Cloud Computing und die neuen Maßstäbe der Google-Ära: Suchmaschinen-Gigant wird die Telekommunikation und Informationstechnik umpflügen

Im Softwaremarkt zählt „Cloud Computing“ zu den beherrschenden Trendthemen. Was in den Neunzigern als Application Service Providing (ASP) startete, wird heute unter dem Begriff „Cloud“ für online genutzte Software aufgewärmt. Dem Nutzer, egal ob Geschäftskunde oder Konsument, reicht zum Arbeiten ein leistungsschwächerer Computer mit Internetanschluss. Sämtliche Softwareanwendungen, Prozessorleistung und sogar der Speicherplatz wird von einem Dienstleister über das Netz angeboten, gepflegt und gesichert: „Alle IT-Größen reagieren auf die steigende Nachfrage und tüfteln bereits an tragfähigen Konzepten. Der Hardware-Riese Hewlett-Packard leistete sich einen 13 Milliarden Dollar schweren Einstieg beim IT-Infrastrukturspezialisten EDS, und Microsofts Chef Steve Ballmer will sein weltweites Rechnernetz für den Aufbau einer ‚Windows Cloud’ nutzen“, berichtet das Fachmagazin absatzwirtschaft in der Februar-Ausgabe. Amazon mit „Elastic Compute Cloud“ und Google mit „Google Apps“ seien etwas weiter. Der Amazon-Service biete Rechenleistung für webbasierte Applikationen, während der Suchmaschinenriese gleich ganze Anwendungen wie Textverarbeitung, Präsentations-Software und Tabellenkalkulation, E-Mail-Dienste und Sicherheitslösungen ins Netz gestellt hat.

„Experten sind sich sicher, dass die ‚Software aus der Wolke’ den Einsatz von IT-Anwendungen in den nächsten Jahren verändern wird. Verbrauchs- oder nutzerbasierte Geschäftsmodelle der Netzprogramme gefährden die Zukunft der etablierten Lizenzmodelle im Softwaregeschäft. Denn wo der Nutzer die Software nicht mehr auf seinem Rechner betreiben muss, bezahlt er beim Kauf der Hardware auch nicht mehr für deren Nutzung mit“, so die absatzwirtschaft. Bei der heutigen Konstellation würde der Branchenprimus Microsoft am meisten profitieren. Da die Bereitstellung von Applikationen und Dienstleistungen über das Internet erfolge, müssten auch die Geschäftsmodelle bereits auf dem Desktop der Kunden beginnen. „Mit seinem Explorer ist Microsoft bei mehr als 80 Prozent aller privaten Nutzer erste Wahl und hätte Macht über die Lesezeichen im Browser, so genannte Bookmarks. Wer dort per Schnellauswahl hinterlegt ist, der macht recht sicher das Geschäft“, führt die Düsseldorfer Marketing-Zeitschrift weiter aus. Wie stark sich Cloud Computing am Ende durchsetzen wird, ist noch offen. „Es gibt komplett gegenläufige Trends zu großen, mächtigen Computerzentren und damit auch zu Anbietern der Leistungserbringer. Open Source etwa, wo zunehmend auch viele große Unternehmen auf freier, unter der Open Source-Lizenz veröffentlichter Software aufsetzen und diese für ihre Modifikationen und Erweiterungen benutzen“, erklärt Aastra-Deutschlandchef Andreas Latzel.

Cloud Computing sei nach Ansicht des cioforums-Sprecher Andreas Rebetky nicht neu, und vielleicht eher als Fortführung des Gridgedankens vor zehn Jahren zu sehen, nämlich der Nutzung der Netzwerk-Ressourcen, Computing aus der Steckdose oder ASP Modelle. „Die Realität ist jedoch anders: Die Performance ist durch die Komplexität der Applikationen limitiert“, so die Bedenken von Rebetzky, CIO des Technologiespezialisten Bizerba. Sie leide immer unter dem schwächsten Glied in der Kette. „Und das wechselt ab und an die Lager: Heute die CPU, morgen das I/O Verhalten und dann vielleicht die Netzperformance. Wir sollten auf den Boden der Realität zurückkommen und die verfügbaren Technologien wertsteigernd einsetzen – anstatt mit Schlagworten den Nebel zu verdichten“, fordert der Bizerba-Manager.

Eine Abrundung des Produktportfolios erwartet die absatzwirtschaft bei Google. Der Internet-Gigant habe seinen eigenen Browser namens „Chrome“ entwickelt und eroberte schon mit der Beta-Version innerhalb weniger Wochen beachtliche Marktanteile. Wenn Chrome weit genug verbreitet sei, könnte sich Google neben Suchmaschinendiensten als Anbieter von On-Demand-Lösungen positionieren. Capgemini, General Electric und L’Oreal sollen schon Kunden von Google Apps sein. „Google denkt noch weiter: Weil der Explorer so fest in das alles beherrschende Betriebssystem Windows eingebunden ist, machen sich Konsumenten nicht viel Mühe und nutzen ihn mit. Google will auch das ändern und kommt mit ‚Spon’, einem heute schon Mythen umrankten Betriebssystem. Es kombiniert Cloud Computing mit der Rechenpower des heimischen Rechners und soll anspruchsvolle Anwendungen im Netz erst möglich machen“, prognostiziert die absatzwirtschaft.

