Unified Communications: Revolution oder Evolution? Entwicklung abhängig von Unternehmen

Wie lange wird es wohl dauern, bis analoge Telefone abgeschafft sind und man für eine Mitarbeiter-Versammlung nicht mehr in einen Raum zusammenkommen muss, sondern ganz bequem vom eigenen Schreibtisch aus teilnehmen kann? Das Thema Unified Communications (UC) sei im stetigen Wandel und hängt laut Detlev Artelt, Geschäftsführer des Beratungshauses Aixvox, von den Einsatzgebieten der Unternehmen ab. Der Berliner Telekommunikationsspezialist Aastra bietet einen solchen Service und findet nach eigenen Angaben die passende Lösung für jedes Unternehmen und gestaltet Kommunikationsprozesse effizienter. In den vergangenen Jahren Jahren hat Aastra mehrere Hersteller gekauft und ist als Anbieter mitten im Transformations-Prozess von analog zu „UC“: 50 Prozent läuft „Voice über IP“-basiert und die anderen 50 Prozent in einem gemischten Hybrid-Ansatz.

Auf die Frage, ob sich die klassische IT-Welt das Thema Telekommunikation vielleicht zu einfach vorstellt, antwortet Jürgen Engelhardt von Aastra: „Jedem ist bewusst, dass Sprache und Echtzeitkommunikation kritische Themen sind; nicht nur aus der Applikations-, sondern auch aus der Netzwerk-/Infrastruktur-Betrachtung. Da muss man wissen, was man tut. Und vor allem, wie man es tut.“ Doch von wem geht die nächste, entscheidende „UC-Welle“ aus? Wer gibt die entsprechenden und notwendigen Impulse? Hier erhofft man sich von der jüngeren Generation, den „digital natives“ einen Antrieb. Diese „in die Management-Etagen oder in die Büro-Etagen wachsende Generation“, so Artelt, benutzt die Medien, wie zum Beispiel Skype und Instant-Messaging, mit einer souveränen Selbstverständlichkeit, die für „Unified Communications“ sicher angebracht, aber leider noch nicht überall vorhanden ist.

Viel Potenzial sieht Engelhardt unter anderem bei medizinischen Einrichtungen. Hier laufe vieles noch analog ab – doch die Zukunft sieht anders aus: „Multimedia-Patienten-Entertainment“ soll dann der Reiz eines jeden Krankenhauses sein. „17-Zoll-Terminal“, „Video-on-demand“ und „W-Lan“ auf dem Zimmer sollen bald keine Zukunftsmusik mehr sein. Ich hatte die beiden ITK-Experten mit meiner Flip-Kamera interviewt. Hier das Ergebnis.

About these ads

Dialog mit Kunden? Die Frustration wächst, weil Firmen nicht richtig kommunizieren können

In der Kommunikation mit Kunden versagen sehr viele Unternehmen. So belegt eine Umfrage der Marktforscher von Ovum, die auf der Fachkonferenz G-Force in Amsterdam vorstellt wurde, dass zwar ein großer Teil der Verbraucher unterschiedliche Kontaktkanäle zu Firmen nutzen, aber weniger als zehn Prozent der Unternehmen in der Lage sind, diese verschiedenen Kommunikationswege via Web, Telefon, E-Mail oder Brief vernünftig zu managen. Die Frustration wächst, wenn Anfragen nicht aus einer Hand bewältigt werden können.

Allerdings ist es nach Auffassung von Experten ein Mythos, dass Verbraucher den telefonischen Kontakt über Call Center bevorzugen würden: „Es ist an der Zeit, die Schein-Dichotomie zwischen Servicequalität und Automatisierung aufzuheben. Innovative Unternehmen haben erkannt, dass Kunden keinen Service wollen, sondern selbsterklärende und zuverlässige Produkte, die möglichst den Servicefall ausschließen oder mit schnell und einfach zu bedienenden Self Service- Angeboten kombiniert werden können. Schlechte Erreichbarkeit, unzureichend geschultes Hotline-Personal, komplizierte Prozesse und abmahnfähige Geschäftsbedingungen sind Ausdruck eines unzureichenden Service Design. Wer exzellenten Kundenservice bieten will, muss die Kundensicht zum Ausgangspunkt machen“, fordert Bernhard Steimel, Sprecher des Nürnberger Fachkongresses Voice Days plus und der Smart Service-Initiative. Hier geht es zur kompletten Meldung auf NeueNachricht.

