Social Media und die Kraft der schwachen Verbindungen

Weil es so einfach sei, die schwachen Verbindungen aufrecht zu erhalten, steigt die Zahl unserer Beziehungen insgesamt massiv an, schreibt Blogger Thomas Knüwer in einem sehr interessanten Beitrag. “Diese Kontakte nehmen wir sogar ein Leben lang mit, wenn wir wollen. Junge Menschen, die heute über Instant Messenger oder Social Network miteinander in Verbindung bleiben, verlieren – so sie und der andere es will – niemand mehr aus den Augen”, so Knüwer. Die neuen Verbindungen würden etwas verändern. “Wir sind bereit, uns aktivieren zu lassen. Wir setzen uns ein für Menschen, denen wir uns aus welchen Gründen auch immer nahe fühlen. Nehmen wir nur jenes Düsseldorfer Ehepaar, beide Blogger, die durch ein Feuer ihre Wohnung verloren. Wie ein Sturm verbreitete sich die Suche nach einer Ersatzwohnung via Twitter. Eine Spendenaktion brachte ein unfassbares Ergebnis: über 20.000 Euro. Allein die gemeinsame Nutzung einer Technik, der Blog-Software und der Plattform Twitter sorgte hier schon für eine gewisse Nähe, die Geschichte der beiden berührte emotional”, führt Knüwer weiter aus.

In meinem Vortrag in Perinaldo (Von der Idiotie der Masse zur Intelligenz der Menge: Die Macht der Netzwerkökonomie) den ich morgen halte, gehe ich auf die Kraft der schwachen Verbindungen ein. Für die Web 2.0-Freaks verkünde ich mit Sicherheit keine Neuigkeiten. Aber es ist doch schon ganz interessant, sich mit den Wegbereitern des Soical Media-Gedanken ab und zu auseinanderzusetzen.

Beispielsweise mit Horward Rheingold, der den Wandel der Netzkultur bereits 2002 in seinem Artikel „Smart Mobs – Die Macht der mobilen Vielen“ vorweggenommen hat.

Die Konvergenz der Technologien bewirke neue Formen der Kommunikation. Ortungsfähige drahtlose Organizer, Drahtlos-Netzwerke und zu Computerverbünden zusammengeschlossene Kollektive haben eines gemeinsam: Sie befähigen Menschen, auf neue Arten und in unterschiedlichen Situationen gemeinsam zu agieren.

Die Killerapplikationen von morgen werden nicht Hardware oder Software sein, sondern soziale Praktiken. Die technische Infrastruktur verändert Unternehmen, Gemeinschaften und Märkte, so Rheingold vor acht Jahren. Hier noch ein paar Statements, die ich morgen vortragen möchte:

Wer sich auf Facebook mit anderen verbindet, ist fortan auch eingebunden in die sozialen Interaktionen seiner „Facebook-Freunde“ eingebunden = Mark Granovetter-Theorie der schwachen und starken sozialen Bindungen.

Mit den engeren Kontakten kommuniziere ich über E-Mail, Skype, Telefon – die öffentliche Kommunikation in sozialen Netzwerken zielt auf die entfernteren Bekanntschaften und auf die anonyme Gemeinschaft aller anderen Mitglieder.

Onliner, die sich in Netzgemeinschaften organisieren sind keineswegs lichtscheue Elemente oder Bildschirmjunkies, die sich hinter ihren Monitoren verkriechen – eingebettet von Pizzakartons.

Sie verbringen ihre Zeit im Netz nicht auf Kosten der Pflege von Offlinekontakten, sondern auf Kosten ihres Konsums von klassischen Massenmedien.

Onliner sind in der Regel sozial hochkompetente, kommunikationsfreudige und engagierte Menschen.

Onliner publizieren Texte, Bilder, Filme und Musik – eigene und fremde Produktionen.

MashUp – Rekombination bestehender digitaler Inhalte zu neuen Werken.

Es blüht die künstlerische Collage und filmische Montage auf – es entsteht sogar avantgardistische Kunst.

Aushebelung der Masseneffekte – es regiert nicht Menge und Quote.

Netz ist zufallsgesteuert und interessengeleitet.

Im Netz hat man Erfolg, wenn man die Bedürfnisse und Vorlieben anderer Nutzer am besten trifft.

Experimentierfeld Musik als Beispiel – Plattenlabel kalkulieren nach den Charterfolgen.

Independent Bands ohne Chancen.

Im Netz kaum Produktionskosten – Beispiel britische Band Arctic Monkeys – Hier liegt die eigentliche Gefahr der Musikindustrie, nicht illegale Distribution über Filesharing-Netze.

Web 2.0 bietet Geschäftsmodell für die ausgefallensten Güter und Dienstleistungen – Long Tail – es fördert heterogene Märkte.

Und zum Schluss muss wieder einmal der olle Goethe das Rätsel der kollektiven Intelligenz lösen: „Man spricht immer von Originalität, allein was will das sagen! Wenn ich sagen könnte, was ich alles großen Vorgängern und Mitlebenden schuldig geworden bin, so bliebe nicht viel übrig“.

Oder doch lieber die alten Griechen:

Web 2.0 als Agora – als öffentlicher Marktplatz. Die Netzwelt wirkt vor allem durch die permanente Korrektur ihrer Wissensprojekte über die öffentliche Diskussion und Disputation. Das zeichnete die antike Öffentlichkeit aus. Es sind allerdings keine elitären Zirkel wie in der Antike oder in der Gelehrtenrepublik des 18. Jahrhunderts.

Hier der komplette Vortrag:

Idiotie der Masse

Wer noch Ideen, Anregungen oder Kritik beisteuern möchte, kann das bis morgen Mittag machen. Ich bin erst so gegen 16 Uhr an der Reihe.

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Wie die Generation Y die Kommunikationswelt verändern wird und warum Call Center darunter leiden werden

Acht Studenten der Hochschule Furtwangen wagten ein Experiment: Sie verzichteten eine Woche komplett auf Internet und Handy. Ihre Erfahrungen sind nach Auffassung von Armin Trost, Professor für Human Resource Management, sehr spannend – und auch für Manager interessant. Denn der Kommunikationsstil der Generation Y wird die Arbeitswelt verändern.

“Eltern sollten verstehen, wie ihre Kinder in diesem Alter kommunizieren. Dasselbe gilt für Manager. Auch sie sollten das Kommunikationsverhalten ihrer jüngeren Mitarbeiter kennen. Das ist für die künftige Gestaltung der Arbeitswelt enorm wichtig – auch unabhängig davon, was das am Ende konkret bedeuten mag. Die Generation Y ist anders als Ältere enorm geschickt, schnell und beweglich beim Umgang mit dem Web 2.0. Die meisten der jüngeren Menschen, Studenten und Mitarbeiter nutzen das Internet anders und effektiver. Dahinter stecken ungeahnte Potenziale – aber auch Gefahren”, so Trost.

Das Experiment habe allen Beteiligten klargemacht, wie anders die jüngere Generation mit modernen Medien umgeht. Doch was bedeutet dies für die Arbeitswelt? Was sind Ihre Erfahrungen? Wie sollten die Verantwortlichen in den Unternehmen auf diese Entwicklungen reagieren?

