Google, der Opiumkrieg und die chinesische Strategem-Kunde – Der Westen unterschätzt die Listkompetenz der KP in Peking


Googles List, so betitelt die FAZ den Gang des Suchmaschinenkonzerns nach Hongkong. Ob das am Ende wirklich so listenreich ist im Streit um die Internetzensur, wird sich noch zeigen. Denn schon kurz vor dem Umzug des chinesischen Servers google.cn „hatten Chinas staatliche Medien ein historisches Vorbild für die Affäre ausgemacht: den Opiumkrieg. Die East India Company war damals, 1842, federführend, als Großbritannien die Öffnung mehrerer wichtiger Häfen und die Duldung des Handels zumal mit Opium militärisch erzwang; die Souveränität Chinas war faktisch dahin. Seitdem habe sich kein Konzern mehr so dreist in die Angelegenheiten eines Landes einzumischen versucht, verkündete China Radio International, und Blogger wie ‚Xinxin‘ soufflieren: ‚Wer heute mit Google mitfühlt, sollte mal die Geschichtsbücher wälzen und über den Opiumkrieg nachlesen‘“, schreibt die FAZ.

Die geschichtliche Analogie ist wohl innenpolitisch ein noch listenreicheres Vorgehen und sicherlich im Einvernehmen mit der Kommunistischen Partei in China propagiert worden. „Am verschärften Ton merkt man, wie heikel die Sache für Peking ist: Da Internetzensur unpopulär in China ist, bedarf es schon eines schweren geschichtspolitischen Geschützes, um auch diesen Konflikt auf einen patriotischen Nenner zu bringen. Wobei das Opium, das den Eigenwillen und die Widerstandskraft der Nation brechen kann, in diesem Fall das süße Gift ausländischer Meinungen und Informationen ist“, so die FAZ.

Vor den olympischen Spielen in Peking hatte ich ein Interview mit dem Sinologen Harro von Senger geführt, der sich intensiv mit der Strategem-Kunde im Reich der Mitte beschäftigt hat. Die Lebens- und Überlebenslisten werden für die chinesische Machtpolitik nun schon seit drei Jahrtausenden kultiviert.

In der westlichen Welt scheint man zu meinen, „Hintergrundwissen über die Volksrepublik China sei überflüssig, es genüge, von Fall zu Fall die Tagesereignisse zu verfolgen und mit westlichen Alltagswissen ad hoc zu reagieren“, sagt von Senger. So durchkreuzte die Regierung in Peking die Pläne von Coca Cola und verhinderte die Übernahme des größten chinesischen Saftherstellers Huiyuan. Das 2,4 Milliarden Dollar schwere Geschäft schade dem „Wettbewerb“ und sei daher auch nicht im Interesse der Verbraucher, erklärte verklausuliert das Handelsministerium. Bei ausländischen Investoren brach die übliche die Heulerei über das Reich der Mitte aus. Man spricht von Rückschlag, Verunsicherung und Protektionismus. In ihrem Expansionsdrang macht China keine Abstriche und kauft sich lustig in westliche Schlüsselbranchen ein. Zuhause hält Peking den Laden sauber. Die Empörungsspirale verläuft immer nach dem gleichen Muster, weil westliche Politiker und Manager einfach nicht kapieren, nach welchen Strategemen China vorgeht. Dabei hat Harro von Senger alles sehr genau dokumentiert: „Welche Rolle das Gesetzesrecht in der Volksrepublik China spielt und welchen Stellenwert es in diesem Land hat, stelle ich in ‚Supraplanung’ deutlich dar. Wenn man die Verfassungsartikel zur Kenntnis nehmen und in ihrer vollen Tragweite begreifen würde, dann würde vieles, was in der politischen Tagespraxis geschieht, durchschaubar und leicht vorhersehbar werden. Aber leider werden offizielle Dokumente der Volksrepublik China im Westen regelrecht boykottiert und planmäßig nicht gelesen oder mit einem Lacher abgetan.

In Anlehnung an Gottfried Wilhelm Leibniz plädiert von Senger dafür, dass die westliche Belehrungsgesellschaft sich in eine Lerngesellschaft im Verhältnis zu China wandeln sollte. Das Abendland müsse den tief verwurzelten Kulturhochmut ablegen und sich darum bemühen, das amtliche Denken in der Volksrepublik China, insbesondere das Bezugssystem der Kommunistischen Partei Chinas von innen heraus besser zu verstehen.

Europa und die USA seien nach der chinesischen Strategemkunde eine leichte Beute und eine optimale Spielwiese für die Anwendung des Strategems Nummer 33: Das Strategem des Zwietrachtsäens. Als Beispiel führt von Senger den Dalai-Lama-Besuch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel an, der dazu führte, dass Chinas Führer reihenweise Termine mit Deutschen absagten. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy wurde demgegenüber höchst freundlich empfangen und mit Aufträgen in Höhe von 20 Milliarden Euro überschüttet.

Google wird es ähnlich ergehen. Dafür sorgen schon die westlichen Konkurrenten, die dem Beispiel des Mountain View-Unternehmen im großen Stil wahrscheinlich nicht folgen werden. Siehe auch: Der Westen hilft Chinas Zensur. Neue Frontverläufe: Welt-Herausgeber Thomas Schmid vergleicht Google mit China.

Um innenpolitisch Oberwasser zu behalten, setzen die Machthaber in Peking im Konflikt mit Google auf Ausmünzungs-Strategeme: „Sie dienen der Ausnutzung einer eigens herbeigeführten oder sich ohne eigenes Dazutun ergebenden Wirklichkeits-Konstellation, zum Beispiel Strategem Nummer 20: „Das Wasser trüben, um die ihrer klaren Sicht beraubten Fische zu fangen“, schreibt von Senger in seinem Opus „36 Strategeme für Manager“ (erschienen bei Hanser).

Oder das Strategem Nummer 19: „Unter dem Kessel das Brennholz wegziehen“. Das Brennholz ist die Kraftquelle, die das Wasser im Kessel zum Sieden bringt. Das Wasser erkaltet, sobald man das Brennholz entfernt. Es wirkt als Kraftentziehungs-Strategem. Man nimmt jemanden den Wind aus den Segeln, gräbt ihm das Wasser ab, entzieht ihm den Boden. Als Strategemprävention hält der Sinologe von Senger eine genaue Überprüfung aller denkbaren Szenarien gegnerischer Eingriffe für essentiell. Ich glaube allerdings nicht, dass die Google-Führungskräfte dazu überhaupt in der Lage sind.

