Umfrage, bitte mitmachen: Wer ist der Phrasendrescher des Jahres?

Auch das Jahr 2010 war wieder einmal ein Jahr der Phrasendrescher. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung hat einige Perlen von Managern und Politikern zusammengetragen, die wir im nächsten Jahr nicht mehr hören wollen. Dieser Wunsch wird sich nicht erfüllen. “Heute muss sich die Herrschaft verkleiden, denn der offene Befehl ist nicht mehr möglich, und dann entwickelt die Phrase eine eigene Struktur und Perfidie”, schreibt der SZ-Redakteur Thomas Steinfeld in seinem Buch “Der Sprachverführer”. Schon Kurt Tucholsky geißelte die Bürokratensprache der Buchhalter mit ihren Stempelkissen und Ärmelschonern. Geändert hat sich wenig. Hohlformeln sind so praktisch. Sie halten die Öffentlichkeit auf Distanz und sind unverbindlich. Sie sagen alles und nichts. Und so müssen wir wohl auch im Neuen Jahr die semantische Umweltverschmutzung ertragen. Führungskräfte von Wirtschaft, Staat und Politik werden wieder unentwegt Brücken bauen, Weichen stellen, Dinge auf den Prüfstand stellen und in trockene Tücher bringen, anderen vorwerfen, mit heißer Nadel zu stricken, und für sich selbst beanspruchen, auf dem richtigen Weg zu sein und sich breiter aufzustellen.

Kommen wir zur Hitliste der FAS:

Da profiliert sich Postchef Frank Appel mit folgendem Satz: “Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgendwo” – schon gar nicht bei der Post.

Zur tautologischen Speerspitze zählen Unternehmenberater wie McKinsey-Häuptling Dominic Barton: “Die Welt hat sich verändert, sie ist volatiler geworden”.

Rhetorische Brillanz stellt Conti-Boss Elmar Degenhart unter Beweis: “Das sehen wir ganz gelassen.” Wer es glaubt.

Wer höher hinaus will, gibt sich krampfhaft bescheiden wie Daimler-Finanzvorstand Bodo Uebber: “Ich habe meinen Traumjob, nämlich Finanzvorstand bei Daimler zu sein.” Was für ein überzeugendes Statement.

Bahnbrechend ist die Erkenntnis von Metro-Chef Eckhard Cordes: “Wir sehen im Moment ganz klar die dynamischste Entwicklung in Asien.”

Bla-bla-blubb artikuliert der Celesio-Vorstandsvorsitzende Fritz Oesterle über DocMorris: “Die Marke hat enorme Anziehungskraft (die ist wohl magnetisch, gs), wir mussten aber die….Prozesse im Hintergrund verbessern.” Klingt vordergründig.

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle ist in Interviews immer so schwer zu verstehen. Das liegt nicht nur an der Nuschelei: “Wir wollen keine Top-Down-Prozesse initiieren, sondern fördern das Bottom-up-Prinzip.” Ist das nun eine Kriegserklärung an Westerwelle oder nicht?

“Unser Risikomanagement ist …..gestärkt aus der Krise hervorgegangen”, sagte nicht Guido, sondern der KfW-Mann Ulrich Schröder. Ein Mutmacherspruch, der immer wirkt.

Für Banker ist es zudem wichtig, nicht die Orientierung zu verlieren. Deshalb gilt für West-LB-Vorstandschef Dietrich Voigtländer: “Wir blicken nach vorne”, um nicht in den Abgrund blicken zu müssen.

Denn: “Nichts ist in Stein gemeißelt”, betont Wolfgang Marzin, Geschäftsführer der Messe Frankfurt. Gähn.

“Sparen ist alternativlos”, sagte Karl-Ludwig Kley von der Firma Merck und ist wohl bei Merkel in die Rednerschule gegangen.

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger will mehr: “Wir müssen das breiter diskutieren.” Und danach besser aufstellen, weil es dazu keine Alternative gibt – siehe Merkel-Deutsch.

Zu den Spitzenkräften der Phraseologie zählt Steinfeld den Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann. Seine Erklärung hat er vor zwei Jahren abgegeben. Es wäre schade, wenn sie hier fehlen würde: “Wir werden unseren Kurs der zeitnahen Transparenz fortsetzen und uns unvermindert für zielführende Reformen des Finanzsystems insgesamt einsetzen.” Da beschleicht mich ein Gefühl. Dieser Schweizer Rhetor hat das Zeug zum Bundeskanzler.

Wer nun ist der Phrasendrescher des Jahres? Bitte abstimmen.

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“Skrupelloses Geschäftsgebaren” von Kirchen und Finanzämtern: Wer seinen Austritt nicht beweisen kann, muss Kirchensteuer nachzahlen

Kann man die Existenz Gottes beweisen? Wohl kaum. “Gott ist kein Theorem. Es geht nicht darum, ihn zu beweisen oder abzuleiten, sondern darum, an ihn zu glauben oder nicht”, schreibt André Comte-Sponville in seinem Opus “Warum glaubt ein Atheist?”. Für Theologen ist das nur schwer verdaulich. In Disputationen mit den Apologeten des Glaubenszirkus kommt an irgendeiner Stelle immer wieder das rabulistische Argument, ob man denn die Nichtexistenz Gottes beweisen könne? Das funktioniert natürlich nicht. Also ist die Unmöglichkeit für den Beweis der Nichtexistenz Gottes der Beweis für die Existenz Gottes. So einfach ist das. Wissenschaftstheoretisch ist diese Argumentation natürlich der Gipfel des Schwachsinns. Wie soll man beweisen, dass etwas nicht existiert? Man könnte mit diesem theologischen Totschlag-Argument auch beweisen, dass es den Weihnachtsmann, Feen, Engel und Werwölfe gibt.

Die theologische Beweisführung lässt sich auch für den fiskalischen Ablasshandel der Kirchen äußerst praktisch einsetzen. Wenn man seinen Kirchenaustritt nicht beweisen kann, ist das ein Beleg für die Kirchenmitgliedschaft. Wenn dann noch die Finanzämter als Inkassostelle für das Eintreiben der Kirchensteuer fungieren, können die Würdenträger der Großkirchen den Trend zur Säkularisierung etwas gelassener zur Kenntnis nehmen. So berichtet die FAZ von einem steuerpolitischen Skandal, bei dem ich als Atheist nicht zur Tagesordnung übergehen kann.

“Wer aus der Kirche austritt, sollte die Bescheinigung darüber sein Leben lang aufbewahren. Sonst droht auch Menschen, die seit Jahrzehnten im Berufsleben stehen, plötzlich eine Nachforderung des Finanzamts über Kirchensteuern für die vergangenen fünf Jahre. Vor allem in Berlin und Brandenburg stellt sich dieses Problem regelmäßig, wie Volker Jastrzembski von der Evangelischen Landeskirche der F.A.Z. bestätigte: Er beziffert die Zahl dieser Fälle auf rund 4000 jährlich. Das Problem: Die Beweislast für den Austritt liegt bei demjenigen, der einst getauft worden ist”, so die FAZ.

Der Berliner Fachanwalt Karsten Sommer werfe der von beiden Kirchen getragenen Kirchensteuerstelle in der Bundeshauptstadt vor, sie suche so gezielt nach Einnahmen. Auffällig sei, dass es fast immer nur Konfessionslose treffe, die einst evangelisch getauft worden seien. Seit das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg diese Rechtslage bestätigt habe, rate er seinen Mandanten meist von Klagen ab. Sommer spricht von einem “skrupellosen Geschäftsgebaren”.

Der Tagesspiegel schilderte schon im Jahr 2006 Fälle, in denen Arbeitnehmer und Freiberufler aus den alten Bundesländern noch Jahre nach ihrem Umzug nach Berlin aufgefordert worden seien, ihren Kirchenaustritt zu beweisen – bis zu 40 Jahre danach. “In einigen Bundesländern ist die zuständige Stelle das örtliche Amtsgericht, das die Akten aber nur zehn Jahre lang aufbewahren muss; in anderen ist es das jeweilige Standesamt”, schreibt die FAZ.

Die Beweisführung muss man erbringen, auch wenn seit Jahren auf der Lohnsteuerkarte der Vermerk steht “Kein Kirchensteuerabzug”. Dies schaffe keinen “Vertrauenstatbestand”, befand das Berliner Oberverwaltungsgericht (Az.: OVG 9 B 25.05). Notfalls bleibe nur ein Ausweg: schnell noch einmal aus der Kirche austreten – und Steuern nachzahlen. Eine Unverschämtheit. Wenn die Kirchen an die Kohle der Ungläubigen ranwollen, müssten sie den Beweis antreten, dass man nicht ausgetreten sei.