Siehe auch das Interview mit Andreas Lendner von Alcatel-Lucent über die Qualität des Kundenservice in Deutschland. (zum Anhören als Audiodatei!)

Die unendliche Geschichte des Warteschleifen-Terrors: Politik sollte endlich eingreifen

Stern TV hat mal wieder eindrucksvoll recherchiert, wie Kunden mit Hotlines abgezockt werden. Gezeigt wurden Beispiele von Firmen der Flug- und TK-Branche. “Bis zu drei Euro pro Minute kann ein Anruf bei einer Service-Hotline kosten. Und damit nicht genug – Verbraucherschützer kritisieren vor allem, dass Kunden schon zahlen müssen, wenn sie noch in der Warteschleife hängen. Auch stern TV hat diese Erfahrung gemacht: Bei etwa 40 Prozent von rund 20 getesteten 0900er-Hotlines waren die Warteschleifen kostenpflichtig. Ein Unding für Petra von Rhein von der Verbraucherzentrale Bayern: ‘Die Unternehmen sollen allenfalls an Dienstleistungen verdienen und nicht an den Warteschleifen.’ Sie fordert ein Verbot für kostenpflichtige Warteschleifen, wie es in anderen europäischen Ländern heute schon gilt”, berichtet Stern TV.

Vor rund drei Jahren hatte ich dieses Thema schon einmal aufgegriffen. Der damalige Verbraucherschutzminister Horst Seehofer produzierte sich als Retter geplagter Verbraucher und kündigte scharfe gesetzliche Maßnahmen an.

Da sich die Beschwerden von Verbrauchern über lange Wartezeiten an Telefon-Hotlines häufen, sollten die Wartezeiten verkürzt werden. In diesem Zusammenhang will der Gesetzgeber auch die oft verwirrenden und umständlichen Sprachsteuerungssysteme verbessern. Darüber hinaus sollen Kunden nur noch dann Telefongebühren zahlen, wenn sie tatsächlich mit einem “kompetenten Hotline-Mitarbeiter” verbunden werden.

“Zunächst ist die Wirtschaft am Zuge. Wenn diese zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis kommt oder die Beschwerden über lange kostenpflichtige Warteschleifen trotzdem andauern, werden wir prüfen, ob der Gesetzgeber eingreifen muss”, betonte Gerd Müller (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Verbraucherschutzministerium, in einem Interview, dass ich im Juni 2007 mit ihm führte. “Es mag sein, dass die Zahl der Anrufe, die in teuren Warteschleifen enden, im Verhältnis zur großen Zahl der insgesamt getätigten Telefonate gering ist. Die vielen eingehenden Beschwerden zeigen jedoch, dass es sich hier um ein ernstzunehmendes Problem handelt, das angegangen werden muss, genauso wie das Problem der unerbetenen Werbeanrufe. Die Probleme kann man nicht klein reden. Bei den unerbetenen Anrufen ist es offensichtlich, dass das schon jetzt geltende Verbot nach dem UWG nicht ausreichend ist, da sich zahlreiche Anbieter nicht an das Gesetz halten. Eine zentrale Beschwerdestelle kann nützlich sein, reicht aber nicht”, sagt Müller.

Vielleicht sollte man darüber nachdenken, Service-Anrufe generell kostenlos anzubieten, um durch die dadurch entstehenden Kosten die Unternehmen zu weiteren Verbesserungen ihres Telefonservices zu bringen. Dann würden Warteschleifen, die ein Unternehmen bares Geld kosten, möglicherweise ganz der Vergangenheit angehören.

G-Force Amsterdam: Neun von zehn Firmen beherrschen nicht das Multichannel-Management im Kundenservice

In Amsterdam hatte ich bei der Fachkonferenz G-Force die Gelegenheit, ein Interview mit Andreas Lendner von Alcatel-Lucent über die Qualität des Kundenservice in Deutschland zu führen. Hier das erste Ergebnis als Audiodatei:


Bericht folgt später.