Auch Spezialisten der Technologiebranche rechnen mit Veränderungen der Kommunikationswelt in Unternehmen durch die Generation Y. Das äußerte beispielsweise Christian Fron, Geschäftsführer der Aastra-Tochterfirma DeTeWe, im Interview mit dem Deutschlandfunk. Fron geht davon aus, dass die Kommunikation noch mobiler wird: “Was meine ich damit? Wenn wir heute schon in die Zimmer unserer Jugend schauen, dann ist ein klassischer Festnetzapparat kaum zu finden. Wir reden über mobile Devices, bereits schon im Jugendalter auch von Smartphones oder PDAs. Wir reden über weltweites Videochatten im Internet, telefoniert wird über Skype, Instant Messaging ist Gewohnheit für unsere Jugend. Das sind alles Themen, die selbstverständlich sind in dieser Generation, die aber bei Weitem noch nicht in dem Geschäftsleben integriert sind.”

Negativ wird sich das Kommunikationsverhalten der jungen Generation auf Call Center auswirken – was man nur begrüßen kann! Untersuchungen zeigen, dass die Generation Y automatisierte Dienste favorisiert, seien es Sprach- oder Webapplikationen. Sie will mobilen Zugang und das 24 Stunden an jedem Tag der Woche. Sie kommuniziert lieber mit Technologie, statt in der Warteschlange zu stecken. Der steigende Anteil der Automatisierung und die immer intelligenter werdenden Self Service-Angebote werden sich nach Ansicht des amerikanischen Marketingexperten Don Peppers auf die gesamte Wirtschaft auswirken – jüngere Leute wirken dabei als Taktgeber: „Jedes Mal, wenn ein Kunde online geht und großartigen Kundenservice von Amazon, eBay oder Google bekommt, wächst auch sein Service-Anspruch beim Kiosk an der Ecke”, sagt Peppers.

Eure Meinung, Eure Erfahrungen????

Professor Herbert W. Franke über Lernautomaten und die Visualisierung von Wissen

Professor Herbert Werner Franke ( geb. 14. Mai 1927 in Wien) ist ein österreichischer Wissenschaftler und Schriftsteller. Er gilt als einer der bedeutendsten lebenden deutschsprachigen Science-Fiction-Autoren. Er ist außerdem aktiv im Bereich der Zukunftsforschung, der Höhlenforschung sowie der Computergrafik und Computerkunst.

Vor meiner Abreise nach Ligurien hatte ich die Möglichkeit, ein längeres Interview mit ihm über die Kommunikation von morgen und übermorgen zu führen.

Ein Betätigungsfeld größter Bedeutung ist nach Ansicht von Professor Franke die Frage der Vermittlung von Daten. Das ererbte Verständigungssystem ist die Sprache, derer wir uns heute meist in Form von Schrift bedienen: Die im Gehirn auftretenden Vorstellungen werden durch Laute codiert, die dann als Buchstaben über das Auge aufgenommen werden, um im Gehirn wieder in die Lautsprache zurückübersetzt werden. Und dann erst folgt die Transformation in eine bildliche Vorstellungswelt. Das sei nicht die beste Art, etwas mitzuteilen, so Franke. Der Gesichtssinn könne sehr viel mehr Informationen pro Zeiteinheit aufnehmen als das an zweiter Stelle stehende Gehör, und dazu komme die Fähigkeit, zwei-, in gewissem Maß sogar dreidimensionale Entitäten wahrzunehmen. Zwei- oder dreidimensionale Zusammenhänge lassen sich mit Bildern besser ausdrücken als mit Worten. So könnte man in Schulen in den ersten Jahren völlig ohne Formeln auskommen. Eine Visualisierung der Mathematik würde sehr viel bessere Lernergebnisse zur Folge haben. Jeder Schüler sollte mit Lernautomaten ausgestattet werden, um mit modernen Visualisierungsmethoden Wissen vermittelt zu bekommen. Die Automaten würden die individuellen Lernfortschritte sehr viel besser dokumentieren. Lehrer könnten das nur bedingt. Die Kreidezeit in Bildungsinstitutionen, wie es der IBM-Cheftechnologe Gunter Dueck ausdrückte, sollte so schnell wie möglich der Vergangenheit angehören.

Ich konnte das Interview noch nicht auswerten. Aber hier schon einmmal für Interessierte die komplette Audioaufzeichnung. Berichte zu dieser Thematik folgen in den nächsten Wochen:


Sind wir Sklaven des Internets und neuer Technologien?

Zwei Drittel der Berufstätigen sind nach einem Bericht des Deutschlandfunks inzwischen außerhalb ihrer regulären Arbeitszeiten für Kunden, Kollegen oder Vorgesetzte per Internet oder Handy erreichbar. Ein Drittel der Erwerbstätigen ist sogar jederzeit erreichbar, also auch am Abend oder am Wochenende. Nur 32 Prozent der Berufstätigen sind in ihrer Freizeit nur in Ausnahmefällen oder gar nicht per Internet oder Handy erreichbar. „Das Thema hat inzwischen nicht nur die Arztpraxen, sondern auch die Medien erreicht“, so der DLF.

Bei vielen Berufstätigen würde es auch am Feierabend und am Wochenende piepen – ob sich eine SMS ankündigt, das Telefon klingelt oder die E-Mail im Postfach ankommt -, ständige Erreichbarkeit gilt heute häufig als normal. Christian Fron, Geschäftsführer des Aastra-Tochterunternehmens DeTeWe erinnert an ein Zitat des amerikanischen Zukunftsforschers John Naisbitt. Er habe bereits vor 50 Jahren gesagt, es hänge vom Menschen ab, ob er die Technologie beherrscht oder sich von der Technologie beherrschen lässt. Wenn von einer Informationsflut die Rede sei, liege einiges auch am Nutzerverhalten. So werden täglich in Unternehmen rund 70 Milliarden E-Mails intern verschickt: „Jetzt muss man sich die Frage stellen, ob so viel Informationen zielgerichtet sind oder ob die eigentlichen Nutzer dieses Medium vielleicht nicht überstrapazieren“, erläutert Fron gegenüber dem DLF.

„Wir sind alle dauernd online, und das zerfasert unser Leben. Und sehr viele klagen gelegentlich darüber. Aber nur kurz. Dann schauen sie in ihr E-Mail-Postfach, damit sie nichts versäumen”, philosophiert er und erklärt: “Aber der Traum vom Offline sein, vom guten Buch, das man ungestört liest, ohne zwischendurch durch dies und das abgelenkt zu sein, dieser Traum ist das Next Big Thing, das kann man jetzt schon sagen“, klagt Robert Misik vom österreichischen “Standard” in seinem Videocast.