Der Kirchensteuersatz beträgt derzeit in Bayern und Baden-Württemberg acht Prozent, in den anderen Bundesländern sind es neun Prozent der Lohn- und Einkommensteuer. 2009 spülte die Kirchensteuer rund 4,9 Milliarden Euro in die Kasse der Kirchen. Pro Kopf kommt man durchschnittlich auf einen Betrag von 600 Euro jährlich. Die Steuernachzahlung kann also zu empfindlichen Belastungen führen. Es könnte sogar den einen oder anderen finanziell in den Ruin treiben.

Als guten Vorsatz für 2011 werde ich jetzt etwas machen, was ich schon seit Jahren im Kopf habe. Ich werde dem Förderkreis der Giordano Bruno Stiftung beitreten, um die Sauereien der Kirchen zu bekämpfen. Es gibt ja nicht nur ein Recht auf Glauben, es gibt auch ein Recht auf Unglauben! Auch Atheisten sollten als gesellschaftlich relevante Gruppe die gleichen Rechte eingeräumt bekommen, wie die Amtskirchen. Also auch die Vertretung in Gremien des Staates, Sendezeit beim Wort zum Sonntag oder Mitgliedschaft in Fernsehräten.

Siehe auch:
Geschäftsmodell Kirchenaustritt – moderne Inquisition.

Amazing!

Liebe Netzwerkfreunde, Kommentatoren, Leser, Ideengeber, Retweeter, Like-Button-Drücker, Disputanten, Kritiker,
ich wünsche Euch frohe Weihnachten und besinnliche Tage.
Gruß
Gunnar

Stieg Larsson, Assange und die Schweden-Verschwörung


Auch wenn Mikael Blomkvist „nur“ eine Romanfigur ist, “der Gedanke, der Wahrheit stets zu Diensten zu sein, wird durch Organisationen wie Wikileaks in die Wirklichkeit getragen. Mein persönlicher Traum nach einer Welt voller Mikael Blomkvists, durch Wikileaks kann er Realitität werden”, schreibt Leolumix. Bei der Kampagne der schwedischen Justiz gegen WikiLeaks-Gründer Julian Assange kam mir allerdings direkt ein anderer Gedanke, den auch Assange im Interview mit der Süddeutschen Zeitung äußerte: “Die schwedischen Ermittlungen gegen ihn hält Assange für fehlerhaft und politisch manipuliert. Dass Dokumente der schwedischen Justiz internationalen Zeitungen zugestellt wurden, sei ‘der bewusste Versuch, das Recht zu beugen’. Der schwedischen Staatsanwaltschaft, so Assange, wolle er daher nicht mehr helfen”, so die SZ.

Ohnehin sei das Bild vom sozialdemokratischen Musterland falsch. Schweden käme in Wahrheit der düsteren Welt voller Seilschaften und und finsterer Machenschaften näher, die der verstorbene Thriller-Autor Stieg Larsson in seinen Büchern beschrieb. Zudem wollte der schwedische Journalist mit Lisbeth Salander eine Heldin für die “Piratengeneration” erschaffen – Assange kommt diesem Ideal doch ziemlich nahe.

Und der Verdacht von Assange, dass sich hinter dem Auslieferungsbegehren der schwedischen Staatsanwältin eine Falle auftun könnte, ist nicht ganz unbegründet. Eine Übersiedlung nach Stockholm würde es den USA sehr viel leichter machen, “des Mannes habhaft zu werden, der sie durch die Veröffentlichung geheimer Dossiers und diplomatischer Depeschen gerade bis auf die Knochen blamiert”, schreibt die SZ.

Das Interesse der Geheimdienste jedenfalls konzentriert sich ausschließlich auf die Person Assange. Und Rufmord zählt zu den beliebtesten Mitteln, um Staatsfeinde in Schach zu halten. Journalisten werden häufig in diese Kategorie eingeordnet. So gibt es innerhalb des amerikanischen Geheimdienstes NSA die Abteilung Signals Intelligence Directorate (SID), die eine Datei mit dem “First Fruits” führt. “In dieser Datei sind die Namen kritischer Publizisten sowie ihre Artikel und Äußerungen gespeichert”, führt Udo Ulfkotte in seinem Buch “Der Krieg im Dunkeln – Die wahre Macht der Geheimdienste” aus. Auch der Name von SZ-Redakteur Hans Leyendecker taucht dort auf. Zu den präventiven Maßnahmen zur Wahrung der staatlichen Sicherheit zählt auch das Gefangennehmen potenziell Verdächtiger – auch ohne konkreten Verdacht!