Unterstützung für den Indie-Film “Here & There” (Tamo i ovde)

Bei mir kam die Bitte an, den Kinofilm “Here & There” zu unterstützen. Das mache ich doch gern. Zum Film: Bei Robert, einem New Yorker Musiker, läuft es im Moment nicht so besonders. Er steckt mitten in einer Schaffenskrise, ist ausgelaugt und nun muss er auch noch aus seiner Wohnung raus. Als Umzugshilfe heuert er den jungen serbischen Immigranten Branko an. Der wiederum versucht bereits seit einer ganzen Weile verzweifelt, seine serbische Freundin Ivana in die USA nachzuholen. Um das begehrte Visum für sie zu bekommen, schlägt
Branko dem abgebrannten Robert einen Deal vor: er besorgt ihm ein Flugticket nach Belgrad, wo Robert Ivana heiraten und mit einem Touristenvisum nach New York bringen soll. 3.000 Dollar verspricht Branko Robert für diesen Deal. Der kann das Geld gut gebrauchen und macht sich von der Metropole New York auf den Weg nach Belgrad.

Hier der Aufruf: Um noch ein paar Wochen Laufzeit rauszuschlagen, brauchen wir dringend eure Hilfe! “Kleine” Filme haben nur eine Chance in den Kinos zu bleiben, wenn ausreichend Zuschauer kommen und der Kinobetreiber zufrieden ist. Zeit, dass sich ein Film entwickeln kann, wird im heutigen Kinomarkt leider nicht mehr gegeben und die Startwoche ist entscheidend.

Wenn ihr also Lust auf ein “Wiedersehen in Belgrad” à la Jim Jarmusch habt, schnappt schnell eure Freunde und besucht das nächste Kino.

Unterstützt den Indie-Film – Wir würden uns sehr freuen!

Euer Camino & Penrose Team

Kleiner Vorgeschmack auf den Film:

Here & There kann man in folgenden Kinos sehen:

Berlin: Kulturbrauerei, täglich 21:30
Berlin: Moviemento (OmU), 13.00, 19.30, 21.30
Berlin: Hackesche Höfe Kino (OmU), täglich 18.00, 20.15, 22.15, So a. 11.00
Berlin: Kant Kino, täglich 18.00, 20.30, Fr/Sa a. 22.30, Sa/So a. 16.00
Dresden: Kino im Dach, täglich außer So 20.00, So 18.30
Leipzig: Schaubühne im Lindenfels, täglich 20.00
Halle: Lux Puschkino, 17.00, 21.00
Jena: Kino im Schillerhof, haupt und spät

Köln: Rex, haupt
Düsseldorf: Bambi, haupt
Aachen: Apollo, 19.45
Bielefeld: Lichtwerk, früh und haupt
Wuppertal: Cinema, früh, haupt und spät
Trier: Broadway, früh und haupt
Münster: Cinema, 18.00, 20.45

Hamburg: UCI Othmarschen, 17.00, 20.00
Hannover: Kino im Künstlerhaus, Sa-Di 20.15
Kiel: Neues Studio, 16.00, 20.30
Bremen: Schauburg, 19.30

Frankfurt am Main: Mal Sehn Kino (OmU), Do-Di 20.00
Frankfurt am Main: Orfeos Erben, 19.15
Freiburg: Friedrichsbau, 19.30
Aschaffenburg: Casino, Do-Sa 17.30, So-Mi 21.00
Mainz: Capitol, 18.15, 20.15, Fr-Sa 22.15
Saarbrücken: Filmhaus, täglich 20.00

München: Monopol, 20.00
München Forum Museum, 16.00, 20.15, Fr 22.15
Tübingen: Museum, 18.00, 20.00
Stuttgart: Delphi, 16.20, 20.30
Nürnberg: Metropolis, 17.00, 21.00
Seefeld: Breitwand, 19.30
Regensburg: Filmgalerie, 21.00
Traunstein: Casablanca, täglich 15:00, 20:15, 22:30

Mit Gehirnjogging bleibt man doof! Wie intelligente Menschen für dumm verkauft werden

Programme und Videospiele, die angeblich das Gehirn trainieren, machen nicht klüger. Zu diesem Ergebnis ist eine von der BBC initiierte Studie gekommen. Die größte bisher durchgeführte Untersuchung begleitete 11.430 Menschen sechs Wochen lang, um herauszufinden, welche Auswirkungen – wenn überhaupt – das Spielen von Trainingsprogrammen am Computer haben kann.

Die Wissenschaftler berichten in Nature, dass die Spieler zwar immer besser wurden, dass diese Fortschritte aber nicht auf andere Bereiche übertragbar waren. Irgendwie logisch. Das Gehirn funktioniert halt nicht wie ein normaler Muskel. Wer intensiv mit den einschlägigen Programmen daddelt, kann irgendwann die Aufgaben aus dem ff lösen – not more. “Schlauer im Allgemeinen wird niemand durch Neurojogging. Besondere Intelligenz darf man dafür den Anbietern der Produkte attestieren. Denn ganz offenbar gelingt es ihnen perfekt, gerade die Intelligenten ein bisschen für dumm zu verkaufen”, mein Zeitredakteur Ulrich Bahnsen. Die besonders Schlauen hätten vielleicht mein Interview mit Professor Henning Scheich, Direktor des Leibniz-Instituts für Neurobiologie in Magdeburg, lesen sollen.

Ihre Birne wäre erleuchtet!

Die Thesen von Scheich kann man in ausführlicher Version auch auf NeueNachricht nachlesen.

Siehe auch:
Putting brain training to the test.

Die „iPad-Revolution“ des DFB: „Pass Online“ macht Beantragung von Spielerpässen für Fußballvereine zum „Kinderspiel“

Heute hatte ich das Vergnügen, die DFB-Zentrale in Frankfurt zu besuchen. In einem Pressegespräch wurde die Webapplikation „Pass Online“ vorgestellt. Da ich nicht nur als NeueNachricht-Chefredakteur, sondern auch als Jugendtrainer des RW Lessenich in Bonn aktiv bin, war das eine sehr spannende Veranstaltung. Das System soll die Beantragung von Spielerpässen für Fußballvereine erheblich vereinfachen. Mit dem System kann man nach Angaben des DFB die komplette Abwicklung aller benötigten Daten eines Spielers zur Erstellung des Passes über das Internet erledigen:

„Vom Erscheinungsbild ist die Anwendung vielleicht nicht ganz so sexy wie ein iPad oder ein iPhone. ‚Pass Online‘ wird aber für die Fußballvereine ähnlich positive Auswirkungen haben. Das Interesse ist bei allen Verbänden riesengroß. Allerdings sehen alle Verantwortlichen die Notwendigkeit, für die Umstellung die nötigen organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen. Unsere Aufgabe ist es, die Erfahrungen in den Pionierprojekten in Württemberg und später im Rheinland zusammenzutragen und den Verbänden etwas an die Hand zu geben, wie sie ihre Ordnungen und Bestimmungen ändern müssen, das es auch erfolgreich funktioniert. Die Nutzung ist zum geringen Teil ein technisches Problem. Sie ist zum großen Teil ein organisatorisches Problem. Wir müssen über 26.000 Vereine in Deutschland erreichen und ihnen erläutern, was jetzt passiert. Es gibt eine Reihe von Verbänden, die das System schon in diesem Jahr einführen wollen. Neben dem Landesverband Rheinland sind es Hamburg, Schleswig Holstein, der große westdeutsche Fußball- und Leichtathletikverband und Hessen. Im nächsten Jahr wollen dann alle anderen Verbände nachziehen“, sagte Kurt Gärtner, Geschäftsführer von DFB-Medien, bei der Vorstellung des Projektes in der DFB-Zentrale in Frankfurt.