Er verweist auf das Buch von SZ-Redakteur Alex Rühle „Ohne Netz: Mein halbes Jahr offline“ und auf den Band „Ich bin dann mal Offline. Ein Selbstversuch“ von Christoph Koch. Beide könne man schon ganz leicht bestellen. Im Internet! „Und am amerikanischen Buchmarkt stapeln sich ohnehin schon die Wälzer, in denen beschrieben wird, wie furchtbar das Internet ist, wie es uns immer dümmer macht, wie es unser Gehirn in Unordnung bringt, indem es unsere Synapsen zu einem wirren Knäuel verstrickt. Und ich geb zu: Mich macht das Internet auch nervös. Am meisten nervös macht es mich, wenn es nicht funktioniert“, führt Misik aus.

Die Klage über den Überfluss an Informationen sei kein Phänomen des Internetzeitalters und der mobilen Arbeitswelt, so Peter B. Záboji, Chairman des Afters Sales-Spezialisten Bitronic. Man müsse wie früher genau selektieren, welche Informationen durchkommen dürfen und welche nicht. „Beim traditionellen Briefverkehr waren es die Vorzimmer im Unternehmen, die eine Auswahl vorgenommen haben. Heute sind es elektronische Filter und virtuelle Assistenzsysteme. Man sollte die Technik nur geschickt einsetzen und darf sich nicht von ihr dominieren lassen“. Die Folgen der informationellen Unzulänglichkeit des Menschen habe der Informatiker Professor Karl Steinbuch vor über 30 Jahren treffend beschrieben. Ein Wissenschaftler stehe beispielsweise ständig vor dem Dilemma, ob er seine Zeit der Forschung widmen soll oder der Suche nach Ergebnissen, die andere schon gefunden haben. Versuche er, fremde Publikationen erschöpfend auszuwerten, dann bleibe ihm kaum Zeit zu eigener Forschung. Forsche der Wissenschaftler jedoch ohne Beachtung fremder Ergebnisse, dann arbeitet er möglicherweise an Erkenntnissen, die andere schon gefunden haben. „Mit den Recherchemöglichkeiten, die das Internet heute bietet, reduziert sich allerdings der Aufwand für das erste Szenario erheblich“, sagt Záboji.

Wichtig sei es nach Ansicht des ITK-Branchenexperten Fron, dass Informationen nur da hinkommen, wo sie wirklich hin sollen „Ich habe jederzeit die Möglichkeit, die Informationen komplett umzulenken, so dass nur in dringenden Fällen Nachrichten an mich herangetragen werden.“ Grundsätzlich biete sich nicht für jedes Unternehmen immer jede Technik an. „Ein Blackberry ist für einen Geschäftsführer sinnvoll, der viel unterwegs ist. Ein Innendienstmitarbeiter braucht ihn dagegen nicht. Videokonferenzen sind für internationale Konzerne mit vielen Niederlassungen äußerst praktisch. Man kann den Kollegen oder Geschäftspartnern gegenübersitzen, ohne dass man einen Schritt aus dem Büro gemacht hat. Reisen entfallen. Das spart Zeit und Geld. Man muss bei all den Anschaffungen vor allen Dingen sein Gehirn einschalten und prüfen, welche technischen Innovationen zur eigenen Firma passen“, so der Ratschlag von Záboji. Unangemessen sei die fundamentale Technologiekritik, die sich gegen das Internet wendet. Auf diesen Zug würden zwar immer mehr Debattenkünstler wie Nicholas Carr oder Jaron Lanier aufspringen. Besonders originell seien die Positionen dieser Nörgler nicht.

NZZ-Blogger Nico Luchsinger hat dazu ein schönes Stück geschrieben. Er beschäftigt sich mit dem neuen Buch von Nicholas Carr „The Shallows“. Carr habe wie der FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher das Gefühl, dass jemand oder etwas sein Gehirn beeinflusse (hoffentlich ist diese Krankheit nicht anstecken, gs). Auch der Tech-Autor habe als Hauptschuldigen das Internet ausgemacht. Es führe zur Ablenkung und zum oberflächlichen Lernen.

„Dutzende Studien, die Carr zusammengetragen hat, sollen beweisen, dass das Internet tatsächlich unsere Synapsen neu verknüpft. So sei nämlich erwiesen, dass das Internet schnelles kursorisches Lesen fördere; ständig werde unsere Aufmerksamkeit von Links auf andere Inhalte abgelenkt; die kontemplative Auseinandersetzung mit einem Text sei deshalb eine aussterbende Kulturtechnik“, so Luchsinger. Carr sollte sich mit Herder auseinandersetzen, der das kursorische Lesen als Recherchetechnik im 18. Jahrhundert empfohlen hat, um mit der Flut von neuen Büchern fertig zu werden.

„Der lineare, literarische Verstand war für fünf Jahrhunderte das Zentrum von Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft. Aber er könnte schon bald der Vergangenheit angehören“, meint Carr. Entsprechend pessimistisch beurteilt er das Projekt von Google, möglichst viele Bücher zu digitalisieren: Indem man die Buchtexte nach Stichworten durchsuchbar mache, werde die eigentliche Effizienz des Buches für eine tiefe Wissens- und Meinungsbildung zerstört.

Nicht nur bei solchen Aussagen drücke bei Carr ein verstörend naiver und ideologisch aufgeladener Kulturpessimismus durch, kommentiert Luchsinger. An einer Stelle etwa beklage Carr die Veränderung in den Bibliotheken, die noch vor wenigen Jahren „Oasen der Ruhe“ waren, nun aber fast alle mit Internet-Zugang ausgerüstet sind: „Das vorherrschende Geräusch in der modernen Bibliothek ist nicht mehr das Blättern von Seiten, sondern das Klappern der Tastaturen.“

Dass Bibliotheken – schon immer – Orte des Wissenszugangs waren und dass dazu im 21. Jahrhundert nun mal ein internetfähiger Computer gehört, scheine Carr in seiner elitären bibliophilen Verblendung nicht in den Sinn zu kommen. Nun ist diese Position nicht nur elitär, sondern historisch gesehen Unfug. Herder hatte ich ja schon erwähnt, der mit der Flut an Buchneuerscheinungen nicht mehr fertig wurde, obwohl die Lage im Vergleich zu heute noch überschaubar war. Der Zuwachs einer deutschen Hochschulbibliothek bewegt sich jährlich zwischen 30.000 bis 50.000 Bände, während der Gesamtbestand einer Hochschulbibliothek Ende des 18. Jahrhunderts bei rund 20.000 Büchern und Schriften lag. Zur Mitte des 19. Jahrhunderts lag man bei 130.000 Büchern. Eine Uni-Bibliothek abonniert heute mehr als 8.000 Periodika. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts gab es erst 100 wissenschaftliche Zeitschriften. Die Library of Congress beziffert ihre Bestände auf weiter über 130 Millionen Einheiten. Ohne Digitaltechnik gäbe es keine Orientierung mehr.

