Die Bonner Beethovenhalle und der Gründergeist der Bundesrepublik

Selten erfahren Bauwerke einer gerade zurückliegenden Epoche eine große Wertschätzung. Derzeit ergeht es vielen bedeutsamen Bauten der Nachkriegsmoderne so. 50 Jahre wurden die Gebäude sich selbst überlassen; Bauerhaltung, Instandsetzung, Renovierung oder Sanierung erfolgten so gut wie nicht. Deshalb sei es wichtig, so Professor Michael Braum von der Bundesstiftung Baukultur, über dieses Desaster in der Öffentlichkeit vehementer zu streiten, wie es derzeit bei Stuttgart 21 der Fall ist. „Baukultur muss wehtun“, so Braum beim Netzwerktreffen mit Architekten und Publizisten im Kölner „Kulturzentrum am Neumarkt“, das in Kooperation mit dem Haus der Architektur veranstaltet wurde. Man müsse die Nachkriegsmoderne weiterdenken und nicht verdrängen. Man benötige den öffentlichen Diskurs über die Zukunft von Bauten, die zur Identität der Bundesrepublik Deutschland gehören, betonte Jörg Jung von der Initiative „Mut zur Kultur“ in seinem Vortrag. Dazu zähle das Schauspielhaus in Köln und die Beethovenhalle in Bonn.

Die Rede von Jung habe ich aufgezeichnet:
Jörg Jung final

Reimar Molitor sprach über die Regionale:
Reimar Molitor

Auf NeueNachricht erscheint dann noch ein längerer Artikel über das Netzwerktreffen.

Wer mehr über die Beethovenhalle erfahren möchte, sollte die Website der Initiative Beethovenhalle besuchen. Diese studentische Initiative bekommt übrigens den Deutschen Preis für Denkmalschutz 2010. Er wird am 8. November in Kiel verliehen! Hier die Facebook-Präsenz.

Schulklassen und interessierten Bürgern bietet die Initiative auch kunsthistorische Führungen durch die Beethovenhalle an. Anmeldungen unter: fuehrungen@initiative-beethovenhalle.de

Nachtrag:
Hier der NeueNachricht-Artikel: Diskurs über die Nachkriegsmoderne vonnöten – Baudenkmäler wie die Beethovenhalle gehören zur Identität der Bundesrepublik.

Netz und Labyrinth: Professor Herbert W. Franke über die Metapher seines Lebens

Siehe auch:

Kakteen, Mathematik und die Entdeckung der Mars-Höhlen: Ausstellung zu Leben und Werk von Herbert W. Franke.

Defekter Kundenservice und das Alzheimer-Syndrom der Call Center

FRAU MÜLLER FREUTE SICH SCHON BEIM INS-BETT-GEHEN DARAUF, AM NÄCHSTEN MORGEN IHREN MOBILFUNK-PROVIDER ANZURUFEN!

So könnte man die These auf die Spitze treiben, wenn Experten der Call Center-Branche behaupten, Kunden würden den persönlichen Kontakt mit Agenten an der Hotline bevorzugen. Das ist ausgemachter Mumpitz. Mir sind die auswechselbaren Hotline-Mitarbeiter völlig wurscht. Die Telefonate verlaufen in der Regel nach dem Alzheimer-Prinzip. Egal, wie häufig ich bereits zu einem Servicefall angerufen habe – nehmen wir mal an, meine DSL-Leitung ist platt – kann ich das jedem „Telefonpartner“ immer wieder neu schildern. Die erinnern sich an gar nichts – so viel zum Thema Multi-Channel-Management.

Unternehmen verursachen die Serviceanrufe in der Regel doch selbst – mir bleibt häufig gar keine andere Wahl: Der Webservice ist miserabel, das Shop-System funktioniert nicht, die Abrechnung läuft falsch, E-Mails werden nicht beantwortet, Facebook oder Twitter werden ernst genommen und, und, und. Stephan Pucker, Geschäftsführer von Ad Scopum, hat den Call Center-Mythos schön auseinander genommen. Hier die pdf-Datei des Vortrages auf den Voice Days plus in Nürnberg: The Best Service is No Service_Pucker

Warum muss man das gute alte Telefon als Kunde bedienen:
Weil eine Hilfe beim Bestellprozess notwendig ist, die Lieferung sich verspätet, ohne Rückfrage ein veraltetes Betriebssystem ausgeliefert wird, Upgrade-Informationen falsch laufen, die Registrierung und Bestellung auf der Website viel zu umständlich ist, eine Upgrade Registrierung fehlgeschlagen ist, ein zugesagter Rückruf vom Kundenservice nicht erfolgt, die Notifikation der Upgrade Verfügbarkeit fehlgeschlagen ist, das Upgrade selbst nicht funktioniert: „Viele Kundenkontakte sind in Wahrheit ‚Defekte'“, so die richtige Analyse von Pucker.

Wenn es gut läuft, wie in der Regel bei Amazon, besteht kein Grund für einen so genannten Service-Kontakt.