„Pass Online“ werde eine Reihe von Vorteilen für die Vereine bringen. „Das mühsame Ausfüllen und Versenden von Papierdokumenten entfällt. Sekundenschnell wird der Antrag an die Pass-Stelle des Verbandes weitergeleitet und bearbeitet. Nach entsprechender Konfiguration des Systems kann der aufnehmende Fußballverband mit dem Abschicken des Online-Antrages sogar das Spielrecht für den neuen Spieler automatisch ermitteln und erteilen. Doch damit nicht genug: Da das System die Eingaben automatisch auf Vollständigkeit und Richtigkeit prüft, werden Erfassungsfehler erheblich reduziert. Die Vereine sparen Zeit und Kosten“, so Gärtner.

Auch wenn ein Spieler seinen Verein wechseln möchte, biete die Webapplikation eine große Vereinfachung: „Über DFBnet erhält der Verein Zugang zur Passdatenbank – und kann bei einem Antrag auf Vereinswechsel auf die relevanten Spielerdaten zurückgreifen. Zudem kann der neue Verein den Spieler beim bisherigen Verein abmelden. Der alte Verein wird über diesen Vorgang automatisch informiert und hat eine Widerspruchsfrist von 14 Tagen“, erläuterte Gärtner. Durch die Erleichterung bei der Passantragsstellung könnten sich die Vereine auf die eigentlichen Kernaufgaben ihrer Arbeit konzentrieren.

Seit Anfang des Jahres wird „Pass Online“ im Württembergischen Landesverband eingesetzt. Die ersten Erfahrungen stimmen den Vizepräsidenten Michael Hurler optimistisch: „Wir waren auch bei der Einführung des elektronischen Postfachsystems schon der Pilotverband. Es war immens wichtig, den Vereinen die Vorteile der Intranet-Kommunikation über DFB Medien aufzuzeigen. In dem nach außen geschlossenen Nutzerkreis hat das die Zusammenarbeit erheblich verbessert. Wir gehen hier Schritt für Schritt weiter. Beim Thema ‚Pass Online‘ sind die Vereine auf uns zugekommen und haben die Einführung des Systems nachgefragt. Wir haben im Januar die Applikation eingeführt. Mittlerweile nehmen bereits 40 Prozent unserer Vereine an dem Verfahren teil. Sie müssen sich registrieren, bekommen eine Kennung und müssen am Einzugsverfahren teilnehmen. Bislang musste der Verein einen Passantrag ausfüllen, eine Gebührenmarke draufkleben und zum Verband nach Stuttgart schicken. Dann wurde der Antrag bearbeitet und per Post wieder zurückgeschickt. Dieses Vorgehen ist endgültig vom Tisch. Allerdings benötigen wir für das Einzugsverfahren auch die Angabe der Vereinskonten. Für die gut organisierten Vereine ist das kein Problem. Es gibt aber noch Fälle, wo das nicht der Fall ist“, sagte Hurler.

Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland, rechnet mit einem Onlineansturm – besonders bei dörflichen Vereinen: „In Duisburg stand ich bei der Einführung von DFBnet-Spielplanung vor ein paar Jahren vor 120 Staffelleitern, bei denen einige über 70 Jahre alt waren. Nur wenige hatten damals einen Internetzugang und ich wurde nach Strich und Faden beschimpft, was dieser Blödsinn soll. Einige drohten sogar mit Rücktritt. Ein gutes Jahr später stand ich vor dem gleichen Kreis und es stand ein Staffelleiter auf und sprach seinen Dank aus für die Anschaffung von Computern und Internetanschlüssen. Das sei Lebensqualität pur. Das kennzeichnet die Entwicklung und die Akzeptanz des Onlineangebotes von DFB-Medien. Es bedarf manchmal der Faust, um die Vereinsverantwortlichen zu ihrem Glück zu zwingen. Zudem wächst eine neue Generation an Mitarbeitern heran, die die Umstellung auf Onlineprozesse noch beschleunigen wird. Wir nehmen mit der Methode viele junge Leute mit, für die das Wort ‚Ehrenamt‘ bislang ein Fremdwort war“, resümierte Desch. Durch die Ergebnismeldungen und Spielplanungen im Internet seien die Onlinefähigkeiten bei allen Vereinen vorhanden.