„In einer Kritik von ‚The Shallows‘ hat der Psychologe Steven Pinker erklärt, Neurowissenschaftler würden bei den Aussagen Carrs nur mit den Augen rollen. Denn natürlich beeinflusse die Internet-Nutzung das Gehirn – genauso wie Fahrradfahren und alle anderen menschlichen Tätigkeiten und Erfahrungen auch. Und die Neurowissenschaftlerin Maryanne Wolf, die in ihrem Buch ebenfalls vor den Gefahren des digitalen Lesens warnt, gestand im Interview mit der ‚Süddeutschen Zeitung‘ ein, dass es bis jetzt kaum harte Fakten zu den Auswirkungen des Lesens an einem Bildschirm gibt. Das soll nicht heißen, dass es keine Unterschiede zwischen dem Lesen eines Buches und dem Lesen eines Blogposts gibt, und auch nicht, dass letzteres keinen Einfluss auf unser Gehirn hat. Aber die Faktenlage lässt Carrs einigermaßen apokalyptische Prophezeiungen völlig übertrieben erscheinen“, resümiert der NZZ-Blogger.

Stiftung Zollverein: Öffentliche Gelder kassieren und die Panoramafreiheit einschränken?

Der Deutsche Journalisten Verband hat als nicht hinnehmbar kritisiert, dass die Stiftung Zollverein Fotografen abmahnt, die Bilder der Zeche Zollverein auf ihren Internetseiten veröffentlichen. Den Hinweis auf eine angebliche Kostenpflichtigkeit einer Veröffentlichung von Bildern der Zeche, einem der bedeutendsten Industriedenkmäler der Welt, hält der DJV für geradezu grotesk. Es sei paradox, dass man einerseits das Bild einer weltoffenen europäischen Kulturhauptstadt-Region abgeben wolle, andererseits die Panoramafreiheit missachte.

“Es kann nicht sein, dass Fotografen, die in die europäische Kulturhauptstadt Region reisten, etwa, wie am vergangenen Wochenende für das Still-Leben auf der A40, oder wie am kommenden Wochenende zur Loveparade in Duisburg, Angst haben müssen, auch die Zeche Zollverein zu fotografieren, da sonst Abmahnungen auf sie zukommen könnten”, betonte die stellvertretende DJV Bundesvorsitzende Ulrike Kaiser. “Für uns ist klar: Es gilt auch im Fall der Stiftung Zollverein die Panoramafreiheit für Fotografen. Die Stiftung Zollverein kann diese nicht missachten”, so Kaiser.

Zudem sei das die schlechteste Öffentlichkeitsarbeit für den Standort Ruhrgebiet, die man sich vorstellen kann.
Kaiser wies darauf hin, dass die Zeche Zollverein mit Millionenbeträgen aus öffentlichen Mitteln finanziert worden sei. “Wie im Fall des Schlosses Sanssouci müssen Fotografen auch auf dem Gelände frei fotografieren dürfen. Das Haus- und Eigentumsrecht kann bei solchen aus öffentlichen Mitteln finanzierten und für die Öffentlichkeit gedachten Gebäuden und Flächen nicht geltend gemacht werden!”

Der Zollverein hat in einer Stellungnahme reagiert: Fotografen dürfen Bilder, die außerhalb des Geländes des Welterbes Zollverein ohne Hilfsmittel wie Leitern aufgenommen werden, nutzen. “Das bedeutet: eine Nutzung von Bildern, die der Panoramafreiheit unterliegen, wird von der Stiftung Zollverein nicht eingeschränkt. Anders verhält es sich bei Bildern, die nicht unter die Panoramafreiheit fallen, sprich auf dem Gelände des Welterbes aufgenommen wurden. Hier gilt das Hausrecht. Die Hausordnung definiert dies unter Punkt 9: ‘Alle nicht ausschließlich privat genutzten Foto-, Ton- und Filmaufnahmen bedürfen einer schriftlichen Genehmigung durch die Stiftung Zollverein’. Fotogenehmigungen für redaktionelle Nutzung werden an Fotografen kostenfrei ausgestellt, die ihre Bilder zu redaktionellen Zwecken im Auftrag einer Redaktion aufnehmen oder die Bilder zu redaktionellen Zwecken an Tageszeitungen verkaufen”, so der Zollverein.

Mit Verlaub, dass ist doch wohl ein Witz, lieber Zollverein. Aufnahmen ohne Hilfsmittel wie Leitern. Wie soll das denn im Nachgang noch festgestellt werden, ob meine Fotos mit Hilfsmitteln aufgenommen wurden? Die obigen Fotos habe ich als akkreditierter Journalist während eines Konzerts gemacht – die Abmahnungen kann sich der Zollverein also sparen!

Der DJV hat auf die Replik reagiert und noch einmal betont, dass die Diskussion über das Hausrecht nicht unterschlagen sollte, dass die Stiftung mit Millionenbeiträgen aus öffentlichen Mitteln unterstützt worden ist, gerade zu dem Zweck, die Gebäude für die Öffentlichkeit zu erhalten und ihr zugänglich zu machen. Die Übertragung der Zuständigkeiten der Liegenschaften auf die Stiftung beruhe allein auf dieser Intention der – öffentlichen – Mittelgeber und Kulturinstitutionen. Man sollte daran erinnern, dass die Stadt Essen, der Landschaftsverband Rheinland (LVR) und das Land NRW die Stiftung Zollverein ins Leben gerufen haben.

“Weil die Zeche Zollverein der Öffentlichkeit gewidmet ist, bedeutet das auch, dass Fotoaufnahmen keine Grenzen gesetzt werden sollten. Es geht ja nicht um das Gebäude des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen, der bei seiner Beobachtung politischer Parteien und anderer Institutionen nicht selbst permanent fotografiert werden möchte. Im letzteren Falle könnte man gewisse Vorgaben für Fotoaufnahmen innerhalb seiner Liegenschaften vielleicht noch nachvollziehen – bei einer Stiftung, die nicht beobachtet, sondern selbst Beobachtung möchte, muss das aber anders sein”, so der DJV.

Die Stiftung Zollverein liege so falsch wie die Schlösserverwaltung Berlin-Brandenburg. Beide haben einen falschen Begriff von Öffentlichkeit, verstehen nicht die Bedeutung der freien Fotografie für die Gesellschaft und für ihr eigenes Bild. Panoramafreiheit endet bei öffentlichem Eigentum nicht auf der Straße. Fotofreiheit gilt für öffentlichen Raum.

Wie viel staatliche Gelder hat denn der Zollverein bislang kassiert? Weiß das jemand mal so aus dem Stegreif? Ich möchte mich jetzt nicht durch den NRW-Landeshaushalt wühlen.

Warum Unternehmen endlich ihre Investitionen für “Service Engineering” hochfahren müssen

Die Smart Service Initiative unter Schirmherrschaft von Professor Dieter Spath, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, kritisiert die unzureichenden Forschungsleistungen der Dienstleistungsbranche. So belegt eine Untersuchung der Fachhochschule Köln, dass deutsche Unternehmen der verarbeitenden Industrie pro Jahr und Mitarbeiter im Schnitt rund 3.215 Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Dienstleister dagegen bringen es im Vergleich dazu gerade mal auf 67 Euro: „ Wenn man Services entwickelt, muss man das genauso akribisch und methodisch tun, wie wir das von Hardwareprodukten gewohnt sind. Dazu gehört Entwurf, Evaluierung, Test und Prototyping. Aber alle diese Dinge unterbleiben. Ich kenne viele Unternehmen, die ein Konstruktionsbüro haben, aber ich kenne nicht eines, das ein Konstruktionsbüro für Dienstleistungen hat”, so Spath. Siehe auch das komplette Interview mit Professor Spath auf dem Service Blog.