Eine noch stärkere Google-Expansion prognostiziert die Zeitschrift PC-Praxis. Im Sonderheft „Google Praxis“, das ich Euch übrigens dringend ans Herz lege, spekuliert sie über eine Ausweitung des Suchmaschinen-Anbieter in die Telekommunikation: „Ähnlich wie mit Google Mail, das als zentrales Bindeglied zwischen allen weiteren Google-Diensten fungiert, könnte die Übernahme von GrandCentrals auf eine kommende Ausrichtung auf den Kommunikationsmarkt hindeuten. GrandCentrals verspricht dem Kunden eine einzige Telefonnummer für das gesamte Leben – für alle Telefone“. Forciert werden auch die Übernahmen im Mobilfunk. So solle der Spracherkennungsspezialist und frühere Microsoft-Manager Kai-Fu Lee die Bestrebungen vorantreiben, die Suchmaschine auch über das Mobiltelefon per Sprache befragen zu können. SemanticEdge-Chef Lupo Pape rechnet schon seit langem damit, dass Google mit der Sprachsteuerung aus dem Handy eine Steuerzentrale für Online-Inhalte machen will und damit eine komfortable Mensch-Maschine-Schnittstelle für den Massenmarkt etabliert. „Sprachdialogsysteme sind ein wichtiger Baustein für das Super-Handy der Zukunft“, so Pape

Waren vor ein paar Jahrzehnten noch Hardwarehersteller wie IBM und Sun die beherrschenden Größen im Markt, wurden sie in den Neunzigern vom Softwarehersteller Microsoft überholt. Jetzt werde Google den Takt vorgeben und eine neue Ära begründen, da sind sich die Autoren von absatzwirtschaft und PC-Praxis einig: „Google beherrscht den Markt von Suchmaschinen, Geosoftware und sozialen Netzen immer stärker“, sagt Professor Max Mühlhäuser von der TU Darmstadt: „Nun kommt der Angriff auf die Browser, und der Angriff auf Betriebssysteme und Standardsoftware sowie Mobiltelefone ist schon ,eingebaut’.“ Google sei das Unternehmen, welches nicht nur neue Maßstäbe in der Weiterentwicklung seines Produktportfolios und in dessen Vermarktung setze, sondern dank von Suchmaschinen wie Youtube und Co. auch am stärksten von den aktuellen Werbetrends profitiere.

Gute Sache: Handelsblatt.com verstärkt Interaktion mit Blogosphäre

Handelsblatt.com verlinkt neben jedem Artikel Weblogs, die diesen Artikel zitieren, beziehungsweise verlinken. Es taucht ein Kästchen auf, das die jüngsten Verlinkungen von Weblogs auf diesen Artikel zeigt. Eine sinnvolle Interaktion mit der Blogosphäre.

Literatur über das Dandytum

Umfassende Monographien über das Dandytum in Europa sind noch nicht geschrieben. Aber in den vergangenen Jahren wuchs die Zahl der Buchveröffentlichungen, den Dandy als literarische und gesellschaftliche Gestalt wieder an ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen. Eine Fundgrube der Dandyliteratur präsentiert der Berliner Publizist Matthias Pierre Lubinsky auf Webcritics . Kleine Kostprobe: »Éternelle supériorité du Dandy. Qu’est-ce que le dandy? (Ewige Überlegenheit des Dandys. Was ist der Dandy?)«, fragte Charles Baudelaire in den Fusées und traf damit den Nagel Dandytum auf den Kopf. Das Dandytum, das wie ein Stachel im Fleisch der Moderne sitzt.

Fernand Hörner geht in seiner gerade veröffentlichten Studie den Phänomen des dandysme nach: Zu diesen Phänomen gehört, dass das Dandytum permanent für tot erklärt wird und viele Untersuchungen mit dem Fazit enden, das Dandytum sei längst erledigt. Heute könne niemand mehr Dandy sein. Entweder weil der Ur-Dandy George Brummell unkopierbar sei oder weil die moderne Massengesellschaft mit ihrer Mode von der (Kaufhaus)-Stange keinerlei dandyistisches Sein mehr zulasse. Manche versteigen sich gar zu der mutigen Aussage, es bestehe auch gar kein Bedarf mehr an Dandyismus.

Hörner, Dozent für französische Literatur- und Kulturwissenschaft in Wuppertal, pflügt das Feld tiefer als üblich. Seine Analyse geht davon aus, »dass sich für die Behauptungen des Dandys ein gemeinsames Zusammenspiel verschiedener Taktiken der Behauptung formulieren lässt, ähnlich wie Foucault in der Archéologie du savoir Formationsregeln für einen Wissenschaftsdiskurs formuliert…..
Die Untersuchung kann durchaus als bahnbrechend bezeichnet werden. Vorliegende Werke wie die von Hans-Joachim Schickedanz (»Ästhetische Rebellion und rebellische Ästheten«, 2000) oder Günter Erbes »Dandys – Virtuosen der Lebenskunst« (2002) werden vollkommen in den Schatten gestellt. Vom Tiefgang der Untersuchung ist die neue Studie am ehesten vergleichbar mit Hiltrud Gnügs fulminanter literaturwissenschaftlicher Arbeit »Kult der Kälte« von 1988. Aber diese beschränkt sich eben auf einen recht kleinen Ausschnitt. Fernand Hörners profundes Quellenwerk setzt im Moment den Maßstab in Sachen wissenschaftliches Dandytum. Es ist Ansporn, an vielen Punkten weiterzuforschen. Soweit die Rezension von Lubinsky. Das Entscheidende seiner literarischen Diskurse ist die Betonung der Tiefgründigkeit des Dandytums.

Barbey d‘ Aurevilly schrieb in seinem Essay über das Dandytum, der in der Sammlung von Lubinsky natürlich nicht fehlt, dass der Dandy immer die Konventionen achtet, aber mit ihnen spielt, dass er versucht, das Unerwartete zu tun, das von denen, die an Spielregeln gewöhnt sind, aus logischen Gründen nicht erwartet wird, und in einer heuchlerischen Gesellschaft, die ihrer Heuchelei müde ist, immer Überraschungen hervorruft, bei denen er selbst unbeteiligt ist.

Studie: Maschinenbau hat die meisten Service-Innovatoren – Hier ist eine Antwort auf die Krise

In unsicheren Zeiten fällt es vielen Unternehmen schwer, sich über Kernprodukte von der Konkurrenz abzuheben. Dienstleistungen werden daher immer mehr zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland hält es der Ex-Sony-Chef Nobuyuki Idei für wenig ratsam, wenn sich die japanische Industrie darauf konzentriert, Autos und Fernseher selbst zu produzieren. Vielmehr müssten die Hersteller ihre Produkte mit anderen Dienstleistungen mischen, um aus der Masse herauszustechen. Als Beispiel führte er den Kindle von Amazon an. Das elektronische Lesegerät ziehe den Verkauf von Büchern nach sich.

Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System und Innovationsforschung dokumentiert, dass Service-Innovationen besonders im Maschinenbau überdurchschnittlich häufig anzutreffen sind. In diesem Industriezweig liegt die Quote der Service-Innovatoren deutlich über 40 Prozent. Hierbei wird deutlich, dass besonders komplexe Produkte mit neuen Dienstleistungsangeboten flankiert werden müssen, damit die Kunden diese Produkte auch so einsetzen können, dass ihre Potentiale in vollem Umfang genutzt werden. So leisten beispielsweise Remote-Verfahren, also die Fernwartung von Maschinen und Anlagen, einen wesentlichen Beitrag für den Serviceerfolg. Sie sorgen für schnellere Reaktionszeiten und unterstützen die Bereitstellung sowie Disposition der richtigen Werkzeuge und Ersatzteile für den Techniker. Im Idealfall lässt sich sogar das Problem aus der Ferne beseitigen. An- und Abfahrten des Servicetechnikers werden somit gespart. „Unsere Kunden profitieren von den kürzeren Reaktionszeiten und erreichen damit eine höhere Maschinenverfügbarkeit. Viele Personaleinsätze lassen sich so vermeiden, was auch auf Herstellerseite die Kosten senkt“, bestätigt Bernhard Steinel, Leiter Systemservice bei Heidelberger Druck.

Die Kundenakzeptanz von Fernwartungsmodulen sei aber eine Frage des Vertrauens der Anwender zu ihrem Lieferanten. „In den letzten Jahren ist es uns gelungen, den Remote-Service flächendeckend einzuführen. Als neue Technologie haben wir das Modul eCall eingeführt. Dabei sendet die Maschine im Falle einer Störung automatisch ein qualifiziertes Fehlerticket an das Heidelberg Service Team nachdem der Anwender per Knopfdruck seine Zustimmung gegeben hat“, so Steinel.

Der eService beim Balinger Technologiespezialisten Bizerba erlaubt den Produktspezialisten, direkt über das Internet auf die Anlage des Kunden zuzugreifen und Soft- oder Hardwareprobleme zeitnah zu analysieren: „Das reduziert die Serviceeinsätze, beschleunigt die Fehlerdiagnose und reduziert die kostenträchtigen Ausfallzeiten“, erklärt Robert Keller, Director Business Services bei Bizerba.