Hier wichtiges Statements, die ich bei Youtube hochgeladen habe:

Im Audioformat kann fast die komplette Diskussionsrunde angehört werden. Für die Verantwortlichen in den Fußballvereinen sicherlich eine hilfreiche Infoquelle, um sich auf die Einführung von “Pass Online” vorzubereiten, kleiner Service der Meistermacher des RW Lessenich ;-)


Das Gleichnis vom verlorenen Schaf (äh iPhone) – Steve Jobs und die Marketingkraft des Märchens

Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, so er der eines verliert, der nicht lasse die neunundneunzig in der Wüste und hingehe nach dem verlorenen, bis daß er’s finde? Und wenn er’s gefunden hat, so legt er’s auf seine Achseln mit Freuden. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freuet euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: Also wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, vor neunundneunzig Gerechten, die der Buße nicht bedürfen. Oder welches Weib ist, die zehn Groschen hat, so sie der einen verliert, die nicht ein Licht anzünde und kehre das Haus und suche mit Fleiß, bis daß sie ihn finde? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freuet euch mit mir; denn ich habe meinen Groschen gefunden, den ich verloren hatte. Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Die Geschichte des verlorenen iPhones mutet zwar nicht ganz so biblisch an. Ein hübsches Märchen oder gar Gleichnis ist das Ganze schon. Die Story rauscht ja nun durch alle Medien und ist schnell erzählt: Ein bierseliger Entwickler von Apple vergisst in der Kneipe sein iPhone. Ein “ehrlicher” Finder versucht es bei Apple zurückzugeben, wird abgewiesen und vertickt es für 5.000 Dollar “zufällig” bei einem der einflussreichsten Tech-Blogs dieses Planeten. Vorher zieht Apple noch die Reißleine und löscht per Funk die Software. Das Gerät entpuppt sich als Prototyp der neuen iPhone-Generation, die “zufällig” in ein paar Wochen von Steve Jobs vorgestellt werden soll. Mein Gott, besser hätte das auch kein Hollywood-Regisseur in Szene setzen können. Der Apple-Chef macht mit seinen Storytelling-Methoden ein perfektes Storyselling – da sollte jeder Werbe- oder Marketingfachmann einen großen Diener vor Steve Jobs machen. Und irgendwie ist das Muster immer gleich. Jeder Techie weiß, wann und wo Jobs ein neues Produkt präsentiert. Wochen vorher brodelt die Gerüchteküche mit “heimlich” geschossenen Fotos, mit irgendwelchen Nachrichten aus Fernost, wackligen Videos auf Youtube und Indiskretionen von Ex-Managern des Apfel-Konzerns.

Die Kommunikationsexpertin Marlene Posner-Landsch hat das sehr schön in ihrem StoryTelling-Büchlein (erschienen in der Edition Medienpraxis) zusammengefasst: “Wo ich schon einmal bei der Etymologie bin, auch die Worte mehr, mehren und Märchen gehören zusammen, sage ich. Alle drei haben die indogermanische Wurzel ‘me’ gemeinsam. ‘me’ mein groß, ansehnlich. Das Verb mehren bedeutet also größer, mehr machen. Das Substantiv mär kommt vom Verb meren, verkünden oder rühmen und meint Nachricht, Kunde oder Erzählung. Ergo: Wer Gewinne mehren will, muss Märchen erzählen.” Das interessante am Storytelling sei nicht die Story an sich. Das Intessante seien die Storys, die sich hinter einer Story auftun. “Und die wiederum sind Plots. Sie geben dem Ganzen erst den gewünschten Dreh. Spin eben. Spin ist der eigentliche Mehrwert einer Geschichte”, so die Autorin. Und Steve Jobs ist nicht nur ein guter Geschichtenerzähler, sondern ein genialer Stratege. Ob er die chinesischen Strategeme studiert, werde ich wohl nie herausfinden. Aber er wendet immer wieder das Strategem Nummer 7 an: Aus einem Nichts etwas erzeugen. Kerngehalt des Strategems (im Standardwerk des Sinologen Harro von Senger beschrieben): Etwas aus der Luft greifen; etwas Erfundenes als Tatsache ausgeben; Gerüchtefabrikation; Aufbauschungsmanöver; Kreator-Strategem.