Sein Institut habe deshalb den Begriff des „Service Engineerings” in den Vordergrund gestellt. Auch bei Dienstleistungen müsse man wie ein Ingenieur operieren. „Den Begriff ‚Service Engineering‘ hat mein Vorgänger Hans-Jörg Bullinger vor Jahren sehr weitsichtig geprägt und hat systematisch versucht, die Methodik, die wir aus der Hardware-Gestaltung von Produkten kennen, zu übertragen und entsprechend den Besonderheiten der Dienstleistungsentwicklung zu erweitern. Deshalb gibt es am IOA das Labor ServLab, in dem man tatsächlich Dienstleistungs-Prototypen testen kann”, erläutert Spath.

Unternehmen können auch in einer „Modellfabrik” mit dem fiktiven Namen „InventoLive GmbH” ihre Geschäftsprozesse optimieren. Grundlage für die Testverfahren ist die Cordys Business Operations Platform (BOP). „Während Produktionsunternehmen ihre Kernprozesse weitgehend automatisiert haben, sind Management- und unterstützende Prozesse häufig noch von Medienbrüchen und manuellen Schritten gekennzeichnet”, sagt Hans-Cristian Eppich von Cordys. Mit dem Modellbetrieb des Fraunhofer IAO könne man das sehr schnell ändern.
Um Dienstleistungen zu verbessern, sei es zudem unverzichtbar, den Kunden einzubinden, so Spaht. Es gehe nicht um Hightech, sondern um Hightouch. In der freien Wildbahn könne man das nur schwer umsetzen. Besser geeignet sei ein Dienstleistungslabor für die Prototypentestung: „Am Ende kommt reproduzierbare Qualität, also wiederholsichere Qualität von Dienstleistungen heraus, wenn wir genauso gut konstruieren, dokumentieren und testen”, sagt Spaht. Als Beispiel nennt er die morgendlichen Warteschlangen an der Hotelrezeption beim Bezahlen der Rechnung: „Der Fehler im Prozess ist meistens, dass erst gefragt wird: Hatten Sie was aus der Minibar? Und dann erst ist man ‚rechnungsfähig‘. Wenn Sie das Problem anders lösen – Sie haben am Vorabend die Kreditkarte durchgezogen, nachts kann durch preisgünstiges Personal im Back Office die Rechnung erstellt werden und Sie haben am anderen Morgen ganz wenige, adrett gekleidete und mehrsprachige Hotelangestellte an der Theke, die die Rechnung übergeben – dann freut sich der Kunde, weil er schnell weg kommt”, sagt der Fraunhofer-Forscher.

Nach seinen Erfahrungen gibt es vier Faktoren für smarte Serviceprozesse. Erstens: Die Funktion muss sicher sein. Zweitens: Es muss wirtschaftlich sein – also erschwinglich, zu vernünftigen Kosten. Drittens: Es muss einfach nutzbar sein – die Ergonomie der Dienstleistung. Viertens: Es muss eine zielgruppengerechte Ästhetik aufweisen. „Das heißt, es muss denjenigen auch ansprechen, um den es geht. Dann würde ich einen Service für smart halten, dann ist er gut gemacht”, meint Spath.

Von der Politik erwartet er mehr Aufmerksamkeit für den wirtschaftlichen Stellenwert der Dienstleistungen. Zwar weiß mittlerweile fast jeder Politiker, dass der tertiäre Sektor 70 Prozent der deutschen Brutto-Wertschöpfung ausmacht. Nicht bekannt sei die Tatsache, dass auch in den restlichen 30 Prozent ein riesiger Teil statistisch nicht erfassten Serviceverhaltens steckt. „Nämlich all das, was wir produktbegleitenden Service nennen. Man muss deshalb den Politikern klarmachen, dass wir nicht sagen können: Wir konzentrieren uns auf Dienstleistungen, weil dies in unserem teuren Land so wunderbar erbracht werden kann, sondern wir müssen klarmachen, dass diese Dienstleistungen besonders dann wirkungsvoll sind, wenn sie mit Hardwareprodukten in Verbindung stehen. Ich denke, Beispiele wie iPhone, iPod oder iPad sprechen Bände dafür, wie wichtig es ist, dass sowohl Hardware wie auch Software wie auch Dienstleistung bis hin zum Geschäftsmodell so abgestimmt sind, dass das ein innovatives Produkt ist”, resümiert der Schirmherr der Smart Service-Initiative, die auf dem Nürnberger Fachkongress Voice Days plus die besten Leistungen im Kundenservice prämiert und in einem Strategieforum für Servicemanager aufzeigt, wie man von der Service Werkstatt zum Smart Service gelangt.

Telekom im Kreuzfeuer: Aufgabe der Netzneutralität erschwert Innovationen

Die Deutsche Telekom hat sich Ansicht Peter Piksa keinen Gefallen getan. “Im Manager Magazin gab der Telekom-Chef René Obermann nun ein Interview, in dem er sich ganz offen gegen das Prinzip der Netzneutralität aussprach und damit mal eben eine spontane Protestwelle auslöste, die so wohl niemand erwartete. Anschließend versuchte man die Wogen zu glätten, was die Sache jedoch nur noch schlimmer machte”, schreibt Piksa in seinem Blog.

Google und Apple seien laut Telekom zwei Aushängeschilder für Unternehmen, welche mit ihrem Terrabyte-großem Content die Leitungen der Telekom verstopfen. Google betreibe schließlich YouTube und Apple beliefet seine Kunden mit Musikdownloads und das alles geht halt so sehr auf die Kapazitäten, dass es jetzt halt an der Zeit ist, die Netzneutralität einzureißen und das Internet in seiner vollen Bandbreite nur noch jenen zur Verfügung zu stellen, die es sich leisten können. “Da spielt es dann auch keine Rolle mehr, dass die Telekom bereits von dem Konsumenten Geld für den Internetzugang bezieht, nein. Jetzt will man sich auch noch von Contentanbieter dafür bezahlen lassen, dass man sie mit den Usern verbindet”, so Piksa. Mark Nierwetberg von der Telekom sieht nicht die Freiheit des Internets im Zentrum der Diskussion, sondern die Frage, wie man in Zukunft Investitionen ins Netz refinanzieren könne: “Das ist die Frage, die wir uns stellen. Und wir diskutieren die. Sie bevölkern, wie sie schreiben, das Internet. Gut, das soll auch so bleiben. Andere machen im Internet Geschäfte, dabei wird Geld verdient. Wie wird in Zukunft dieses Geld verteilt, wenn immer mehr Dienste mit immer größerem Hunger auf Bandbreite ins Netz wandern? Entstehen vielleicht Geschäftsmodelle, die gesicherte Qualität – so war Sicherheit gement – verlangen? Als TV Sender zahle ich eine Einspeisegebühr für das Kabel, Netzbetreiber könnten in Zukunft eine gesicherte Qualität für TV Dienste im Netz anbieten – dürfen die dann diesen eindeutig kommerziellen Dienst bepreisen? Darf man als Netzbetreiber die Frage stellen? Wer trägt die Investitionen für den Ausbau der Netze”, fragt sich der Telekom-Mann.

