Topsy, Crowdeye, Hunch oder Eyeplorer: Auf der Suche nach der Suchmaschine von morgen

logo_ask_new_2Anders als in den vergangenen Jahren, in denen auch qualitativ hochwertige Suchdienste wie Ask.com beharrlich ignoriert wurden, scheint die Bereitschaft zu wachsen, bei Suchmaschinen sich auf etwas Neues einzulassen. Das schreibt Spiegel-Online-Redakteur Frank Patalong: „Was auch daran liegen könnte, dass wahrgenommen wird, dass Google nicht in jeder Hinsicht das Rad erfunden hat. So wird eifrig über die Entwicklung einer Twitter-Suchmaschine im Hause Google spekuliert. Die müsste dann aber wohl gegen den Twitter-Suchdienst CrowdEye.com des langjährigen Microsoft-Suchdienstentwicklers Ken Moss antreten“. Moss sei kein Frühstarter.
„Längst haben sich mit OneRiot und Topsy zwei Twitter-Suchdienste etabliert. Der Vorgang ist typisch: Erst, wenn sich die Großen bewegen, entsteht auch Aufmerksamkeit für die Leistungen der Kleinen. Während die Tech-Presse erneut über semantische Suche diskutiert, probieren Dienste wie Hunch.com neue Ansätze, das Web intelligenter zu erschließen. Hunch versucht, Suchanfragen durch thematische Einengung näher zu definieren, um zu treffsichereren Ergebnissen zu kommen. Mitunter klappt das ganz prächtig und zeigt viel Potenzial, mitunter grenzt es an Realsatire“, so Patalong.

Internet intelligenter erschließen
Internet intelligenter erschließen
Hunch sei das Gegenstück zu Wolfram Alpha (WA), dem Dienst, der wenig, das aber sehr genau weiß: „WA ist stark, wo es um Sachliches geht, Hunch dort, wo es nach Pop riecht – sie sind E- und U-Suchmaschinen, wenn man so will. Aber Hunch lebt vom Konzept, durch seine Nutzer zu lernen. Man muss der Sache also Zeit geben. Das sind die Dinge, die dafür sorgen, dass die wirklich großen Suchdienste populär bleiben. Mitunter haben die Kleinen mehr Klasse, doch es fehlt an Masse“, führt Patalong aus. Bemerkenswertes verortet er in Berlin: Eyeplorer.com sei ein Dienst, der für semantische Verbindungen sorgt. Auf Basis der erfassten Wikipedia-Daten visualisiere EyePlorer thematische Querverbindungen. Man komme zu überraschenden Ergebnissen. Der Nutzer wird auf Themenreisen durch Cluster von Artikeln geführt, die thematisch verknüpft sind. „So etwas für das gesamte Web umzusetzen, statt ‚nur’ für die Inhalte der Wikipedia, würde dem Traum vom semantischen Web schon sehr nahe kommen. Denn da geht die Reise hin, für alle Player auf dem Markt: Keine Frage, dass auch Google, Yahoo oder nun Bing versuchen werden, immer mehr solche semantischen Features in ihre Dienste zu integrieren“, resümiert Patalong.

Die Inhalte im World Wide Web wachsen allerdings mit einer schnellen Geschwindigkeit. In Zukunft werde eine Indexierung immer schwieriger, selbst wenn man neuartige Methoden auf Basis von semantischen Verbindungen oder künstlicher Intelligenz auf den Markt bringt, meint Björn Behrendt, Geschäftsführer der Wissenscommunity Hiogi. „Wirklich mächtige Suchmaschinen können meiner Ansicht nach erst dann entstehen und Zusatznutzen stiften, wenn sich die Spezifikationen des World Wide Web Consortium (W3C) in der Breite durchsetzen. Mit anderen Worten müssen die großen Softwareanbieter bei der programmiertechnischen Kennzeichnung semantisch verwertbarer Inhalte eine Vorreiterrolle übernehmen“, erklärt Internetexperte Behrendt.

Neue Dienste durchs mobile Internet
Neue Dienste durchs mobile Internet

Impulse erwartet Sprachdialogexperte Lupo Pape vom mobilen Internet: „Das mobile Internet ist erst in Ansätzen erkennbar. Da ist vor allen Dingen in Europa noch sehr viel Marktpotenzial vorhanden. So kann niemand vorhersagen, was passiert, wenn beispielsweise ortbasierte Services auf auf Web 2.0-Communities treffen. Natürlich hat das eine enorme Sprengkraft wenn Giganten wie Apple, Google, Microsoft und Nokia aufeinander treffen und gleichzeitig noch Heerscharen von Applikationsentwicklern auf deren freigegebenen Plattformen innovative Dienste für den mobilen Nutzer entwickeln und täglich neue Dienste auf den Downloadcharts vom Apple-Store oder OVI stehen“, erläutert Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin.

Die Innovationsgeschwindigkeit verlaufe zur Zeit ungehemmt, keiner weiß, wo das hinführen wird und wie sich unser Leben und wie sich insbesondere auch die Wertschöpfungsketten in der Wirtschaft verändern werden. „Interessant ist, dass trotz der ganzen Vielfalt der Software, Hardware und Anwendungen, die sich dahinter verbergenden Nutzungsszenarien der Endverbraucher meist sehr einfach bleiben: ‚Wo ist der nächste Fahrradladen?’; ‚Welche Freunde sind gerade in der Nähe?’; ‚Wie gut ist der Inder dort an der Ecke?’; ‚Gibt es die Kamera noch irgendwo billiger?’“, so der Sprachdialogexperte Pape. Das seien Nutzungsszenarien, die nach einer Spracherkennung und einem Sprachdialog geradezu schreien.