Firmenübernahmen oder politische Interventionen gegen die Internetzensur wird die KP China niemals zulassen. Sie stehen im Widerspruch zu den machtpolitischen Strategemen. Die Prinzipien sind simpel: „Vom Import zum Export, vom Lernen zur Neuschöpfung“. Es geht um die Befolgung der Polaritätsnorm: „Ausländisches für China nutzbar zu machen“. In Peking wird man westliche Unternehmen nur tolerieren, solange sie den Zielen der KP nutzen und sich in die Gastrolle fügen. Hier kommt die Dialektik von Mao Tse Tung zum Einsatz:„Alles Ausländische muss so behandelt werden wie unsere Speise, die im Mund zerkaut, im Magen und Darm verarbeitet, mit Speichel und Sekreten des Verdauungsapparates durchsetzt, in verwertbare und wertlose Bestandteile zerlegt wird, worauf die Schlacken ausgeschieden und die Nährstoffe absorbiert werden, sodass unser Körper Nutzen von der Speise hat; das Ausländische darf keineswegs mit Haut und Haaren roh verschlungen, kritiklos einverleibt werden“.

Professor von Senger empfiehlt den westlichen Politikern und Managern bei China-Geschäften dem Rat von Jesus zu folgen: „Seid klug wie die Schlangen und sanft wie die Tauben“ (Matthäus 10, 16). „In der globalisierten Welt des 21. Jahrhunderts sollte der verborgene Schatz, der in dem bei uns unbekannten Ausspruch Jesu ruht, gehoben werden“. Es sei unverzichtbar, sich ein optimales Listwissen anzueignen. Im politischen und wirtschaftlichen Wettbewerb unterliege die Listenblindheit der Listkompetenz. Das gelte für Politiker und Unternehmer.

Hier die Version, die das Übersetzungsprogramm von Google bietet. Kann ich leider nicht auf Richtigkeit überprüfen 😉

谷歌,鸦片战争和中国战略客户 – 西方低估了在北京的共产党

谷歌的名单,被称为扎伊尔的搜索引擎公司当然香港。这是否是真正的目的,在互联网审查争端狡猾,还有待观察。对于google.cn前不久在中国服务器移动,“中国官方媒体已经确定了这一事件的历史先例:鸦片战争。东印度公司随后,在1842年,负责为英国,几个主要口岸的开放和默许的鸦片贸易,特别是在军事上执行,而对中国主权的几乎消失了。由于没有促使集团有更多试图干涉一个国家的内政,如此公然宣布,中国国际广播电台,像博客,欣欣“,”现在谁同情与谷歌,应时代的历史书籍和卷阅读有关鸦片战争,’“写道:法兰克福汇报。
历史比喻很可能是更多的国内的做法,当然同中国共产党的主张listenreicheres协议。 “在严厉的语气你体会到微妙的是北京的情况:随着互联网在中国审查制度是不得人心的,它已经需要一个重大的历史和政治枪使这一冲突的爱国分母。如鸦片,它可以打破自我的意志和韧性的民族在这种情况下,是外国的意见和信息甜蜜毒药,说:“法兰克福汇报。
之前在北京奥运会,我与冯汉学家胜雅律,谁一直与英国在中东战略客户深入采访。生活和生存的名单,为中国培养强权政治现在三千年。

在西方世界中,我们似乎认为,“人民共和国对中国的深刻了解是多余的,它足以追求逐案,每日事件和应对西方Alltagswissen专案的基础上,说:”胜雅律。因此,北京政府的计划,由可口可乐挫败和防止重大中国果汁生产商汇源收购。在2400000000美元严肃的商业坏的“竞争”,因此消费者的权益不说,一个回旋处,商务部。对于外国投资者来说,通常的大哭起来,通过中央王国。目前的挫折,不确定性和保护主义的谈话。在其扩张中国是维护和购买西部关键部门的乐趣。家居清洁北京保持店。在Empörungsspirale始终遵循相同的模式,因为精明的西方政治家和管理者不是简单地将中国的什么计谋。该次胜雅胜雅律已记录是很小心http://www.36strategeme.ch:“在人民共和国的中国法定什么法律的一部分,它在这个国家的地方,我在上文规划’显着达尔。如宪法第将会注意和了解的全部范围,将许多事情发生在日常政治实践,透明,容易预测。但不幸的是,在人民共和国的正式文件,中国在西方的字面和蓄意抵制不读或笑着驳回。
由莱布尼茨的启发胜雅律认为确保教学的西方社会转变成一个与中国学习型社会,本身应。西方必须采取根深蒂固Kulturhochmut并设法了解在人民共和国的正式的中国思想,特别是对中国共产党的参考系统,更好地从里面出来。欧洲和美国,是在中国Strategemkunde好欺负,以及为33号的手腕最佳使用游乐场:在Zwietrachtsäens战略。胜雅律指出这是达赖喇嘛访问德国总理默克尔,导致事实,中国取消了与德国领导人在会晤行的例子。法国总统萨科齐另一方面,深受各界欢迎,并达二百万点零万欧元订单不堪重负。谷歌将同样票价。利用西方的竞争对手,这将遵循大张旗鼓的山景城的公司的例子肯定的可能性不大。为了保持国内的政治优势,把在北京的权力冲突与谷歌的货币化,造酒:“他们是一个特别的虐待而诱发或导致他们在对现实的星座自己的参与,可惜的战略第20号:”水,以捕获的鱼,其明确的目标被剥夺,写道:“胜雅律在他的作品”36造酒经理人“(由Addison – Wesley出版)。或拖动战略编号19:“根据锅炉木柴。木柴是权力的来源,这使在茶壶中的水煮沸。尽快冷开水删除木柴。它作为一种逃避战略力量。一是以积极的风出某人的风帆,剥夺了他的水,打断了他的理由。由于Strategemprävention在汉学家胜雅律的敌对干扰可能发生的情况认真审查认为是至关重要的。我并不认为谷歌管理人员将能够在所有。

收购或反对互联网审查的政治干预,决不允许对中国共产党。这些都是违背强权政治的计谋。这些原则很简单:“从进口到出口,从学习新创造。”它是关于与遵守规则,极性:“为中国外交利用。”在北京,我们不会容忍西方公司只只要共产党的目标,使用和适应东道国的作用。在这里,毛泽东辩证的方法有:“必须尽一切视为外资,我们的食物,这是嚼在嘴里,在胃和按唾液和消化系统的分泌物了肠,加工盛行,进入,使用的组件不值钱的消除了炉渣和养分吸收,使我们的身体有食品,可能不长草吞下异物和灵魂的好处是批判地吸收。

胜雅律教授建议在中国的西方政治家和企业经理,遵循耶稣的忠告:“作为蛇和鸽子一样温和明智的”(马太福音10,16)。 “在全球化的世界21世纪应提高到宝藏,在耶稣向我们说,不明身份的谎言“。至关重要的是,获得最佳Listwissen。在政治和经济竞争的名单是受Listkompetenz失明。这同样适用于政治家和商人。

Scheint zu funktionieren. Suchergebnis unter http://www.google.com.hk/

Halle an der Saale ohne Zukunft: Altes Denken vergrault den Trendforscher Jánszky

Das seit neun Jahren traditionell durch Trendforscher Sven Gábor Jánszky organisierte Zukunftstreffen findet in diesem Jahr erstmals in der Region Braunschweig und nicht mehr in Halle an der Saale statt. Für den 15. und 16. Juni 2010 lädt der Leiter des 2b AHEAD ThinkTanks erstmals auf Schloss Oelbers am weißen Wege bei Braunschweig ein. Bereits zu Jahresbeginn hatte er sein Unternehmen unbenannt, aus der forward2business Büro GmbH wurde die 2b AHEAD ThinkTank GmbH.