Schon vor einigen Jahren startete der frühere Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke einen ähnlichen Angriff auf Google und Co.: „Diese Unternehmen sind künftig darauf angewiesen, dass wir ihnen für ihre neuen Anwendungen die erforderliche Netzqualität garantieren. Es kann nicht sein, dass nur der Kunde über das monatliche Grundentgelt für diese schöne neue Welt bezahlt. Auch alle Web-Unternehmen, die Infrastrukturen für ihr Geschäft nutzen, sollten dann ihren Beitrag leisten.“

Traditionell war das Geschäftsmodell der Telcos vertikal integriert: Von der untersten Schicht – dem Kupfer- oder Glasfaserkabel – bis hinauf zu den oberen Schichten oder Protokollebenen – der eigentlichen Übertragung von Sprach- und Datensignalen – hatten die Netzbetreiber die Kontrolle über alle technischen Ebenen der Netze und Anwendungen. Mit dem Siegeszug des Internet-Protokolls hat sich das gewandelt, da Internet-Applikationen nicht im Zentrum der Netze entstehen, sondern an deren Rändern, und auf einer höheren Schicht transportiert werden.

Experten warnen zurecht vor einer Fragmentierung des Internets durch die Eigeninteressen der Telcos. In einem offenen Netz könne jeder ein Innovator sein und die Kontrolle über die Entwicklung seiner Innovationen sein. In einem Netz, das nicht dem Ende-zu-Ende-Prinzip folge, obliegen Innovation und Kontrolle dem Netzbetreiber; damit verschlechtern sich die ökonomischen Bedingungen für Innovationen.

Wer die Netzneutralität aufgibt, opfert die Prinzipien, die das Internet erfolgreich gemacht haben. Wer sich an die Unvereinbarkeit proprietärer Netze wie dem BTX-Dienst der Deutschen Telekom erinnert, wird eine Ahnung davon haben, was uns bevorsteht, wenn sich kurzfristige Shareholder-Interessen durchsetzen sollten. Dem übergeordneten Ziel, in Deutschland mit der Förderung des breitbandigen Internets Impulse für mehr Innovation zu setzen, wäre mit einem diskriminierenden Netz jedenfalls nicht gedient.

Michael Seemann hat zu diesem Thema einen sehr interessanten Vortrag gehalten.

Die öffentliche Meinung ist nicht mehr die veröffentlichte Meinung: Warum die Kanzlerin mit dem Internet hadert

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht im Vergleich zu den Zeiten von Konrad Adenauer einen grundlegenden Wandel für politische Akteure: “Selbst in den 20 Jahren, in denen ich selbst in der Politik aktiv bin, hat sich das politische Geschäft noch einmal erheblich beschleunigt! Nachrichten werden heute sehr viel schneller alt. Die Vielzahl der Medien, vom Internet bis zu den zahlreichen Fernsehsendern, verlangt von Politikern ein immer schnelleres Reagieren. Früher, als es nur zwei Fernsehsender gab, gab es allein schon eine deutlich geringere Anzahl von Nachrichtensendungen, von anderen Formaten mal ganz abgesehen. Die Menschen unterhielten sich morgens am Arbeitsplatz über die gleichen Themen. Heute wird es durch die Vielzahl der Informationskanäle, und besonders durch das Internet, immer schwieriger, ein Gesamtmeinungsbild zu erkennen”, sagte die Kanzlerin im Interview mit der Illustrierten Bunte (habe mir das erste Mal diese Postille gekauft – schrecklich, werde ich nicht wieder machen, gs). Durch diesen “sehr großen technischen Wandel” sei es schwerer geworden, “alle Menschen, alle Generationen zu erreichen, denn diese nutzen die einzelnen Medien mittlerweile sehr unterschiedlich”. Erkenntnis der CDU-Politikerin: “Es gibt nicht mehr nur eine Öffentlichkeit, sondern viele Öffentlichkeiten, die ganz verschieden angesprochen werden müssen.”

Viele junge Menschen informierten sich “ausschließlich über das Internet” – “und das oft sehr punktuell”. Diese jungen Leute erreiche man über Zeitungen oder auch die klassischen Nachrichtensendungen von ARD und ZDF immer weniger. “Mit dieser Veränderung muss die Demokratie in Deutschland und in den anderen westlichen Ländern umgehen lernen.”

Ob ihr diese Gedanken beim Unkrautzupfen gekommen sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

Aber einen wesentlichen Punkt hat sie angesprochen, der auch von der empirischen Sozialforschung genauer untersucht werden sollte. Die Veränderung der Meinungsbildung, die Wirkungen des Internets und der unübersichtlich gewordenen Informationskanäle auf die Bildung von öffentlicher Meinung. Für das 20. Jahrhundert ist das alles gut erforscht, in Deutschland war hier Professor Noelle-Neumann, Gründerin des Instituts für Demoskopie Allensbach, besonders aktiv. Siehe ihr Opus “Öffentliche Meinung – Die Entdeckung der Schweigespirale”.

In diesem Buch werden nicht nur die wichtigsten Erkenntnisse aus der Meinungsforschung zur öffentlichen Meinung präsentiert, sondern ein historischer Abriss von der Antike bis in unsere Tage – wie sich die Social Media-Welt auf die Meinungsbildung auswirkt, ist naturgemäß noch nicht aufgeführt. Kurzgefasst kann man sagen, dass die Massenmedien die treibende Kraft bei der Bildung von öffentlicher Meinung waren. In der Regel folgte das Meinungsklima dem Medientenor. Nur in Ausnahmefällen wich die Mehrheitsmeinung der Bevölkerung vom Medientenor ab: Noelle-Neumann bezeichnet das als doppeltes Meinungsklima.

Prägend für das Meinungsklima waren die Journalisten in ihrer Funktion als “gatekeeper” – ein Ausdruck des Sozialpsychologen Kurt Lewin. Die gatekeeper entscheiden: was wird in die Öffentlichkeit weiterbefördert, was wird zurückgehalten. “Jede Zeitung, wenn sie den Leser erreicht, ist das Ergebnis einer ganzen Serie von Selektionen”, bestätigte der Medienkritiker Walter Lippmann in seinem Buch “Public Opinion”. Die Umstände zwingen dazu, ein scharfer Mangel an Zeit und Aufmerksamkeit. Und was lassen die Journalisten als “news values” passieren? Den klaren Sachverhalt, der sich widerspruchsfrei mitteilen lässt, Superlative, Konflikte, Überraschungen, Krisen. Die Auswahlkriterien der gatekeeper erzeugen bewusst oder unbewusst eine Vereinheitlichung der Berichterstattung. Indem so die Auswahlregeln weitgehend übereinstimmen, kommt eine Konsonanz zustande, die auf das Publikum wie eine Bestätigung wirkte. Siehe oben auch die Aussage von Merkel: “Früher, als es nur zwei Fernsehsender gab, gab es allein schon eine deutlich geringere Anzahl von Nachrichtensendungen, von anderen Formaten mal ganz abgesehen. Die Menschen unterhielten sich morgens am Arbeitsplatz über die gleichen Themen”.