„Wenn es gelingt, den Sprachdialog in die mobilen Anwendungen einzubinden, dann wird die ganze Entwicklung noch einmal eine neue Dimension bekommen. Spracherkennung und Sprachdialog werden auch der Schlüssel dafür sein, Bevölkerungsgruppen an der Entwicklung teilhaben zu lassen, die von der neuen Technologie bisher ausgeschlossen sind“, resümiert Pape. Das müssten die großen Anbieter in ihren Strategien für das mobile Internet berücksichtigen.

Sprachcomputer brauchen mehr Dialogintelligenz – Warum Tonwahlsysteme nerven

Klassische Sprachautomaten sind für viele Verbraucher ein Ärgernis. Wenn Firmen schlechte Systeme anbieten, würde das einen schlechten Eindruck beim Kunden hinterlassen, so Professor Elmar Nöth, Experte für Sprachverarbeitung an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, gegenüber dem Fachmagazin „Direktmarketing“: „Der Mensch soll sich aber nicht auf die Maschine einstellen, sondern die Maschine auf den Menschen. Billige Systeme führen zu genervten Leuten, und das ist schlecht für Kunden und Unternehmen.“

Sprachautomaten brauchen daher eine sehr ausgefeilte Dialogintelligenz. Davon ist Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin, überzeugt. Sprachsysteme sollten nicht nur die Fähigkeit besitzen zu sprechen, sondern müssten sich auch auf das Gesagte einstellen können. Der Anrufer gibt Anweisungen oder stellt Fragen, die vom Computer befolgt oder beantwortet werden. Noch weiter gehen Entwicklungen, die den Anrufer erkennen, seine Emotionen heraushören und sich entsprechend anpassen können. „Die Personalisierung der Dialogsysteme ist ein wichtiger Schritt, um Kundenwünsche vorausahnen zu können auf Basis der Kundendaten. Dann sind differenzierte Services und Auskünfte möglich, je nachdem wer, wann und wo anruft“, erläutert Pape. Der Dialog laufe dann wie folgt: Hallo Herr Herrmann! Oh! Ich sehe, dass Sie in letzter Zeit mehrfach versucht haben sich einzuwählen. Möglicherweise haben Sie Probleme mit…

Die alten Tonwahl-Systeme, drücken Sie die 1, wenn Sie ein Problem mit Ihrem Drucker haben, drücken Sie die 2, wenn Sie eine Frage zu neuen Produkten haben, seien nicht mehr zukunftsfähig. „Diktiererkenner werden immer besser und auch die Dialogtechnologie macht enorme Fortschritte. Die Systeme können viel mehr verstehen und die Dialoge werden immer natürlicher“, so Pape zur Weiterentwicklung der Sprachsteuerung. Interessante Dinge könnten in der mobilen Welt passieren. Der Dienst „Google Voice Search“ habe das Potential, sich zu einem persönlichen Assistenten zu mausern.

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Management-Versager sollten keine Finanzhilfen bekommen – Staat belohnt falsche Wirtschaftsmentalität

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Mit ihrem 115-Milliarden-Euro-Programm wollte die Bundesregierung ursprünglich Unternehmen helfen, die in Folge der Finanzkrise unverschuldet in Schwierigkeiten geraten sind. Jetzt aber kommen alle möglichen Unternehmen auf die Idee, beim Staat um Hilfe zu betteln. „Die Bundesregierung muss aufpassen: Sie darf keinesfalls Firmen helfen, die durch eigenes Missmanagement in die Krise geraten sind. Es war doch schon immer so: Wenn ein Konzern in eine Schieflage gerät, kommt die Kanzlerin oder ein Minister. Muss aber ein mittelständisches Unternehmen schließen, kommt mit großer Sicherheit ein anderer: der Gerichtsvollzieher“, kritisiert Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW). Die Gefahr sei groß, dass dieses Prinzip jetzt auch wieder wirkt – wenn es um die Verteilung der Milliarden-Hilfen aus dem Berliner Konjunkturprogramm geht. Von Porsche bis Infineon reiche mittlerweile die Liste von namhaften Firmen, die Staatsgelder erhalten wollen.

„Alle diese Anfragen landen vor dem sogenannten Lenkungsausschuss. Das ist ein Gremium, dem mit dem Staatssekretär Walter Otremba ein Vertreter des Wirtschaftsministeriums vorsitzt. Damit aber wird die staatliche Hilfe zum Politikum. Und es gehört nicht viel dazu, um sich im Vorwahlkampf auszumalen, dass die Hilfen für Unternehmen von den Spitzen der großen Koalition auch unter politischen Aspekten verteilt werden könnten“, warnt der Mittelstandspräsident. Die innere Machtbalance der Koalition könnte eine Rolle spielen, der wählerwirksame Erhalt von Arbeitsplätzen. „Die Gefahr ist also groß, dass Geld auch an solche Unternehmen fließen wird, die sich durch Missmanagement und eigenes Fehlverhalten selbst in die Krise manövriert haben. Unternehmen wie Schaeffler und vor allem auch Porsche sind Beispiele dafür. Wer sich mit hoch riskanten Börsenspekulationen einfach verzockt hat, um gewagte Firmenübernahmen zu finanzieren, der muss eben auch das Risiko tragen, wenn es am Ende schief geht und nicht der Steuerzahler“, so Ohoven.

Viel besser wäre es, auf das moderne Insolvenzrecht zu setzen. Das habe in der gegenwärtigen Lage einen doppelten Nutzen: „Es zielt darauf ab, die wettbewerbsfähigen Teile von Unternehmen zu erhalten – und so auch die Beschäftigung zu sichern. Und es schützt die Gemeinschaft der Steuerzahler davor, für die Fehler einzelner Unternehmen bluten zu müssen“, resümiert BVMW-Präsident Ohoven.

Zudem dürfe vom Staat nicht die falsche Wirtschaftsmentalität belohnen. Darauf hat der Regisseur Dieter Wedel in der TV-Sendung „THADEUSZ“ hingewiesen. „Ich wollte im Film ‚Der große Belheim’ erzählen, dass ein Riesenunterschied besteht zwischen Managern und Inhabern. Es gibt ja immer noch im deutschen Mittelstand eine ganze Reihe von gut funktionierenden Unternehmen, wo sich keiner bedient und wo die Leute wirklich ihren Kopf hinhalten, mit ihrem Vermögen haften und für ihren Betrieb dastehen. So ein Typ wie Middelhof war eben immer ein Manager“, so Wedel. Das Verhalten von Managern sei anders. Sie würden einseitig an den Shareholder Value denken und sind darauf bedacht, in kurzer Zeit Erfolge vorzuweisen, damit der Aktienkurs steigt und ihre Weiterbeschäftigung sichergestellt ist. „Der Inhaber denkt langfristig. Der denkt an das Unternehmen und hat eine andere Verantwortung gegenüber der Belegschaft“, sagte Wedel.

Rüttgers, Kaiser Wilhelm und die Fabrik im Kopf – Der Staat als Museumswächter

Worum es heute geht....hat Rüttgers wohl nicht verstanden
Worum es heute geht....hat Rüttgers wohl nicht verstanden
Staatsknete für Versandhauskataloge, Rettungspakete für marode Industriekonzerne, die schon vor der Finanzkrise kurz vor der Pleite standen, Bürgschaften und Finanzhilfen für Warenhaus-Dinosaurier, Fusionserleichterungen für angeschlagene Zeitungsverlage: Was Spitzenpolitiker wie Seehofer, Merkel oder Rüttgers derzeit wirtschaftspolitisch bieten, hat nach Ansicht von Experten überhaupt nichts mit der Zukunft des postindustriellen Zeitalters zu tun.
Technikvisionär
Technikvisionär

„Wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers der gebeutelten Medienbranche mit Megafusionen die Rettung vor dem nahenden Untergang verspricht und ein Leben ohne Zeitungen für ‚unvorstellbar’ hält, wird er wohl als Politiker in die legendäre Ahnengalerie von Persönlichkeiten aufgenommen, die sich über die Wirkungen technologischer Zeitenwenden derb verschätzt haben. Wer Millionen von Zeitungsseiten konservieren will, die täglich das Gestern zitieren, mutiert zum Kaiser Wilhelm II, der an das Pferd glaubte und das Automobil nur als vorübergehende Erscheinung abtat“, so Udo Nadolski, Geschäftsführer des IT-Beratungshauses Harvey Nash in Düsseldorf.

Deutsche Meinungsführer haben immer noch die Fabrik im Kopf
Deutsche Meinungsführer haben immer noch die Fabrik im Kopf

Zu diesem Befund kommt auch brand eins-Redakteur Wolf Lotter in seinem Buch „Die kreative Revolution – Was kommt nach dem Industriekapitalismus?“ (Murmann-Verlag): Wirtschaft werde immer noch mit dem Kopf der Fabrik gedacht. „Alle zeitlichen und materiellen Erscheinungen von Ökonomie sind nach wie vor voll am Ablauf des reinen Produktionsbetriebes orientiert, in dem Veränderungsprozesse nachrangig sind“, schreibt Lotter. Man müsste erst einmal den Irrgarten industriekapitalistischer Terminologie und Lehre verlassen, um sich überhaupt ein halbwegs geordnetes Bild dessen zu machen, was seit mehreren Jahrzehnten im Alltag bereits deutlich wird: Wissen schlägt Produkt. „Die großen Gewinne, die weltweiten Erfolge ökonomischer Prozesse und Innovationen sind nahezu alle wissensbasiert, seit dem Siegeszug des Computers und des Internets ist das deutlich“, erläutert Lotter, der aber darauf verweist, dass die meisten Akteure von Wirtschaft und Politik getaktet sind wie in den Zeiten des Fordismus. Harmonisch werde der Machtkampf zwischen industriekapitalistischen und wissensbasierten Organisationen nicht ablaufen.

Pflichtlektüre für Industriepolitiker
Pflichtlektüre für Industriepolitiker

Die antiquierten Eliten und Paten sollten abdanken: „Besser herrscht transparente Unübersichtlichkeit als jene vornehme Verschwiegenheit der diskreten Gesellschaft“, proklamiert der Schriftsteller Beat Wyss. Die Promotoren des Systemsturzes sind schon in den Startblöcken: Es sind Außenseiter, die schon mitten unter uns als kreative Zerstörer wirken und die alten Monopole torpedieren. „Kleine Spinner werden über Nacht zu Superstars. Absurde Geschäftsideen entpuppen sich und der größte ökonomische Schwachsinn wird zum Megaerfolg“, so der Publizist Peter Felixberger. Es würden sich schon jetzt fundamentale Veränderungen abzeichnen bei der Form und Funktion von Computern, Handys, Zeitungen oder Autos, meint der Wirtschaftswoche-Autor Konrad Buck: „Was sich an partizipatorischen Verhaltens- und Arbeitsmustern derzeit im Internet entwickelt, Stichwort: Social Web, wird entscheidenden Einfluss auf die Produkte und Services von morgen haben. In derzeit laufenden Projekten wie eEnergy (smart metering von Strom, Gas plus Zusatzservices), Elektromobilität (batteriegetriebene Autos mit einer Strom-ID überall aufladen), Genivi Alliance (In-Vehicle Infotainment) spielt sich das Verschmelzen von IT und Anwendung und von IT und Produkt bereits ab“. Hardware werde verdrängt. Experten sagen einen Rückgang um bis zu 95 Prozent bis 2030 voraus. „Gewinner sind Unternehmen mit Expertise im Aufsetzen neuer Geschäftsprozesse, IT- und Netzwerkfachleute mit Gespür für Prozessmodellierung und Verständnis von Wandel als einzig verbleibender Kontinuität oder Spezialisten mit Branchen- und Integrationswissen bekommen das Sagen. Und Verbraucher können sich auf eine Fülle ebenso nützlicher wie spannender neuer Services einstellen“, prognostiziert Buck.