Ein Eigentor, wie vom Handelsblatt vermutet, hat Steve Jobs sich nicht eingehandelt. Jeder Apple-Kenner weiß, dass im Juni ein neues iPhone vorgestellt wird. Insofern werden sich die Verkäufe der alten iPhone-Generation ohnehin verlangsamen. Das kann Apple verschmerzen, denn der iPad-Verkauf bricht derzeitig alle Rekorde. Ob die Konkurrenz sich durch den vermeintlichen Kneipen-Lapsus jetzt zwei Monate auf die die neue Strategie von Jobs vorbereiten kann, erscheint mir fraglich. Die Hardware ist ja nicht alles. Überraschungen dürften demnach nicht ausbleiben. Die Mitbewerber werden eher wie das Kaninchen vor der Schlange warten, was nun für eine neue Welle über sie hinwegschwappt.

Siehe auch: Ovid, Steve Jobs und die Klugheitslehre: Wie man mit Luftstreichen und Gerüchten die Konkurrenz verblüfft

Handelsblatt-Artikel: Ende einer bierseeligen (mit zwei e???) Nacht

Die FTD glaubt fest an die Suff-Story….

Blogger, Zeitungsphilister und das Problem der Unzucht sowie Tanzlustbarkeit

Das um sich greifende Blogger-Bashing von FAZ und Co. hat den Autor Marc Reichwein motiviert, ein herrliches Stück über die Empörungsspirale im 19. Jahrhundert zu schreiben. Auch damals gab es Verdächtige, die im öffentlichen Diskurs im Fadenkreuz der Publizistik standen: Zeitungsleser! Das sind ähnliche Dunkelmänner, wie “die Leute mit den Laptops” (Jauer, FAZ), die in Kaffeehäusern herumsitzen und angeblich nicht wissen, wie sie ihre Tagesrationen an Latte Macchiato finanzieren können. Blogger werden heute ähnlich inspiziert, wie die “liberalen Zeitungsphilister: “Bevor derselbe Morgens seine Zeitung gelesen hat, ist er nur ein halber Mensch; über dem Lesen aber geht ihm ein Licht nach dem andern auf, so daß er abends beim Schoppen über alle Tagesfragen mit zu Gericht sitzen kann und nicht begreift, wie es möglich ist, anderer Meinung zu sein.”

“Willkommen in den Jahren nach 1848, die liberale Revolution ist noch so jung wie die digitale heute. Pressefreiheit schien zwar einerseits schon legal und irgendwie fortschrittlich, andererseits aber auch ähnlich unbequem wie die Bloggerfreiheit heute. Und mindestens so verdächtig wie stundenlanges WLAN im St. Oberholz muss man sich die ausufernde Zeitungslektüre vorstellen”, schreibt Reichwein und er zitiert: “Eine Art von Hochschulen für das Zeitungsphilistertum sind die Casino-Lesezimmer. In feierlichster Stille, die Denkerstirne bald auf den einen bald auf den anderen Ellenbogen gestützt, sitzen sie hier und machen den Eindruck, als ob auf ihnen zunächst der schwere Beruf lastete, die Welt in ihren Fugen zu halten.” Diese Zeilen stammen aus der Feder des Ultramontanisten August Reichensperger, den man bis heute als Außendeko des Kölner Doms besichtigen kann.

“Er hat ein so genanntes ‘Rath- und Hülfsbüchlein für Zeitungsleser’ geschrieben, das in den 1860ern und ’70ern in rasch aufeinanderfolgenden Auflagen verlegt wird. Das Werk mit dem Titel ‘Phrasen und Schlagwörter’ kommt als getarnte Handreichung für Zeitungsleser daher, ist in Wahrheit aber eine Art Kulturkampf gegen die liberale Presse mit sprachkritischen Mitteln. Polemisch vorgeführt wird, von welch miesen Journalisten-Tricks sich der empfängliche, leider allzu empfängliche Zeitungsphilister immer wieder beeindrucken lässt”, führt Reichwein weiter aus.

Was der Zeitungsphilister gestern gelesen habe, moniert der konservative Moralprediger Reichensperger, weiß er ohnehin meist heute schon nicht mehr (klingt ein wenig nach “das Internet überfordert mein Hirn”-Lamento von Frankieboy Schirrmacher); er glaubt aber jedes Mal, wenn seine Zeitungsstunde vorüber ist, wunders, was er gelernt habe, wenn nicht gar gethan habe. Am Ende, so Reichensperger, setze sich der Zeitungsfan noch “in den Kopf, er habe ein gutes Theil an allen Erfindungen der Neuzeit, von der Dampfmaschine an bis zum atlantischen Telegraphenkabel, und sieht mit stolzem Hochgefühle auf alle seine Nebenmenschen herab, welche solchen Anspruch nicht erheben zu können glauben.” Bei zvab.com habe ich mir dieses Opus direkt bestellt. Und bei den bibliografischen Angaben zur zweiten Auflage von “Phrasen und Schlagwörter” ist folgendes zu lesen.

Angebunden: Schmitz, J. R., De Moralität der Bekanntschaften beleuchtet an dem Charakter der Ehe. Auch: Inwiefern Bekanntschaften für eine nächste Gelegenheit (occasio proxima) zur Unzucht anzusehen sind. Als Zugabe: Dieselbe Frage in Betreff der heutigen Tanzlustbarkeiten. 2 Vorträge. Köln, Schwann, 1864. Das müsste doch ein treffliches Vademekum für FAZ-Redakteure sein. Wenn Schirrmacher einen ordentlichen Preis bietet, verkaufe ich ihm das Büchlein ;-)

Der Kunde als störender Ignorant – Warum die deutsche IT-Branche umdenken muss

Während Hardwareanbieter immer noch gerne die Leistungsdaten ihrer Produkte zur Schau stellen, verstehen die Software-Marketer mehr und mehr, wie wenig Sinn das macht. Selbst Microsoft hat diese Lernkurve mittlerweile durchlaufen.

Steve Wozniak ist ein begnadeter Mathematiker und zählt zu den legendärsten Computeringenieuren aller Zeiten. So stilisiert sich zumindest der frühere Weggefährte von Steve Jobs und Erfinder des Apple I in seiner eigenen Biografie. Was Wozniak nicht ist: ein Marketinggenie. Das wollte er nie sein und äußert sich dementsprechend enttäuscht, dass sein alter Kumpel Jobs nicht den Ingenieur in den Mittelpunkt des Unternehmens stellte.

Von Anfang an war Apple als Marketingunternehmen konzipiert: “Das Produkt wird sich mit anderen Worten danach richten, welche Wünsche und Anforderungen die Marketingabteilung bei den Kunden finden wird. Das ist das genaue Gegenteil von einem Ort, wo Ingenieure einfach das konstruieren, was ihnen Spaß macht, und das Marketing anschließend Wege findet, um das Produkt zu vermarkten”, sagt Wozniak. Genau das sei der Grund, warum “Woz” nur noch über alte Zeiten sinniert und Steve Jobs zu den erfolgreichsten IT-Unternehmern der Welt zählt, meint Peter B. Zaboji, Chairman des Frankfurter After-Sales-Spezialisten Bitronic: “Obsessionen für technische Perfektion sind ja schön und gut. Am Ende des Tages ist der Markterfolg entscheidend und nicht die Selbstverliebtheit von Ingenieuren. In vielen IT-Unternehmen sind Marketing, Management und Führung immer noch viel zu herstellerorientiert.”

Wenn sich Bastler, Ingenieure oder Programmierer etwas ausdenken, seien sie ausschließlich an den Eigenschaften ihrer Spielzeuge interessiert. “Der mögliche Benutzer ist für sie nur ein störender Ignorant”, lautet die Erkenntnis des keinesfalls technikfeindlichen Schriftstellers Hans Magnus Enzensberger. Was sich in Büros und Wohnzimmern abspiele, sei grotesk. Rechner, Drucker, Netzgeräte, Scanner und Brenner würden jeweils das Studium einer hundertseitigen Betriebsanleitung erfordern. Vielleicht liege es an den berufsbedingten Scheuklappen nach dem Motto: Chacun devient idiot à sa façon – jeder macht sich auf seine Weise zum Idioten. Die Printversion meines Beitrages in ausführlicher Form findet Ihr hier: absatzwirtschaft März 2010