Und wie lief noch einmal die Geschichte auf dem Stockholmer Flughafen Bromma vor fünf Jahren? Dort wurden zwei Ägypter in einen CIA-Jet verfrachtet, die in Schweden um politisches Asyl gebeten hatten. Das hat ihnen nichts gebracht. Sie wurden in rote Overalls gehüllt und in Handschellen sowie Fußfesseln aus Eisen abtransportiert. “Mit rechten Dingen ging es dabei offenbar nicht zu. Wohl aber mit Wissen und Billigung schwedischer Behörden (!)”, so Ulfkotte. Recherchen hatten ergeben, dass Polizisten der schwedischen Geheimpolizei mit den Amerikanern zusammengearbeitet hatten.

Zu den üblichen Methoden der Dunkelmänner im Staatsdienst zählen Denunziation, Geldhahn abdrehen, Staatsfeinde eliminieren. Alles das spielt sich zur Zeit in der Kampagne gegen WikiLeaks ab. Und von amerikanischer Seite wird doch offiziell bestätigt, dass man sich im politischen Krieg mit WikiLeaks befindet. Siehe dazu auch die schwedische Doku, die in deutscher Version im ORF lief.

Anna Ardin und Co. sind in diesem Spiel nur nützliche Idioten.

Siehe auch:
Transcript: The Assange interview.
JA: When a powerful organisation that has internal policies, that is meant to be creating and following the law, i.e. Swedish prosecution’s judicial system, abuses its own regulation and its own position to attack an individual, that is an abuse of power.

Serviceärgernis: Wenn Kundenkritik als Spam gewürdigt wird #chocri #facebook

Ich habe hier nun schon einiges über unterirdische Servicekonzepte gepostet, kritisierte unfähige Call Center-Unternehmen und mangelhafte Dienstleistungskonzepte. Aber was sich auf der Facebook-Fanseite von Chocri abspielt, ist wirklich der Gipfel der Ignoranz. Dort veröffentlichen Kunden eine Vielzahl von Beschwerden über nicht eingehaltene Liefertermine, monieren die zu späte Information über Lieferungen, die vor Weihnachten nicht erfolgen. Statt sich höflich, demütig und sachlich mit den Serviceschlampereien auseinanderzusetzen, werden unliebsame Beschwerden als Spamerei denunziert. So, liebe Chocri-Freunde, kann man mit Kommentaren von unzufriedenen Verbrauchern in sozialen Netzwerken nicht umgehen. Da solltet Ihr Euch mal ein wenig an der Community GetSatisfaction orientieren, um zu kapieren, wie sich die Meinungsbildung zwischen Unternehmen und Verbrauchern verändert. Die Zeiten der Einweg-Berieselung sind vorbei – auch wenn Ihr noch so cool wirken wollt.

Hier mein Wut-Tweet (vielleicht 2011 Wort des Jahres).

Siehe auch:
Social Media und die Einweg-Botschaften der Wirtschaft.

Vernetzte Verbraucher, gesellige Gespräche und Smart Mobs – Entscheiderforum in Perinaldo.

Monitoring ist ein Relikt aus der Zeit des klassischen Marketings

„Monitoring ist ein Relikt aus der Zeit des klassischen Marketings. Bei vielen Social Media-Analysetools, die in diesem Jahr wie Pilze aus dem Boden geschossen sind, geht es in der Regel um die Befindlichkeit einer Masse. Wir glauben eher an das Zeitalter der Social Media-Dialoge und an Social CRM“, sagt Andreas Klug, Vorstand des Kölner Softwareunternehmens Ityx, im Interview mit MarketingIT (das habe ich gestern mit ihm geführt). Man müsse die Dialoge technisieren. „Viele Marketingentscheider operieren noch nach den Gesetzen des Industriekapitalismus. Sie sehen das große Ganze oder den amorphen Schwarm und beobachten die Bewegungen dieses Schwarms. Wir konzentrieren uns auf den Dialog zwischen einer Serviceorganisation und dem einzelnen Verbraucher“, erklärt Klug.