Mobile Zukunft
Mobile Zukunft

Die Integration ehemals getrennter Anwendungen in mobile Endgeräte werde sich nach Einschätzung des Mobilfunkexperten Karl-Heinz Gabler fortsetzen. „Zählen heute Notebooks mit integriertem WLAN zum Standard, so werden die Netbooks der Zukunft HSPA+ und LTE-Modems integrieren, die es erlauben, immer und überall das Netz zu nutzen. Dank integriertem GPS werden auch Navigationsanwendungen Teil des Funktionsumfanges werden. Dem Nutzer werden unabhängig von seinem Ort all seine gewohnten Dienste zur Verfügung gestellt. Ortsgebundene Teilnehmergeräte verschwinden“, sagt Gabler von der Firma Nash Technologies in Nürnberg. Nutzer müssten nur noch angeben, wie viel Leistung sie benötigen – mehr nicht, bestätigt Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Bonner Reiseportals Triptivity. „Wo die Applikation wirklich läuft, ist sekundär. Viele Anwender steigen von ‚traditionellen’ Computern auf Notebooks oder Netbooks um und Unternehmen setzen verstärkt auf Thin Clients. Mobiltelefone entwickeln sich zur universellen Kommunikationszentrale“, führt Schmidt aus. Der Dienstleistungsexperte Harald Henn erwartet radikale Veränderungen bei den Geschäftsmodellen. „Wir erleben eine Abkehr vom Gedanken, dass sich Menschen für Kommunikation und Informationsaustausch an festen Orten befinden müssen. Dass man Hardware in Form von PCs oder Handys benötigt, um zu arbeiten, Daten und Informationen zu erstellen und auszutauschen“, bemerkt Henn.

Industriemuseum Deutschland
Industriemuseum Deutschland

Das Land der Maschinenbauer, Mechaniker und Laboranten verliere seine industrielle Basis, so die Kulturwissenschaftlerin Heike Grimm. Faktisch macht die industrielle Wertschöpfung heute weniger als 20 Prozent des gesamten Bruttoinlandsproduktes aus. Daran ändern auch die Lügen von Interessenvertretern der Industrie nichts mehr, das angeblich jeder siebte Arbeitsplatz am Auto hängt. Das Zahlenwerk stammt aus dem Jahr 1980, wie die Zeitschrift Capital eindrucksvoll nachgewiesen hat.

Bei Anruf Verbraucherzorn! Call Center brauchen Qualitätsstandards

Das aktuelle Marktvolumen für den externen Einkauf von Call Center-Dienstleistungen beträgt jährlich rund zwei Milliarden Euro. Während telefonischer Service für Dienstleister schon seit geraumer Zeit unverzichtbar sind, bieten auch Industrieunternehmen ihren Kunden immer häufiger telefonische Kontaktmöglichkeiten an.

Trotz des hohen Einkaufsvolumens mangelt es nach Auffassung von Experten an Preistransparenz. Auch die jeweils gebotene Servicequalität und die Serviceanforderungen bei der Auftragsvergabe spielen hier eine zentrale Rolle. Sie werden in Deutschland bisher noch in keiner regelmäßigen Erhebung erfasst. Aus diesem Grund führt der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) gemeinsam mit dem internationalen Call Center-Unternehmensverband CCBenchmarks im deutschsprachigen Raum eine detaillierte und umfassende Erhebung zum Einkauf von Call Center- Dienstleistungen durch.

Der neue Preis- und Qualitätsindex ermögliche Einkäufern, Preise und Qualitäten präzise miteinander zu vergleichen. So werden bei den Preisabfragen zu In- und Outbound jeweils 15 unterschiedliche Anruftypologien abgefragt. „Darüber hinaus enthält die Studie viele wertvolle Informationen rund um den Einkauf von Call Center Dienstleistungen. Dies reicht von Bewertungsmethoden für die Servicequalität bis zu den von den Unternehmen primär genutzten Kriterien für die Auswahl von Call Center-Dienstleistern“, teilen BME und CCBenchmarks mit.

Messbare Qualitätsnormen sind nach Auffassung von Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus, auch bei der Sprachcomputern vonnöten. „Seit 2007 wird deshalb in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation und Experten der deutschsprachigen Fachszene ein industrienaher Standard für Sprachapplikationen erarbeitet“, so Steimel.

Die Ergebnisse der ersten Projektphase wurden in der Studie „Leitfaden – Qualitätskriterien für Sprachapplikationen“ veröffentlicht: „Als Unternehmen, das seit acht Jahren und von Anfang an auf die Nutzung von Spracherkennung und die Verfolgung innovativer natürlichsprachlicher Designansätze gesetzt hat, sehen wir uns in der Verantwortung, einen Beitrag zur Konsolidierung und zur weiteren Entwicklung der Branche insgesamt zu leisten“, erläutert Jörn Kreutel, Chief Technology Officer bei SemanticEdge in Berlin.

