weise dünner wird und verflixt schnell vorbeigeht.

“Und mit Anfang 50 findet man einen bis dahin unbekannten Kontinent, wie eine Art Flügel im eigenen Lebenshaus, den man bis dahin gar nicht gekannt hat. Und das ist die eigene Vergangenheit, die man als solche gar nicht so wahrgenommen hat. Die es im eigenen Kopf gar nicht gegeben hat. Man fängt an, diesen Kontinent zu entdecken und zu erobern”, so Amis.

Vor allem den erotische Teil: Eros als Lebensantrieb. Dann komme das 60. Lebensjahr, eine Zahl, die auf dem Papier schon schrecklich aussieht, und man merkt, dass sich wieder etwas verändert. Kleine Dinge werden wichtiger und bedeutungsvoller.

“Wenn man als Schriftsteller anfängt, sagt man, ‘Hallo Welt, hallo Leser. Hier bin ich. Hier ist meine originelle Stimme. Ich hoffe, ich habe Euch was zu sagen.’ Nach mehreren Jahrzehnten ist es dann soweit, dass man anfängt, sich zu verabschieden”, erläutert Amis.

Ob das mit seinem jüngsten Werk schon ein Abschied sei, darauf wollte Amis keine konkrete Antwort geben: “Der Schriftsteller entscheidet nie, was er schreiben werde. Das Thema sucht ihn selbst.” Er hoffe auf den Moment des Aha-Erlebnisses, wo man eine Ahnung bekommt, was das nächste Buch sein könnte. Das sei ein sehr rätselhafter Vorgang. Amis verweist auf die Ideenfindung von Nabokov für den Lolita-Roman. Das hatte mit einem dressierten Affen zu tun der in der Lage war, zu zeichnen. Mehr dazu in meinem Audio-Zusammenschnitt der gestrigen Veranstaltung:


Über Powerpoint-Sabbelkönige und Vollkasko-Hütchenspieler

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Da stellt man sich jeden Tag gut oder neu auf, optimiert Prozesse, reduziert Kosten, implementiert semantische Nebelkerzen: Was Politiker von der antiken Lehre der Rhetorik auch heute noch lernen können, ist bei Lord Chesterfield nachzulesen. Eine Ode an die Zeiten vor Powerpoint und Co.

So wurde im Sommer des vergangenen Jahres meine The European-Kolumne über die Powerpoint-Sabbelkönige eingeleitet. Es ist der Leidensweg über viele Fachkonferenzen, Messen und sonstige Präsentationen, die ich über die Jahre erlebt habe. Selten ragt mal ein Rhetor aus der grauen Masse heraus und brilliert mit freier Rede und sprachlicher Brillanz.

Eloquenz ist leider Mangelware bei den meisten Führungskräften. Einen vor der Veröffentlichung der Kolumne hatte ich den Beitrag angewärmt mit einer Powerpoint-Typologie des Schreckens, die nicht nur von Spiegel Online zitiert wurde, sondern auch bei den Ich sag mal-Bloglesern großen Anklang fand. Spon-Zitat:

Powerpoint polarisiert. Auch im Internet sind viele Nutzer genervt von überladenen Folien und Klickorgien. Kommentare und Blogeinträge erscheinen mit Titeln wie “Die Powerpoint-Sabbler – Fünf Typologien des Schreckens” und “I hate Powerpoint”. Der Yale-Professor Edward Tufte schrieb 2003 in “Wired”: “Powerpoint is evil”.

Gleichermaßen gehen mir die Ablass-Händler der Sicherheitsbranchen auf den Keks. Und damit meine nicht nicht nur Versicherungskonzerne, sondern auch staatliche Institutionen, Innenpolitiker und die Apologeten eines “starken” Staates. Deshalb handelt meine heutige The European-Kolumne von den Exorzisten der Angst-Industrie.

Auszug:

Nichts ist im politischen und wirtschaftlichen Diskurs so nebulös wie die Frage der Sicherheit. Hier sind eine ganze Menge Scharlatane und Falschspieler unterwegs. Egal, ob es sich um Vertreter von Krankenkassen, Konzernen, Softwarehäusern, Kirchen, Parteien, Ministerien oder Armeen handelt. Sie alle sind bei Kassandra in die Schule gegangen und übertreffen sich in der Meisterschaft, Gefahren heraufzubeschwören.

Die größtmögliche Verunsicherung von Kunden, Bürgern und Wählern gewährleistet die bestmöglichen Ablass-Geschäfte. Ihre Grundlage sind diffuse, künstliche oder konkrete Ängste der Menschen. Wer Verunsicherung schürt, hat leichtes Spiel bei der Durchsetzung seiner Interessen. Nur jeder weiß, wie die Protagonistin Renate Meissner in dem neuen Steinaecker-Roman mit dem langen Titel „Das Jahr, in dem ich aufhörte, mir Sorgen zu machen, und anfing zu träumen“, dass niemand letzte Sicherheit garantieren kann. Kein Verteidigungsminister, kein Datenschützer, kein Exorzist und auch kein aalglatter „Anlagemanager“ für Versicherungspolicen, der sich bei Hausbesuchen so intensiv über mein Wohlergehen auslässt, meiner Frau Blumen schenkt, sich über meine Kinder erkundigt und seine antrainierten Werbesprüche loslässt. Vielleicht investieren wir häufig in Sicherheitsversprechen, wo Unsicherheit gar nicht existiert oder nur in den Hirnen von Vollkasko-Hütchenspielern konstruiert wird.

Möge auch dieser Beitrag eine gute Resonanz erfahren.

Das obige Foto habe ich nur gewählt, weil es zufälliger Weise auch zu meiner Talkrunde am 9. Mai auf der Informare in Berlin passt (das Titelbild der neuen Ausgabe von Business Punk): Obi Wan Kenobi und das Future Internet :-).

Was sich die Versicherungsindustrie sonst noch so leistet, kann man im Panorama-Blog nachlesen: Versicherungsbranche manipuliert Panorama-Abstimmung. Schön doof.