Doch können sich Unternehmen nie wirklich sicher sein, das langjährige Kunden auch treu bleiben. Sobald etwas den Kunden in seiner Zufriedenheit nicht bestärkt, könnte die Konkurrenz zu Stelle sein und relativ einfach den Kunden abwerben. Der Grund dafür ist, so die Autorin Karin Bestmann in ihrem Buch „Servicequalität mit System“, dass sich Angebote häufig ähneln und eher emotionale Gründe einen Kunden an das jeweilige Unternehmen binden. Keller bestätigt: „Im produzierenden Gewerbe können Ausfallzeiten Produzenten teuer zu stehen kommen. Daher können unsere Kunden im Notfall die Servicezentrale rund um die Uhr erreichen und ihr Problem an uns abgeben – das lindert den ersten Stress.“

Wichtig für eine erfolgreiche Kundenbindung sei hierbei, so ein Bericht des Bildungsportals Handelwissen, dass sich der Kunde in einem sicheren Rahmen für seine Autonomie- und Entwicklungswünsche bewegen und die Kosten stets im Überblick behalten kann. „Unsere Serviceverträge und damit die Einsatzzeiten der Techniker können deshalb flexibel an sich ändernde Kundenbedürfnisse angepasst werden. Der 24-Stunden-Service-Vertrag etwa garantiert, dass sich der zuständige Mitarbeiter eine Stunde nach Eingang der Störmeldung beim Kunden meldet und mit der Analyse des Problems beginnt“, resümiert Servicespezialist Keller.

Genau das ist der wichtige Punkt, den viele Industrielobbyisten nicht kapieren und mit Sprüchen kontern wie „Vom Haare schneiden alleine kann man nicht leben“. Ich kann es nicht mehr hören. Es geht doch nicht darum, die Produktion in Frage zu stellen – das ist doch Kindergartenniveau. Es geht um smarte Servicekonzepte zur Veredelung von Produkten – und da müssen wir in Deutschland noch ein Schippchen drauflegen. Das macht uns auch international krisenresistenter und weniger anfällig im globalen Wettbewerb. Die Dienstleistungsökonomie funktioniert in der Regel nur lokal oder dezentral.

Krise als Katalysator für die Telekommunikation: Notwendige Marktkonsolidierung wird beschleunigt

Die Finanzierungsbedingungen am Kapitalmarkt haben sich in den vergangenen Monaten auch für die Telekommunikationsbranche deutlich verschärft. Zu diesem Urteil gelangte Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg, der sich auf der Euroforum-Jahrestagung „Telecom Trends“ in Düsseldorf zu den Auswirkungen der Finanzkrise für die Bonitätseinschätzung der Unternehmen äußerte. „Der kurzfristige Commercial-Paper Markt war als alternative Finanzierungsquelle nur begrenzt nutzbar und Neuemissionen von Unternehmensanleihen sind ins Stocken geraten. Die Finanzierungsoptionen der Unternehmen werden unseres Erachtens derzeit ausschließlich von dem Motto ‚Cash is King’ getrieben“, so Burkert.

Die Unsicherheit an den Märkten dürfte nach Einschätzung des Bankmanagers die Finanzierungsperspektiven für die Unternehmen auch in den nächsten Monate mitbestimmen, was aufgrund der deutlich gestiegenen Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen die Finanzierung für die Firmen verteuern werde. „An dieser Stelle sind Unternehmen mit einer mittelständischen Unternehmerkultur, die stark auf Eigenkapital setzen, klar im Vorteil. Sie können jetzt ihre Stärken ausspielen. Zum einen stehen für solche Unternehmen immer noch sehr wettbewerbsfähige Konditionen zur Verfügung, zum anderen blockieren die Finanzierungsfragen nicht das Management“, erläutert Branchenkenner Andreas Latzel, Deutschlandchef des TK-Konzerns Aastra. Sein Unternehmen habe seit mehr als zehn Jahren ununterbrochen einen positiven Cash Flow. „Trotz großer Akquisitionen, können wir uns voll auf das operative Geschäft konzentrieren und gleichzeitig die Chancen nutzen, die sich in der aktuellen Situation ergeben“, sagt Latzel.

Nach Marktanalysen des Beratungshauses Booz & Co. wird die Rezession eine Katalysatorfunktion für die notwendige Marktkonsolidierung und Strukturanpassung der Industrie übernehmen. „Nur durch Übernahmen, Zusammenschlüsse und Kooperationen lassen sich für die Netzbetreiber noch Skaleneffekte erzielen. Gleichzeitig ermöglichen neue Netzbetriebsmodelle wie Outsourcing, Netzwerk-Sharing oder die Integration des Festnetz- und Mobilfunk-Netzbetriebs deutliche Kostensenkungen“, führt Booz & Co. aus. Das laufende Geschäft sei auf allen europäischen Kernmärkten geprägt von sinkenden Preise, stagnierenden oder sogar abnehmenden Umsätzen. Sprachtelefonie und Internetanschlüsse böten im weitgehend gesättigten deutschen Markt kaum noch Wachstumspotenziale für Fest- und Mobilfunknetzbetreiber. Harte Einschnitte werden auch bei Handy-Herstellern erwartet. „Der branchenweite Handy-Absatz war 2008 geschätzt um neun Prozent gestiegen. Nach dieser schnellen Expansion ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Markt jetzt regelrecht abgewürgt wird. Ein Schrumpfen um bis zu zehn Prozent im laufenden Jahr wird vorhergesagt. Gemessen am Volumen würde der Markt damit doppelt so stark zurückgehen wie während des Platzens der Internetblase“, berichtet Breaking News.

Generell herrsche ein dramatischer Mangel an Führungsstärke und geeigneten Strategien, um den besonderen Anforderungen einer Wirtschaftskrise historischen Ausmaßes adäquat zu begegnen. So konzentrieren sich nach der Booz & Co.-Studie 65 Prozent der finanziell angeschlagenen Unternehmen trotz akuter Refinanzierungsprobleme am Kapitalmarkt nur unzureichend auf Aufbau und Erhalt ihrer Liquidität. „Es gab Zeiten, da hat man Unternehmen belächelt, die selbst im Rahmen von Akquisitionen zum überwiegenden Teil die Eigenkapitalfinanzierung gewählt haben, weil es schien, dass sie mit dem Marktwachstum von Wettbewerbern nicht mithalten können. Was es bedeutet, solches Wachstum fremd zu finanzieren, zeigt sich jetzt am Beispiel großer Konzerne. Mit den auch in den besten Zeiten gewahrten Finanzdisziplin ist die Liquidität für uns kein Thema, das Managementressourcen bindet“, gibt sich Latzel selbstbewusst. Eine solide Finanzierung zahle sich in der Krise aus – als Risikovorsorge und gegenüber schwächer aufgestellten Wettbewerbern. Gezielte Investitionen in Produkte und Absatzmärkte hätten dann einen viel größeren Hebel.

Frisch von der Tagung Telecom Trends in Düsseldorf: E-Plus will EDGE in diesem Jahr zu einem Massenprodukt machen

Intensiv bemühen sich die Mobilfunkbetreiber T-Mobile, Vodafone und O2 (Germany) seit einiger Zeit, ihren Kunden die Nutzung von Datenanwendungen über UMTS und HSDPA schmackhaft zu machen. Nach wie vor können die Umsätze mit den Datendiensten den Preisverfall und Umsatzrückgang bei den Mobilfunkgesprächen nicht kompensieren. Der Düsseldorfer Mobilfunkanbieter E-Plus will sich in diesem Jahr bei mobilen Datendiensten voll auf die Vermarktung kleinerer Anwendungen konzentrieren. „Edge ist als Übertragungsstandard für kleine mobile Datenapplikationen völlig ausreichend“, zeigte sich der Chefstratege der E-Plus Gruppe, Dr. Andreas Gregori auf der 13. EUROFORUM-Jahrestagung „Telecom Trends“ in Düsseldorf überzeugt.

Ob sich der steigende Datenbedarf bei den Kunden für die Mobilfunkanbieter auch in bare Münze wurde von ihm skeptisch beurteilt. Die sei nur über eine intensive Segmentierung zu erreichen. In der Produktgruppe „Data Light“ bietet das Unternehmen seinen Kunden neuerdings beispielsweise die Möglichkeit, für eine Pauschale von ein Euro pro Monat drei ausgewählte Webseiten jederzeit zu besuchen. „Wir werden das Thema Edge dieses Jahr massiv ausbauen und den Markt mit passenden Angeboten im Breitenmarkt weiter umkrempeln“, versprach Gregori.

Dabei ist der Discountmarkt mit seinen alternativen Vertriebswegen für E-Plus den Ausführungen des E-Plus Marketingchefs zufolge inzwischen ausgereizt. In der jüngsten Partnerschaft mit dem ADAC tritt der Düsseldorfer Anbieter als Exklusiv-Partner für die grundlegenden Konzepte zu den Mobilfunkangeboten des Automobilclubs auf. „Der ADAC kennt den Mobilfunk-Bedarf seiner Mitglieder viel besser als wir“, erklärte Gregori den strategischen Hintergedanken seiner Vertriebspartnerschaften heute in Düsseldorf im Gespräch mit dem Fachdienst Portel. Das positive Image des ADAC, bestehend aus Vertrauen, Verlässlichkeit und Schutz rund um das Thema Mobilität, unterstütze E-Plus nun mit geeigneten Angeboten im Bereich Mobilfunk. „Wir konzentrieren uns immer auf hochrelevante Basisdienstleistungen für den Massenmarkt“, so Gregori.

Generell ist die TK-Branche wenig innovativ, so mein Eindruck. Nur Infrastruktur-Gebrabbel und die Hoffnung, dass mehr Bandbreite auch mehr Dienste auf die Netze zieht. Kein Steve Jobs-Gen bei den Telco-Managern vorhanden. Später mehr von der Tagung.

Mittelstandsbarometer: Staatsbürokratie immer noch die größte Bürde für Unternehmer

Bürokratie und staatliche Regulierungen werden nach der Umfrage des Deutschen Mittelstandsbarometers immer noch als größte Bürde für das Unternehmerdasein empfunden. „Gerade in diesem Bereich sowie bei der
Steuer- und Abgabenbelastung muss trotz des Super-Wahljahrs 2009 so rasch wie möglich Erleichterung geschaffen werden“, fordern Professor Michael Lingenfelder von der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft, BVMW-Präsident Mario Ohoven und Arno Probst von der BDO Deutsche Warentreuhand AG im Vorwort der Studie.

Mittelständler müssten in Deutschland derzeit rund 10.500 deutsche und europäische Informationspflichten erfüllen. Zwar habe die Bundesregierung ein neues Programm aufgestellt, das durch 24 Vorhaben die mittelständischen Unternehmen um 100 Millionen Euro entlasten soll, trotzdem sinkt die Bewertung der Rahmenbedingung jährlich nur sehr zögerlich. „Durch unnötige Bürokratie wird vor allem das Wachstum der Klein- und Mittelunternehmen eingeschränkt; denn sie kostet viel Zeit und Geld und bremst damit die wirtschaftliche Betätigung. Hier könnte der Small Business Act der EU-Kommission helfen. Durch dieses Hilfspaket soll die Bürokratie abgebaut werden und insbesondere für Kleinunternehmen sollen bis 2010 administrative Auflagen reduziert werden, damit die Kosten um ein Viertel sinken“, so die Analyse des Mittelstandsbarometers.

Durch die Einführung des Nationalen Normenkontrollrates lasse die Bundesregierung zwar die Bürokratiekosten messen, aber auch diese Maßnahmen spüren die Mittelständler in ihrem alltäglichen Geschäft nicht. „Wie schwer sich die Verwaltung mit dem Thema Bürokratieabbau tut, belegt der Bürokratieabbau-Bericht, der dem Bundeskabinett im Dezember 2008 vom zuständigen Staatsminister im Bundeskanzleramt, Hermann Gröhe, vorgelegt wurde. In einem Behördenspiegel-Interview zu dem Thema verkündet Gröhe, dass nachdem die mehrjährige Messungen der Bürokratiebelastungen bei der Wirtschaft abgeschlossen sind, nun die Messung bei den Bürgern beginnt. Wie lange diese nun dauern werden, ist anscheinend nicht klar. Völlig absurd ist, dass an der einen Stelle der Versuch unternommen wird, Verfahren zu verschlanken, um an der anderen Stelle wieder kräftig draufzulegen“, kritisiert Udo Nadolski, Geschäftsführer des Düsseldorfer Beratungshauses Harvey Nash. Während die Einführung des elektronischen Personalausweises für die Identitätsprüfung beim Geldwäschegesetz Einsparungen bringen soll, werde das Vergaberecht künstlich aufgeblasen und so noch komplizierter und für Unternehmen schwieriger zu handhaben, als es jetzt schon der Fall ist.

„Die Messung von Bürokratie bedeutet eben noch lange nicht, dass aus den – oft erschreckenden Ergebnissen – auch flächendeckend intelligente Maßnahmen resultieren. Die Bestandsaufnahme ist nur ein erster Schritt, im Fall des Bundes ein höchst schwerfälliger. Um wirklichen Nutzen für Bürger und Wirtschaft zu erzielen, müssten alle Ressorts am grünen Tisch sitzen und Abschied davon nehmen, oft nur sich selbst zu verwalten“, sagt Nadolski. Das Vergaberecht werde auch nach Meinung von Mittelstandspräsident Mario Ohoven durch die Novelle wahrscheinlich noch restriktiver. „Das bedeutet im Klartext, dass die Kosten für sich bewerbende Mittelständler eher noch steigen werden. Anstatt das Verfahren zu entbürokratisieren, werden die Anforderungen sowohl an die ausschreibenden Stellen als auch an die Bewerber strenger. Schon der kleinste inhaltliche oder formale Fehler kann den Ausschluss bedeuten“, führt Ohoven aus.

Nach seiner Ansicht müssten Ausschreibungen und Auftragsvergabe deutlich mittelstandsfreundlicher werden. Dazu gehöre zum Beispiel, dass bislang gigantisch gebündelte Großprojekte zukünftig in mehreren Einzellosen ausgeschrieben werden, damit auch Kleinstunternehmen und Bietergemeinschaften zum Zuge kommen. „Bei der Festlegung der Eignungskriterien muss auf die Möglichkeiten kleiner und mittlerer Betriebe Rücksicht genommen werden“, fordert Ohoven. Eine faire Ausschreibung müsse gerade bei Großprojekten in Teillose untergliedert sein. Außerdem sollten auch kleine Aufträge öffentlich ausgeschrieben und nicht freihändig vergeben werden. Außerdem sollte bei den vergabefremden Kriterien die in eine Ausschreibung einfließen darauf geachtet werden, dass diese einem mittelständischen Unternehmen zugemutet werden können.
Die Unternehmerbefragung für das Mittelstandsbarometer ist ein Kooperationsprojekt der Forschungsstelle Mittelständische Wirtschaft der Philipps-Universität Marburg, dem Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) und der BDO Deutsche Warentreuhand.