Auch wenn die Nutzung von Spracherkennung gegenüber dem Tonwahlverfahren DTMF (Geben Sie die 1 ein, wenn….) klar überlegen sei, müsse man immer noch Vorbehalte in der Öffentlichkeit ausräumen. Dazu seien die Maßstäbe des Fraunhofer Instituts, die sich auch in anderen Technologiefeldern bewährt hätten, ein wichtiger Beitrag: „Für die Branche und auch für uns selbst als Marktteilnehmer“, resümiert Kreutel.

Wer an der BME/CC-Benchmarks-Erhebung teilnehmen möchte, kann sich an Volkmar Klein wenden: volkmar.klein@bme.de. Teilnehmer der Studie erhalten kostenfrei eine Zusammenfassung der Analyse. Die Veröffentlichung der Studie „Einkauf von Call Center-Dienstleistungen“ ist zum 30. September 2009 geplant.

Link zum Qualitätsleitfaden für Sprachcomputer.

Weitere Blog-Beiträge:
Call Center auf der Hitliste des Zorns

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Intelligente Software-Assistenten

Dumme Kundeninteraktion

Sprachsteuerung als Dialogmanager für mobile Geräte

Die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine wird nach Expertenmeinung vor allen Dingen durch die mobile Spracherkennung vorangetrieben. So geht Datamonitor in der Studie „The Proliferation of Innovative Speech Applications in Mobile Computing“ davon aus, dass sich die Sprachsteuerung von Handsets in den kommenden fünf Jahren verdreifacht: von 32,7 Millionen US-Dollar auf 99,6 Millionen US-Dollar. In Fahrzeugen geht man von einer Steigerung von 64,3 Millionen auf 208,2 Millionen aus. Als wichtigen Wachstumsfaktor sieht das CIO-Magazin die immer besseren Netzwerke, die zu neuen Wegen bei der Sprachübertragung führen. „Der Trend scheint zu einer Mischung aus netzwerkbasierter und eingebetteter Sprache zu gehen, mit der man beispielsweise das Menü steuern und eine Internetsuche durchführen kann“, so die Fachzeitschrift. Vor allem bei Arbeitnehmern im Außendienst und in Lagerhallen würde sich die Nützlichkeit der Sprachsteuerung erweisen. Die Datamonitor-Studie berichtet von positiven Erfahrungen von Betreibern von Lagern, deren Mitarbeiter ihre Konzentration dank der mobilen Spracherkennung nicht von Tätigkeiten wie dem Heben von Gegenständen abwenden mussten. Ein Wachstumsmarkt sei auch das Gesundheitswesen und hier vor allem die Altenpflege. Bei gleich bleibenden Budgets müssten immer mehr alte Menschen betreut werden.

Die von der Berliner Firma Aastra-Detewe entwickelte Sprachtechnologie soll Pflegedokumentationen in der stationären Altenhilfe einfacher, schneller und besser machen: „So ist eine Nachtschwester für viele Bereiche und Bewohner zuständig und kann nicht alle Akten ständig bei sich tragen. Die Spracherfassung über das mobile Telefon vereinfacht die Dokumentation, sichert die Qualität und spart nebenbei noch Zeit“, erklärt Andreas Latzel, Deutschlandchef der Aastra-Gruppe. Aastra-DeTeWe kombiniere interaktive Anwendungen auf DECT-Mobiltelefonen mit einem speziell von Pflegewissenschaftlern angepassten Sprachportal. So werden alle Eingaben in Echtzeit überprüft und direkt in einer elektronischen Patienten-Akte abgelegt. Bei einem Pflegeheim mit etwa 100 Mitarbeitern und einer durchschnittlichen Fluktuation setzt Aastra-DeTeWe auf Sprachportale. Bei ihnen können interaktive Sprachdialoge zusammengestellt werden, um automatisiert mittels Sprache zu navigieren.

„Die Prognosen der Marktforscher und Branchenvertreter spiegeln die aktuelle Entwicklungsdynamik wider. Dabei zeichnen sich drei Trends ab, die getrennt zu betrachten sind. Erstens ist die Endgeräte-Bedienung per Sprachbefehl im Auto stark im Kommen und wird die Akzeptanz von Spracherkennung in vielen anderen Anwendungsgebieten positiv beeinflussen. So bietet Navigon die Spracheingabe von Navigationszielen mit einem Satz in ihren Highend-Versionen ihrer Navigationssysteme an. Die großen Autokonzerne werden hier nachziehen“, erklärt Bernhard Steimel, Sprecher der Voice Days plus. Allerdings könne es noch zwei bis drei Jahre dauern, bis die Technik für alle Fahrzeugklassen verfügbar ist. „Zweitens gibt es vielversprechende Ansätze, Sprachsteuerung bei Smart Phones im Zusammenspiel mit anderen Eingabe- und Ausgabemodi einzusetzen. Ein gutes Beispiel ist die mobile Internetsuche ‚Google Mobile App’ für das iPhone. Innovationsmotor ist hier die rasant wachsende Entwickler-Community für den App Store von Apple“, so Steimel.

Als dritten Faktor sieht er die intelligente Verknüpfung von mobilen Applikationen und Sprachcomputern im Call Center-Umfeld. „Das Handy wird hier zu einem Serviceterminal, wo man ähnlich wie am Bankautomat seinen Kontostand abfragt oder eine Buchung vornimmt. Bei komplexeren Transaktionen kann jederzeit eine Telefon-Verbindung mit einem Service-Mitarbeiter aufgebaut werden; das intelligente Sprachsysteme übergibt alle Eingaben an dessen Arbeitsplatz“, erläutert Steimel. Auf den Voice Days plus in Nürnberg werden T-Mobile und Vodafone erste Prototypen im Praxisforum „Mobile Service“ am 7. Oktober vorstellen.