Dazu gab es einen kleinen Witz, der in einer amerikanischen Zeitung erschien. “Vater, wenn ein Baum im Wald umstürzt, aber die Massenmedien sind nicht dabei, um zu berichten – ist der Baum dann wirklich umgestürzt?” Der Soziologe Niklas Luhmann spricht von Aufmerksamkeitsregeln. Er vermutet, dass das politische System, soweit es auf öffentlicher Meinung beruht, gar nicht über Entscheidungsregeln, sondern über Aufmerksamkeitsregeln integriert wird, durch die Regeln also, die bestimmen, was auf den Tisch kommt und was nicht. Die Strukturierung der Aufmerksamkeit erfolge durch die Massenmedien. Thematisierung im Prozess der öffentlichen Meinung vollzog sich nach der Agenda-Setting-Funktion der klassischen Medien.

Merkel spürt, dass diese alten Regeln nicht mehr gelten. Das doppelte Meinungsklima wird wohl bald die Regel und nicht mehr die Ausnahme sein. Die digitale Öffentlichkeit kennt keine Leser, Hörer oder Zuschauer, die von ihr zu unterscheiden wären – siehe das sehr lesenswerte Büchlein von Stefan Münker: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Hier sind die Medien, dort die Menschen – diese Differenz kann man nicht mehr ziehen. „Die Angebote im Web 2.0 sind digitale Netzmedien, deren gemeinschaftlicher Gebrauch sie als brauchbare Medien erst erzeugt“, so Münker. Die Inhalte werden von vielen Millionen Nutzern in der ganzen Welt zusammengetragen, bewertet und geordnet. Das Internet ist eben das, was seine Nutzer aus ihm machen. Klassische Medien produzieren etwas, ohne die Rezipienten zu fragen. Sie senden und drucken, egal ob wir uns das anschauen oder lesen. Youtube sendet nur, wenn ich klicke und auch nur das, womit Nutzer die Seite bestücken. „Wie im berühmten Schachautomaten des 18. Jahrhunderts (Wolfgang von Kempelen!) ist die Schaltzentrale des Web 2.0 der Mensch”, so Münker. Vox populi bekommt eine ganz andere Entfaltungsmöglichkeit. “Das Internet ändert die Strukturen unserer Öffentlichkeiten, es ändert die Funktionsweisen politischer und gesellschaftlicher Kommunikationsprozesse, es macht es einzelnen einfacher, sich in politische Debatten einzumischen, es macht institutionelle Grenzen durchlässiger und Entscheidungsprozesse transparenter, es ist anders als Massenmedien interaktiv und wird so auch genutzt. Das Internet hat das technische Potenzial für eine demokratische, partizipatorische Mediennutzung”, führt Münker aus und verweist auf Jürgen Habermas, der fest davon überzeugt ist, dass das World Wide Web die Schwächen des anonymen und asymmetrischen Charakters der Massenmedien ausgleiche. Für Michel Foucault waren die Ausschlussmechanismen der Massenmedien nicht die Ausnahme, sondern die Regel. Diese Spielregeln werden vom Web 2.0 ausgehebelt.

Ich bin gespannt, ob Allensbach diese neuen Regeln näher untersucht und die Theorie der öffentlichen Meinung umschreibt.

Interessant ist das Phänomen, dass der politische Antipode von Frau Merkel, Mathias Greffrath, in der taz ähnliche Sehnsüchte nach der guten alten Zeit der Massenmedien-Monotonie artikuliert. Robin Meyer-Lucht hat das auf Carta sehr schön seziert. Auch die Blogger-Debatte ist sehr interessant. Wo nur sind die Apologeten des herrschaftsfreien Diskurses gelandet?

Herausforderungen für den Kundenservice im Zeitalter des Web 2.0: Tagung in Perinaldo – Auf nach Ligurien!

Nächste Woche bin ich wieder in Perinaldo. Thema der Tagung: Herausforderungen für den Kundenservice im Zeitalter des Web 2.0. Programm und Musikfestival klingen vielversprechend.

Donnerstag, 29.07.: „Get Together“ ab 19:30 Uhr auf der Terrasse des La Riana zum Aperitivo, Fingerfood und Livemusik. Die Künstler Rita Marcotulli (Klavier) und Furio Dicastri (Contrabass) stehen Ihnen für Gespräche zur Verfügung (Dolmetscher anwesend). Sie sind bekannte italienische Jazzmusiker und beantworten gern Fragen zum anschließenden Konzert „WAVES AND WIND“ um 21.30 Uhr auf der Piazza della Chiesa di S. Nicolò zu dem Sie herzlich eingeladen sind.

Freitag, 30.07.: Erster Tag des Entscheiderforums
Anreise der weiteren Teilnehmer bis 12:00 Uhr,
Begrüßungsimbiss auf der Terrasse des Hotels La Riana
12:45 Uhr:
Eröffnung des Forums durch die Geschäftsführer Markus Schwarz und Rolf Lohrmann
13:00 Uhr:
Prof. Dr. Heike Simmet, Hochschule Bremerhaven
Keynote: „Herausforderungen an den Kundenservice im Web 2.0“
14:30 – 15:00 Uhr: Kaffeepause
15:00 Uhr:
Andreas Klug, Vorstand der ITyX AG
„Ist der Ruf erst ruiniert: Social Web Monitoring und Community-Dialoge im Contact Center“
16:30 – 17:00 Uhr: Kaffeepause
17:00 Uhr:
Markus Schwarz, Präsident Association for Services Management International German Chapter e.V. und Geschäftsführer Innoveris GmbH
„Neue Herausforderungen an das Wissensmanagement und Blended Learning Strategien“
19:30 Uhr:
Gemeinsames Abendessen auf Einladung der Innoveris GmbH im Restaurant I Pianeti di Giove, Perinaldo
anschl. Gelegenheit zum Besuch des Perinaldo Musikfestivals.

Samstag, 31.07.: Zweiter Tag des Entscheiderforums
09:00 Uhr:
Markus Schwarz, Geschäftsführer der Innoveris GmbH
„Wege zur Qualitäts- und Effizienzsteigerung am Beispiel des Innoveris Cockpit“
12:00-13:00 Uhr: Mittagsimbiss
13:00 Uhr:
Rolf Lohrmann, Geschäftsführer der qualitycube GmbH
„Schluss mit dem Auswertungschaos: Kostengünstige, integrierte Qualitätsanalysen und Mitarbeiter-Skillmanagement am Beispiel des QMCC qualityCenters“
15:00-15:30 Uhr: Kaffepause
15:30-16:30 Uhr:
Vorstellung der Web-Server-Lösung: E-Learn und QMCC qualityCenter
16:30 Uhr:
Gunnar Sohn, Chefredakteur des Onlinemagazins NeueNachricht, Wirtschafts- und Fachjournalist
„Von der Idiotie der Masse zur Intelligenz der Menge: Die Macht der Netzwerkökonomie“
18:00 Uhr:
Abschlussdiskussion

19:30 Uhr: Aperitivo auf der Terrasse des Hotels La Riana mit Livemusik und anschließendem italienischen Buffet auf Einladung der qualitycube GmbH
Stefan Maccagno (Ausgewiesener Spezialist für die musikalische Untermalung von Stummfilmen) und Claudia Gianetto (Direktorin für die Restauration von Stummfilmen) beantworten gern Fragen zur anschließenden Aufführung:
22:00 Uhr: Piazza della Chiesa di S. Nicolò
„CINEMA SOTTO LE STELLE“
Ein Stummfilm wird direkt auf die mit Leinentuch verhüllte Kirchenfassade projiziert und durch Musiker live mit Musik untermalt.
Im Anschluss: Ausklang des Abends auf der Terrasse des Hotels La Riana.
Am Sonntagabend sind die noch anwesenden Gäste herzlich eingeladen, das Abschlusskonzert „Ballade mediterranéenne“ des Perinaldo Festivalorchesters auf dem Kirchplatz zu besuchen. Klingt doch gut, oder?