Eilmeldung des Spiegels: Stimmung in der deutschen Wirtschaft verbessert sich überraschend

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich zum neuen Jahr überraschend aufgehellt. Das berichtet Spiegel online in einer Eilmeldung: „Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg von 82,6 Punkten im Dezember auf 83,0 Punkte, teilte das ifo Institut für Wirtschaftsforschung mit. Experten waren hingegen von einem Rückgang auf 81,3 Punkte ausgegangen. Dies ist der erste Anstieg des wichtigsten Stimmungsbarometers für die deutsche Wirtschaft nach sieben Rückgängen in Folge“, so der Spiegel. Der monatlich unter rund 7000 Unternehmen erhobene Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer der deutschen Wirtschaft. „Die Weltuntergangsstimmung, die uns seit Monaten verordnet wird, will sich nicht so recht durchsetzen. Eigenlich müssten wir schon längst vor rasender Angst unter den Teppich gekrochen sein. Absturz! Abgleiten! Zusammenbruch! Die schlimmste Wirtschaftskrise seit 1929“, schreibt der Trendforscher Matthias Horx in seinem Informationsdienst „Zukunftsletter“. Und er bemerkt sehr treffend: Folgen für die Realwirtschaft würden bei geplatzten Spekulationsblasen selten ausbleiben. „Doch selbst wenn diese Krise, wie die Auguren verkünden, uns grauenhafte 3 Prozent Schrumpfung bringen würde, wäre unsere Wirtschaft auf dem Niveau von 2006. Bei 10 Prozent auf 2000. Wäre das der finale Zusammenbruch des Wohlstands“, fragt Horx. Wohl nicht. Vergleiche mit 1929 sind sowieso eine Frechheit für die krisengebeutelten Menschen jener Zeit. Das ist Jammern auf hohem, sehr hohem Niveau. Wir sollten endlich mit der kollektiven Heulerei aufhören, die nach dem Ifo-Index gar nicht so kollektiv ist, und unsere Arbeit machen. Allerdings nicht so inhaltsleer und visionslos wie in der Vergangenheit!!!

Bill Price auf der Call Center World in Berlin: Warum es gut ist, mit dem Kunden keinen Kontakt zu haben

Bill Price, der ehemalige Vice President of Global Customer Service von Amazon, kommt zur Call Center World nach Berlin. Bei Amazon revolutionierte er den Kundenservice mit der radikalen Philosophie „der beste Service ist kein Service“. Auf der Berliner Fachveranstaltung spricht Price beim Vorkongress-Seminars am 16. Februar 2009 sowie am Strategietag des Kongresses am 17. Februar 2009 im Hotel Estrel in Berlin-Neuköln. „Der durchschnittliche Kunde hat einfach keine Lust, seine Bank anzurufen oder seinem Online-Händler eine E-Mail zu schicken, wenn eine von ihm in Anspruch genommene Sachleistung weiterer Erklärungen bedarf oder Defizite aufweist. Stattdessen sollte alles von Anfang an klar strukturiert und problemlos verlaufen“, so die Analyse von Price. Mit dem Kauf eines Produktes soll der Kunde zufrieden sein und gar keinen Anlass finden, wieder mit dem Unternehmen in Kontakt zu treten, bestenfalls für weitere Käufe. Bei Amazon ist daher die Zahl der Kontakte pro Kundenauftrag längst eine wichtige Steuerungsgröße.

Hat der Kunde dennoch einen Grund, sich beim Unternehmen zu melden, sei es wichtig, intelligente Selbstbedienungs-Konzepte zu entwickeln. „Die These von Bill Price ist verlockend und einleuchtend zugleich: Kunden wollen keinen Service, sondern selbsterklärende und zuverlässige Produkte, die möglichst den Servicefall ausschließen oder mit schnell und einfach zu bedienenden Self Service- Angeboten kombiniert sind“, bewertet Bernhard Steimel, Sprecher der Initiative Voice Business (IVB), die Empfehlungen des ehemaligen McKinsey-Beraters Price.

Die Praxis zeigt, dass es vielen Unternehmen nicht gelingt, diesen Maßstäben gerecht zu werden. „Sie schlagen sich anscheinend lieber in ihre Kundendienst-Abteilungen mit den Auswirkungen und Symptomen schlecht konzipierter Produkte und Services herum und betätigen sich in der Brandbekämpfung, ohne die Ursachen wirklich zu beheben“, weiß Steimel, der vor allem die Servicekultur im hart umkämpften Telefonmarkt kritisch unter die Lupe nimmt. „Insbesondere bei den Festnetzanbietern bekommt man zuweilen den Eindruck, dass sie alles tun, um möglichst viele Servicevorfälle zu generieren.“

Schlechte Erreichbarkeit, unzureichend geschultes Hotline-Personal, Tarifdschungel und abmahnfähige Geschäftsbedingungen führt er als Beispiele für schlechte Serviceerlebnisse an. „All das führt schnell zu Kundenfrust. Mitarbeiter sind oftmals nicht in der Lage ein Problem am Telefon zu lösen, da sie lediglich für einfache Auskünfte, die so genannten FAQs, geschult sind, und über keine oder geringe Vollmachten verfügen, um ein Kundenanliegen schnell und unbürokratisch zu lösen,“ berichtet Steimel. Kann einem Kunden nicht geholfen werden, werde dieser versuchen, über andere Kanäle das Unternehmen zu erreichen.