Dialogmanagement-System
Dialogmanagement-System
Bei der Sprachsteuerung für die mobile Internetnutzung steckt man allerdings noch in den Kinderschuhen. Das gilt vor allen Dingen für die entsprechenden Dienste der Suchmaschinenanbieter. Ein intelligentes Dialogmagement ist noch nicht möglich, um wirklich von virtuellen und persönlichen Assistenten zu sprechen: „Der Dialog-Manager agiert als zentrale Stelle im System, interpretiert jede Anfrage und leitet diese zur Verarbeitung an die übrigen Module weiter. Er entscheidet, ob und wie eine Frage gestellt wird und wie eingehende Fragen beantwortet werden. Diese auf Künstlicher Intelligenz beruhende Komponente enthält dynamische Strategien, die abhängig von der jeweiligen Situation aufgerufen werden können“, erklärt Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge in Berlin. So könne man einen Flug nach London buchen, dann nach den Temperaturen fragen und nach Erhalt der Antwort sich wieder der Flugbuchung zuwenden. Regelbasierte und heuristische „wenn….dann“-Abfragen machten es möglich, dem Kunden auch komplexe Informationen mitzuteilen: „Für den angegebenen Preis stehen nur zwei Drucker zur Verfügung, aber für einen Aufpreis von nur 50 Euro kann ich Ihnen vier weitere Drucker anbieten, die schneller und besser sind“.

Spinner statt Spießer: Warum wir in Deutschland mehr Regelbrecher brauchen – Fortschritt kommt vom Außenseitertum

Professor Zerr: Schöner Scheitern statt Benchmarking

Rund 200 Innovationschefs diskutierten beim forward2business-Zukunftskongress in Halle den unternehmerischen Wert von Grenzverletzungen und Regelbrechern. „Regelbrecher sind wie Herzensbrecher, die mit sehr viel Engagement Neues bewirken“, sagte Zukunftsforscher Dr. Karlheinz Steinmüller, wissenschaftlicher Direktor von Z-Punkt. „Sie werden allerdings von der Öffentlichkeit nicht geliebt. Sie werden als Störenfriede bezeichnet, weil sie Gewohnheiten über den Haufen werfen. Sie gelten als Spielverderber, weil sie die existierenden Gesetze des Spiels verletzen. Sie sind Grenzverletzer, weil sie immer über die Demarkationslinie hinwegspringen. Sie sind Querköpfe, weil sie im Dauerkonflikt mit der Mehrheitsmeinung liegen. Sie sind Starrköpfe, weil sie beharrlich ihre Ziele verfolgen“, erläuterte Steinmüller in seinem Vortrag. Regelbrecher seien auch kreative Zerstörer, vor denen kein etabliertes Geschäftsmodell sicher sei. Gerade jene Unternehmer, die sich am sichersten fühlen, seien am meisten gefährdet durch die Regelbrecher. Das könne man zur Zeit in der Automobil- und Finanzbrache beobachten.

„Es gibt Muster, die man bei Regelbrechern erkennen kann. Als Albert Einstein die Quantentheorie des Lichts vor über hundert Jahren entwickelte, hat er zwei Dinge zusammengerührt, die überhaupt nicht zusammengehören: den Teilchen- und Wellencharakter des Lichts. Die Physiker waren entsetzt und haben dann gesehen, dass das doch sinnvoll ist. Oder Arnold Schönberg, der mit seiner Zwölftonmusik gegen den vorherrschenden Musikgeschmack verstoßen hat“, erläuterte Steinmüller.

Zu den Auffälligkeiten würden neuartige Kombinationen, neue Verwendungszwecke und neue ästhetische Gewohnheiten zählen, die vor allen Dingen in den kreativen Milieus gedeihen, wie es Professor Richard Florida auf den Punkt gebracht hat. Überall dort, wo Talent, Technik und Toleranz aufeinandertreffen, könnten richtige disruptive Innovationen oder Sprunginnovationen entstehen.

Was notwendig sei, um ein günstiges Klima für Störer und Innovatoren zu schaffen, sei eine Kultur des Karnevals, Narrentums und des Scheiterns. Das gelte für Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Management. Im Vordergrund stehe heute das einseitige Streben nach Erfolg und nicht der kreative Umgang mit dem Misserfolg. Zudem brauche Deutschland nicht nur Querdenker, sondern mehr Quermacher. „Medien sollten sich vom Starkult verabschieden und einen Blick fürs Visionäre an den Tag legen. Da gibt es dann nicht mehr Sendungen wie ‚Deutschland sucht den Superstar’ und ‚Dschungelcamp’, sondern ‚Deutschland sucht den kreativen Zerstörer’ oder ‚Vom Spießer zum Spinner’“, empfiehlt der Science Fiction-Kenner.

Ähnliche Fundamentalkorrekturen forderte Professor Michael Zerr, Präsident der Karlshochschule, für die Universitäten. „Was an deutschen Hochschulen läuft, ist Stoff-Bulimie: reinschaufeln, auskotzen, vergessen. So funktioniert die Wirtschaftswissenschaft bislang wie ein Jahrmarktsverkäufer. Hier noch eine Leberwurst und eine Salami – einen Büchsenöffner gibt es noch kostenlos dazu. Ein bisschen Jura, Mathe und Rechnungswesen. Regeln, Regeln, Regeln und das ist es dann“, beklagte sich Zerr. Studenten sollten lernen, Dinge in Frage zu stellen, beispielsweise über den Sinn des Controllings. „In erster Linie handelt es sich um eine Inszenierung von Rationalität. Unsere Studenten beschäftigen sich damit, wie man eine kalkulatorische Wirklichkeit inszeniert, welche Rituale sich im Management abspielen, welche Metapher verwendet werden, um in einer Organisation Mikropolitik zu mache. Das ist das Programm unserer Universität“, sagte Zerr in Halle.

Studenten würden sich mit den Wirklichkeitskonstruktionen auseinandersetzen aus Sicht der etablierten Wirtschaft und aus Sicht der Regelbrecher. Dann komme man irgendwann zu den Möglichkeiten des Wandels und der Innovation. Manager müssten heute intelligent stören. Schöner Scheitern statt Benchmarking sollte ihre Devise sein.

Egal, ob man den Regelbruch in Organisationen kultiviert oder nicht, wäre es nach Ansicht des IT-Personalexperten Udo Nadolski schon ein großer Fortschritt, wenn sich Manager, Politiker und Wissenschaftler von ihrer Rationalitätsgläubigkeit verabschieden und stärker mit dem Unerwarteten kalkulieren würden. „Den von Joseph A. Schumpeter geprägten Begriff der kreativen Zerstörung muss man in seinen Konsequenzen auch zu Ende denken. Wer gesellschaftliche und wirtschaftliche Phänomene nur in Aggregatzuständen wahrnimmt und berechnet, vernachlässigt den ständigen Prozess von Innovationsrevolutionen. Technologien und Geschäftsmethoden können über Nacht wertlos werden. Etablierte Branchen gehen unter und neue entstehen. Da helfen auch milliardenschwere Konjunkturpakete nicht weiter, denn Regelbrecher lassen sich davon wenig beeindrucken“, so Nadolski, Geschäftsführer von Harvey Nash.

Wähle die Worthülse des Monats! Hitliste der Phrasendrescher und Powerpoint-Rhetoriker

Es gibt so viele Ranglisten, Hitparaden, Statistiken über Twitter-Weltmeister, Bücher, Anwälte oder Ärzte. Es fehlt noch ein Votum über die Worthülse des Monats. Eine Liste des Grauens, der rhetorischen Leerformeln, semantischen Umweltverschmutzer, Powerpoint-Schaumschläger, Phrasendrescher und Wichtigtuer.

51Rv0GCDujL._BO2,204,203,200_PIsitb-sticker-arrow-click,TopRight,35,-76_AA240_SH20_OU03_Wer bei der Umfrage mitmacht und in der Kommentarspalte seine E-Mail-Adresse hinterlässt, nimmt an einer Verlosung teil unter nicht-notarieller Aufsicht meiner Kinder: Der Gewinner bekommt das Buch „Best of Bullshit“ von Hans Rudolf Jost (Orell Füssli Verlag). Der Jahressieger erhält Ende Dezember die Kurt-Tucholsky-Ehrenurkunde.

Bitte schickt mir Vorschläge, welche Worthülsen im nächsten Monat aufgenommen werden sollen!

Cloud Computing: Big Switch oder doch nur Bullshit? Unternehmenswelt sollte gelassen auf Computerwolken reagieren

Provokateur vom Dienst
Provokateur vom Dienst
Cloud Computing zählt seit rund zweit Jahren zu den inflationär benutzten Schlagworten der IT-Branche. Die Bedeutung des Modethemas ist profan und alles andere als neu: Es beinhaltet die Möglichkeit, Speicherkapazitäten, Rechenleistung und Software über das Internet zu mieten. Der Nutzer zahlt je nach Funktionsumfang, Nutzungsdauer und Anzahl der Nutzer. Unternehmen können damit ihre IT-Kapazitäten ins Netz verlagern. Sie sparen Geld bei Investitionen für die IT-Infrastruktur und können flexibler agieren: Für den Vielschreiber und Dauerredner Nicholas Carr reicht das unspektakuläre Szenario aus, um das Zeitalter des „Big Switch“ auszurufen. Er prognostiziert, dass große Serverfarmen die heute gängigen PCs ablösen werden, so dass so gut wie keine Information und Rechenleistung mehr offline verfügbar sein werde. Alteingesessene Platzhirsche wie Dell oder Microsoft dürften dadurch in Bedrängnis geraten. Billige Rechenleistung verändere auch die Gesellschaft nachhaltig, wie die billig gewordene Elektrizität vor hundert Jahren. Die Simplifizierung des Phänomens Cloud Computing stößt bei Experten auf Widerspruch.

Bullshit„Carr braucht die Übertreibung, um seinen Marktwert als Redner zu bewahren. Seine Argumente pendeln allerdings häufig zwischen Big Switch und Bullshit. So war das schon bei seinem ersten medialen Scoop als er den Niedergang der IT-Abteilungen beschworen hat“, kritisiert IT-Fachmann Udo Nadolski vom Beratungshaus Harvey Nash. „Cloud Computing ist nicht neu, und vielleicht eher als Fortführung des Gridgedankens vor zehn Jahren zu sehen, nämlich der Nutzung der Netzwerk-Ressourcen, Computing aus der Steckdose oder ASP Modelle. Die Realität ist jedoch anders: Die Performance ist durch die Komplexität der Applikationen limitiert“, kontert IT-Fachmann Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums. Sie leide immer unter dem schwächsten Glied in der Kette. „Und das wechselt ab und an die Lager: Heute die CPU, morgen das I/O Verhalten und dann vielleicht die Netzperformance. Wir sollten auf den Boden der Realität zurückkommen und die verfügbaren Technologien wertsteigernd einsetzen – anstatt mit Schlagworten den Nebel zu verdichten“, fordert Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba.