Seine Firma werde in den nächsten Jahren den Ansatz des strategischen Interaktionsmanagements verfolgen. Erste Ansätze werden auf der Call Center World im Februar 2010 in Berlin vorgestellt. Es gehe um die Anbindung von Interaktionen und Dialoge an ein Social CRM-System. So werden Informationen auf Knopfdruck zur Verfügung stehen, welche Folgewirkungen negative Serviceerlebnisse mit einem einzelnen Kunden haben könnten. Die Software werde für jeden Kunden einen Community-Wert ermitteln. Es gehe um ein personalisiertes CRM. „Vor 15 Jahren hat man sich Gedanken über Kundensegmentierung gemacht. Mit diesen groben Kategorien wird man in Zukunft nicht mehr arbeiten“, erklärt Klug. In den nächsten drei Jahren werden Systeme auf den Markt kommen, die genau anzeigen, wie man Serviceerlebnisse individuell zuschneiden muss.

„Unternehmen benötigen in den nächsten Jahren einen integrierten Monitoring-Ansatz für das Multikanal-Management. Insellösungen für die Analyse von Social Media sind nur ein Übergangsphänomen, wie Gartner treffend festgestellt hat. Was bringt es mir, wenn ich viele Interessenten oder Fans über Facebook generiere und sie nicht mit anderen Kontakten via E-Mail, Brief oder persönlichen Gesprächen abgleichen kann. Das alles muss zusammengeführt werden“, betont Klug gegenüber MarketingIT.

Die komplette Story erscheint morgen im Düsseldorfer Fachdienst MarketingIT.

Hier ist die Audio-Aufzeichnung des Klug-Interviews.


Die Ski-Nasen in Winterberg

Wechseljahre einer Kaiserin – Alternative zur Weihnachtstrilogie

Wer die Weihnachtstrilogie mit Romy Schneider und Karlheinz Böhm überhaupt nicht ertragen kann, sollte sich doch eher mit den Wechseljahren der Kaiserin beschäftigen.

Steve Jobs für nur 2.500 Dollar


Wie ich bereits vermutet habe, führt das Vertriebsverbot für den kleinen Stevie zu einer Wertsteigerung. Nach einem Bericht von Mac Life erzielte die Figur des Apple-Chefs bei eBay einen Preis von 2.500 Dollar. “Nun wurden auch andere Puppen dort eingestellt, zu einem Mindestgebot von 1000 bis 2500 Dollar. Wie viele der Figuren tatsächlich ausgeliefert wurden, ist unbekannt, es dürften 100 bis 300 Exemplare sein”, so Mac Life. 100 bis 300 Exemplare weltweit? Da war ich mit meiner Bestellung schnell genug :-) Und 2.500 Dollar für den Miniatur-Apple-Boss ist noch ein wenig mager.

Die besten Konjunkturprognostiker: Brüderle-Ministerium schneidet miserabel ab – Meine Vorhersage wurde nicht gewertet ;-)

“Oft erinnern sie an Kaffeesatzleserei, aber Konjunkturumfragen sind durchaus ein hartes Geschäft. Wer bei den Prognosen, wie sich die deutsche Wirtschaft entwickelt, zu oft daneben liegt, wird von der Konkurrenz schnell abgehängt”, schreibt Spiegel Online und bezieht sich auf einen Bericht der “Financial Times Deutschland”, die verglichen hat, wie treffsicher die Ökonomen und Institute in diesem Jahr waren – und ein aufschlussreiches Ranking erstellt. Die FTD formuliert nun das genaue Gegenteil: “Konjunkturprognosen zu erstellen ist nicht wie Kaffeesatzlesen. Die Auswertung der FTD über neun Jahre zeigt, dass regelmäßig dieselben Ökonomen gut abschneiden – so wie Karsten Klude von M.M. Warburg.” Ich bin neige da eher zur ersten Position. Vor allen Dingen die Wirtschaftsforschungsinstitute, die kräftig mit Steuergeldern vollgepumpt werden, versagen mit ihren ökonometrischen Modellen. Entsprechend schlecht schneidet das Bundeswirtschaftsministerium unter Leitung von Rainer Brüderle im FTD-Ranking ab: Die Experten der Bundesregierung unterschätzten, wie schnell sich das Land von der Krise erholen würde. “Anfang des Jahres sagten sie für 2010 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,4 Prozent voraus. Mittlerweile sind sich die meisten Experten jedoch einig, dass am Ende des Jahres ein Plus von 3,7 Prozent stehen wird – auch wenn dieser Wert naturgemäß noch nicht feststeht. Für Brüderle heißt dies, dass er mit seiner defensiven Prognose in diesem Jahr nur auf Platz 39 kommt”, so Spiegel Online.