Jánszky erklärt den Namens- und Standortwechsel mit einer Trennung von regionalen Partnern am ehemaligen Standort Halle: „Damit befreien wir uns aus innovationshemmenden Abhängigkeiten, die drohten unseren selbstgesteckten Anspruch zu torpedieren, die innovativste Denkfabrik in Deutschland zu sein“, so Jánszky. Das habe in erster Linie etwas mit den regionalen Förderern der öffentlichen Hand zu tun (Staatskanzlei, Stadt Halle, MDR, Mitteldeutsche Medienförderung, Medienanstalt Sachsen-Anhalt). „Diese gaben ja traditionell einen Zuschuss zum Zukunftskongress. Allerdings wurde dieser Zuschuss in den vergangenen Jahren mehr und mehr mit abenteuerlichen Forderungen verbunden, nach dem Motto: Der ThinkTank darf keine Veranstaltungen außerhalb des Zukunftskongresses und außerhalb von Halle durchführen“, erläutert Jánszky.

Diese sei allerdings unrealistisch, denn der Hauptteil der Arbeit läuft neben diesem einen Zukunftskongress. Es gehe auch um Reden, Trendanalysen, Buchveröffentlichungen, Consulting, Innovationsworkshops, Trendtage und andere Kongresse. „Das war auch wirtschaftlich ziemlich unrealistisch, denn da wollten jene Zuschussgeber, die rund 20 Prozent der Jahreskosten beisteuern, verbieten, dass das Unternehmen auch die anderen 80 Prozent verdienen darf. Und inhaltlich war das mindestens genauso unrealistisch, dass in Zeiten in denen alle von open innovation sprechen und ihre Prozesse für Kunden, Partner, Mitarbeiter öffnen, ausgerechnet ein Innovations-ThinkTank als Closed Shop in der Provinz stattfinden soll“, kritisiert der Trendforscher. Das sei ein sehr „altes Denken“ bei den beteiligten Zuschussgeber. „Das ging einfach nicht mehr zusammen. Aus diesen Anhängigkeiten mussten wir uns befreien. Was nach heutigem Stand zum Glück bestens gelungen ist“, so Jánszky.

Call Center Forum ohne CallCenterProfi

Die Fachzeitschrift CallCenterProfi beendet nach eigenen Angaben die Zusammenarbeit mit dem Verband Call Center Forum. Das geht aus einem Mitteilung des Magazins hervor. „CallCenterProfi beendet mit sofortiger Wirkung nach mehr als zehn Jahren die aktive Verbandsarbeit im Call Center Forum Deutschland. Die Gründe für diese – nach langer und reiflicher Überlegung getroffene – Entscheidung sind vielfältiger Natur. Auf die wichtigsten möchte ich gern eingehen“, teilt die Chefredakteurin Simone Fojut mit. In einem offenen Brief „an die CCF-Mitglieder und alle Call Center-Interessierte“ wandten sich die Vorstände Oliver Erckert und Thomas Zacharias – auch über den CallCenterProfi – an die Branche. Das Anliegen war es, mehr Mitglieder für das CCF zu werben, „für eine starke Branche“. Man habe dem Verband „ein klares Prio 1 Thema gegeben: Mitgliedergewinnung“. Parallel startete die Kampagne „Ich bin Mitglied!“.

„Im gleichen Atemzug kehrten eine Handvoll Ausstatter und Zulieferer dem Verband den Rücken. Davon erfährt keiner etwas. Diese Fahnenflucht auf den so wichtigen Schritten des Marsches zum Ziel ist sicher nicht nur eine Folge der ‚Strafgebühr für Nicht-Call Center‘ in der CCF-Beitragsstruktur, sondern auch ein Echo des Gefühls, ein Mitglied zweiten Grades und sowieso vordergründig nur aus Vertriebsaspekten im Verband engagiert zu sein. Auch wenn der Vorwurf teilweise berechtigt sein mag, so kommen wir doch hier zum ersten Mal mit einem wesentlichen Verbandsbenefit in Kontakt: Dem konkreten Nutzen für das jeweilige Mitglied. Und der kann nun mal sehr unterschiedlich gelagert sein“, schreibt Fojut.

Weiter heißt es, dass der, der etwas bewegen will, Budgets benötigt: „Und die nötigen finanziellen Mittel erhält das CCF über Ihre Mitgliedschaft, denn nur so können wir eine effiziente Arbeit für Sie gewährleisten.“ Für einen Spendenaufruf sei diese Handlungsanweisung etwas zu salopp formuliert, moniert die Chefredakteurin. „Für einen geldwerten Mitgliedsbeitrag darf mit gutem Recht ein spürbarer Gegenwert erwartet werden. Ein Nutzen, der das eigene (zeitliche und finanzielle) Engagement gegenüber sich selbst (und gegenüber den eigenen Vorgesetzten) zu verargumentieren vermag. Die Vorstände fragen: ‚Warum ist ein Unternehmen, das über sechs- oder siebenstellige Call Center-Budgets pro Jahr umsetzt oder ausgibt noch nicht Mitglied im Call Center Forum?‘ Sie antworten sich selbst: ‚Weil der Nutzen nicht erkannt wird.‘ Oder doch eher weil er schlichtweg für sie nicht vorhanden beziehungsweise nicht greifbar ist“, fragt Fojut.

Die Redaktion habe sich die Frage gestellt, ob sich ein Fachmagazin überhaupt aktiv ins Verbandsleben integrieren soll. „Auf der einen Seiten stehen wir für neutrale Berichterstattung und lehnen durch uns initiierten Lobbyismus ab, auf der anderen Seite sind wir wahlberechtigtes Mitglied und geben mit unserer Stimme damit auch die künftige Marschrichtung vor. Mit Berücksichtigung auf die eingangs formulierten Punkte haben wir uns diese Frage erneut gestellt und sind nun zur Entscheidung gelangt, die aktive Verbandsarbeit nicht weiter zu führen, sondern – im Zuge unserer Informationspflicht – nur noch als Beobachter zu begleiten“, teilt Fojut mit.