„Die Argumentation von Carr und anderen Cloud Computing-Gurus unterscheidet sich in vielen Details nicht von den Argumenten, die viele Jahre für Großrechner angeführt wurden, nun verbunden mit einer Netzversorgungsphilosophie, die neben unbegrenzten Übertragungskapazitäten auch unbegrenzte Rechenkapazitäten verheißt. Nach dem Ende der Großrechnerära wurde in den 90er Jahren von einigen IT-Herstellern das Network-Computing propagiert, wo die einfachen Terminals zwar durch Lite-PCs ersetzt wurden, aber die Applikationen aus dem Netz kommen. Carr modifiziert diesen erfolglosen Ansatz nur insofern, als dass er den bloßen Applikationsbezug durch den Bezug einer Serviceleistung ersetzt“, erläutert Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieters Aastra.

Seine Vergleiche mit der Stromversorgung aus Mega-Kraftwerken seien auf das Internet nicht anwendbar. „Im Web gibt es eine gegenläufige Tendenz. Wir erleben eine Dezentralisierung auf professioneller und organisatorischer Ebene“, so Latzel. So könne es nicht verwundern, dass in der Unternehmenswelt weniger Aufgeregtheit herrsche als in den Reden von Carr. Nach einer IDC-Studie hat erst ein Viertel der rund 800 befragten Unternehmen in Deutschland über die Nutzung der Datenwolke nachgedacht.
Ein Grund für die geringe Auseinandersetzung mit dem Thema ist die unklare Definition. „Viele Anwender können sich unter dem Begriff überhaupt nichts vorstellen“, sagt Matthias Kraus, IDC-Analyst und Verfasser der Studie. Eine allgemein gültige Definition von Cloud Computing gibt es nicht, verschiedene Anbieter legen den Begriff unterschiedlich aus.

Zudem müsse für viele Unternehmen noch die Frage beantwortet werden, für welche Funktionen oder Aufgaben Cloud Computing tatsächlich eine interessante Alternative zu lokal installierten Systemen sein kann. „Nur für Speicherplatz oder Rechenleistung ist Cloud Computing sicherlich kein interessantes Angebot, zumindest nicht für die Versorgung von Unternehmensstandorten“, meint Aastra-Deutschlandchef Latzel. Bei Funktionen für mobile Benutzer sehe das anders aus: „Wer vom PDA, Smartphone oder Sub-Notebook an wechselnden Orten arbeitet, für den machen Hosting-Dienste unter Umständen Sinn“, sagt Latzel. Das würde die Speicherung und Verarbeitung von Daten betreffen, aber noch mehr Kommunikationsdienste und Kollaborationstools: Unified Communiciations, Video Conferencing, Präsenzverwaltung und standortübergreifendes Arbeiten an einer Datei oder an einem Projekt – hier bieten sich nach Ansicht von Latzel gehostete Lösungen als mögliche Alternative an. „Es fehlen bislang Angebote und standardisierte Angebote für die Betriebssysteme der Unternehmen. Und die Anbieter müssen bekannt und vertrauenswürdig sein, sonst werden Firmen sich kaum darauf einlassen, vitale ITK-Aufgaben als virtuelle Dienste von externen Anbietern zu beziehen, zumal auch beim Nutzer installierte moderne Kommunikationssysteme heute den Leistungsumfang bieten, der ohne Komfortverlust mobiles Arbeiten ermöglicht.“, resümiert Latzel.

Auf den Spuren der Romantik: Route Transromanica

gewoelbeDie Zusammenarbeit, die Einsparung von Kosten und eine schlagkräftigere Vermarktung führte 24 europäische Tourismusmanager in Berlin zusammen. Auf Einladung des sachsen-anhaltischen Verkehrsministeriums besprachen die Experten in der Landesvertretung von Sachsen-Anhalt Strategien für touristische und gleichzeitig kulturell wertvolle Standorte. Die betreffenden Regionen arbeiten im Projekt CrossCulTour und bei der Vermarktung der Route Transromanica zusammen, zu der auch die deutsche Straße der Romanik gehört. Es geht um die Förderung des europäischen Erbes der Romantik, die sich in der Zeit von 950 bis 1250 stilprägend in Kunst und Architektur niederschlug.

Kulturtouristen, die man ansprechen möchte, brächten handfeste ökonomische Argumente mit, erläuterte Dr. Manfred Zeiner vom Beratungsinstitut dwif. Kulturtouristen seien nicht nur an Kunst und Kultur interessiert. Sie würden auch lieber auf Einkaufen gehen, sie schätzen ein attraktives Nachtleben und geben dabei mehr Geld aus.

Matthias Poeschel skizzierte, wie Cross-Marketing auch mit geringen Mitteln funktioniert. Zehn Städte in Deutschland, die teils zum UNESCO-Welterbe gehören und alle einen mittelalterlichen Bezug haben, arbeiten hier zusammen, so der für die Tourismus- und Marketinggesellschaft des Landes Sachsen-Anhalt arbeitende Experte.

„Das Beispiel der Tourismusroute Transromanica zeigt sehr schön, wie sich unterschiedlichste Interessensgruppen zusammenfinden, um ein Ziel zu verfolgen. Man nehme regionale Sehenswürdigkeiten aus verschiedenen Ländern die thematisch zusammenpassen, ergänzt sie um spezielle Kulturprogramme und Shopping-Angebote und lässt sie über exklusive Global Player vermarkten“, so die Erfahrung von Marc-Christopher Schmidt, Geschäftsführer des Reiseportals Triptivity. Alle Beteiligte würden davon profitieren. „Der Tourismus steigt in den einzelnen Ländern – und zwar um die Klientel, die sich genau für diese Angebote interessieren. Die regionale Wirtschaft wird gestärkt – teilweise über Landesgrenzen hinweg. Und die Touristen erleben die Reise in einem unvergesslichem Ambiente. Aus meiner Sicht werden solche pauschale Angebote immer stärker umsetzen“, ist sich der Triptivity-Chef sicher.