Twittercharts erschienen: Sascha Lobo an Nummer eins noch vor Spiegel Eilmeldungen!

Glückwunsch an Sascha Lobo!!!!

Liebwerteste Gichtlinge: Rabelais und der Nutzen von Hofnarren für die Wirtschaft

DIE ABTEI THELEM - WIE SIE GARGANTUA FÜR DEN MÖNCH ERBAUEN LIESS IM LAND UTOPIA

Ich bin von der Bonner Marketing-Guerilla interviewt worden. Hier das Ergebnis:

MG: Herr Sohn, haben Strategen und „kontrollierte Manager“ im 21.Jahrhundert ausgedient?

GS: Strategen haben nicht ausgedient. Sie dürfen nur nicht den Regeln von mechanistischen Modellen folgen. Das war schon immer ein Fehler. Erfolgreiche Unternehmer haben das zu allen Zeiten unkonventionell gehandelt. Schnelligkeit, Stärken nutzen, Erfahrung, Urteilskraft, siebter Sinn und Intuition kann man nicht planen. Unternehmerisches Handeln ist nur schwer zu systematisieren. Wie gute Unternehmer handeln und entscheiden, ist häufig von Zufällen abhängig und widerspricht dem ideologischen Weltbild von Planungsfanatikern.

MG: In Ihrem Aufsatz „Narren, Chaoten und Regelbrecher…“ raten Sie Unternehmen unter anderem zu „Drop your Tools“ oder zu einer weniger mechanistischen Sicht- und Handlungsweise. Was sollen Unternehmen damit bezwecken?

GS: Am völligen Versagen der Wirtschaftsforschungsinstitute bei der Vorhersage der Finanzkrise können Sie doch erkennen, wie wenig formelhafte Theorien für das Wirtschaftsleben taugen. Die Dynamisierung der Welt kann man nicht mehr mit den bestehenden Regeln und alten Strukturen im Unternehmen aufhalten. Wer das versucht, landet in der Bürokratiefalle. Notwendig ist vor allen Dingen eine Auflösung der Informations- und Interpretationsmonopole, sonst suchen sich Mitarbeiter andere Wege der Wissensvermittlung. Die Wirtschaft ist kein Feld mehr für neurotische Diktatoren, es ist kein Terrain für Brüller und Schreihälse. Mitarbeiter kann man nicht mehr für dumm verkaufen und zentralistisch von oben nach unten steuern, wie es in Deutschland leider häufig der Fall ist.

MG: Und Sie plädieren ebenfalls dafür, die Funktion des „Narren“ in Unternehmen einzuführen – ähnlich der Funktion des früheren Hofnarren. Nur diese könnten angstfrei die „Außen- und die Innensicht des Unternehmens kritisch beleuchten.“ Mal ehrlich: Ist das für Unternehmen hierzulande wirklich durchführbar, und wenn, ja wie?

GS: Sie müssen sich nicht so sehr an Begriffen wie „Narr“ oder „Hofnarr“ reiben. Sie können ja auch einen „Chief Guerilla Officer“ einführen, was natürlich Blödsinn wäre. Ich meine das metaphorisch. Unternehmen sollten sich eine neue Innovationskultur zulegen und die beruht nun mal auch auf ein wenig Provokation. Sie brauchen in jedem Unternehmen einen geistigen Spinner, der für frischen Wind sorgt, ohne sofort eine Abmahnung zu kassieren. Sie können es auch Antihierarchie, Infragestellen der Autorität, Offenheit, fröhliche Anarchie oder Verspottung aller Dogmen nennen. Sie können sich auch regelmäßig Quälgeister ins Unternehmen einladen. Sie brauchen Persönlichkeiten wie Rabelais, der ein ausgeprägtes Gespür für das Neue hatte, nicht einfach für Neuheiten und Moden, sondern für das wesentlich Neue, das tatsächlich aus dem Tod des Alten geboren wurde und dem die Zukunft gehörte. Rabelais konnte das wirklich Neue aufspüren, auswählen und zeigen. Er war ein schillernder und frecher Impulsgeber der Renaissance. So begann er eine seiner Reden mit folgender Begrüßung: „Gute Leute, erlauchte Zecher und ihr, liebwerteste Gichtlinge, saht ihr jemals Diogenes, den zynischen Philosophen?“. Das sollten Sie bei der nächsten Besprechung mit ihren Chefs mal ausprobieren. Wortspiele, rhetorische Brillanz und sprachliche Experimente werden von Managern viel zu wenig oder gar nicht gewagt. Was folgt ist Langeweile und die ist der Tod der Innovation.

Webciety-Panels auf der Cebit: Livestream zu den Expertengesprächen

image_galleryZum Livestream. Bislang hatten die noch nicht sehr viele Zuschauer.

Sascha Lobo hat gegenüber tagesschau.de erklärt, um was es geht.

Exkurs über Sprecherziehung: Warum Maulwürfe Probleme beim Reden haben

defaultFilm hier.

Freenet demonstriert, wie man Sprachportale intelligent im Call Center einsetzen kann

Artikel hier.

Interessantes Projekt, würden mich weitere Beispiele interessieren.

Cebit-Debatte über Cloud Computing: Wundermittel oder alter Wein in neuen Schläuchen?

Mehr als jeder zweite Manager und IT-Chef sieht in Cloud Computing eine nützliche Technologie-Option, um die Wirtschaftlichkeit in Unternehmen anzukurbeln. Das ist das Ergebnis einer global durchgeführten Umfrage des Beratungsunternehmens Avanade unter mehr als 500 Wirtschaftsentscheidern in Deutschland und 16 weiteren Ländern.