„Schade, denn die Branche braucht Schulterschlüsse. Und da kann die enge Zusammenarbeit zwischen Fachpresse und Interessenvertretungen eher förderlich sein. Als Beispiel nenne ich die jahrelange, erfolgreiche Zusammenarbeit des Fachmagazins ‚Absatzwirtschaft‘ mit den Marketingclubs (organisiert in der Deutschen Marketing-Vereinigung e.V., Düsseldorf). Unter einer solchen Zusammenarbeit muss ja nicht zwangsläufig die kritische Berichterstattung leiden“, kommentiert Günter Greff in seinem Beratungsbrief Call Center Experts.

Service-Ökonomie ist krisenresistent – Warum wir uns von der Industrie-Nostalgie verabschieden sollten

Überaus positive Konjunktursignale vernimmt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) zum Frühjahrsbeginn aus der Dienstleistungsbranche. Das berichtet die FAZ. Von dort seien ganz andere Töne zu vernehmen als aus der Industrie, die sich eher schleppend aus dem Konjunkturtal nach oben arbeitet. Die Serviceanbieter befänden sich schon wieder im Aufschwung. Das schlage sich auch in den Beschäftigungsplänen der Unternehmen nieder, heißt es in dem noch unveröffentlichten Dienstleistungsreport der Kammerorganisation.

Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der FAZ.: „Auf Basis der positiven Beschäftigungspläne der Unternehmen rechnen wir mit einem Plus von rund 300.000 Arbeitsplätzen allein im Dienstleistungssektor bis zum Jahresende 2010.“ Damit könne die Branche 2010 „einen Großteil der drohenden Beschäftigungsverluste in anderen Wirtschaftszweigen kompensieren“, so Wansleben. Die Dienstleistungskonjunktur werde im Frühjahr „einen weiteren Schritt nach vorne“ machen. Bereits zu Beginn des Jahres seien die Serviceunternehmen der einzige Wirtschaftszweig gewesen, der eine positive Geschäftslage gemeldet habe. Damit lägen sie vor der Bauwirtschaft und dem Handel und vor allem deutlich vor der Industrie. Die volkswirtschaftlich bedeutende Branche der Gesundheitsdienstleister berichte ungeachtet der Krise sogar über die beste Geschäftslage seit Beginn der Befragung. Positive Resonanz habe der DIHK auch von Konzertveranstaltern, Theatern, Fitnessclubs sowie von den Medien und aus der Filmwirtschaft vernommen. Die Dienstleister erwarteten zudem eine weitere Verbesserung ihrer Lage. Die Hoffnungen auf eine Besserung der wirtschaftlichen Aussichten schlügen sich auch in den Investitionsplänen nieder, die besser ausfielen als in allen andern Wirtschaftszweigen, berichtet der DIHK weiter. Einen größeren Personalbedarf meldeten vor allem wissensintensive Dienstleistungsbranchen wie Anbieter von Informationstechnik, Versicherungen, Unternehmensberatungen sowie Werbung und Marktforschung. Auch Gesundheits- und Sozialdienste, die Sicherheitswirtschaft und die als konjunktureller Vorläufer geltende Zeitarbeit schafften neue Stellen.

„So langsam sollten sich die Meinungsführer, die immer noch Weltbilder aus den Zeiten der florierenden Massenproduktion verbreiten, in ein stilles Kämmerlein zurückziehen und sich eines Besseren besinnen. Schaut man sich die vielen Servicebranchen an, die sich jetzt als Konjunkturlokomotive erweisen, erkennt man, wie hirnverbrannt die wirtschaftspolitischen Akzente in Deutschland immer noch sind. Wenn Industrie-Nostalgiker davor warnen, dass man nicht alleine vom Haare schneiden leben könne, haben sie nicht begriffen, was eine Dienstleistungsökonomie wirklich auszeichnet“, kritisiert Bernhard Steimel, Sprecher des Nürnberger Fachkongresses Voice Days plus. Kein Service-Experte würde von einer Ökonomie ohne Produktion und Produkte träumen. Nur mit den alten Methoden des Fordismus sei kein Blumentopf mehr zu gewinnen.

„Selbst Maschinenbauer wandeln sich immer mehr zu Service-Providern. Hier liegen Trendforscher und Publizisten wie Matthias Horx oder Wolf Lotter vollkommen richtig. Stichworte wie Kreativwirtschaft, Wissensgesellschaft, Support oder App Economy beschreiben sehr treffend die Zukunftsfelder, die für Deutschland über Sieg oder Niederlage im globalen Wettbewerb entscheiden werden. Der Soziologe Holger Rust hatte noch im Oktober 2008 die Trendaussagen von Horx und Co. durch den Kakao gezogen, die den Wandel der klassischen Industriebranche in eine weitgehend auf Dienstleistung und Wissen basierende neue Form der Gesellschaft vorhersagen“, erläutert Steimel. Volks- und betriebswirtschaftlich seien solche Szenarien jedoch schlichter Unsinn tönte Rust gegenüber der Bild der Wissenschaft. Einem Wirtschaftswissenschaftler oder Soziologen käme es nicht in den Sinn, einen solchen Unfug zu prognostizieren, sagte Rust – nicht nur aufgrund der in sich widersprüchlichen Logik, sondern schon durch den Blick auf die Zahlen. Die liefere etwa der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Der VDMA habe errechnet, dass die Bruttowertschöpfung im produzierenden Gewerbe in Deutschland seit Jahren weitaus schneller wachsen würde als in den Dienstleistungsbranchen – die Industrie boomt also, während die Serviceunternehmen nur langsam an Umsatz zulegen. Für 2008 rechnete der Branchenverband mit fünf Prozent Umsatzwachstum gegenüber 2007 bei den deutschen Maschinenbauunternehmen, die – wie man beim VDMA stolz betonte – hinter den USA den zweiten Platz unter den weltweit größten Produzenten von Maschinen und Anlagen belegen. Den produzierenden Unternehmen in Deutschland gehe es prächtig – trotz der seit dem Sommer nachlassenden Konjunktur. „So schnell kann man sich irren. Solche einseitigen industriepolitischen Gesänge können wir uns nicht mehr erlauben. Wir sollten alles daran setzen, eine Gesellschaft mit Service-Exzellenz zu werden“, fordert der After Sales-Experte Peter Weilmuenster, Vorstandschef von Bitronic. In seinem Unternehmen für Wartungs- und Reparaturservice könne man sehr gut erkennen, wie vielschichtig Dienstleistungsberufe seien, welche Möglichkeiten für produktbegleitende Services es gibt und wie viel das Ganze mit Technologie zu tun habe. „Der Friseurberuf ist ja sehr ehrenwert. Er steht aber nicht im Zentrum der Serviceökonomie“, resümiert Weilmuenster.

Siehe auch:

Das Vermächtnis von Peter Drucker: Was die Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten vom Managementvordenker lenern können.

Expertennetzwerk für Dienstleistungsökonomie gegründet: Mitmachen!!!!

Rüttgers, Kaiser Wilhelm und die Fabrik im Kopf – Der Staat als Museumswächter.

Industrieunternehmen vernachlässigen Entwicklung und Vermarktung von Serviceleistungen – Verzahnung von Produkt-, Software- und Dienstleistungsinnovationen als Hausaufgabe.

Heise-Kolumnist Sicking und die verfehlte Rehabilitierung der Hardware.

AFSMI (Association for Service Management International).

Blog with John Ragsdale.

Blog with Bill Rose.

Blog with Michael Israel.

Deutschland ist überindustrialisiert – 2010 wird das Outsourcingjahr!

Kundendienst-Verband Deutschland.

Journal of Service Research.

Service Design.

Service Design für Unternehmen.

Last Call: Horrorschocker zeigt, was man mit Spracherkennung machen kann


Hatte die Entstehung des Films in München erlebt. Könnte eine gute Sache werden.

Statement von der Werbeagentur Jung von Matt:
„Wir wollten zwei Grenzen aufheben: die eine zwischen Film und Game, die andere zwischen Handlung und Zuschauer. Wir wollten weg von der strikten Trennung: dort Leinwand und Handlung. Hier der passive Zuschauer hinter seinem riesigen Popcorn-Becher. Vielleicht sollte man den Erfolg unseres Films an der Zahl ungewollt umgestoßener Popcorn-Becher messen“, erklärt Andreas Henke, Creative Director von Jung von Matt.

Siehe auch die NeueNachricht-Meldung: Wenn das Handy klingelt, kommt der Horror – Interaktiver Kinofilm „Last Call“ soll Popcorn-Becher zum Umsturz bringen.

General Stumm, Schirrmacher und der Mann ohne Eigenschaften: Über das Problem der Kultur und Unendlichkeit

Debattendompteur Frank Schirrmacher fürchtet sich vor den geheimnisvollen Algorithmen des Netzes: „Wir werden das selbstständige Denken verlernen und wir werden uns in fast allen Bereichen der autoritären Herrschaft der Maschinen unterwerfen.“ Der Grund ist die schiere Menge der im Netz verfügbaren Daten, die unsere Aufmerksamkeitsressourcen heillos überfordern – weswegen wir uns auf die Softwareagenten und digitalen Roboter der Ordnungsprogramme des Internets verlassen müssen. Damit aber erleben wir eine Externalisierung des Denkens, dass sich fortan außerhalb unseres Gehirns als algorithmengesteuerter Prozess in der Cloud abspielt. Diese Thesen leiert der FAZ-Herausgeber in seiner Reden-Tournee durch Deutschland als semantische Endlosschleife herunter. Al-Khwarizmi hätte wohl nie gedacht, dass seine algebraischen Denkanstöße zu so weitreichenden Folgen führen könnten. Meint Schirrmacher eigentlich Algorithmen mit polynomialer oder mit exponentieller Laufzeit? Kann der Feuilletonist eine Lösung für das Boole’sche Erfüllbarkeitsproblem präsentieren?

Höre ich mit dem Denken auf, wenn meine schlauen kleinen elektronischen Assistenten mir jeden Tag Informationen über Themen abliefern, die ich über smarte Softwareprogramme abrufe? Schrumpft mein Hirn, wenn mir Amazon automatisch Buchempfehlungen zuschickt, die sich an meinen bisherigen Suchanfragen und Online-Einkäufen orientieren? Auch meine sehr freundliche Kioskverkäuferin kennt meine bevorzugte Zigarettenmarke und weiß, welche Zeitungen und Zeitschriften ich ab und zu kaufe, damit die Printindustrie nicht völlig zusammenbricht. Die Personalisierung im guten, alten Tante Emma-Laden empfinden die meisten Menschen als sympathisch. In meinem Lieblingskiosk bin ich namentlich bekannt, werde freundlich begrüßt und vieles läuft automatisch ab.

Sind es Empfehlungen, hinter denen Algorithmen stecken, wird das Ganze zur monströsen Datenkrake. Das mag in Ansätzen stimmen und es gibt wohl jeden Tag üble Verstöße gegen den Datenschutz. Von staatlichen und privaten Institutionen. Unser Gehirn verändert sich dadurch nicht. Mein freigeistiges Köpfchen erreichen die Algorithmen auch nicht. Denken, reflektieren, lesen, schreiben und disputieren muss ich immer noch selber. Das können meine elektronischen Assistenten nicht – dafür sind die viel zu blöd. Sie können die Komplexität der Datenflut, die es nicht erst seit der Erfindung des Internets gibt, reduzieren und für mich etwas erträglicher machen. Bewältigen kann man die weltweit kursierenden Informationen nie.

Ein wenig erinnert mich Schirrmacher mit seinen Komplexitätsklagen an die Hampelmänner in dem Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ von Robert Musil. Und hier besonders an General Stumm, der auf der Suche nach dem erlösenden Gedanken ist: „‚Du erinnerst Dich‘, sagte er, ‚dass ich mir in den Kopf gesetzt habe, den erlösenden Gedanken, den Diotima sucht, ihr zu Füßen zu legen. Es gibt, wie sich zeigt, sehr viele bedeutende Gedanken, aber einer muss schließlich der bedeutendste sein; das ist doch nur logisch? Es handelt sich also bloß darum, Ordnung in sie zu bringen.'“

Wenig vertraut mit Gedanken und ihrer Handhabung, noch weniger mit der Technik, neue zu entwickeln, beschließt General Stumm, sich in die Hofbibliothek zu begeben, ein grundsätzlich idealer Ort, um sich mit ungewöhnlichen Gedanken auszustatten, wo er sich „über die Stärke des Gegners Klarheit zu verschaffen“ und auf eine möglichst organisierte Weise zu der originellen Idee zu gelangen hofft, nach der er sucht. Der Besuch in der Bibliothek versetzt den General allerdings in große Angst (lieber Herr Schirrmacher), da er mit einem Wissen konfrontiert wird, das ihm keinerlei Orientierung bietet und über das er nicht die vollständige Befehlsgewalt hat, die er als Militär oder Zeitungsherausgeber gewohnt ist:

„Wir sind den kolossalen Bücherschatz abgeschritten, und ich kann sagen, es hat mich weiter nicht erschüttert, diese Bücherreihen sind nicht schlimmer als eine Garnisonsparade. Nur habe ich nach einer Weile anfangen müssen, im Kopf zu rechnen, und das hatte ein unerwartetes Ergebnis. Siehst du, ich hatte mir vorher gedacht, wenn ich jeden Tag da ein Buch lese, so müsste das zwar sehr anstrengend sein, aber irgendwann müsste ich damit zu Ende kommen und dürfte dann eine gewisse Position im Geistesleben beanspruchen, selbst wenn ich das ein oder das andere auslasse. Aber was glaubst du, antwortet mir der Bibliothekar, wie unser Spaziergang kein Ende nimmt und ich ihn frage, wieviel Bände denn eigentlich diese verrückte Bibliothek enthält? Dreieinhalb Millionen Bände, antwortet er! Wir sind da, wie er das sagte, ungefähr beim siebenhunderttausendsten Buch gewesen, aber ich habe von dem Augenblick an ununterbrochen gerechnet (Google oder Wolfram Alpha könnten das in einer Nanosekunde ausspucken); ich will es dir ersparen, ich habe es im Ministerium noch einmal mit Bleistift und Papier nachgerechnet: Zehntausend Jahre würde ich auf diese Weise gebraucht haben, um mich mit meinem Vorsatz durchzusetzen!“

Die Unendlichkeit der Lektüremöglichkeit ist also kein Problem der Internetzeit. Jeder Leser ist eben auch ein Nicht-Leser. Es ist das alte Problem von Kultur und Unendlichkeit, die auch mit Boole’scher Mathematik nicht in den Griff zu kriegen ist. Das wäre auch anmaßend.

Gegen die mathematischen Angstzustände empfehle ich Schirrmacher den Zahlenteufel von Enzensberger. Siehe Buchcover.

Siehe auch:
Netznavigator: Herder statt Schirrmacher.

Social Media im Dienst der Wissenschaft – Gemeinsam müssen wir nicht blöd sein!

Professor Fritz B. Simon stellte einmal die provokative Frage, ob wir gemeinsam nur blöd sein können. Da niemand die Zukunft kennt, ist auch nicht zu sagen, wer über das in Zukunft relevante Wissen verfügt. Der systemische Organisationsexperte Simon schlägt vor, das individuelle Wissen, die Fantasie, die Kreativität und Kompetenz in die Kommunikation einzubringen und intelligent zu organisieren. Das geschieht spontan nicht zuverlässig, da Kommunikationsmuster dazu neigen, das zu reproduzieren, was sowieso schon immer gedacht wurde. Je geschlossener die Organisation, je mehr Hierarchien existieren, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, einseitig selektierte Informationen zu erhalten. Um diese Einbahnstraße zu verlassen, nutzt der Wissenschaftler Richard Feynman das Web. Bruce Sterling hat die Methodik erwähnt. Siehe auch den FAZ-Artikel
„Denken im Internet-Zeitalter – Unser quälendes Unbehagen“:

„Ich will Ihnen sagen, wie der zeitlose Richard Feynman an diese Aufgabe herangeht. Er ist kein großer Papierfreund, weil er in einer Netzkultur lebt.

Ihm geht also auf, dass er vielleicht ein Problem hat, vielleicht aber auch nicht.

1. Ich gebe das Problem in eine Suchmaschine ein, vielleicht hat es irgendjemand ja schon gelöst.
2. Ich beschreibe das Problem in meinem Blog und studiere die Kommentare mitsamt ihren Links.
3. Ich formuliere mein Problem mit nicht mehr als 140 Zeichen in Twitter – mal sehen, ob ich es so knapp zusammenfassen kann. Und ob es weitergetweetet wird.
4. Ich mache ein quelloffenes Problem daraus und füge einige Instruktionen hinzu, die zeigen, wie weit ich gekommen bin, und schaue dann, ob die Gemeinschaft es ein Stück weiter schafft.
5. Mit Hilfe von Ning starte ich ein soziales Netzwerk über mein Problem, benenne es nach ihm und warte ab, ob sich eine Gruppe um mein Problem bildet.
6. Ich mache ein Video über mein Problem, lade es bei Youtube hoch und warte ab, ob es sich viral verbreitet und ob sich eine Medienkonzentration um es bildet.
7. Ich mache einen Entwurf, der so tut, als wäre mein Problem schon gelöst, designe also irgendeinen Apparat, eine Anwendung, ein Produkt, das etwas mit meinem Problem zu tun hat, und schaue dann, ob jemand es wirklich baut.
8. Ich verschärfe oder vergrößere mein Problem mit einer interventionistischen taktischen Medienaktion.
9. und letztens: Ich suche im ‚Looking into the Past‘-Pool der Online-Fotoplattform Flickr (bei dem jeweils ein historisches Foto mit einer passenden aktuellen Aufnahme kontrastiert wird) nach ein paar hübschen Illustrationen.“

Ob dann etwas sinnvolles herauskommt, ist noch eine andere Frage. Aber Charme hat das Vorgehen schon.

Wer stoppt die Scheinheiligen? Wie eine Bonner Jesuitenschule einen Schuljungenreport als Fiktionen abtat

In der ZDF-Talkrunde von Maybrit Illner zum Thema „Moral predigen, Missbrauch dulden? Wer stoppt die Scheinheiligen?“ schilderte der 37-jährige Schauspieler Miguel Abrantes Ostrowski, wie Schüler am jesuitischen Aloisiuskolleg (AKO) in Bonn-Bad Godesberg von einem Pater sexuell belästigt wurden. „Der Pater interessierte sich besonders für Unterstufenschüler. Ich würde mal sagen, als die Schamhaare kamen, war sein Interesse erloschen. Aber die Kleinen mussten jeden Morgen duschen, während er im Raum saß und nur mit einem Bademantel bekleidet war, den er leicht offen trug. Am Ende des Duschens spritzte er uns persönlich alle mit eiskaltem Wasser aus einem grünen Schlauch ab. Wir hassten den kalten Strahl, ihm aber schien das Freude zu bereiten. Ebenso bekam man alleine mit ihm in einem Raum Fieber gemessen – im nackten Po, sieben Minuten lang, bei verschlossener Tür, bäuchlings auf einer schwarzen Liege. Es wurde nicht gesprochen“, sagte der ehemalige Jesuitenschüler. Nach dem Dusche sei er von dem Pater aufgefordert worden, nackt durch den Park zu laufen und auf einem Stein, an einem Baum zu posieren: Dabei fotografierte er uns. Seine Erlebnisse hatte er schon 2004 in dem Roman „Sacro-Pop – Ein Schuljungenreport“ aufgearbeitet. Damals habe das Buch keine Wirkung erzielt. „Nun wird ein grottenschlechtes Buch zum Dokument. Ich habe damals mit dem Roman kein Geld verdient und will es auch jetzt nicht“, sagt der Schauspieler.

Vor sechs Jahren wurde Miguel Abrantes Ostrowski noch wie ein Spinner und Nestbeschmutzer behandelt. Das kann man einer „Würdigung“ seines Buches im „General Anzeiger“ entnehmen, erschienen am 6. Mai 2004:

„Was ist von einer Veröffentlichung zu halten, die laut Verlag aus dem Stand jede Menge Reaktionen vom begeisterten Hallelujah bis zur wüsten Beschimpfung ausgelöst und sich innerhalb von sechs Wochen schon 15 000 Mal verkauft hat? Und die die Medien einerseits als witzig-frech geschrieben loben, andererseits als frauen-, ja menschenverachtend verreißen. Er habe in seinem Buch ‚Sacro Pop. Ein Schuljungen-Report‘ nur zu Papier gebracht, worüber sich Absolventen einer jesuitischen Internatsschule heute noch ‚zu 75 Prozent genauso austauschen‘, sagt handzahm Autor Miguel Abrantes Ostrowski, ein inzwischen 32-jähriger Vertragsschauspieler in Freiburg. ‚Uns ist das Werk bekannt. Wir geben keine offizielle Stellungnahme dazu ab‘, so die Reaktion des Bad Godesberger Aloisiuskollegs. Im Internat des katholischen Traditionsgymnasiums an der Elisabethstraße hatte Abrantes die Jahre 1983 bis ’93 verbracht, die er jetzt, zwar leicht verfremdet, aber umso schillernder beschreibt. In flockigem Ton bietet er all die Anekdötchen an, in denen sich die Internatsjahrgänge der Achtziger und Neunziger im Rückblick nur allzu gerne wiedererkennen: Wie ein auf dem Schulhof geparkter VW-Käfer polizeilichen Bombenalarm auslöste. Wie des Sportlehrers Boxer regelmäßig den Fußball zerbiss. Wie der Kunstlehrer beim Montags-Klassenausflug nach Köln verzweifelt am verschlossenen Museum Ludwig rüttelte. Wie als Abi-Gag Wannen von Mehl auf den fröhlich singenden Lehrerchor herabregneten. Und wie die verliebten Jungs ihren Angebeteten vom Clara-Fey-Gymnasium zu imponieren versuchten. Etwa indem sie auf dem Rheinauen-See ‚den muskulösen Gondoliere raushängen ließen‘. Sobald Mädchen im Spiel sind, gehen dem Autor heute noch die Fantasien eines pubertierenden Pennälers durch. ‚Wir hatten als Internatsschüler halt so was von Fußballstadion, Südkurve‘, argumentiert Abrantes. ‚Mit den Fiktionen des Herrn Abrantes haben wir nichts zu tun‘, wehrt die Ako-Leitung ab. ‚Ich klage nicht an, hab‘ ja auch keinen Schaden genommen. Das ist keine Abrechnung‘, stapelt der Autor nun tief, berichtet dann aber doch, er habe gehört, dass seine Schule die Rechtslage prüfen lässt. Junge Literatur müsse einfach provokant und frech daherkommen, betont Michael Zylka vom Essener Prokom Verlag. Der Schauspieler selbst sucht derzeit für sein Buch nach einem viel diskutierten Auftritt in Freiburg noch einen Lesungsort in Bonn. ‚Mein Traum wäre ja die Ako-Kirche‘, meint Abrantes, der im Gespräch die ‚zu 75 Prozent gute Ako-Erziehung‘ würdigt, die aber wenig Niederschlag in seinem Buch findet. Letztlich habe er mit seinem Erstling auch ein pädagogisches Prinzip der Jesuiten in die Tat umgesetzt: alle Kräfte unbeirrt auf eine Sache zu richten“, so die etwas lapidare Buchbesprechung im Bonner General Anzeiger (kein Ruhmes-Blatt für den GA!) Damals lautete die Stellungnahme der AKO-Leitung: „Mit den Fiktionen des Herrn Abrantes haben wir nichts zu tun“.

Heute klingen die offiziellen Verlautbarungen ganz anders. Nach der Publikation eines ehemaligen AKO-Schülers aus dem Jahre 2004 habe das Kolleg sofort reagiert. Im Auftrag des Ordens seien auch hier „unter Zusicherung größter Vertraulichkeit und Diskretion“ Gespräche mit Ehemaligen über die in dem Buch angedeuteten vermeintlichen Übergriffe geführt worden, so Pater Schneider. Auch hier hätten die Akten bald schon geschlossen werden können. Selbstverständlich stehe er auch weiterhin für Gespräche zur Verfügung, könne und dürfe aus Gründen unabhängiger Untersuchungen jedoch nicht selber ermitteln, sondern werde dies immer einer unabhängigen Person oder Institution übertragen.

Meine heutigen Youtube-Favoriten: Der Unterschied – Der Kampf

Der Unterschied:

Der Kampf:

Chesterfield als Vademekum gegen Maulhelden im Wirtschaftsleben

Literatur und Philosophie waren für Philip Dormer Stanhope, dem vierten Earl of Chesterfield (1694 – 1773), eine Einheit. Ihm schwebte eine Verbindung von französischer Geistigkeit und englischer Formenfreiheit vor, eine Literatur, die Erfahrungen vermittelte und ihren bildend-erzieherischen Zweck nie aus dem Auge verlor. Dementsprechend empfahl er seinem Sohn in erster Linie Memoirenwerke von Politikern wie dem Kardinal Retz und die Schriften der französischen Moralisten, allen voran La Rochefoucauld und La Bruyère. Legten die Maximen Rochefoucaulds das theoretische Fundament zum Verstehen der menschlichen Natur, so vermittelten die „Charaktere“ Bruyères ein Kaleidoskop der Menschenkenntnis. Und „Menschenkenntnis“ war das wichtigste Stichwort in Chesterfields Erziehungsprogramm: „Die Menschen recht zu kennen, das erfordert ebensoviel Aufmerksamkeit und Fleiss, vielleicht mehr Scharfsinn und Urteilskraft, als Bücher zu kennen. Ich kenne viel ältliche Leute, die ihr ganzes Leben in der grossen Welt zugebracht haben, aber mit solchem Leichtsinn und Mangel an Aufmerksamkeit, dass sie von ihr nicht mehr wissen, als sie im Alter von fünfzehn Jahren wussten. Schmeichle dir daher nicht mit dem Gedanken, du könntest diese Kenntnis bei dem albernen Geschwätz müssiger Gesellschaften erlangen! Nein, du musst tiefer eindringen. Du musst ebenso wohl der Leute Charaktere als auch ihre Gesichter sehen“, schreibt er in seinem legendären Opus „Lord Chesterfield: Briefe an seinen Sohn“ (u.a. beim Georg Müller Verlag 1912 erschienen).