„Diese Mehrfach-Kontakte, der von Price zitierte ‚Schneeballeffekt’, werden dann zum echten Problem, wenn Anfragen über unterschiedliche Eingangskanäle nicht einem Vorgang zugeordnet werden können. Diese Fähigkeit besitzen leider die wenigsten Unternehmen. Zudem gibt es oftmals keine adäquate Möglichkeit einfache Vorgänge schnell selbst zu erledigen. Wer es gewohnt ist, seine Flüge online zubuchen, den telefonischen Quick Check-In bevorzugt und Sitzplatzreservieren per SMS liebt, der hat wenig Spaß bei den meisten Angeboten der Telefonfirmen zur Selbstadministration per Telefon oder im Internet“, so Steimel.

Vor allen Dingen die Self Service-Intelligenz im Call Center müsse nach Ansicht von Lupo Pape, Geschäftsführer von SemanticEdge, deutlich gesteigert werden. Das personalisierte Dialogmanagement werde ein großes Thema der Call Center-Großveranstaltung sein: Die kundenindividuelle Vorqualifikation, Dialogführung und Weiterleitung, je nach dem welcher Kunde, wann, auf welcher Rufnummer anruft. Die optimale Mensch-Maschine-Mensch-Kommunikation unter Nutzung sämtlicher vorhandenen Informationen über den Anrufer. Zu welcher Kundengruppe gehört er, genutzte Produkte, letzter Vorfall. Offene Dialogführung anstelle starrer Dialoge – „Wie kann ich Ihnen helfen?“. „Die Personalisierung der Sprachdialoge durch die Nutzung vieler Informationen über den Kunden gleich zu Beginn und während des Dialoges könnte viele Probleme und Bedenken gegen Sprachdialogsysteme auflösen und Kunden zufriedener machen“, so der Ausblick von Pape, dessen Firma entsprechende Lösungen auf der Call Center World in Berlin vorstellen wird.

Netzwerk gegen das Unrecht – Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH) unterstützt Menschenrechtsorganisationen in Kolumbien

Christof Wünsch, Fachkraft im Personalprogramm Ziviler Friedendienst (ZFD) der Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe (AGEH), hat seine Projektmitarbeit in Kolumbien abgeschlossen. Der Sozialarbeiter arbeitete sechs Jahre lang im Auftrag der AGEH für die kolumbianische Nichtregierungsorganisation „PODION“. Er entwickelte gemeinsam mit Kollegen ein Konzept für sogenannte Friedensschulen und koordinierte die Umsetzung des Programms. Insgesamt wurden 180 Mitarbeiter aus 32 lokalen Organisationen in Fragen der Menschenrechte, des internationalen humanitären Völkerrechts, der gewaltfreien Konfliktbearbeitung sowie der psychosozialen Begleitung von Gewaltopfern ausgebildet. Jede dieser Organisationen hat ihre Kenntnisse pro Jahr wiederum an rund 25 Personen weitergegeben. „Die Maßnahme hat daher hochgerechnet mittlerweile fast 5.000 Leute erreicht“, erklärt Wünsch.

Bei den Friedensschulen handelt es sich um eine Ausbildung für Mitarbeiter lokaler Hilfsorganisationen und Einrichtungen von Diözesen, die das Ziel hat, deren Kompetenz im Umgang mit Gewalt, Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen zu verbessern. „Wir haben mit der Ausbildung eine echte Stärkung der Zivilgesellschaft erreicht“, so Wünsch. In einer Gesellschaft, wo Gewalt an der Tagesordnung ist und täglich Menschenrechtsverletzungen verübt werden, haben die Teilnehmer ihr eigenes Engagement für mehr Frieden gezielter entwickeln und dadurch stärken können. So habe eine der Organisationen eine Aktion gestartet, die Jugendliche durch Aufklärungsarbeit davon überzeugte, sich nicht durch Paramilitärs, Guerilla oder Armee rekrutieren zu lassen. Die Rekrutierungen in dieser Region hatten daraufhin deutlich abgenommen. Andere haben das neu erworbene Wissen an Lehrer weitergeben. Diese führten daraufhin das Thema Mediation, ein Verfahren zur konstruktiven Beilegung von Konflikten, an ihren Schulen ein und konnten dadurch die Gewalt dort reduzieren.

2007 haben sich die 32 lokalen Organisationen, die an den „Friedensschulen“ teilgenommen haben, und allesamt eigene Friedens- und Menschenrechtsprojekte durchführen, zum „Nationalen Netzwerk für Demokratie und Frieden“ zusammengeschlossen. Christof Wünsch hat die Initiative als Berater begleitet. Er erläutert: „Der Zusammenschluss bietet den einzelnen Organisationen die Möglichkeit des Erfahrungsaustausches und ganz wichtig, einen gewissen Schutz, in ihrem Einsatz für die Menschenrechte.“ Außerdem könne das Netzwerk wichtige Themen auf nationaler und internationaler Ebene publik machen und das zivilgesellschaftliche Friedensengagement in Kolumbien stärken. Im Dezember 2008 kehrte Christof Wünsch im Auftrag der AGEH nach Kolumbien zurück, um als Berater das Netzwerk bei seiner Arbeit in den kommenden drei Jahren zu unterstützen.