Warum tauche ich eigentlich nicht in dem Ranking auf? Vor knapp 12 Monaten habe ich wieder einmal die Steinbuch-Methode für meine Konjunkturprognose eingesetzt. Siehe auch: Die Allensbach-Jahresumfrage und das Versagen der Konjunkturforscher: Wirtschaftsaufschwung stärker als es die Prognoseprofis vorhersagen!

Der Informatik-Professor Karl Steinbuch hat 1979 eine interessante Korrelation entdeckt. Er berechnete, dass eine seit 1949 jeweils zum Jahresende vom Institut für Demoskopie Allensbach gestellte Frage „Sehen Sie dem Neuen Jahr mit Hoffnungen oder Befürchtungen entgegen“ in dem Prozentsatz der Antworten „mit Hoffnungen“ der Entwicklung des realen Bruttosozialprodukts vorauseilt. Der Verlauf des Optimismus folge nach Erkenntnissen von Steinbuch wie das Wachstum des Bruttosozialprodukts Zyklen mit einer Dauer von etwa vier bis fünf Jahren und der Optimismus in der Bevölkerung hinke nicht hinter der Konjunktur her, sondern gehe ihr voraus: Zuerst Optimismus, dann Wachstum.

Die persönliche Einschätzung der Zukunft sei ein besserer Indikator für die Entwicklung der Konjunktur, als die mit großem wissenschaftlichen Aufwand betriebenen Vorhersagen der Wirtschaftsforschungsinstitute – für die der Staat kräftig Steuergelder verprasst. Hier versagen die Modelle der makroökonomischen Erbsenzähler. Denn die wirtschaftliche Dynamik ist nicht nur abhängig von äußeren Faktoren wie Steuerlast oder Arbeitsgesetzen, sondern in hohem Maß auch von Psychologie. Für die Konjunkturentwicklung ist es relevant, wie es zu gleichgerichteten Verhaltensweisen der Bevölkerung bei jenen Faktoren kommt, die Expansion und Rezession beeinflussen; denn erst der Gleichschritt erzeugt die Durchschlagskraft, verstärkt die Wirkung so sehr, dass der Konjunkturverlauf einen schicksalhaften Rang erhält.

Ende 2009 Schauen fiel die Allensbach-Jahresumfrage schon recht optimistisch aus, so dass ich für 2010 ein kräftiges Wachstum vorhersagte. Vor einem Jahr gaben 45 Prozent der Umfrageteilnehmer zu Protokoll, den kommenden 12 Monaten mit Hoffnungen entgegen zu sehen. 11 Prozentpunkte mehr im Vergleich zum Wert vor einem Jahr. Aber selbst die Umfragedaten zum Beginn des „Krisenjahres“ deuteten darauf hin, dass wir eben nicht die schwerste Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlebten. Denn 34 Prozent votierten damals für Hoffnungen. Ein Wert, der Anfang der 80er Jahre erreicht wurde. 1973, im Jahr der Ölkrise, kam man auf 30 Prozent. 1950, lag der Umfragewert bei 27 Prozent, stieg in den Folgejahren durch die Erfolge der Wirtschaftspolitik Ludwig Erhards sehr schnell und steil an.

Auf Platz eins der treffsichersten Konjunktur-Prognostiker steht zwar der Ökonom Carsten Klude von der Privatbank M.M. Warburg. Er hat diesen Platz aber nicht verdient ;-)

Anfang Januar 2011 werde ich wieder eine Vorhersage wagen. Wenn ich richtig liege, verlange ich ein Honorar aus dem Bundeshaushalt. Immerhin kassieren die Wirtschaftsforschungsinstitute pro Jahr über 40 Millionen Euro vom Staat.