Mit dieser skeptischen Weltsicht wäre so manchem Investor oder Anleger ein Reinfall auf die leeren Versprechen halbseidener Finanzberater erspart geblieben. Besonders Maulhelden im Wirtschaftsleben sollte man meiden. Einige Führer grosser Konzerne neigen zur Prahlerei und Herrschsucht. Keine Fernsehkamera lassen sie aus, keine Talkshow ist vor ihnen sicher. Ihre Inkompetenz kompensieren sie mit egozentrischer Polterei. Kluge Top-Manager sollten sich in Zurückhaltung und Bescheidenheit üben. Der Earl: „Je mehr du weisst, desto bescheidner solltest du sein; und, im Vorbeigehn gesagt, diese Bescheidenheit ist der sicherste Weg, deine Eitelkeit zu befriedigen. Auch wo du deiner Meinung sicher bist, da scheine lieber zweifelnd: tue Vorstellungen, aber keine Aussprüche; und wenn du andre überzeugen willst, da stelle dich selbst bereit, überzeugt zu werden…Gib dir niemals das Ansehen, als wärst du weiser oder gelehrter als die Anwesenden.“

Nichts ist anstössiger als Vermessenheit und Unverschämtheit. Man liebt keinen, der sich immer zeigen will, immer von sich selbst redet und stets der Held seines eigenen Roman ist. Neunmalkluge Phrasendrescher sind unter den Führungskräften leider keine Seltenheit – sie machen langatmige Abteilungsbesprechungen zur Qual. Dabei ist nach wie vor eine alte Weisheit gültig, die auch Stanhope bevorzugte: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Manager lernen dadurch, dass sie geschickt zuhören sollen – nachdem sie ihr Gegenüber zum Reden gebracht haben. Dafür empfiehlt der Lord einen simplen Schachzug: „Sich unwissend stellen, ist sehr oft ein höchst notwendiges Mittel, um Kenntnisse in der Welt zu erwerben…Es ist die beste Methode, sich gründliche und vertrauliche Informationen zu verschaffen. Denn die meisten Leute sind zu eitel, um anderen nicht ihre Überlegenheit zu zeigen. Obwohl nur für einen Augenblick und bei reinsten Lappalien werden sie dir Dinge mitteilen, die sie nicht erzählen sollten.“

Wer es seinem unfähigen Vorgesetzten einmal so richtig zeigen will, sollte auf keinen Fall den Frontalangriff wagen. Viel besser ist es, ihn mit unverdientem Lob zu überschütten. Das ist, so Stanhope, „die bitterste Satire und der sicherste Weg, der Leute Laster und Torheiten blosszustellen. Es ist eine Redefigur, die Ironie heisst, wenn man gerade das Gegenteil von dem sagt, was man meint. Dem ungeachtet ist es keine Lügerei, weil man deutlich zeigt, dass man gerade das Widerspiel von dem Gesagten meint und also niemanden betrügt.“

Auch zur Hörigkeit von entscheidungsschwachen Managern gegenüber Managementgurus und Beratern bietet der Earl of Chesterfield eine gesunde Rezeptur: „Alles, was du lernst und lesen kannst, wird wenig fruchten, wenn du nicht selbst darüber vernünftig nachdenkst…Allein, andrer Gedanken nur zu wiederholen, ohne zu erwägen, ob sie richtig sind oder nicht, das ist bloss die Gabe eines Papageien oder höchstens eines Komödianten.“ Für den Lord bedeutet es nichts, eine Sache einmal zu lesen, wenn man sie nicht behält. „Es ist ein sicheres Zeichen eines kleinen Geistes, während man etwas vorhat, zugleich an etwas anderes oder gar nichts zu denken. Man sollte allezeit an das denken, was man tut.“ Und man sollte sein Wissen richtig organisieren.

So etwas tituliert man im feinsten Denglisch als „Knowlegde Management“. Wissensmanagement ist ein zentraler Punkt für Stanhope: „Ich wünsche mir von Herzen, dass du sofort damit beginnen mögest, ein systematisch denkender Mensch zu sein. Nichts trägt mehr dazu bei, eine geschäftliche Angelegenheit zu erleichtern und zu erledigen als Systematik und Ordnung. Halte Ordnung und Systematik in deinen Berichten, beim Lesen, in deiner Zeiteinteilung, kurz gesagt in allem…Lass es dir zur Lebensmaxime werden, alles zu wissen, was du selbst wissen kannst. Und vertraue nie blind den Informationen andrer. Diese Regel war mir Zeit meines Lebens von unendlichem Nutzen.“ Durch die Verfeinerung der Selbstorganisation erledigt man viel Arbeit in kürzester Zeit und gewinnt Freiräume, um ein ausgeglichenes Leben zu führen. So vermindern Manager das Infarktrisiko und fallen mit fünfzig Jahren nicht in eine Sinnkrise. „Geschäftliche Tätigkeit verbietet keineswegs das Vergnügen. Im Gegenteil, sie bringen einander zur Reife“, so Stanhope.

Aber auch hier gelten Regeln. „Vergnügen ist die Klippe, an der die meisten jungen Leute scheitern. Sie laufen mit vollen Segeln aus, um es aufzusuchen; aber ohne Kompass, um ihren Lauf danach zu richten, und ohne hinlänglichen Verstand um das Schiff zu steuern…Wähle deine Vergnügungen für dich selbst und lass sie dir nicht von anderen aufdrängen! Folge der Natur und nicht der Mode. Wäge den gegenwärtigen Genuss deiner Ergötzlichkeiten gegen ihre notwendigen Folgen ab und lass alsdann deinen eignen gesunden Verstand deine Wahl entscheiden!“

Die Lebensweisheiten von Lord Chesterfield eignen sich als vortreffliches Vademekum für eine Erneuerung der Marktwirtschaft – in Zeiten der Börsenabzocker, Jobkiller, Bilanzfälscher und Bankrotteure. Wahrheitsliebe und Wohltätigkeit sind für den alten Stanhope die Voraussetzungen für persönliche Glückserfahrung. Selbstverwirklichung vollzieht sich für ihn nicht in der Anpassung an fragwürdige Normen, sondern im Bestreben, über die Norm hinauszugehen. Mit der Identität und Integrität von individuellem und öffentlichem Charakter nähert man sich dem ästhetischen Ideal eines aufgeklärten Menschen.

Das Chesterfield-Buch gibt es in einer sehr hübschen Ausgabe im Georg Müller Verlag, erschienen 1912 als achter Band der Abteil Thelem – über http://www.zvab.com kann man es sicherlich erwerben.

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