Forderungen für ein lebenswertes Netz versus Zensur-Phantasien – Ich drücke die NZZ-Reset-Taste

Viele der Visionen des Chaos Computer Clubs (CCC) sind inzwischen nicht nur Realität, sondern Selbstverständlichkeiten in der Mitte der Gesellschaft geworden: “Der Einzug des Internets in den Alltag fast der gesamten Bevölkerung hat uns Datenschutzsorgen gebracht, aber auch zu einer Demokratisierung, einer Bereicherung aus wissenschaftlicher, sozialer und künstlerischer Sicht geführt. Die Selbstheilungskräfte des Internets haben dabei viele befürchtete dystopische Auswüchse ohne staatliches Eingreifen verhindern können. Aus unserer Sicht liegt der aktuellen Diskussion eine Fehleinschätzung zugrunde, an welchen Stellen Regulierungsbedarf notwendig ist und an welchen nicht”, schreibt der CCC in einem elf Thesen umfassenden Beitrag mit Forderungen für ein lebenswertes Netz.

“Wir haben daher in klare Worte gefaßt, welche Errungenschaften erhalten und welche aktuellen Mißstände unserer Meinung nach angepackt werden müssen, welche Risiken für die Zukunft einer wettbewerbs- und lebensfähigen Gesellschaft im Netz wir sehen und wohin die Reise gehen soll. Diese Reise kann natürlich nur unter Mitnahme aller Bürger, die ausreichend schnell, unzensiert und unbevormundet an ein interaktives Netz angeschlossen sind, Fahrt aufnehmen”, so der CCC. Sympathisch finde ich die Forderung, auf die Selbstheilungskräfte des Netzes zu setzen.

Ganz anders, als es etwa heute die NZZ in einem Meinungsbeitrag ausführt. “Mehr Mut zur Zensur” fordert der Autor. Er findet es richtig, wenn eine US-Zeitung eine Eintrittsgebühr verlangt, wenn jemand auf ihrer Online-Ausgabe seine Meinung hinterlassen will. Der NZZ-Kommentator glaubt nicht an die Selbstregulierung des Internets. “Schön wär’s. Spinner und Fanatiker machen den Vernünftigen das diskursive Leben schwer. Etliche Internet-Medien sahen sich bereits gezwungen, wieder Barrieren aufzurichten, um Drohungen, unflätige Äußerungen oder faktenfreie Behauptungen abzuwehren.”

Was waren das noch für Zeiten, als die Leserbrief-Redaktion noch die Zuschriften von pensionierten Studienräten, bildungsbeflissenen Zeitungslesern und Schlaumeiern auswählen konnte, um dann wenigen Auserwählten im gedruckten Blatt ein kleines Fleckchen einzuräumen. Welch eine Errungenschaft des Dialoges mit der Printkundschaft. Sinnigerweise erscheinen die NZZ-Leserbriefe direkt neben den Todesanzeigen, die allerdings den dreifachen Umfang haben….Liebe NZZ, die Zeiten, in denen eine saturierte Abonnementszeitung durch journalistische Langeweile gar nicht ruiniert werden konnte, sind vorbei.

Eure Leserbriefe sind im Vergleich zu den millionenfachen Content, den die “Ich-Sender” im Netz kreieren, eine Lachnummer. Sicherlich gibt es einige Hardcore-Pöbler, die sich kräftig in Foren austoben. Wie hoch ist der Prozentsatz? Akzeptanz in der Social Media-Welt haben die Meckerer vom Dienst sicherlich nicht. Das Web 2.0-Prinzip hat wohl der NZZ-Autor immer noch nicht kapiert. Die digitale Öffentlichkeit kennt keine Leser, Hörer oder Zuschauer, die von ihr zu unterscheiden wären – siehe das sehr lesenswerte Büchlein von Stefan Münker: Emergenz digitaler Öffentlichkeiten. Hier sind die Medien, dort die Menschen – diese Differenz kann man nicht mehr ziehen. Die NZZ wird wohl sagen: “Leider”. “Die Angebote im Web 2.0 sind digitale Netzmedien, deren gemeinschaftlicher Gebrauch sie als brauchbare Medien erst erzeugt”, so Münker. Die Inhalte werden von vielen Millionen Nutzern in der ganzen Welt zusammengetragen, bewertet und geordnet – eine Leserbrief-Redaktion hat da eben nichts mehr zu melden. Das Internet ist eben das, was seine Nutzer aus ihm machen. Mit Egalitätswahn und digitalem Maoismus hat das nichts zu tun. Es ist ein ständiger demokratischer Abstimmungsvorgang. Klassische Medien produzieren etwas, ohne die Rezipienten zu fragen. Sie senden und drucken, egal ob wir uns das anschauen oder lesen. Youtube sendet nur, wenn ich klicke und auch nur das, womit Nutze die Seite bestücken. “Wie im berühmten Schachautomaten des 18. Jahrhundert (Kempelen!) ist die Schaltzentrale des Web 2.0 der Mensch”. Schöne Analogie von Stefan Münker!

Der NZZ-Autor sieht sich hingegen umgeben von kniehohen Wortmüll (den man allerdings auch in der NZZ findet). “So drohen unterhalb der offiziellen Medienangebote bizarre Parallelgesellschaften zu entstehen”. Ich weiß ja nicht, auf welchen Plattformen sich der Redakteur tummelt. Er leidet wohl unter einer um sich greifenden Krankheit in Massenmedien: Kontrollverlust. Er will wieder die Kontrolle zurückhaben – ist ja schlimm, dass wir ihm das Sandförmchen geklaut haben. Gebühren für Kommentare reichen dem NZZler übrigens nicht. “Ergiebiger scheint mir jedoch die gelenkte Demokratie: ein Forum, wo jemand das letzte Wort hat und die Spreu vom Weizen trennt”. Man brauche mehr Mut zur Zensur. Zum Nutzen der Allgemeinheit. Ok. Ich drücke die NZZ-Reset-Taste :-(

Oder lese lieber die NZZ-Blogs: Da könnte auch der Medien-Redakteur der NZZ was lernen.