72 Prozent aller Befragten weltweit und 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland vertrauen zur Zeit ihren eigenen Systemen und sehen die Nutzung von Software und Hardware als Internetservice von Drittanbietern noch skeptisch. Grund sind Sicherheitsbedenken und die Angst davor, die Kontrolle über Daten und Systeme zu verlieren. Gleichzeitig jedoch berichtet ein großer Teil der Unternehmen (42 Prozent weltweit, 25 Prozent deutschlandweit), dass ihre aktuellen internen Systeme zu teuer sind.

„Die globale Studie zeigt, dass Unternehmens- und IT-Manager die Vorteile von Cloud Computing bereits verstanden haben – sie wissen, dass die Systeme entscheidende Verbesserungen bedeuten können”, sagt der Avanade-Manager Tyson Hartman. Gleichzeitig blockieren jedoch Sicherheitsbedenken und die Angst vor einem Kontrollverlust über Daten eine weitere Verbreitung im Markt. „Unsere Branche steht nun vor der Herausforderung, mit diesen Bedenken aufzuräumen und handfeste Strategien und Wege aufzuzeigen. Cloud-basierte Services sollen schon heute implementiert und ein langfristiger Plan in die Wege geleitet werden, um einen wirtschaftlichen Nutzen für die Zukunft zu schaffen“, erklärt Hartmann.

Beim Cloud Computing zweifeln viele deutsche Unternehmen jedoch noch, ob es sich um eine zukunftsfähiges Konzept oder nur um einen „Hype“ handelt: „Die Argumentation für Cloud Computing unterscheidet sich in vielen Details nicht von den Argumenten, die viele Jahre für Großrechner angeführt wurden, nun verbunden mit einer Netzversorgungsphilosophie, die neben unbegrenzten Übertragungskapazitäten auch unbegrenzte Rechenkapazitäten verheißt. Nach dem Ende der Großrechnerära wurde in den 90er Jahren von einigen IT-Herstellern das Network-Computing propagiert, wo die einfachen Terminals zwar durch Lite-PCs ersetzt wurden, aber die Applikationen aus dem Netz kommen. Das hatte keinen Erfolg“, so Andreas Latzel, Deutschlandchef des ITK-Anbieters Aastra.

Die Cloud Computing-Prediger würden verkennen, dass es komplett gegenläufige Trends zu großen, mächtigen Computerzentren und damit auch zu Anbietern der Leistungserbringer gibt. „Open Source etwa, wo zunehmend auch viele große Unternehmen auf freier, unter der Open Source Lizenz veröffentlichter Software aufsetzen und diese für ihre Modifikationen und Erweiterungen benutzen. Ob Linux, OpenOffice oder Mozilla, es gibt viele gute Gründe für Open Source“, sagt Latzel. Ein weiteres Gegenargument sei die zunehmende Mobilität. „Es gibt keine unbegrenzte Bandbreite. Selbst in Deutschland, wo UMTS seit vier Jahren kommerziell verfügbar ist, lässt sich selbst mit Bandbreiten nach R99 nicht flächendeckend und in allen Gebäuden arbeiten, von schnelleren Bandbreiten nach HSDPA und LTE ganz zu schweigen. Auch WLAN-Hotspots sind nur begrenzt verfügbar. Somit muss jede Anwendung für die Geschäftswelt auch darauf ausgelegt sein, offline arbeiten zu können. Dazu kommt die mangelnde Zahlungsbereitschaft der Anwender, für sehr hohe mobile Bandbreiten zu bezahlen, so dass eher Bandbreiten in Frage kommen, die lediglich Anwendungsdaten übertragen, aber nicht eine zentralisierte Rechenleistung unterstützen“, führt Latzel weiter aus.

Als Skeptiker hat sich auch der Free-Software-Guru Richard Stallman offenbart. Für ihn ist Cloud Computing schlicht eine „Dummheit“. Zumal unter diesem Begriff nichts Neues zusammengefasst werde. Doch Stallman zieht nicht nur gegen alten Wein in neuen Schläuchen zu Felde: Er sieht reale Gefahren für die Anwender. Es könnten neue Abhängigkeiten entstehen und die Kosten explodieren. „Das Interessante am Cloud Computing ist, dass wir es so re-definiert haben, dass es vor allem Dinge enthält, die wir ohnehin schon tun“, so Stallman. Der Begriff sei vor allem durch die Industrie geprägt worden. In erster Linie beschreibe es jedoch die Tatsache, dass die Anwender die Hoheit über ihre Computer an die Hersteller und Anbieter abgeben. Und diese Hersteller heißen Google, Microsoft und Amazon. „Cloud Computing ist nicht neu, und vielleicht eher als Fortführung des Gridgedankens vor zehn Jahren zu sehen, nämlich der Nutzung der Netzwerk-Ressourcen, Computing aus der Steckdose oder ASP Modelle. Die Realität ist jedoch anders: Die Performance ist durch die Komplexität der Applikationen limitiert“, erläutert Andreas Rebetzky, Sprecher des cioforums.

Sie leide immer unter dem schwächsten Glied in der Kette. „Und das wechselt ab und an die Lager: Heute die CPU, morgen das I/O Verhalten und dann vielleicht die Netzperformance. Wir sollten auf den Boden der Realität zurückkommen und die verfügbaren Technologien wertsteigernd einsetzen – anstatt mit Schlagworten den Nebel zu verdichten“, fordert Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba.